Erque und Erquito: Halbverlassene Dörfer in den Schluchten des Naturschutzgebiets Orone

Das Naturschutzgebiet Orone im Südwesten La Gomeras ist eines der am wenigsten besuchten Gebiete der Insel. In seinen tief eingeschnittenen Schluchten – dem Barranco de Erque-La Rajita und dem Barranco de la Negra – liegen drei halbverlassene Bauerndörfer: Erques, Erquito und La Rajita. Das Sunhikes-Magazin beschreibt sie im Kontext der Wanderung von Igualero nach La Rajita – einer der eindrucksvollsten Strecken des südlichen La Gomera.

Naturschutzgebiet Orone auf La Gomera.
Naturschutzgebiet Orone auf La Gomera.

Was diese Dörfer heute sind, ist ehrlicher als jede Restaurierung: Ein paar Häuser noch bewohnt, die meisten leer. Terrassenfelder teilweise noch bestellt, teilweise von Wolfsmilch und Agaven zurückerobert. Steinmauern, die Jahrhunderte gebaut wurden und langsam fallen.

Das Naturschutzgebiet Orone

Das Paisaje Protegido de Orone liegt am Südwestrand des Nationalparks Garajonay – direkt unterhalb der Hochfläche von Igualero (ca. 1.300 m). Die Schluchten fallen steil in Richtung Meer; der Vegetationswechsel ist extrem: oben Lorbeerwald und Garajonay-Hochland, unten Wolfsmilch, Palmen, Feigenbäume.

La Fortaleza über der Ergue-Schlucht, La Gomera.
La Fortaleza über der Ergue-Schlucht, La Gomera.

Der Sunhikes-Reiseführer beschreibt den unteren Teil des Barranco La Rajita als besonders artenreich – eine der botanisch vielfältigsten Stellen des südlichen La Gomeras. Gleichzeitig: ökologisch empfindlich. Kein offizieller Tourismus, keine Beschilderung, keine Infrastruktur.

Die Dörfer: Was davon übrig ist

Erques

Erques liegt auf einem Hangvorsprung oberhalb des gleichnamigen Barrancos, auf ca. 700 m Höhe. Das Dorf hat noch einige bewohnte Häuser; die alten Terrassenfelder rund um den Ort erzählen von einer Zeit, als hier Weizen, Gerste und Gemüse angebaut wurden. Heute sieht man Avocado- und Zitronenbäume neben verlassenen Feldern.

Erque, kleiner Weiler auf La Gomera, abgelegen und ursprünglich.
Erque, kleiner Weiler auf La Gomera, abgelegen und ursprünglich.

Architektonisch: traditionelle gomesische Bauweise – Bruchstein, Terrakottadächer, Holztüren. In der Mitte des Dorfes eine kleine Kapelle. Das Sunhikes-Magazin erwähnt auf der Igualero–La-Rajita-Route den Abzweig nach Erques als markiert, warnt aber: links abbiegen, nicht rechts ins Dorf – der Wanderweg führt über dem Dorf entlang, nicht hindurch.

Erquito

Erquito – wörtlich: das kleine Erque – liegt wenige Hundert Meter unterhalb. Kleiner, noch stiller, noch weniger bewohnt. Die Häuser stehen zum Teil offen; die Steinmauern der Terrassenfelder ragen aus dem Gras. Erquito ist kein Geisterdorf – es lebt noch, aber kaum.

Erquito, das kleine Erque, thront still über der tiefen Erque-Schlucht.
Erquito, das kleine Erque, thront still über der tiefen Erque-Schlucht.

La Rajita

La Rajita liegt fast auf Meereshöhe am Ende der gleichnamigen Schlucht. Einst war der Küstenort ein wichtiger Punkt für Fischerei und Verarbeitung. Heute erinnern die Ruinen der ehemaligen Fischkonservenfabrik, die seit den 1980er-Jahren verlassen ist, an diese Zeit.

Der alte Schiffsanleger und die zerfallenden Gebäude sind noch deutlich zu erkennen. Auch der historische Zick-Zack-Weg des GR-132 zieht sich oberhalb der Küste den Hang hinauf. Was heute verlassen wirkt, war einst ein deutlich belebterer Küstenpunkt.

Schiffsanleger der ehemaligen Fischkonservenfabrik an der Playa de la Rajita
Schiffsanleger der ehemaligen Fischkonservenfabrik an der Playa de la Rajita

Die Wanderung: Igualero – Erque – La Rajita

Das Sunhikes-Magazin dokumentiert die Route Igualero – La Rajita (11,1 km, 169 hm bergauf / 1.464 hm bergab, mittel–schwer) als eine der charaktervollsten Strecken der Insel. Startpunkt: Mirador de Igualero (ca. 1.300 m) – von hier aus sieht man La Fortaleza (1.231 m) und bei klarer Sicht bis La Palma.

Ehemalige Felder entlang des GR-131 von Igualero nach La Rajita auf La Gomera.
Ehemalige Felder entlang des GR-131 von Igualero nach La Rajita auf La Gomera.

Der Abstieg führt durch den GR-131, dann GR-132, an Terrassenfeldern und halbverlassenen Gehöften vorbei, durch Erque (links am Dorf vorbei), durch den Barranco-Grund mit Wolfsmilch und Palmen, bis La Rajita und dem Strand.

Ein Zick-Zack-Weg windet sich hinab in den Barranco de la Negra bis zur Punta la Sabinilla.
Ein Zick-Zack-Weg windet sich hinab in den Barranco de la Negra bis zur Punta la Sabinilla.

Der Blick auf Arguayoda oberhalb des Barranco de la Rajita mit La Dama im Hintergrund, der Wegverlauf des GR-132 am Punta Gorda und der Zick-Zack-Weg oberhalb der Fischkonservenfabrik gehören zu den prägenden Ausblicken dieser Wanderung.

Praktische Hinweise

Wanderung: Igualero – La Rajita ist anspruchsvoll und erfordert gute Kondition und Trittsicherheit.

Rückfahrt: Die Rückfahrt von La Rajita oder La Dama muss vorab organisiert werden, etwa mit einem Mietwagen-Shuttle.

Beste Zeit: Oktober bis April. Im Sommer kann sich in den tiefen Schluchten extreme Hitze stauen.

Ausrüstung: Mindestens 3 Liter Wasser pro Person mitnehmen.

Unterwegs gibt es keine Versorgung. Ein Offline-GPS ist für die abgelegene Strecke dringend empfehlenswert.

FAQ

Kann man in Erque oder Erquito übernachten?

Keine offiziellen Unterkünfte. Vereinzelt private Vermietung möglich – vor Ort nachfragen, auf Spanisch. Wer in der Region nächtigen will: La Dama oder Playa de Santiago als nächste Versorgungsorte.

Ist das Naturschutzgebiet Orone frei zugänglich?

Ja – kein Eintrittsgeld, keine Genehmigung. Aber: kein offizieller Tourismusapparat. Wege teilweise schlecht beschildert; GPS Pflicht. Das Gebiet ist ökologisch sensibel – keine Abkürzungen durch Vegetation.

Gibt es in La Rajita noch Spuren der alten Fischerei?

Ja. Die Ruinen der ehemaligen Fischkonservenfabrik und der alte Schiffsanleger erinnern daran, dass La Rajita einst ein deutlich belebterer Küstenort war. Heute liegen die Gebäude verlassen am Meer – ein spannender Kontrast zur abgeschiedenen Stille des Barrancos.

Wie anspruchsvoll ist die Wanderung von Igualero nach La Rajita?

Die Strecke ist anspruchsvoll. Der Weg führt über rund 1.400 Höhenmeter bergab und durch teilweise abgelegene Schluchten. Trittsicherheit, gute Kondition, ausreichend Wasser und ein Offline-GPS gehören unbedingt zur Ausrüstung. Besonders im Sommer kann die Hitze im unteren Barranco sehr belastend werden.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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