Playa del Remo und El Barquillo: Zwei wilde Felsbuchten am Ende der Welt

An der Nordwestküste La Gomeras, unterhalb von Arguamul – dem abgelegensten Dorf der Insel – liegen zwei Felsbuchten, die in keinem Strandführer stehen: Playa del Remo und El Barquillo. Strände im wörtlichen Sinne sind sie nicht. Kein Sand, keine Infrastruktur, kein Baden. Was sie sind: raue Felsbuchten mit Blick auf die vorgelagerten Basaltformationen, erreichbar nur über eine anspruchsvolle Wanderung und von einer Wildheit, die man auf La Gomera kaum ein zweites Mal findet.

Blick auf die vorgelagerte Felsgruppe Calado de los Roques bei Guillama
Blick auf die vorgelagerte Felsgruppe Calado de los Roques bei Guillama

Das Sunhikes-Magazin dokumentiert diese Buchten im Rahmen der Küstenwanderung Guillama – Baja de los Roques mit einer kompletten Bilderserie: 26 Bilder, die eine der eindrucksvollsten Küstenlandschaften La Gomeras zeigen.

Die Wanderung: Guillama – Baja de los Roques

StartpunktCapilla de Santa Clara, Guillama (ca. 730–740 m) – Parkplatz an der CV-16 Richtung Arguamul
Distanz2,5 km (Hin und Rück)
Höhenmeter210 hm
Dauer1:45–2:15 h
SchwierigkeitMittel–schwer
SaisonOktober–Mai (im Sommer: Steinschlaggefahr erhöht)
GPS-TrackAuf Sunhikes dokumentiert
Abwanderung zur Küste mit Ausblick auf die Felsgruppe Calao de los Roques
Abwanderung zur Küste mit Ausblick auf die Felsgruppe Calao de los Roques

Anfahrt: Die CV-16 Richtung Tazo und Arguamul ist extrem schmal und kurvenreich – ein kompakter Mietwagen ist hier klar im Vorteil. An der Capilla de Santa Clara gibt es nur wenige Parkmöglichkeiten. Bitte so parken, dass Zufahrten, Wendebereiche und landwirtschaftliche Wege frei bleiben.

Die Route: Was man auf dem Weg erlebt

Startpunkt: Capilla de Santa Clara

Die Capilla de Santa Clara liegt oberhalb von Guillama auf einer Hochfläche. Von hier eröffnet sich bereits ein weiter Blick über die tief eingeschnittenen Schluchten und die zerklüftete Nordwestküste. Der Höhenunterschied zum Meer macht unmittelbar deutlich, was auf dieser Wanderung bevorsteht: ein steiler Abstieg hinunter zur Küste.

Capilla de Santa Clara in Guillma auf La Gomera, kleine Dorfkapelle.
Capilla de Santa Clara in Guillma auf La Gomera, kleine Dorfkapelle.

Der Abstieg zur Küste

Von der Kapelle führt der Weg zunächst durch die steile Hang- und Terrassenlandschaft von Guillama bergab. Rechts öffnen sich tiefe Erosionsschluchten, links ragen die Bergrücken auf. Die Nordwestküste gehört zu den rauesten und am stärksten erodierten Landschaften La Gomeras. Wind, Salz und die ungebremste Kraft des Atlantiks haben das alte Vulkangestein über Jahrtausende zu einer zerklüfteten Küstenlandschaft geformt. Vorbei an alten Gehöften wie Las Bodegas erreicht man schließlich den unteren, teilweise weglosen Küstenabschnitt.

Poröse Steilwände an der Bucht Baja de los Roques
Poröse Steilwände an der Bucht Baja de los Roques

An der Baja de los Roques

Die Baja de los Roques ist kein klassischer Strand, sondern ein rauer Felsabschnitt aus dunklem Basalt, an dem die Atlantikbrandung unmittelbar auf die Küste trifft. Die markante Felsgruppe der Baja de los Roques ragt vorgelagert aus dem Meer. Bei guter Sicht lassen sich in der Ferne auch die Los Órganos erkennen.

Wegloser Streckenabschnitt am Felsstrand der Bucht Baja de los Roques
Wegloser Streckenabschnitt am Felsstrand der Bucht Baja de los Roques

Was hier wächst: Wolfsmilch (Euphorbia), Kanarische Palmen, Zedernwacholder. Eine Vegetation, die zeigt: Hier ist die Norwestküste La Gomeras, trocken und windig, ganz anderes Klima als der Nationalpark oben.

⚠️ Sicherheitshinweise – unbedingt lesen

Die Wissensdatenbank enthält klare Warnungen, die für diesen Artikel Pflichtinhalt sind:

  • Festes Schuhwerk: Für den steilen und teilweise weglosen Abstieg sind Wanderschuhe mit gutem Profil erforderlich. Loser Schotter und Geröll können rutschig sein.
  • Sonne und Wind: Im unteren Küstenbereich gibt es kaum Schatten. Sonnenschutz ist ebenso wichtig wie eine winddichte Jacke – selbst an warmen Tagen kann der Atlantikwind kräftig sein.
  • Baden lebensgefährlich: Extreme Strömungen, scharfe Felsen und eine unberechenbare Brandung machen jede Abkühlung gefährlich. Niemals ins Wasser gehen!
  • Steinschlaggefahr: An den Steilwänden besteht Gefahr durch herabfallende Steine. Nicht unter Überhängen aufhalten.
  • Gezeiten beachten: Bei Flut und schwerer See können einzelne Küstenabschnitte unpassierbar werden.
  • Weglos im unteren Bereich: Es gibt keine durchgehende offizielle Markierung. Ein offline verfügbares GPS ist zwingend erforderlich.
  • Kein Mobilfunknetz: In den tieferen Schluchten und Buchten kann der Empfang ausfallen.

Arguamul: Das Dorf darüber

Arguamul liegt als einer der abgelegensten Weiler La Gomeras hoch in den Hängen über dem Atlantik. Der obere Bereich rund um die Capilla de Santa Clara bildet dabei den Ausgangspunkt und zugleich einen der eindrucksvollsten Aussichtspunkte der Wanderung. Zwischen alten Terrassenfeldern und traditionellen Häusern eröffnet sich der Blick hinunter auf die Küste, die man anschließend auf schmalen Pfaden erreicht.

Guillama, einsames Dorf an der Küste La Gomeras.
Guillama, einsames Dorf an der Küste La Gomeras.

Wer die Küstenwanderung geht, sollte mindestens 30 Minuten für Arguamul einplanen: Der Aussichtspunkt Buenavista ist ab Arguamul erreichbar und gibt einen anderen Blick auf die Küste, die man unten gerade verlassen hat.

Häufige Fragen zur Playa del Remo und Baja de los Roques

Kann man an der Baja de los Roques schnorcheln?

Nein. Die offene Atlantiklage, starke Strömungen, scharfkantige Felsen und die unberechenbare Brandung machen Baden und Schnorcheln gefährlich. Wer die Küste und Los Órganos sicher vom Meer aus erleben möchte, sollte eine geeignete Bootstour ab Vueltas wählen.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Wanderung?

Am besten eignet sich die Zeit von Oktober bis Mai, möglichst bei ruhigem Wetter und in den Morgenstunden. Im Sommer kann sich die Hitze in den steilen Hängen stark stauen. Bei Wind, hoher Brandung oder unsicherem Seegang sollte der Abstieg zur Küste nicht unternommen werden.

Kann man an der Playa del Remo oder Baja de los Roques baden?

Nein. Die ungeschützte Atlantiklage, starke Strömungen, scharfkantige Felsen und die Brandung machen das Baden gefährlich. Die Buchten sind Naturplätze zum Anschauen, nicht zum Schwimmen.

Wo kann man für die Wanderung parken?

An der Capilla de Santa Clara gibt es nur wenige Parkmöglichkeiten. Bitte so parken, dass Zufahrten, Wendebereiche und landwirtschaftliche Wege frei bleiben. Der schmale Straßenabschnitt nach Guillama ist nicht für größere Fahrzeuge ausgelegt.

Welche Ausrüstung braucht man für den Abstieg zur Küste?

Für den teilweise weglosen und steilen Abschnitt sind feste Wanderschuhe mit gutem Profil, ausreichend Wasser und Sonnenschutz wichtig. Eine winddichte Jacke gehört ebenfalls ins Gepäck, da der Atlantikwind an der Küste auch bei warmem Wetter kräftig sein kann.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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