Natur & Nationalpark Garajonay: Ein Urwald, der älter ist als die Insel selbst
Nebelgrau. Moosbedeckt. Lautlos. Man betritt den Nationalpark Garajonay und versteht sofort, warum die UNESCO hier kein Weltkulturerbe, sondern ein Weltnaturerbe vergeben hat. Dieser Lorbeerwald ist kein Ökosystem unter Schutz – er ist ein lebendes Fossil. Ein Waldtyp, der vor 20 Millionen Jahren ganz Südeuropa und Nordafrika bedeckte, durch die Eiszeiten fast vollständig verschwand und nur auf den Kanarischen Inseln überlebte. Im Garajonay macht er über 85 Prozent der Parkfläche aus.
Lorbeerwald, Vulkankegel und der einzige Fluss La Gomeras
Der Nationalpark Garajonay ist seit 1981 Nationalpark und seit 1986 UNESCO-Weltnaturerbe. 3.984 Hektar, 800 bis 1.487 Meter Höhe, 18 offizielle Wanderrouten. Der Alto de Garajonay (1.487 m) bietet an klaren Tagen Blick auf Teneriffa, im Westen ragt La Palma aus dem Atlantik, im Südwesten zeigt sich El Hierro. Der Bachlauf im Barranco del Cedro – einziger permanenter Fluss der Insel – führt das ganze Jahr Wasser. Die vier Vulkankegel Los Roques ragen wie Wächter aus dem Relief. Und Los Órganos – eine Basaltsteilwand aus Tausenden prismatischer Säulen – ist ausschließlich per Boot erreichbar. La Gomera schützt 58 Prozent seiner Fläche. Das spürt man bei jedem Schritt.
Natur & Nationalpark Garajonay: Der komplette Naturführer für La Gomera

La Gomera ist mehr als eine Wanderinsel. Sie ist eine der natürlich am dichtesten geschützten Inseln der Kanaren: fast 58 % der Fläche stehen unter irgendeiner Form von Naturschutz – vom strikten Nationalpark bis zum Landschaftsschutzgebiet. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer außergewöhnlichen ökologischen Geschichte.
Nationalpark Garajonay: Lorbeerwald, Wanderwege & Infos

Im Zentrum La Gomeras liegt ein Wald, der älter ist als die Insel selbst – zumindest in seiner Art. Der Parque Nacional de Garajonay schützt einen der bedeutendsten und am besten erhaltenen Lorbeerwälder Europas: 3.984 Hektar, über 85 % Laurisilva, UNESCO-Weltnaturerbe seit 1986.
Der Lorbeerwald La Gomeras: Ein Relikt aus dem Tertiär

Vor 20 Millionen Jahren war Europa ein anderes: warm, feucht, bewaldet mit subtropischen Wäldern aus Lorbeerbäumen, Ficus-Arten und Palmen. Dann kamen die Eiszeiten – und dieser Wald verschwand fast vollständig. Fast.
La Laguna Grande: Herz des Nationalparks und bester Ausgangspunkt

Wer La Gomeras Nationalpark verstehen will, fährt zuerst nach La Laguna Grande. Auf 1.100 m Höhe, mitten im Herzen der Insel, liegt dieser natürliche Treffpunkt: Restaurant, Kinderspielplatz, Ranger, Parkplatz, Grillplätze, Informationszentrum – und sieben Wanderrouten, die direkt ab hier starten.
El Cedro: Nebelwald, Fluss und das einzige Dorf im Nationalpark

Tief im Nationalpark Garajonay, auf ca. 900 m Höhe an der Nordseite der Insel, liegt El Cedro – das einzige bewohnte Dorf innerhalb des Nationalparks. Kein Straßenanschluss. Kein Mobilfunknetz (meistens). Kein Supermarkt. Nur: dichter Nebelwald, der einzige permanente Fluss La Gomeras, ein Campingplatz, ein Restaurant und eine Stille, die man in wenigen anderen Orten der Insel findet.
El Chorro del Cedro: Der höchste Wasserfall La Gomeras

Wasser fällt senkrecht über eine begrünte Felswand in die Tiefe – fast 150 Meter. Der Chorro del Cedro ist der höchste Wasserfall La Gomeras und einer der eindrücklichsten der gesamten Kanarischen Inseln. Er liegt im Nationalpark Garajonay, ist von mehreren Wanderwegen aus sichtbar und hat eine Eigenschaft, die ihn von vielen anderen Wasserfällen unterscheidet: Er fließt nicht immer.
Alto de Garajonay: 1.487 m – Gipfelblick auf alle Kanarischen Inseln

An klaren Morgen steht man auf dem Alto de Garajonay (1.487 m) und sieht sie alle: Den Teide auf Teneriffa (3.715 m) erhebt sich über dem Wolkenmeer. La Palma mit der Caldera de Taburiente liegt im Nordwesten. El Hierro ragt aus dem Atlantik im Südwesten. Gran Canaria schimmert im Osten.
Juego de Bolas: Silbo, Guanchen und Botanischer Garten

Am Rand des Nationalparks Garajonay, bei Agulo an der Nordküste La Gomeras, liegt das zweite Besucherzentrum des Parks: Juego de Bolas. Es hat ein anderes Profil als La Laguna Grande: Weniger Wanderstarter, mehr Kultur. Ethnografisches Museum, Botanischer Garten mit endemischen Pflanzen, Silbo-Vorführungen, Ausstellung über die Guanchen – und gute gomesische Küche in der Cafetería.
Flora und Fauna im Nationalpark Garajonay

Über 450 Gefäßpflanzenarten, mehr als 1.000 Tierarten, davon über 150 endemisch: Der Nationalpark Garajonay ist eines der artenreichsten Schutzgebiete Europas – und das auf einer Fläche von nur knapp 4.000 Hektar. Inzwischen sind im Nationalpark insgesamt mehr als 3.300 Arten bekannt. Besonders auffällig ist die hohe Zahl spezialisierter und endemischer Arten, vor allem bei den Wirbellosen. Der Nationalpark Garajonay ist eines der artenreichsten Schutzgebiete Europas – und das auf einer Fläche kleiner als die Stadt Mannheim. Was der Lorbeerwald an Biodiversität bietet, ist unverhältnismäßig reich für seine Größe.
Naturpark Majona: Das wildeste und einsamste Gebiet La Gomeras

Wenn Wanderer auf La Gomera von dem Gebiet sprechen, das sie noch nicht kennen – dann meinen sie meistens den Naturpark Majona. Das stimmt meistens. Majona liegt im Nordosten der Insel, ist das abgelegenste Schutzgebiet La Gomeras und wird von kaum einem Reiseführer ernsthaft beschrieben. Es gibt keinen Parkplatz, kein Restaurant, kein Besucherzentrum, keinen Ranger – nur eine alte Schotterpiste und den GR-132.
Naturschutzgebiet Benchijigua: Botanisches Paradies unter dem Roque de Agando

Unterhalb des Roque de Agando öffnet sich ein Tal, das sich von allen anderen Gebieten La Gomeras unterscheidet. Das Barranco de Benchijigua und das gleichnamige Naturschutzgebiet (Reserva Natural Integral de Benchijigua) beherbergen die botanisch reichste Flora der gesamten Insel – eine Mischung aus wilden Obstbäumen, Palmhainen, Agaven und Lorbeerwald-Fragmenten, die nirgends sonst in dieser Dichte zu finden ist.
La Fortaleza: Naturdenkmal, Tafelberg und Guanchen-Kultstätte

Von der Straße bei Chipude sieht er aus, als hätte ihn jemand mit einem geraden Schnitt abgetrennt: Der Tafelberg La Fortaleza de Chipude ragt als flache Basaltscheibe mit senkrechten Wänden aus dem Hochland der Insel – 1.231 m hoch, mit einem Plateau von ca. 1 km Durchmesser, und rundum von fast senkrechten Felswänden begrenzt.
Chorros de Epina: Die magischen Quellen am Rand des Nationalparks

Es gibt Orte auf La Gomera, die nicht wegen ihrer Architektur oder ihrer Geschichte bekannt sind, sondern wegen einer Eigenschaft, die sich schwer in Worte fassen lässt. Chorros de Epina ist einer davon. Bergquellen, eine kleine Kapelle, alte Steintreppen, Flechten an Baumrinden, das Rauschen von Wasser. Und eine Legende, die seit Generationen weitererzählt wird: Das Wasser dieser Quellen soll Heilkraft besitzen.
Miradores de los Roques: Die vier Vulkankegel – Wahrzeichen La Gomeras

Vier Felsen. Vier Basaltturme, die aus dem Lorbeerwald des Nationalparks aufragen, als hätte jemand Stöpsel in die Insel gesteckt. Der Roque de Agando (1.250 m), der Roque de la Zarcita (1.230 m), der Roque de Ojila (1.170 m), der Roque de Carmona (1.103 m) – zusammen bilden sie das Monumento Natural de los Roques, das geologische Wahrzeichen La Gomeras. Und an der GM-2, der Nationalpark-Querstraße, liegen die Miradores de los Roques – die Aussichtspunkte, von denen aus man alle vier gleichzeitig sieht.
Los Órganos: Die Basaltsäulen, die man nur vom Meer aus sehen kann

An der Nordwestküste La Gomeras, zwischen Vallehermoso und dem abgelegensten Dorf der Insel – Arguamul – ragt eine Felsformation aus dem Atlantik, die kein Mietwagen und kein Wanderweg erreicht: Los Órganos. Senkrechte Basaltsäulen, dicht gepackt, bis zu 80 m hoch, wie Orgelpfeifen aufgereiht. Von Land aus: nur als Silhouette am Horizont zu erahnen, von Arguamul und Guillama in der Ferne sichtbar. Wer sie wirklich sehen will, muss aufs Boot.
Erque und Erquito: Halbverlassene Dörfer in den Schluchten des Naturschutzgebiets Orone

Das Naturschutzgebiet Orone im Südwesten La Gomeras ist eines der am wenigsten besuchten Gebiete der Insel. In seinen tief eingeschnittenen Schluchten – dem Barranco de Erque-La Rajita und dem Barranco de la Negra – liegen drei halbverlassene Bauerndörfer: Erques, Erquito und La Rajita. Das Sunhikes-Magazin beschreibt sie im Kontext der Wanderung von Igualero nach La Rajita – einer der eindrucksvollsten Strecken des südlichen La Gomera.
Playa del Remo und El Barquillo: Zwei wilde Felsbuchten am Ende der Welt

Das Sunhikes-Magazin dokumentiert diese Buchten im Rahmen der Küstenwanderung Guillama – Baja de los Roques mit einer kompletten Bilderserie: 26 Bilder, die eine der eindrucksvollsten Küstenlandschaften La Gomeras zeigen.
Cumbre de Chijere: Der malerische Bergrücken über Vallehermoso

Die Cumbre de Chijere zählt zu den abwechslungsreichsten Wanderzielen oberhalb von Vallehermoso. Der Bergrücken liegt direkt über dem Nordwestort und verbindet weite Ausblicke mit einer außergewöhnlich kargen Landschaft. Immer wieder eröffnen sich Ausblicke auf den Roque Cano, das Wahrzeichen Vallehermosos, den Nationalpark Garajonay und die Nordküste, die sich bis weit hinaus auf den Atlantik erstreckt.