La Gomera ist die ursprünglichste der Kanarischen Inseln – eine runde, steile, tiefgrüne Insel mitten im Atlantik, 38 Kilometer vor der Küste Teneriffas. Kein Charterflugzeug landet hier direkt. Kein All-Inclusive-Resort prägt das Bild. Was die Insel hat: einen UNESCO-Nationalpark mit 20 Millionen Jahre altem Lorbeerwald, 600 Kilometer Wanderwege, schwarze Lavastrände, eine Pfeifsprache, die über Schluchten trägt, und Wale, die man vom Hafen aus sieht.

Was ist La Gomera?
La Gomera liegt im westlichen Archipel der Kanarischen Inseln, gehört zur Provinz Santa Cruz de Tenerife und ist mit 370 Quadratkilometern die zweitkleinste bewohnte Insel der Kanaren. Sie ist rund, fast kreisförmig, und besteht im Wesentlichen aus einem einzigen vulkanischen Massiv, das sich von der Küste bis zum Nationalpark Garajonay (1.487 m) in der Mitte erhebt. Von diesem Zentralplateau fallen tiefe Schluchten in alle Richtungen ab – nach Westen ins Valle Gran Rey, nach Norden nach Hermigua und Agulo, nach Süden nach Playa de Santiago.
La Gomera hat keine aktiven Vulkane – der letzte Ausbruch liegt rund zwei Millionen Jahre zurück. Was geblieben ist: ein Relief aus Steilhängen, Basaltnadeln und tiefen Barrancos, das jeden Kilometer Wanderweg zu einem anderen Erlebnis macht. Und mittendrin: der Nationalpark Garajonay, ein Lorbeerwald, der so aussieht, als hätte ihn die Kreidezeit dort zurückgelassen.
La Gomera in Zahlen
Fläche: 369,76 km² · Einwohner: ca. 22.000 · Hauptstadt: San Sebastián de La Gomera · Höchster Punkt: Alto de Garajonay, 1.487 m · Nationalpark seit: 1981 · UNESCO-Weltnaturerbe seit: 1986 · Anreise: Fähre ab Los Cristianos (Teneriffa), ca. 50 Minuten
Der Nationalpark Garajonay: 20 Millionen Jahre alter Lorbeerwald
Der Nationalpark Garajonay ist das Herzstück La Gomeras – und einer der bedeutendsten Naturräume Europas. Auf 3.984 Hektar wächst hier der am besten erhaltene Lorbeerwald (Laurisilva) der Welt: ein Waldtyp, der vor Millionen Jahren ganz Südeuropa und Nordafrika bedeckte und durch die Eiszeiten fast vollständig verschwand. Auf den Kanarischen Inseln überlebte er. Im Garajonay macht er über 85 Prozent der Parkfläche aus.
Das Klima im Park ist das der Wolken: Der Passatwind trifft auf das Hochplateau, staut sich, regnet aus. Im Park: 13 bis 15 Grad Celsius im Jahresdurchschnitt, 600 bis 900 Millimeter Niederschlag. Moose und Bartflechten bedecken die Äste. Der Bach im Barranco del Cedro – der einzige permanente Fluss der Insel – führt das ganze Jahr Wasser. Die Kapelle Ermita de Lourdes, mitten im Wald, hat einen Baum, aus dessen Stamm eine Wasserquelle tritt.

Wandern im Nationalpark Garajonay
Der Park hat 18 offizielle Wanderrouten (Ruta 1–18), alle auf Sunhikes mit kostenlosem GPX-Track dokumentiert. Der Gipfel Alto de Garajonay (1.487 m) ist an klaren Tagen Ausgangspunkt für einen Blick auf alle sieben Kanarischen Inseln gleichzeitig
Wer auf La Gomera wandert, verlässt die Straße. Die Wege folgen alten Caminos Reales – königlichen Hirtenpfaden, die die Dörfer seit Jahrhunderten verbinden. Man geht durch Lorbeerwälder, an denen Bartflechten von den Ästen hängen. Man überquert Holzbrücken über Bachlauf-Querungen im Barranco del Cedro. Man steigt auf Basaltnadelgipfeln, von denen aus Teneriffa und La Palma gleichzeitig sichtbar sind. Die Fernwanderwege GR-131 und GR-132 verbinden die ganze Insel zu einem 120 bis 140 Kilometer langen Netz
Die beliebtesten Wanderrouten auf La Gomera
Zu den absoluten Highlight-Wanderungen zählen die Wanderung von Laguna Grande über El Cercado ins Valle Gran Rey, die Einsteigertour Ruta 14 zum Alto de Garajonay und der Abstieg über Ruta 18 zum einsamen Lavastrand Playa del Cabrito.
Natur & Nationalpark: Lorbeerwald, Roques und Los Órganos
Der Nationalpark Garajonay ist nur der Anfang. La Gomera hat fünf weitere Schutzgebiete, die zusammen über 58 Prozent der Inselfläche schützen – vom Naturschutzgebiet Benchijigua am Fuß des Roque de Agando bis zu den Basaltorgeln von Los Órganos, die nur per Boot erreichbar sind.
Der Strand für jeden Typ
Familien finden an der Playa de Vueltas im geschützten Hafenbereich ruhige Bedingungen. Auch die Playa de la Cueva bei San Sebastián eignet sich für einen entspannten Strandtag. Wer Naturpools bevorzugt, ist am Charco del Conde im Valle Gran Rey oder im Parque Marítimo Vallehermoso richtig; der Zugang zum Parque Marítimo ist kostenlos. Wer vor allem Einsamkeit sucht, findet sie an der Playa del Cabrito, die nur zu Fuß oder per Boot erreichbar ist, sowie an der Playa de Alojera, die meist nur wenige Besucher hat. Für FKK bieten sich die Playa del Inglés im Valle Gran Rey und die Playa del Medio bei San Sebastián an.
Ausflüge & Aktivitäten: Wale, Paragliding, Teneriffa und Los Órganos vom Boot
Der Kanal zwischen La Gomera und Teneriffa ist eines der zuverlässigsten Whale-Watching-Gebiete Europas. Über 90 Prozent Sichtrate – ganzjährig – ist keine Werbebotschaft, sondern statistische Realität. Kurzflossen-Grindwale und Große Tümmler leben dauerhaft im Kanal; im Frühjahr kommen Pottwale und Bartenwale dazu. Alle Anbieter fahren ab Hafen Vueltas im Valle Gran Rey.
La Gomera hat mehr zu bieten als Wandern und Strand: Paragliding ab La Mérica/Arure (638 m) mit Blick ins Valle Gran Rey, Bootstouren zu Los Órganos (den nur vom Meer sichtbaren Basaltorgeln), Tauchen mit 30 bis 40 Metern Sichtweite, geführte Nationalpark-Touren (5 Stunden ab San Sebastián) und Tagesausflüge nach Teneriffa (50 Minuten per Fähre) oder La Palma.


Essen & Trinken auf La Gomera: Almogrote, Miel de Palma und der Palmhonig der Insel
La Gomera hat eine Küche, die man nicht kennt, bevor man sie isst: Miel de Palma (eingekochter Saft der Kanarischen Palme), Almogrote (würziger Käsedip aus gereiftem Ziegenkäse), Gofio und frischer Fisch direkt vom Boot.
Das legendärste Lokal der Insel: die Casa Efigenia in Las Hayas – kein gedrucktes Menü, nur ein Tisch bei Doña Efigenia, Zutaten aus dem eigenen Garten.
Highlights aus dem Magazin
Das Magazin geht noch tiefer: in die Geschichte der Bananenkultur, die La Gomeras Terrassenfelder und Pescantes geformt hat, in die Guanchen-Vergangenheit mit ihren Petroglyphen und Töpfertraditionen, zum Torre del Conde in San Sebastián – dem ältesten weltlichen Bauwerk der Insel – und zum Salto del Pastor, dem Sprung des Hirten, mit dem die Gomeros seit Jahrhunderten ihre Steilhänge bezwingen.

Agulo auf La Gomera: weiße Gassen, gläserner Abgrund
Weiße Gassen, ein Glasboden-Skywalk mit Teide-Blick und eine Kirche mit rundem Dach – Agulo gilt als schönstes Dorf der Insel.

El Silbo Gomero – die Pfeifsprache, die Schluchten überwindet:
Wie Gomeros seit Jahrhunderten über Barrancos hinweg pfeifen: UNESCO-Kulturerbe, Schulfach und ein einzigartiges Stück Inselgeschichte.

La Gomera: Insel der Hippies, Aussteiger und Wanderer:
Wie das Valle Gran Rey in den 1960ern zur Hippie-Enklave wurde – und warum es heute noch das alternativste Tal der Kanaren ist.

Valle Gran Rey – das Tal der Könige:
Valle Gran Rey auf La Gomera: schwarze Strände, Whale-Watching ab Vueltas, Hippie-Flair seit den 60ern und die besten Wanderungen ins Tal.

Seima – das verlassene Dorf:
Auf dem Weg zur Playa del Cabrito liegt ein Dorf, in dem noch Mahlsteine im Gras liegen. Stille an der einsamen Ruta 18 zur Playa del Cabrito.
Reisetipps für La Gomera: Alles für die perfekte Reiseplanung
Klein, wild, ursprünglich. La Gomera lässt sich nicht nebenbei bereisen – wer ankommt, hat sich bewusst dafür entschieden. Dieser Reisetipp liefert die Antworten: Flug und Fähre, Mietwagen, Wanderurlaub, Urlaub mit Kindern, beste Reisezeit, passende Unterkunft auf La Gomera.
Welche Region wann überzeugt. Welche Monate zum Wandern taugen, welche zum Baden. Welche Unterkunft zu welchen Plänen passt. Dazu die praktischen Fragen vor der Buchung: Anreise, Fahrzeiten, Entscheidungen, die man besser vorher trifft als hinterher bereut.
So wird aus dem La-Gomera-Urlaub kein Zufallsprodukt, sondern eine Reise, die zur Insel passt.

La Gomera: Anreise, Mobilität & beste Reisezeit
La Gomera erreicht man von Teneriffa am schnellsten mit der Fähre. Man hat die Wahl zwischen Fred. Olsen Express, Naviera Armas und Baleària. Hier vergleicht man Fahrzeiten, Preise, Fahrpläne und wichtige Tipps für die Überfahrt.
Ein Mietwagen macht La Gomera deutlich flexibler. Viele abgelegene Dörfer, Aussichtspunkte und Wanderparkplätze sind mit dem Bus nur schwer erreichbar. Wer die Insel unabhängig erkunden möchte, ist mit einem Mietwagen am besten unterwegs.
La Gomera lässt sich das ganze Jahr bereisen – entscheidend ist, was man vorhat. Zum Wandern eignen sich Oktober bis April, für Strand und Sonne Mai bis September. Wer beides verbinden möchte, findet im Herbst und Frühjahr ideale Bedingungen.
FAQ: Schnellstart-Antworten für den La-Gomera-Urlaub
Hauptweg: Fähre ab Los Cristianos (Teneriffa) mit Fred Olsen Express oder Naviera Armas, ca. 50 Minuten, mehrmals täglich. Alternativ: Inselflug mit Binter Canarias ab TFN oder LPA. Kein Direktflug aus Deutschland.
La Gomera ist ganzjährig bereisbar. Wandern: Oktober–April. Strand: Mai–September. Whale Watching: das ganze Jahr. Die beste Kombination aus allem: Oktober–November und März–April.
Ja – für alles außer San Sebastián und Valle Gran Rey. Der Nationalpark, die Wanderparkplätze, die Bergdörfer und die abgelegenen Strände sind ohne Mietwagen schwer oder gar nicht erreichbar. Es empfiehlt sich meist, den Mietwagen direkt auf La Gomera (z. B. ab Hafen San Sebastián) zu übernehmen, da das Übersetzen von Mietwagen von Teneriffa je nach Anbieter eingeschränkt sein kann.
La Gomera ist 370 Quadratkilometer groß – kleiner als Lanzarote, größer als El Hierro. Mit dem Auto umrundet man die Insel in ca. 3–4 Stunden. Mit 600 km Wanderwegen reichen 8–10 Tage nicht für alles.
Der Nationalpark Garajonay ist ein UNESCO-Weltnaturerbe (1986) im Herzen La Gomeras. Er bedeckt 3.984 Hektar und besteht zu über 85 % aus Lorbeerwald (Laurisilva) – einem Waldtyp, der vor Millionen Jahren ganz Südeuropa bedeckte und nur auf den Kanarischen Inseln überlebt hat.
El Silbo Gomero ist eine Pfeifsprache, die das Spanische durch modulierte Pfeiftöne ersetzt. Reichweite bis 14 km über Schluchten. UNESCO-immaterielles Kulturerbe seit 2009. Pflichtfach in Schulen seit 1999. Vorführungen im Besucherzentrum Juego de Bolas (Agulo).
Ja – La Gomera ist eines der besten Whale-Watching-Gebiete Europas. Über 90 % Sichtrate ganzjährig. Kurzflossen-Grindwale und Große Tümmler leben dauerhaft im Kanal. Im Frühjahr kommen Pottwale. Alle Touren ab Hafen Vueltas, Valle Gran Rey.
