Ruta 8 – Reventón Oscuro: Drei Wege ins Barranco del Cedro
Das Barranco del Cedro ist das Herzstück des Nationalparks Garajonay – eine tiefe, feuchte Schlucht, durch die der Bach El Cedro fließt, umgeben von uraltem Lorbeerwald, Felsformationen und dem rauschenden Wasserfall Chorro del Cedro. Der Einstieg über Reventón Oscuro ist der direkteste Weg hinein.

Die Ruta 8 gibt es in drei Varianten: als einfachen Hin-und-Rückweg (6,8 km), als Rundwanderung über den Barranco del Cedro zurück (8,5 km) oder als Rundwanderung über die Ermita de Lourdes (7,2 km). Alle drei starten am selben Punkt, alle drei führen durch die gleichen Highlights – sie unterscheiden sich nur darin, wie man zurückkommt. Dieser Artikel erklärt alle drei Optionen und hilft bei der Entscheidung.
Die Variante mit dem Abstieg zum Chorro del Cedro – ca. 150 Meter hoher Wasserfall – ist das absolute Highlight aller drei Routen. Wer nur eine Sache im Nationalpark sehen will, sollte es dieser Wasserfall sein.
Ruta 8 auf einen Blick: Alle drei Varianten
Die wichtigsten Daten zu Variante A, B und C im Überblick:
| Variante A – Hin & Rückweg | Variante B – Rundweg Barranco | Variante C – Rundweg Ermita | |
| Distanz | 6,8 km | 8,5 km | 7,2 km |
| Höhenmeter | 327 Hm | 354 Hm | 331 Hm |
| Gehzeit | ca. 2:30–3:00 h | ca. 3:00–3:30 h | ca. 2:45–3:15 h |
| Schwierigkeit | Moderat | Moderat | Moderat |
| Startpunkt | Reventón Oscuro | Reventón Oscuro | Reventón Oscuro |
| Highlight | Wasserfall El Chorro del Cedro | Wasserfall + Schluchtenblick | Wasserfall + Ermita de Lourdes |
| Rückweg | Gleicher Weg zurück | Über Barranco del Cedro | Über Ermita, Ruta 2-Abschnitt |

Alle drei Varianten sind moderat und erfordern festes Schuhwerk sowie eine gute Grundkondition. Der Abstieg zum Wasserfall ist in jeder Variante dabei – wer ihn nicht auslässt, erlebt den Chorro del Cedro als steilwandigen Vorhang über einem Felsbecken.
Der Abstieg: Reventón Oscuro ins Barranco del Cedro
Alle drei Varianten teilen den gleichen Abstieg – und der ist der dramatischste Teil der Tour.
Gepflasterter Weg durch den Lorbeerwald
Ab dem Parkplatz führt ein historisch gepflasterter Weg steil bergab in die Schlucht. Das Pflaster ist alt und uneben – langsam gehen zahlt sich aus. Zu beiden Seiten stehen alte Lorbeerbäume, deren Äste von Moosen und Flechten bedeckt sind. Rötliches Gestein blitzt zwischen dem Grün hervor, ein Zeichen der vulkanischen Herkunft der Insel.

Aula Naturaleza und Siedlung El Cedro
Nach dem steilsten Abschnitt erreicht man die Aula Naturaleza, ein Bildungs- und Informationsgebäude im Umfeld des Nationalparks. Weiter unten liegt die kleine Streusiedlung El Cedro, die mit ihren verstreut liegenden Häusern und Fincas tief im grünen Tal eingebettet ist. Hier bietet sich eine gute Gelegenheit für eine kurze Pause, bevor der Weg weiter in die Schlucht führt.
Direkt in der Siedlung befindet sich der kleine, privat geführte Campingplatz La Vista neben dem gleichnamigen Restaurant. Der für Zelte ausgelegte Platz verfügt über Sanitäranlagen und Duschen; die Zahl der Plätze ist begrenzt. Eine vorherige Anfrage wird empfohlen. Im übrigen Nationalpark Garajonay ist Zelten und Biwakieren nicht erlaubt.

Abstieg zum Chorro del Cedro
Von der Siedlung El Cedro aus führt ein Pfad zum Chorro del Cedro. Der Abstieg ist zwar steil und stellenweise felsig, doch schon bald eröffnet sich ein beeindruckender Blick auf die Steilwand. Der Wasserfall stürzt je nach Angabe rund 100 bis 150 Meter tief in die Cedro-Schlucht. Besonders nach regenreichen Perioden ist er eindrucksvoll, bei trockener Witterung kann die Wassermenge jedoch deutlich geringer sein.
Die bewachsene Felswand, der feuchte Lorbeerwald und die feine Linie des stürzenden Wassers machen diesen Abschnitt zu einem der eindrucksvollsten Erlebnisse der Wanderung.

Die drei Varianten: Welcher Rückweg passt?
Nach dem Wasserfall trennen sich die Wege. Hier ist die Entscheidung zu treffen.
Variante A – Hin und Rückweg (6,8 km, 327 Hm)
Der einfachste Weg: nach dem Chorro del Cedro kehrt man auf demselben Weg zurück zum Parkplatz Reventón Oscuro. Vorteil: bekannter Weg, keine Orientierungsprobleme. Nachteil: man läuft den gepflasterten Abstieg nochmals bergauf – das ist nach 6,8 km und dem Wasserfallabstecher das anstrengendste Stück. Ideal für: alle, die die Route kennenlernen möchten, ohne zu viel Unsicherheit beim Rückweg.

Variante B – Rundweg über Barranco del Cedro (8,5 km, 354 Hm)
Die längste Variante führt nach dem Wasserfall weiter durch das Barranco del Cedro – bachbegleitend, mit mehrfachen Bachquerungen über Holzbrücken, vorbei am Staudamm und mit weiten Blicken über die Schlucht bis Hermigua. Der Rückaufstieg erfolgt über Las Mimbreras zurück zum Parkplatz. Diese Variante bietet das vollständigste Bild der Cedro-Schlucht. Ideal für: erfahrene Wanderer mit guter Kondition, die die ganze Schlucht erleben wollen.

Variante C – Rundweg über Ermita de Lourdes (7,2 km, 331 Hm)
Die dritte Option kombiniert den Abstieg mit dem Aufstieg zur Ermita de Lourdes – dem Rastplatz aus dem Ruta 2 – Ermita de Lourdes: Lorbeerwald und der schönste Rastplatz La Gomeras-Artikel. Nach dem Wasserfall steigt man zur Kapelle auf, rastet am lebenden Baum, überquert dann die CV-22 und kehrt über Las Mimbreras zurück zum Startpunkt. Ideal für: alle, die zwei Highlights verbinden wollen: Wasserfall und Kapelle. Die schönste Kombi-Variante.

Der Chorro del Cedro: Wasserfall im Lorbeerwald
Der Chorro del Cedro ist der bekannteste Wasserfall auf La Gomera – und einer der eindrücklichsten in ganz Spanien. Er fällt mit rund 150 Metern über eine mit Lorbeerwald bewachsene Steilwand in die Tiefe der Cedro-Schlucht.
Wasser aus dem Lorbeerwald
Anders als viele Wasserfälle auf den Kanaren, die nur nach starken Regenfällen führen, fließt der Chorro del Cedro ganzjährig. Seine Wasserführung hängt vom Niederschlag und von den Wasserverhältnissen im Einzugsgebiet ab. Besonders nach regenreichen Perioden zeigt er seine ganze Kraft, während er in längeren Trockenzeiten deutlich weniger Wasser führen kann.
Der Laurisilva-Lorbeerwald spielt dabei eine wichtige Rolle: Die Vegetation fängt Feuchtigkeit aus den Passatwolken auf, die im Waldboden gespeichert und nach und nach wieder an Quellen und Bäche abgegeben wird. So bleibt das Barranco del Cedro auch während trockenerer Perioden vergleichsweise feucht und grün.

Wasserwege durch den Cedro-Wald
Das Barranco del Cedro erzählt nicht nur von der Natur La Gomeras, sondern auch von ihrer traditionellen Wasserwirtschaft. Wasser wurde über Kanäle, Leitungen und in den Fels geschlagene Wassergalerien gefasst und weitergeleitet, unter anderem zur Versorgung und Bewässerung der landwirtschaftlich genutzten Flächen im Raum Hermigua.
Die Galerías de Las Mimbreras erinnern heute an diese aufwendige Form der Wassergewinnung. Die dunklen Stollen und Wasserwege liegen mitten im feuchten Lorbeerwald und machen sichtbar, wie eng Natur und menschliche Nutzung auf La Gomera miteinander verbunden sind.

Anfahrt und Startpunkt
Alle drei Varianten starten am Einstiegspunkt Reventón Oscuro – einem kleinen Parkplatz an der Forststraße CV-22 im Nationalpark Garajonay, nahe der Abzweigung zur Ruta 2 (Ermita de Lourdes).
Anreise mit dem Mietwagen
Von San Sebastián oder Hermigua aus folgt man der GM-2 ins Innere der Insel, dann der CV-22 Richtung Reventón Oscuro. Das Navigationsziel „Reventón Oscuro La Gomera“ führt zuverlässig zum Parkplatz. Die Zufahrt ist eng und kurvenreich – normaler Mietwagen ist ausreichend. Mietwagen gibt es am Hafen in San Sebastián, z. B. bei Cicar.
Parken und Wegbeginn
Der Parkplatz am Reventón Oscuro ist klein – bei hohem Besucheraufkommen parkt man auf der Piste und läuft zum Wegbeginn. Der gepflasterte Abstieg ins Barranco del Cedro beginnt direkt ab dem Parkplatz, gut ausgeschildert mit „Ruta 8″.
Beste Reisezeit für die Ruta 8
Die Route ist ganzjährig begehbar – mit leichten saisonalen Unterschieden:
| Jahreszeit | Charakter | Hinweis |
| Jan – Mär | Feucht, Wasserfall auf Höchststand | Weg rutschig; festes Schuhwerk zwingend |
| Apr – Jun | Mild, grün, gute Bedingungen | Beste Reisezeit; Weg gut begehbar |
| Jul – Sep | Trockener, weniger Wasser im Wasserfall | Angenehm warm, früh starten empfohlen |
| Okt – Dez | Herbst, feuchter werdend | Pilze, Moose in Hochform; Wasserfall füllt sich |
Für den Wasserfall gilt: mehr Regen = mehr Spektakel. Wer die maximale Wassermenge sehen möchte, kommt im März oder nach längeren Regenperioden im Herbst. Die Vegetation ist dann auf dem Höhepunkt ihrer Intensität.

Wann führt der Chorro del Cedro am meisten Wasser?
Der Wasserfall ist besonders nach regenreichen Perioden im Winter und Frühjahr eindrucksvoll. Nach längeren Trockenphasen kann die Wassermenge dagegen deutlich geringer sein. Wer den Chorro del Cedro in voller Kraft erleben möchte, sollte die Wanderung nach einigen Regentagen einplanen – allerdings nicht unmittelbar nach Starkregen, wenn Wege und Felsen besonders rutschig sein können.
Ausrüstung
| Schuhe | Feste Wanderschuhe mit gutem Profil – Pflicht; gepflasterter Abstieg und feuchte Felsen |
|---|---|
| Wasser | Mindestens 1,5 l; die Tour dauert 2,5–3,5 Stunden |
| Kleidung | Fleecejacke; in der Schlucht ist es kühler als oben |
| Regenschutz | Unbedingt – am Wasserfall kommt feiner Sprühnebel an |
| Stöcke | Empfohlen für den gepflasterten Abstieg, besonders bei Nässe |
| Snacks | Restaurant La Vista in El Cedro als Rastmöglichkeit – trotzdem eigene Verpflegung mitnehmen |
| Navigation | GPS-Track auf Sunhikes; Wegmarkierungen gut, aber Varianten-Abzweigungen sorgfältig prüfen |
Praktische Tipps
Der Parkplatz am Reventón Oscuro ist klein und kann zu beliebten Zeiten schnell belegt sein. Nur ausgewiesene Parkflächen nutzen und Zufahrten sowie Forstwege unbedingt freihalten.
Das Restaurant La Vista in der Streusiedlung El Cedro bietet einfache kanarische Gerichte und ist eine willkommene Pause. Öffnungszeiten variieren – wer auf die Einkehr setzt, informiert sich vorab. Eine eigene Brotzeit ist auf jeden Fall ratsam.
Der Abstieg zum Chorro del Cedro ist steil und felsig – kein Gelände für Sandalen oder Freizeitschuhe. Der Boden am Wasserfall ist dauerhaft feucht und glitschig; Abstand zur Steilkante halten.
Wildcampen ist auf La Gomera verboten. Der einzige offizielle Campingplatz ist der in El Cedro – dieser erfordert eine Vorausreservierung beim Nationalpark. Das Leitungswasser ist gechlort; eigenes Trinkwasser mitbringen.

Hinweis: Nationalpark Garajonay
Alle drei Varianten der Ruta 8 verlaufen vollständig im Parque Nacional de Garajonay, seit 1981 Nationalpark und seit 1986 UNESCO-Weltnaturerbe. Die Gesamtfläche beträgt 3.984 Hektar; der höchste Punkt ist der Alto de Garajonay mit 1.487 m. Über 85 % des Parks sind mit Laurisilva-Lorbeerwald bedeckt.
Innerhalb des Nationalparks gilt: kein Feuer entzünden, Hunde nur an der Leine, keine Pflanzen oder Steine entnehmen, ausschließlich markierte Wege begehen, Abfall mitnehmen.
Besucherzentren und Anlaufstellen: An der La Laguna Grande befindet sich ein zentraler Erholungsbereich mit Restaurant und Informationsangeboten. Das Besucherzentrum Juego de Bolas bei Agulo vermittelt dagegen vor allem die Natur, Kultur und traditionelle Lebensweise La Gomeras. Telefonische Auskünfte erhält man unter +34 922 478 402.

Tipp: GPS-Track und Routenplaner
Den vollständigen GPS-Track zur Ruta 8 – Reventón Oscuro findet man kostenlos auf Sunhikes – Wanderungen auf La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android – am besten offline speichern.
Wer mehrere Touren kombinieren oder die Anfahrt planen möchte: kostenloser Sunhikes-Routenplaner.
Häufige Fragen zur Ruta 8 – Reventón Oscuro
Welche Variante ist die schönste?
Wie hoch ist der Chorro del Cedro?
Kann man in El Cedro übernachten?
Ist die Ruta 8 für Kinder geeignet?
Was ist die Aula Naturaleza?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


