El Cedro: Nebelwald, Fluss und das einzige Dorf im Nationalpark

Tief im Nationalpark Garajonay, auf ca. 900 m Höhe an der Nordseite der Insel, liegt El Cedro – das einzige bewohnte Dorf innerhalb des Nationalparks. Kein Straßenanschluss. Kein Mobilfunknetz (meistens). Kein Supermarkt. Nur: dichter Nebelwald, der einzige permanente Fluss La Gomeras, ein Campingplatz, ein Restaurant und eine Stille, die man in wenigen anderen Orten der Insel findet.

Der Bachlauf im Barranco del Cedro schlängelt sich durch dichte, moosbewachsene Vegetation.
Der Bachlauf im Barranco del Cedro schlängelt sich durch dichte, moosbewachsene Vegetation.

El Cedro ist kein Ausflugsziel für alle. Es ist ein Ziel für die, die La Gomera wirklich kennenlernen wollen – jenseits der bekannten Aussichtspunkte und der Strandpromenaden.

El Cedro auf einen Blick

LageNordflanke des Nationalparks Garajonay, ca. 900 m Höhe
CharakterStreusiedlung; einzige dauerhaft bewohnte Siedlung im Nationalpark
BesonderheitEinziger Fluss La Gomeras (Río del Cedro) fließt hier ganzjährig
InfrastrukturCampingplatz, Restaurant La Vista, Aula de Naturaleza
ErreichbarkeitNur zu Fuß (Wanderwege ab La Laguna Grande, El Contadero, Hermigua)
CampingplatzEl Cedro – einziger Campingplatz auf La Gomera; Vorausreservierung Pflicht
WanderroutenRuta 2, 8, 9, 18; GR-131; Verbindung nach Hermigua
WasserfallEl Chorro del Cedro (ca. 150 m) sichtbar von Wanderrouten
Alte Steinmauer am Bachlauf der El Cedro-Schlucht.
Alte Steinmauer am Bachlauf der El Cedro-Schlucht.

Der einzige Fluss La Gomeras

La Gomera ist eine trockene Insel – die meisten Wasserläufe sind saisonal und führen nur nach Regen Wasser. El Cedro ist die Ausnahme: Der Río del Cedro ist der einzige Fluss La Gomeras, der ganzjährig Wasser führt. Er entspringt am nördlichen Hang des Garajonay-Gipfelmassivs, wo der Passatnebel permanent Feuchtigkeit in den Lorbeerwald einträgt, und fließt durch das Barranco del Cedro Richtung Hermigua.

Entlang des Flusslaufs: Holzbrücken, Steinmauern, Wasserbecken aus früherer Landwirtschaft. Man quert ihn auf dem Wanderweg mehrfach – immer einen anderen Winkel auf das klare, kalte Wasser.

Kleine Holzbrücken führen den Wanderweg immer wieder über den plätschernden Bachlauf El Cedro.
Kleine Holzbrücken führen den Wanderweg immer wieder über den plätschernden Bachlauf El Cedro.

Die Streusiedlung El Cedro

El Cedro ist keine kompakte Ortschaft – es ist eine Streusiedlung aus wenigen Häusern, die sich über mehrere hundert Meter entlang des Bachlaufs verteilen. Einige Häuser werden ganzjährig bewohnt; andere dienen als Wochenendhäuser für Einwohner anderer Gemeinden.

Streusiedlung El Cedro im Nationalpark Garajonay, deren Häuser sich harmonisch in die umgebende Laurisilva-Vegetation einfügen.
Streusiedlung El Cedro im Nationalpark Garajonay, deren Häuser sich harmonisch in die umgebende Laurisilva-Vegetation einfügen.

Das tägliche Leben hier ist von einer Stille geprägt, die auf der touristischen Insel selten ist. Kein Straßenlärm, kein Musikbeschall, kein Motorengeräusch. Nur Vogelrufe, das Plätschern des Baches und der Wind in den Lorbeerbäumen.

Restaurant La Vista

Das Restaurant La Vista ist das einzige Lokal direkt in El Cedro. Es bietet kanarische Küche – Papas arrugadas, gegrilltes Fleisch, Hausgemachtes – in einer Umgebung, die mit ihrer Holzbalken-Terrasse und dem Lorbeerwald-Blick kaum zu überbieten ist. Öffnungszeiten variieren; im Sommer oft nur an Wochenenden.

Aula de Naturaleza

Die Aula de Naturaleza (Naturklassenzimmer) ist eine kleine Bildungseinrichtung des Nationalparks bei El Cedro. Sie wurde für Schulklassen und Gruppen eingerichtet und bietet geführte Naturerlebnisse. Für Individualreisende: das Gebäude ist oft geschlossen, aber von außen sehenswert.

die Aula Naturaleza liegt an der Ruta 8 im Garajonay Nationalpark
die Aula Naturaleza liegt an der Ruta 8 im Garajonay Nationalpark

Der El Rejo Tunnel: 500 Meter unter dem Berg

Einer der ungewöhnlichsten Punkte im Nationalpark liegt direkt bei El Cedro: der El-Rejo-Tunnel – ein ca. 500 m langer, in den Fels getriebener Wassertunnel aus der Zeit der alten Bewässerungssysteme. Er ist Teil des PR LG 3-Wanderwegs und verbindet El Cedro mit Hermigua.

Der Tunnel ist begehbar, aber man sollte ihn nicht unterschätzen. Eine helle Stirnlampe oder Taschenlampe ist unbedingt erforderlich. Der Boden ist durch die Wasserführung häufig feucht, uneben und rutschig, an einigen Stellen wird der Durchgang zudem enger. Bei sehr starkem Regen kann sich die Wasserführung erhöhen und der Tunnel zeitweise unpassierbar sein. Trittsicherheit ist deshalb wichtig.

Am Ende öffnet sich der Blick auf das Tal von Hermigua und die Küste.

Die Ermita de Lourdes: Der schönste Rastplatz der Insel

Wenige Minuten zu Fuß von El Cedro entfernt liegt die Ermita de Nuestra Señora de Lourdes – eine kleine Kapelle, die ein englischer Stifter im 20. Jahrhundert im Lorbeerwald errichten ließ. Was sie zum Ziel macht, ist nicht die Kapelle selbst, sondern der Rastplatz davor: Holzbänke, der Bach, und ein lebender Baum mit Wasseraustritt – ein alter Lorbeer, aus dessen Rinde Quellwasser sickert, das in einem kleinen Becken aufgefangen wird. Buchfinken picken Brotkrumen. Es ist einer der stillen, besonderen Orte La Gomeras.

der lebende Baum am Rastplatz bei der Ermita de Lourdes
der lebende Baum am Rastplatz bei der Ermita de Lourdes

Der Campingplatz El Cedro

Der Campingplatz El Cedro ist der einzige offizielle Campingplatz auf La Gomera und liegt direkt am Bachlauf in El Cedro. Er ist Teil des GR-131 und Etappenort für Weitwanderer.

Wichtig: Vorausreservierung ist Pflicht – der Platz hat eine begrenzte Kapazität und wird auch außerhalb der Hochsaison genutzt. Reservierung über den Nationalpark Garajonay: Tel. +34 922 477 222. Ohne Reservierung kein Zelt.

Ausstattung: Zeltstellplätze, Toiletten, Kaltwasserdusche, Feuerstellen (je nach Brandgefahr gesperrt). Wildfeuer und Lärm streng verboten.

Wanderrouten ab El Cedro

RouteWohinCharakter
Ruta 2 – Ermita de LourdesRastplatz Ermita (1,7 km)Leicht; schöner Wald; Brunnenbaum
Ruta 8 – Reventón OscuroGM-2 Höhenstraße (6,8 km)Moderat; Aula Naturaleza; Felshöhlen
Ruta 9 – El ContaderoEl Contadero Parkplatz (11,7 km)Moderat; lange Nationalpark-Strecke
Ruta 18 – PajaritoAlto de Garajonay (15,1 km Runde)Moderat; längste offizielle Nationalpark-Route
GR-131 nach HermiguaHermigua (El Rejo Tunnel)Strecke; PR LG 3; Tunnel-Erlebnis
El Cedro – Drei Routen durch das Herz des Lorbeerwalds – El Cedro Drei RoutenRundwege im TalbereichLeicht bis moderat; verschiedene Optionen
Wanderung durch die zauberhafte Cedro-Schlucht im Nationalpark Garajonay
Wanderung durch die zauberhafte Cedro-Schlucht im Nationalpark Garajonay

Anreise nach El Cedro

El Cedro ist nicht mit dem Auto erreichbar. Die nächstgelegenen Parkplätze:

  • Reventón Oscuro (GM-2): Zugang über Ruta 8, ca. 3–4 km / ca. 1,5 Stunden.
  • Cruce de Pajarito: Zugang über Ruta 18, ca. 7–8 km / ca. 2,5 Stunden.
  • El Contadero: Zugang über Ruta 9, ca. 11,7 km / ca. 3,5 Stunden.
  • Hermigua: Zugang über GR-131 (El Rejo Tunnel), ca. 9 km aufwärts.

Frühstart ist wichtig – wer El Cedro als Tagesausflug plant, braucht einen vollen Tag.

Wichtig für die Tourenplanung:

El Cedro liegt tief in der Cedro-Schlucht. Egal, welchen Rückweg man wählt – am Ende steht immer ein teils kräftiger Anstieg aus dem Tal bevor. Gerade nach einer längeren Wanderung sollte man dafür ausreichend Kraftreserven und Zeit einplanen.

Ermita de Lourdes, Wallfahrtskapelle im Nationalpark Garajonay.
Ermita de Lourdes, Wallfahrtskapelle im Nationalpark Garajonay.

FAQ – Häufige Fragen zu El Cedro im Nationalpark Garajonay

Kann man in El Cedro übernachten ohne Campingplatz?

Im Nationalpark nicht. Der Campingplatz El Cedro ist die einzige legale Übernachtungsmöglichkeit. Wildübernachten ist verboten.

Fließt der Bach El Cedro wirklich ganzjährig?

Ja – der Río del Cedro ist der einzige Dauerfluss La Gomeras. Im Sommer kann die Wassermenge stark abnehmen, aber er versiegt nicht vollständig. Im Winter nach starken Regenfällen kann er kräftig anschwellen.

Was bedeutet „El Cedro“?

„El Cedro“ bedeutet wörtlich „die Zeder“. Der Name ist historisch bedingt und erinnert an frühere Wacholderbestände, die in diesem Bereich wuchsen und lokal als „Cedro“ bezeichnet wurden. Das widerstandsfähige Holz spielte früher als Bau- und Nutzholz eine wichtige Rolle. Heute prägt dagegen vor allem der dichte Lorbeerwald die Landschaft rund um El Cedro.

Hat man in El Cedro Handyempfang?

In der tief eingeschnittenen Cedro-Schlucht ist der Mobilfunkempfang oft sehr eingeschränkt oder vollständig nicht vorhanden. Wer durch El Cedro wandert, sollte deshalb Offline-Karten auf dem Smartphone speichern und die Route vorab planen. Für den Notruf 112 benötigt man ebenfalls Mobilfunkempfang – unter Umständen muss man dafür erst wieder einen höher gelegenen Bereich erreichen.

Wie viel Zeit sollte man für einen Besuch von El Cedro einplanen?

Für einen kurzen Abstecher reicht El Cedro kaum aus, denn die Siedlung liegt tief in der Schlucht und ist nur zu Fuß erreichbar. Je nach Ausgangspunkt sollte man für den Hin- und Rückweg mehrere Stunden einplanen. Wer den Lorbeerwald, den Bachlauf, die Ermita de Lourdes und die Umgebung in Ruhe erleben möchte, sollte El Cedro als Halb- oder Ganztagestour planen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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