Valle Gran Rey: Das Tal der Könige und der Hippies
Wenn man auf La Gomera nach dem touristischen Zentrum fragt, bekommt man eine eindeutige Antwort: Valle Gran Rey. Das tiefe Tal an der Westküste der Insel ist seit den 1960er Jahren das Ziel alternativer Reisender – und hat dieses Flair, trotz Hotels und Tauchbasen, bis heute bewahrt.

Was Valle Gran Rey ausmacht: Schwarze Sandstrände direkt am Ort, Whale-Watching ab dem kleinen Hafen Vueltas, Sonnenuntergänge über dem Atlantik, und ein Lebensrhythmus, der sich dem Besucher fast aufdrängt: langsamer, ruhiger, entspannter als anderswo. Vor allem Deutsche sind es, die hier Urlaub machen – die Verbindung ist seit Jahrzehnten so stark, dass viele Angestellte in Tourismus und Gastronomie fließend Deutsch sprechen.
Das Tal und seine Ortsteile
„Valle Gran Rey“ ist kein Dorf – es ist ein System von Ortsteilen, die sich entlang des tiefen Barrancos und der Küstenlinie verteilen:
La Calera – Das Verwaltungszentrum
Auf halber Höhe, an der Hangflanke, liegt La Calera – das administrative Zentrum des Valle Gran Rey. Busbahnhof, Apotheke, Post, Rathaus, der wöchentliche Kunsthandwerksmarkt (jeden Sonntag). Weiße Fassaden, enge Gassen, echtes Dorfleben neben dem Tourismus.
La Playa / Playa de la Calera
Der beliebteste Ortsteil für Urlauber: La Playa (auch: Playa de la Calera) liegt direkt am gleichnamigen schwarzen Sandstrand. Strandpromenade, Hotels, Restaurants, Tauchbasen – alles auf engstem Raum, aber ohne Massen-Tourismusgefühl.

Vueltas – Der Hafen
Vueltas ist der Hafen des Valle Gran Rey. Fischerboote, Yachten und Whale-Watching-Anbieter prägen das Bild. Auch die Fährverbindung zwischen San Sebastián und Valle Gran Rey nutzt den Hafen beziehungsweise die Mole von Vueltas, wobei der Fahrplan und die tatsächliche Durchführung des Schiffsdienstes variieren können. Abends sitzen Urlauber und Einheimische in den Restaurants an der Hafenpromenade, morgens laufen die Boote zur Wal- und Delfinbeobachtung aus.

La Puntilla
Die La Puntilla bildet den zentralen Küstenortsteil zwischen La Playa und Vueltas. Entlang der Avenida Marítima liegen Sitzgelegenheiten, eine Statue des Widerstandsführers gegen die Konquistadoren und direkt daneben der Charco del Conde. Die Promenade verbindet die einzelnen Ortsteile und ist besonders am späten Nachmittag ein schöner Platz für einen Spaziergang.

Die Strände des Valle Gran Rey
Playa del Inglés
Der bekannteste Strand: schwarzer Sand, hohe Steilwand im Rücken, Dünen, FKK-Bereich seit den 1970er Jahren. Die Playa del Inglés ist etwa 10 Gehminuten von La Playa entfernt und deutlich ruhiger und wilder als der Hauptstadtstrand. Atlantikwellen – an windigen Tagen stärker, Warnflaggen beachten.

Playa de la Calera (La Playa)
Der zentrale Badestrand des Valle Gran Rey liegt direkt an der Promenade von La Playa: schwarzer Sand, Strandbar, Liegeplätze, Hotels direkt dahinter. Familienfreundlicher als der Playa del Inglés. Im Sommer belebter.

Playa de Vueltas
Am Hafen Vueltas liegt ein kleiner, familienfreundlicher Strand mit Mole – geschützt und ruhig, weil der Hafen den Wellengang bricht. Ideal für Kinder, für Schwimmen ohne Wellen.

Charco del Conde
An der Punta La Puntilla liegt der Charco del Conde – ein natürliches Becken mit Mole, das durch Felsformationen vom offenen Meer getrennt ist. Das Wasser ist klar, das Ökosystem besonders (Seegras, Krebstiere, kleine Fische). Familienfreundlich; auch für Schnorchler interessant.

Die Hippie-Geschichte des Valle Gran Rey
Ab Mitte der 1960er Jahre entdeckten europäische Aussteiger, Rucksacktouristen und Anhänger der Flower-Power-Bewegung das abgelegene Valle Gran Rey. La Gomera hatte damals noch keine Straße, die das Tal von der Hauptstadt aus in akzeptabler Zeit erreichbar machte – was es zu einem natürlichen Refugium machte.
Man baute einfache Unterkünfte, lebte von Fisch und Obst, genoss die schwarzen Strände und die Freiheit. Dieses Flair hat sich bis heute erhalten – nicht als Kulisse, sondern als echte Substanz. Der Kunsthandwerksmarkt jeden Sonntag, die alternativen Läden, die gemeinsamen Sundownder am Strand: Valle Gran Rey ist kein normaler Badeort.
Whale-Watching ab Vueltas
Vor der Westküste La Gomeras konzentrieren sich Wale und Delfine das ganze Jahr über. Große Tümmler und Kurzflossen-Grindwale (Pilotwale) gehören zu den regelmäßig anzutreffenden Arten. Mit etwas Glück lassen sich im Frühjahr auch Pottwale oder durchziehende Bartenwale beobachten. Im Sommer und Herbst zeigen sich zudem häufig Rauzahndelfine oder Fleckendelfine.
Die Sichtungswahrscheinlichkeit ist bei den Ausfahrten sehr hoch, eine bestimmte Tierart kann jedoch nie garantiert werden. Ab dem Hafen Vueltas fahren mehrere Anbieter zu den Beobachtungsgebieten vor der Westküste.

Ab dem Hafen Vueltas fahren täglich mehrere Anbieter hinaus – mit einer Sichtungsrate von über 90 %. Buchung direkt am Hafen oder bei:
| Anbieter | Kontakt / Telefon | Besonderheit / Startpunkt |
| OCEANO Gomera | +34 660 294 487 (WhatsApp / Telegram) | Sanftes, biologisch begleitetes Whale-Watching, kleine Gruppen, Start ab Hafen Vueltas |
| Excursiones Tina | +34 922 805 885 | Etablierter Klassiker mit großem Boot (oft mit Unterwasserfenstern), Start ab Hafen Vueltas |
| Speedy Gomera / Pura Vida | +34 608 167 501 | Schnelles, dynamisches Festrumpfschlauchboot (RIB) für kleine Gruppen, Start ab Hafen Vueltas |
| Excursiones Yani | +34 610 803 762 | Beliebte Küsten- und Walbeobachtungstouren, Start direkt am Hafen Vueltas |
Bei verantwortungsvollen Anbietern sollte man auf das offizielle „Barco Azul“-Zeichen achten. Es steht für die Einhaltung der kanarischen Vorgaben zur verantwortungsvollen Beobachtung von Meeressäugern.
Whale-Watching-Tipp:
Die Boote haben je nach Anbieter nur eine begrenzte Zahl an Plätzen. Wer zu einer bestimmten Zeit fahren möchte, sollte die Tour am besten ein bis zwei Tage vorher buchen – oder direkt am Hafen nach freien Plätzen fragen.
Mirador del Palmarejo (César Manrique)
Ca. 2 km oberhalb von Arure liegt der spektakuläre Mirador del Palmarejo (César Manrique), der vom berühmten kanarischen Künstler und Architekten César Manrique (1919–1992) entworfen wurde. Sein Design fügt sich harmonisch in die Landschaft ein. Von hier aus genießt man einen der bekanntesten Ausblicke auf La Gomera: Tief unten öffnet sich das Valle Gran Rey mit seinen Terrassenfeldern, darüber ragen die steilen Berghänge auf, während sich dahinter der Atlantik bis zum Horizont zieht.

Hinweis: Das frühere Panorama-Restaurant im Inneren des Aussichtspunktes ist geschlossen. Der Mirador selbst ist frei zugänglich und lohnt einen kurzen Stopp auf der Fahrt über Arure.
Wandern ab Valle Gran Rey
Valle Gran Rey ist einer der wichtigsten Wanderstartpunkte der Insel. Die Abstiege aus dem Nationalpark Garajonay enden hier; der GR-132 (Inselrundweg) durchquert das Tal. Besonders empfehlenswert: der Abstieg von La Laguna Grande durch El Cercado ins Tal (9,4 km, schwer), der Arure-Abstieg über den Barranco de Arure mit dem Wasserfall Salto de Agua, und der Mirador Manrique als Kombination mit kurzem Abstieg.

Wandertipp: Der Abstieg ins Tal
Wer aus dem Hochland – etwa von La Laguna Grande oder Arure – ins Valle Gran Rey absteigt, erlebt einen besonders eindrucksvollen Landschaftswechsel. Die Wege führen durch steile Schluchten und vorbei an alten Terrassenfeldern hinunter zur Küste. Für die teilweise steilen und unebenen Passagen sind gute Wanderschuhe und Wanderstöcke eine sinnvolle Unterstützung.
Sonntagsmarkt in La Calera
Der Kunsthandwerksmarkt in La Calera findet sonntags neben dem Busbahnhof statt. Neben schönem handgefertigtem Kunsthandwerk findet man dort auch regionale Produkte und typische Souvenirs – darunter Miel de Palma, den traditionellen Palmensaft-Sirup La Gomeras.
Kulinarisches Souvenir: Miel de Palma
Miel de Palma ist einer der typischen kulinarischen Schätze La Gomeras. Der dunkle, aromatische Sirup wird aus dem Saft der Kanarischen Dattelpalme gewonnen und traditionell eingekocht. Er passt hervorragend zu Ziegenkäse, Eis oder Pfannkuchen. Auf dem Sonntagsmarkt in La Calera findet man ihn ebenso wie andere regionale Produkte.
Anreise mit der Fähre
Wer die kurvenreiche Anfahrt über die Insel vermeiden möchte, kann Valle Gran Rey auch per Schiff von San Sebastián erreichen. Der Fährdienst wird je nach aktuellem Fahrplan und Saison angeboten beziehungsweise teilweise durch einen Bustransfer ergänzt. Vor der Fahrt sollte man deshalb unbedingt den aktuellen Fahrplan prüfen.
Praktische Tipps
Bus: Guagua Gomera Linie 1 verbindet San Sebastián mit Valle Gran Rey (ca. 1 Std.).
Parken: In La Calera und Vueltas gibt es Parkplätze, die jedoch besonders in der Hauptsaison knapp sind. Am besten möglichst früh ankommen.
Baden: Die Playa de Vueltas ist durch die Hafenmole besonders gut geschützt. An der Playa del Inglés können dagegen kräftige Wellen und Strömungen auftreten – Warnflaggen beachten.
FAQ: Valle Gran Rey – Strände, Wandern und Whale-Watching
Warum heißt es „Valle Gran Rey“?
Wann ist die beste Zeit für Valle Gran Rey?
Was kann man mit Kindern in Valle Gran Rey machen?
Was sollte man in Valle Gran Rey gesehen haben?
Kann man von Valle Gran Rey aus Wale und Delfine beobachten?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


