El Cercado: Das Töpferdorf La Gomeras – wo eine 2.000 Jahre alte Technik noch lebt
In El Cercado wird Keramik noch so hergestellt, wie die Guanchen es taten: ohne Töpferscheibe, ohne Drehmaschine, ohne Glasur aus der Flasche. Ton. Wasser. Hände. Eine Technik, die über 2.000 Jahre alt ist und auf La Gomera in keinem anderen Dorf so gepflegt wird.

Bis heute ist El Cercado für seine traditionelle Töpferkunst bekannt. In den kleinen Werkstätten des Dorfes wird eine überlieferte Handwerkstechnik bewahrt, die auf die Keramiktradition der kanarischen Ureinwohner zurückgeht. El Cercado liegt auf dem Hochplateau des Chipude-Hochlands, wenige Kilometer westlich des Nationalparks Garajonay und damit in einer der traditionsreichsten Kulturlandschaften La Gomeras.
Die Töpferei: Ohne Scheibe, ohne Maschine
Was El Cercado einzigartig macht, ist nicht die Qualität der Keramik – es ist die Methode. Der lokale Ton wird von Hand aufgebaut, nicht auf der Scheibe gedreht. Die Technik nennt sich Wulstaufbau oder auch „Hand-Build-Technik“: Tonanfänge werden zu Wülsten gerollt, aufeinandergestapelt und mit den Händen geglättet. Keine elektrische Hilfe. Kein Formrahmen.
Das Brennen geschieht in offenen Feuern oder einfachen Töpferöfen – nicht im elektrischen Brennofen. Das Ergebnis: dickwandige, handgeformte Keramik mit einer unregelmäßigen Oberfläche, die genau das zeigt, was sie ist: Handarbeit.

Was die Guanchen als Alltags- und Vorratsgefäße herstellten, ist heute Kunsthandwerk. In den kleinen Werkstätten und Läden des Dorfes kann man beim Töpfern zuschauen – und kaufen. Die Keramik, die man in El Cercado kauft, hat keine Maschinenspuren.
Die Geschichte: Von den Guanchen bis heute
Die Guanchen der Kanarischen Inseln – die Urbevölkerung vor der spanischen Conquista – besaßen keine Töpferscheibe. Ihre Keramik war rein handgeformt, für Lagerung, Transport und Kochen genutzt. Auf La Gomera überstand diese Tradition die Conquista, die Christianisierung und die Industrialisierung, weil El Cercado abgelegen genug war, um nicht vollständig modernisiert zu werden.
Der Ort liegt auf dem Hochplateau des Chipude-Hochlands – demselben Gebiet, in dem Chipude einst der bevölkerungsreichste Ort La Gomeras war. Die markante La Fortaleza de Chipude, der mächtige Tafelberg südlich des Ortes, gehört zu den prägenden Landschaftsmerkmalen dieser Region.
Was es zu kaufen gibt
In den kleinen Läden und Werkstätten von El Cercado:
- Schüsseln, Teller, Krüge – die klassischen Formen der guanchischen Keramik, handgeformt in denselben Größen wie seit Jahrhunderten.
- Kleinere Objekte – für das Handgepäck gedachte Stücke: Tassen, Becher, kleine Vasen.
- Figurative Keramik – moderne Interpretationen der alten Technik, die Töpfer als künstlerische Eigenleistung anbieten.
Preise: moderat. El Cercado ist kein Touristensouvenirshop – die Preise spiegeln echte Handarbeit wider, nicht Touristenerwartungen. Wer eine echte Gomera-Keramik mit nach Hause nimmt, hat etwas, das man nicht im Flughafen kaufen kann.
Auch im Shop des Besucherzentrums Juego de Bolas bei Agulo (Tel. +34 922 477 222) gibt es El-Cercado-Keramik zu kaufen.
Tipp: Keramik sicher nach Hause bringen
Die traditionelle Keramik aus El Cercado ist handgeformt und wird bewusst mit einer ursprünglichen, eher rauen Oberfläche hergestellt. Viele Stücke sind deshalb empfindlicher als moderne, industriell gefertigte Gebrauchskeramik. Beim Kauf sollte man sich erkundigen, ob das Gefäß für Lebensmittel und Flüssigkeiten geeignet ist oder eher als Dekorationsstück gedacht ist.
Für den Rückflug gilt: Kleine Stücke lassen sich gut geschützt im Handgepäck transportieren, größere oder besonders empfindliche Gefäße gehören gut gepolstert in den Koffer. Am besten wickelt man jedes Stück einzeln in Kleidung oder anderes weiches Material ein und verhindert, dass es im Gepäck verrutschen kann.
El Cercado und die Wanderung Laguna Grande – Valle Gran Rey
El Cercado liegt auf der Strecke der beliebtesten Abstiegswanderung La Gomeras: Laguna Grande – El Cercado – Valle Gran Rey (9,4 km, schwer, auf Sunhikes dokumentiert). Die Route führt direkt durch den Ortskern von El Cercado. Wer hier anhält, kann den Töpfern zuschauen, Keramik kaufen, eine kurze Pause einlegen – und dann den steilen Abstieg ins Valle Gran Rey fortsetzen.

Das ist kein Touristenstop mit Eintritt. El Cercado ist ein lebendiges Dorf; man betritt Werkstätten als Gast, nicht als Besucher einer Attraktion.
Praktische Hinweise
| Lage | Hochplateau des Chipude-Hochlands, westlich des Nationalparks Garajonay |
|---|---|
| Anfahrt | Von San Sebastián über die GM-2, anschließend über die Zufahrtsstraßen Richtung Chipude und El Cercado; Parkmöglichkeiten im Ort |
| Werkstätten | Zu Fuß im Ort; Öffnungszeiten können variieren – am besten vor Ort nachfragen |
| Kaufen | Direkt in Werkstätten und kleinen Läden; auch im Besucherzentrum Juego de Bolas bei Agulo |
| Kombination | Wanderung Laguna Grande – El Cercado – Valle Gran Rey (9,4 km) |
| Zeit einplanen | 30–60 Minuten für Besuch und Kauf; länger, wenn man den Töpfern bei der Arbeit zuschauen möchte |
FAQ – Häufige Fragen zu El Cercado
Kann man in El Cercado selbst töpfern?
Wie viel kostet El-Cercado-Keramik?
Ist El Cercado weit vom Nationalpark entfernt?
Kann man in El Cercado mit Karte bezahlen oder braucht man Bargeld?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


