La Gomera: Die Insel der Hippies, Aussteiger und Wanderer – eine Geschichte in drei Akten
Manche Inseln werden als Touristenziel entdeckt und gehen dabei verloren. La Gomera hat eine andere Geschichte. Die Insel wurde von Menschen entdeckt, die gerade das nicht wollten: keinen Tourismus, keine Infrastruktur, keine Bequemlichkeit. Hippies in den 1960ern. Aussteiger in den 1970ern. Ökopioniere in den 1980ern. Wanderer seit den 1990ern. Jede Welle hat die Insel geprägt – und keine hat sie grundlegend verändert.

Akt 1: Die Hippies – Valle Gran Rey in den 1960ern
Es gibt keine genaue Jahreszahl für den Beginn. Irgendwann in den frühen 1960er Jahren kamen die ersten jungen Europäer ins Valle Gran Rey – das tiefe Tal im Westen, das heute touristisches Zentrum der Insel ist. Damals: ein abgelegenes Bauerndorf, für die ersten Besucher oft nur über das Meer oder über beschwerliche Fußwege über die Klippen erreichbar; später kamen erste Pisten hinzu. Strom und fließendes Wasser in den Häusern waren längst keine Selbstverständlichkeit.
Was sie anzog: die Stille. Der schwarze Sand. Das Klima, das in keinem Monat des Jahres unangenehm ist. Die Playa del Inglés – einer der schönsten Strände des Valle Gran Rey – war FKK-Strand, lange bevor irgendein Tourismusbüro das erlaubte. Die sogenannte Schweinebucht ist einer der Hippie-Strände der Insel und heißt Playa de las Arenas. Diese Bezeichnung ist keine Marketingerfindung, sondern gelebte Geschichte.
Die Hippies zahlten wenig Miete, lebten bei Einheimischen, bauten Gärten. Einige blieben für immer. Die Kinder der ersten Generation betreiben heute Restaurants, Pensionen, Kunsthandwerksstände. Das Valle Gran Rey ist durch diese Welle bis heute das alternativste Tal der Kanaren geblieben.
Akt 2: Die Aussteiger – eine Insel als Gegenentwurf
In den 1970er und 1980er Jahren kamen andere. Nicht mehr die Flower-Power-Generation, sondern Menschen, die dauerhaft aussteigen wollten: aus Berufen, aus Städten, aus dem Rhythmus des Wirtschaftswunders und seiner Nachfolge. La Gomera war weit genug, um wirklich weg zu sein – und nah genug an Europa, um erreichbar zu bleiben.
Sie bauten Häuser, betrieben Landwirtschaft, gründeten kleine Betriebe. Manche schufen das Angebot, das heute Grundlage des Tourismus ist: Casas Rurales, biologische Lebensmittelläden, Yoga-Retreats, alternative Therapien. Das Kunsthandwerk der Insel – jeden Sonntag auf dem Markt neben dem Valle Gran Rey-Busbahnhof – hat seinen Ursprung teilweise in dieser Aussteiger-Generation.
Was La Gomera diesen Menschen gab: Platz. Die Insel hatte in den 1970ern kaum 15.000 Einwohner und viele verlassene Terrassenfelder. Wer arbeiten wollte, fand Land. Wer Stille wollte, fand Schluchten. Wer eine Gemeinschaft wollte, fand im Valle Gran Rey eine, die verstand, was gemeint war.
Akt 3: Die Wanderer – seit den 1990ern bis heute
Mit dem Nationalpark Garajonay (Nationalpark 1981, UNESCO 1986) und dem wachsenden Interesse an Naturtourismus kam die dritte Welle: Wanderer. Nicht Trekker im Hochgebirge, sondern Menschen, die einen Wald suchen, der noch existiert. Einen Weg, der auf Jahrzehnte alte Steinplatten verweist. Eine Schlucht, die man sich allein teilt.
Sunhikes dokumentiert diese Wanderer-Tradition mit allen 18 offiziellen Nationalpark-Routen (Ruta 1–18) und Dutzenden weiterer Touren. Die Beschreibung der Route Hermigua – Barranco del Cedro – Alto de Garajonay liest sich wie eine Liebeserklärung: Lorbeerwald-Eingang, Holzbrücken über den Bachlauf, Bartflechten an den Ästen, Gipfelaufstieg, Sieben-Inseln-Blick.
Die Sunhikes-Wanderung „Camino de Seima“ auf La Gomera zeigt eine Wegpassage auf dem Camino de Seima mit dem Teide im Hintergrund über Teneriffa. Das ist La Gomera für Wanderer: eine Insel, die mit jedem Schritt an Tiefe gewinnt.

Warum die Insel sich nicht verändert hat
Hippies, Aussteiger, Wanderer – alle drei Gruppen haben eines gemeinsam: Sie wollten La Gomera gerade so, wie es war. Keine Asphalt-Küstenstraße. Kein Direktflug. Keine großen Supermarkt-Ketten überall. Die Einheimischen, die diese Menschen aufnahmen, verstanden irgendwann, dass das, was sie hatten, etwas war. Die Fähre blieb die Fähre. Der Garajonay blieb der Garajonay.
Was La Gomera ausmacht: Die Insel ist nicht fertig. Jede Route endet mit der Frage, welche als nächstes kommt. Jedes Tal macht neugierig auf das nächste. Das ist das Geheimnis einer Insel, die drei Generationen von Idealisten angezogen hat – und noch immer anzieht.
Valle Gran Rey heute: Das Erbe lebt
Das Valle Gran Rey des Jahres 2026 ist nicht mehr das Dorf der 1960er. Aber es ist auch nicht neutral geworden. Die Avenida Marítima hat Restaurants, Bars und Pensionen. Der Kunsthandwerksmarkt läuft jeden Sonntag. Yoga-Studios werben in mehreren Sprachen. Die Alternative ist institutionalisiert – aber sie ist noch da.
Der Charco del Conde – das Naturschwimmbad in La Puntilla – ist kein gemanagtes Attraction-Becken, sondern ein Lavapool mit eigenem Ökosystem, den Jahrzehnte Hippies und Wanderer nutzten und der sich selbst erhalten hat. Der Kunsthandwerksmarkt hat Händler, die noch die erste Generation kannten. Das Tal trägt seine Geschichte sichtbar.

FAQ: Die Geschichte von La Gomera – Hippies, Aussteiger und das Erbe bis heute
Ist die Hippie-Atmosphäre noch spürbar?
Kann man auf La Gomera dauerhaft auswandern?
Für wen ist La Gomera das richtige Ziel?
Welchen Einfluss hatte die Aussteiger-Bewegung auf das heutige La Gomera?
Wie hat sich das Leben im Valle Gran Rey seit den 1960er Jahren verändert?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


