Naturpark Majona: Das wildeste und einsamste Gebiet La Gomeras

Wenn Wanderer auf La Gomera von dem Gebiet sprechen, das sie noch nicht kennen – dann meinen sie meistens den Naturpark Majona. Das stimmt meistens. Majona liegt im Nordosten der Insel, ist das abgelegenste Schutzgebiet La Gomeras und wird von kaum einem Reiseführer ernsthaft beschrieben. Es gibt keinen Parkplatz, kein Restaurant, kein Besucherzentrum, keinen Ranger – nur eine alte Schotterpiste und den GR-132.

Wanderweg im Naturpark Majona, La Gomera.
Wanderweg im Naturpark Majona, La Gomera.

Was es dafür gibt: Tiefe Barrancos, die seit Jahrzehnten kaum von Menschenhand berührt wurden. Kanarische Kiefern, die das Bild der Hochlagen prägen. Und gute Chancen, verschiedene Schmetterlingsarten zu entdecken. Dazu kommt eine Stille, die man in Valle Gran Rey oder La Laguna Grande nicht kaufen kann.

Steckbrief

SchutzstatusParque Natural (Naturpark)
LageNordosten La Gomeras
ZugangNur über alte Schotterpiste ab der Enchereda-Höhen; GR-132
CharakterTiefe Barrancos (Majona, Juel), Kiefernwald, Lorbeerwald-Reste im Barrancoboden
InfrastrukturKeine – kein Parkplatz, kein Restaurant, kein Besucherzentrum
HauptwanderrouteGR-132 (Teilabschnitt durch das Gebiet)
Bekannte FaunaVerschiedene Schmetterlingsarten, darunter Danaus chrysippus und Danaus plexippus
Bekannte FloraKanarische Kiefer, Phönizischer Sadebaum, Ölbaum, Laurisilva-Reste
BesucherfrequenzSehr gering – eines der am wenigsten besuchten Gebiete der Insel

Was Majona vom Nationalpark unterscheidet

Der Nationalpark Garajonay schützt die Lorbeerwald-Hochlagen der Inselmitte. Der Naturpark Majona schützt etwas anderes: die nordöstliche Gebirgslandschaft mit einer Vegetation, die sich fundamental vom Garajonay-Lorbeerwald unterscheidet.

Montaña Jaragán in der Gebirgslandschaft des Naturparks Majona.
Montaña Jaragán in der Gebirgslandschaft des Naturparks Majona.

Während im Nationalpark die Bäume mit Moosen bedeckt sind und Farne den Boden überziehen, prägen in Majona je nach Höhenlage und Exposition Kanarische Kiefern (Pinus canariensis), Felsvegetation und trockene Buschgesellschaften das Bild. In geschützten Bereichen wachsen unter anderem Phönizischer Sadebaum (Juniperus phoenicea) und weitere an die trockeneren Bedingungen angepasste Pflanzenarten. Erst in den feuchteren Barrancos und Schluchten tauchen wieder Reste der Laurisilva auf.

Diese Kombination aus Kiefernwald, Felsenvegetation und tief eingeschnittenen Barrancos schafft eine Artenvielfalt, die sich von der des Nationalparks unterscheidet und ergänzt. Majona ist kein minderwertiger Nationalpark – es ist eine andere Welt.

Die zwei Barrancos: Majona und Juel

Das Herzstück des Naturparks sind zwei tiefe Schluchten:

Barranco de Majona

Der Barranco de Majona schneidet vom Hochland der Enchereda-Höhen (ca. 1.000 m) bis zur Nordostküste hinunter. Er ist einer der tiefsten und wildesten Barrancos der Insel – kaum erschlossen, mit steilen Flanken und einer Vegetation, die von menschlichem Einfluss weitgehend unberührt geblieben ist.

Panorama: Barranco de Majona mit Blick auf den Atlantik.
Panorama: Barranco de Majona mit Blick auf den Atlantik.

Im Barrancoboden wachsen die letzten Lorbeerwald-Fragmente: Tile und Laurus in einer Umgebung aus Kiefern und Felsen. Ein ökologisches Mosaik, das die Übergangszone zwischen Lorbeerwald und Trockenvegetation zeigt.

Barranco de Juel

Direkt neben dem Majona-Barranco liegt der Barranco de Juel – ebenfalls tief und unzugänglich. Beide Barrancos öffnen sich zur Nordostküste, die von der Straße aus nicht erreichbar ist. Die einzige Möglichkeit, diese Küstenabschnitte zu sehen: zu Fuß über den GR-132 oder per Boot.

Die Schmetterlinge Majonas

Was Majona in der Naturkunde-Literatur hervorhebt, ist seine außergewöhnliche Schmetterlingsdichte. Zwei Arten sind besonders charakteristisch:

  • Kleiner Monarch (Danaus chrysippus) – orange-schwarz; migratorische Art, die von Afrika aus die Kanaren besiedelt hat; besonders im Herbst in großen Schwärmen; kommt in der trockeneren Vegetation Majonas besonders häufig vor.
  • Goldene Danaida (Danaus plexippus) – der „Monarch-Schmetterling“ der Kanaren; größere Art; orange-schwarz-weiß; wandert ebenfalls und bildet im Herbst Kolonien auf La Gomera. Beide Arten bevorzugen offene, trockene Vegetation mit Blütenpflanzen – genau das Profil Majonas.
Monarchfalter im Naturpark Majona, La Gomera.
Monarchfalter im Naturpark Majona, La Gomera.

Zugang und Wandern in Majona

Majona ist das am schwierigsten zugängliche Schutzgebiet La Gomeras. Es gibt keine asphaltierten Straßen und keinen öffentlichen Parkplatz direkt im Gebiet. Zugangswege:

  • GR-132 (Inselrundweg): Führt durch den Nordosten der Insel und tangiert Majona. Der Abschnitt ist einer der einsamsten des gesamten GR-132 – kaum Wanderer, kaum Infrastruktur. Ideal für erfahrene Wanderer mit guter Navigation.
  • Alte Schotterpiste ab Enchereda (GM-2-Nebenstrecke): Nur für Geländefahrzeuge empfohlen; bei Regen unpassierbar. Führt in die Hochlagen des Naturparks.

Was man braucht: GPS-Track offline, ausreichend Wasser (keine Quellen im zugänglichen Bereich), Wanderkenntnis. Majona ist kein Anfänger-Gebiet.

Sicherheitshinweis für Wanderer:

Der Naturpark Majona ist ein abgelegenes und wenig erschlossenes Wandergebiet. In tiefer eingeschnittenen Barrancos kann der Mobilfunkempfang eingeschränkt oder vollständig unterbrochen sein, gleichzeitig sind nur wenige Wanderer unterwegs. Verlässliches Offline-Kartenmaterial, ein GPS-Track und ein vollständig geladenes Handy gehören deshalb unbedingt zur Ausrüstung. Eine Powerbank ist für längere Touren ebenfalls sinnvoll.
Besonders wichtig ist eine sorgfältige Tourenplanung: ausreichend Wasser, stabile Wanderschuhe und ein realistischer Zeitplan sind in diesem abgelegenen Teil La Gomeras wichtiger als auf den stärker frequentierten Wanderwegen rund um den Nationalpark Garajonay.

Flora: Der Übergang von Lorbeerwald zu Kiefernwald

Die Vegetation Majonas zeigt den vollständigen Übergang zwischen den zwei großen Waldtypen La Gomeras:

VegetationszoneArtenCharakteristik
Kiefernkämme und höhere LagenKanarische Kiefer (Pinus canariensis)An Höhenlage und Trockenheit angepasst
Trockene HängeKiefern und heimische BuschvegetationSonnig, trocken und windexponiert
Felsbänder + SteilhängePhönizischer Sadebaum (Juniperus phoenicea)Langsam wachsend und windbeständig
Trockene UnterhängeÖlbaum (Olea europaea) und BuschvegetationTeilweise kulturhistorisch geprägt
BarrancobodenLaurisilva-Fragmente wie Til und LorbeerFeuchtere Refugien mit hoher ökologischer Bedeutung

Der Kanarische Kiefernwald ist besonders bemerkenswert. Die Kanarische Kiefer (Pinus canariensis) ist eine auf den Kanarischen Inseln heimische Art und auf La Gomera deutlich seltener als auf den größeren Nachbarinseln. Im Naturpark Majona prägt sie Teile der höheren und trockeneren Lagen und bildet damit einen starken landschaftlichen Kontrast zu den feuchten Lorbeerwäldern des Garajonay.

Kanarische Kiefer im Naturpark Majona, La Gomera.
Kanarische Kiefer im Naturpark Majona, La Gomera.

Warum Majona kaum bekannt ist

Ein Paradox: Majona ist das abgelegenste Schutzgebiet La Gomeras und gleichzeitig eines der ökologisch interessantesten. Der Grund für seine relative Unbekanntheit ist schlicht seine Unzugänglichkeit. Keine Busverbindung, kein Parkplatz, keine geführten Touren, kein Café nach der Wanderung.

Das ist gleichzeitig sein größtes Asset: Wer Majona besucht, hat die Barrancos, die Schmetterlinge und die Kiefer-Kämme für sich allein. Es ist das Gegenteil von La Laguna Grande.

FAQ –  Häufig gestellte Fragen zum Naturpark Majona

Kann man Majona auch ohne Mietwagen erreichen?

Mit dem GR-132 ja – allerdings nur als Streckenabschnitt eines mehrtägigen Wanderwegs oder als sehr lange Tageswanderung ab San Sebastián. Mit dem Mietwagen bis zur Enchereda-Höhe und dann zu Fuß auf dem GR-132 ist realistischer für Tagesbesucher.

Gibt es Wanderführer speziell für Majona?

Keine eigenständigen. Das Gebiet ist Teil des GR-132-Abschnitts auf Sunhikes und im Cabildo-Wanderführer für La Gomera enthalten. GPS-Track ist Pflicht; der Bereich ist nicht so gut beschildert wie der Nationalpark.

Wann sieht man die Schmetterlinge?

Die beste Zeit für Afrikanische Königsschmetterlinge und Goldene Danaida ist September bis November – wenn die Herbst-Wanderbewegung aus Afrika stattfindet und Schwärme auf den Kanaren rasten.

Gibt es im Naturpark Majona Mobilfunkempfang?

In vielen tief eingeschnittenen Barrancos und abgelegenen Schluchten des Naturparks Majona ist kein oder nur sehr schlechter Mobilfunkempfang vorhanden. Man sollte sich keinesfalls darauf verlassen, im Notfall telefonieren oder online Hilfe rufen zu können. Ein offline verfügbares GPS-Gerät oder eine entsprechende Navigations-App ist daher unverzichtbar.

Was sollte man bei einer Wanderung in Majona bezüglich der Witterung beachten?

Der Nordosten La Gomeras ist stark dem Passatwind ausgesetzt, der oft feuchte Wolken und Nebel an die Hänge treibt, während es auf der Südseite sonnig ist. Auf den offenen Kämmen kann es dadurch empfindlich frisch und windig werden, während in den tiefen Barrancos ein Hitzestau entstehen kann. Zwiebellook (inklusive windfester Jacke) und Regenschutz gehören daher – trotz des oft trockenen Gesamteindrucks – immer ins Gepäck.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

Sunhikes.com