Ruta 5 – Las Creces: Wenn der Lorbeerwald blüht

Frühling auf La Gomera. Die Sonne bricht durch das Kronendach des Lorbeerwalds, am Wegesrand leuchten violette Blüten der Kanarischen Geranien – und die Ruta 5 – Las Creces im Nationalpark Garajonay ist in ihrer besten Form. Diese 4,3-Kilometer-Rundwanderung nahe dem Gipfelplateau ist eine der schönsten leichten Touren des Parks: sanft, grün, visuell reich.

Kanarischer Storchschnabel bedeckt den Waldboden im Garajonay
Kanarischer Storchschnabel bedeckt den Waldboden im Garajonay

Las Creces liegt im westlichen bis südwestlichen Übergangsbereich des Nationalparks, am oberen Hangbereich zwischen dem Garajonay-Hochland und den Übergängen zu den Südhängen. Hier trifft der feuchte Lorbeerwald des Parkinneren auf die trockenere Fayal-Brezal-Vegetation. Der Übergangsbereich ist botanisch besonders reich – alte Wasserkanäle, Schluchtenabschnitte und der charakteristische Rastplatz Las Creces gehören zu den Highlights der Tour. Dieser Artikel erklärt, was die Ruta 5 zur Frühlingstour macht, wie man hinkommt und was man entlang des Weges erwartet.

Ruta 5 auf einen Blick

Alle wichtigen Daten zur Rundwanderung Las Creces:

Streckenlänge4,3 km (Rundweg)
Höhenmeter124 Hm
Gehzeit1:00–1:30 Stunden
SchwierigkeitLeicht
CharakterRundwanderung durch Lorbeerwald und Fayal-Brezal, Rastplatz Las Creces
StartpunktParkplatz nahe Alto de Garajonay / Zufahrt über Forststraße von La Laguna Grande
EndpunktStartpunkt (Rundweg)
MarkierungRuta 5 (offizielle Nationalpark-Route, gut ausgeschildert)
WaldtypLaurisilva (Lorbeerwald) + Fayal-Brezal, Schluchtabschnitte
HighlightKanarische Geranien im Frühjahr, historische Wasserkanäle, Rastplatz Las Creces
Beste SaisonMärz–Mai (Frühjahr: Blüte), ganzjährig begehbar
Geeignet fürEinsteiger, Familien, Genusswanderer
Der Gespensterbaum an der Ruta 5 bei Las Creces, mit gesichtsähnlichen Höhlungen im knorrigen Stamm
Der Gespensterbaum an der Ruta 5 bei Las Creces, mit gesichtsähnlichen Höhlungen im knorrigen Stamm

Wichtig für das Wetter im Garajonay

Selbst an sonnigen Tagen kann sich das Wetter im Nationalpark schnell verändern. Vom Atlantik her ziehen oft Wolken und Nebel über das Hochland – die berühmten Brumas, die zusammen mit dem Mar de Nubes, dem Wolkenmeer, dem Lorbeerwald seine lebenswichtige Feuchtigkeit bringen.
Die Sicht kann innerhalb kurzer Zeit deutlich schlechter werden, während Wege und Vegetation plötzlich feucht sind. Eine leichte, wind- und regenfeste Jacke gehört deshalb immer in den Rucksack – auch dann, wenn über dem Süden der Insel strahlend blauer Himmel liegt.

Die Route im Detail

Die Ruta 5 ist ein Rundweg ohne nennenswerte Anstiege – gleichmäßig, gut gepflegt, mit wechselnder Vegetation. Man braucht kein Vorwissen und keine besondere Kondition.

Farne im Lorbeerwald des Nationalparks Garajonay
Farne im Lorbeerwald des Nationalparks Garajonay

Einstieg durch den Lorbeerwald

Ab dem Parkplatz führt der Weg sofort in den Lorbeerwald ein. Das Licht ist gedämpft, der Boden federt unter einer Schicht aus Blättern und Moos, alte Lorbeerbäume strecken ihre Äste über den Weg. Im Frühjahr sind es die Kanarischen Geranien (Geranium canariense), die den Weg säumen – ein violettes Meer an lichten Stellen und Wegrändern, das die Route von März bis Mai besonders fotogen macht.

Historische Wasserkanäle und Schluchtabschnitt

Ein besonderes Detail der Ruta 5 sind die Reste historischer Wasserkanäle, die entlang des Weges noch sichtbar sind. Diese acequia-artigen Strukturen wurden einst genutzt, um Quellwasser aus dem Nationalpark in die Ortschaften und Felder der Insel zu leiten. Ein stiller Hinweis darauf, wie eng die Bewohner La Gomeras mit dem Wald verbunden waren.

Wanderweg entlang der Überreste eines historischen Wasserkanals im Nationalpark Garajonay auf La Gomera
Wanderweg entlang der Überreste eines historischen Wasserkanals im Nationalpark Garajonay auf La Gomera

Der Weg führt anschließend durch einen kurzen Schluchtabschnitt oberhalb einer kleinen Schlucht – feuchter, schattiger, mit dichterem Bewuchs. Dann öffnet sich die Vegetation wieder: Der Weg trifft auf die trockenere Fayal-Brezal-Zone der Südhänge.

Rastplatz Las Creces

Der Rastplatz Las Creces liegt am tiefsten Punkt der Runde – ein gepflegter Picknickplatz mit Bänken und Tischen, umgeben von alten Lorbeerbäumen und Tils. Hier ist der ruhigste Moment der Tour. Ab hier geht es auf dem zweiten Schenkel des Rundwegs zurück zum Ausgangspunkt – über Holzstufen und einen weiteren Lorbeerwald-Abschnitt.

Botanik der Ruta 5: Zwischen Lorbeer und Heide

Die Ruta 5 verläuft durch zwei Vegetationszonen, die den Nationalpark Garajonay prägen – und beide lassen sich hier in kurzer Distanz erleben.

Holzstufen am Wanderweg der Ruta 5 im Garajonay
Holzstufen am Wanderweg der Ruta 5 im Garajonay

Laurisilva – der urzeitliche Lorbeerwald

Der Laurisilva, der im Kernbereich der Ruta 5 dominiert, ist ein Relikt des Tertiärzeitalters – ein Wald, der vor der Eiszeit weite Teile Europas und Nordafrikas bedeckte und auf den Kanarischen Inseln überlebt hat. Die Hauptbaumarten sind Lorbeerbaum (Laurus novocanariensis), Til (Ocotea foetens) und Baumheide (Erica arborea). Til-Bäume erreichen Stammumfänge von mehreren Metern und ein Alter von über 500 Jahren.

Wurzelstock eines uralten Til-Baums
Wurzelstock eines uralten Til-Baums

Kanarische Geranien und Frühlingsblüte

Das Aushängeschild der Ruta 5 im Frühjahr ist der Kanaren-Storchschnabel (Geranium canariense) – eine endemische Art der westlichen Kanarischen Inseln, die an lichten Stellen des Lorbeerwalds blüht. Von März bis Mai setzen seine violetten Blüten leuchtende Farbakzente an den Wegrändern. Dazu gesellen sich Farne, Baumheide-Blüten und gelegentlich der orange-rote Johanniskraut-Verwandte Hypericum canariense.

Zart und violett erblüht der Kanaren-Storchschnabel auf den Lichtungen im Garajonay
Zart und violett erblüht der Kanaren-Storchschnabel auf den Lichtungen im Garajonay

Anfahrt und Startpunkt

Der Startpunkt der Ruta 5 liegt im Inneren des Nationalparks, nahe dem Hochplateau des Alto de Garajonay. Die Zufahrt erfolgt über die Forststraße ab La Laguna Grande – dem zentralen Erholungsgebiet des Parks.

Anreise mit dem Mietwagen

Von La Laguna Grande aus fährt man über die Forststraße in Richtung des Parkplatzes nahe dem Startpunkt der Ruta 5. Das Navi-Ziel „La Laguna Grande, La Gomera“ bringt einen ins Zentrum des Parks; von dort sind es wenige Minuten auf der Forststraße. Mietwagen gibt es am Hafen in San Sebastián, z. B. bei Cicar.

Anreise mit dem Bus

Die Guagua Gomera-Linie 1 fährt von San Sebastián nach Hermigua und hält am Abzweig zur Laguna Grande. Von der Haltestelle sind es noch einige Kilometer bis zum Startpunkt der Ruta 5 – eine Kombination mit Taxi ist möglich.

Achtung beim Fahrplan: Auf La Gomera fahren die Busse außerhalb der Hauptstrecken nur wenige Male am Tag. Wer ohne Mietwagen unterwegs ist, sollte die Verbindung deshalb sorgfältig planen und für die Rückfahrt gegebenenfalls ein Taxi organisieren. Besonders praktisch ist es, das Taxi bereits vor der Wanderung vorzubestellen – etwa ab Valle Gran Rey oder San Sebastián.

Wer mehrere Nationalpark-Routen miteinander verbinden möchte, ist mit dem Mietwagen deutlich flexibler unterwegs.

Beste Reisezeit für die Ruta 5

Ganzjährig begehbar – aber der Frühling hat eine besondere Qualität:

JahreszeitCharakterHinweis
Jan – FebKühl, oft neblig, maximale FeuchtigkeitMoose und Flechten in voller Pracht
Mär – MaiMild, grün, Kanarische Geranien in BlüteBeste Reisezeit; Route ist fotogen auf dem Höhepunkt
Jun – SepWärmer, weniger Nebel, trockenerAngenehm, Vegetation etwas staubiger
Okt – DezHerbst, feuchter werdendPilze, Herbstfarben, ruhigere Trails

Wer gezielt die Kanarischen Geranien erleben möchte, plant den Besuch für Ende März bis Mitte April. Die Blütezeit schwankt je nach Jahresniederschlag – ein nasser Winter beschleunigt sie, ein trockener verzögert sie.

ein abgestorbener Baumstamm bringt neues Leben in den urzeitlichen Wald
ein abgestorbener Baumstamm bringt neues Leben in den urzeitlichen Wald

Ausrüstung

SchuheLeichte Wanderschuhe mit Profil; der Weg ist befestigt, aber teils feucht-rutschig
Wasser1–1,5 l; die Tour dauert maximal 1,5 Stunden
KleidungFleecejacke oder Windbreaker – der Lorbeerwald ist auch bei Sonnenschein kühl
RegenschutzKompakter Regenponcho; Nebel kann jederzeit aufziehen
KameraUnbedingt – im Frühjahr ist die Blüte entlang der Route außergewöhnlich fotogen
NavigationGPS-Track auf Sunhikes; Beschilderung ist gut, Rundweg klar markiert
SonstigesPicknick für den Rastplatz Las Creces lohnt sich
Wanderweg zum Rastplatz Las Creces, gesäumt von knorrigen, moosbewachsenen Bäumen im Lorbeerwald
Wanderweg zum Rastplatz Las Creces, gesäumt von knorrigen, moosbewachsenen Bäumen im Lorbeerwald

Wandern in der Region: Kombinationen

Die Ruta 5 liegt zentral im Nationalpark und lässt sich gut mit anderen Routen verbinden:

KombinationRouteCharakter
Klassische ErweiterungRuta 10 – Cañada de Jorge (3,1 km)Leicht, Übergang Nebelwald → Baumheide, 1 h
Großes DreieckRuta 10 + Ruta 12 + Ruta 5 (9,5 km)Moderat, alle Westzonen des Nationalparks, 3–4 h
Mit AussichtsblickRuta 12 – Risquillo de Corgo (1,8 km)Leicht, Blick auf Vallehermoso + Roque Cano
Zum GipfelRuta 7 – El Contadero → Alto de GarajonayLeicht–moderat, höchster Punkt der Insel
der Wanderweg Las Creses verläuft oberhalb einer kleinen Schlucht durch den Lorbeerwald
der Wanderweg Las Creses verläuft oberhalb einer kleinen Schlucht durch den Lorbeerwald

Praktische Tipps für die Ruta 5

  • Parken: Der Parkplatz am Startpunkt der Ruta 5 ist klein und kann besonders an Wochenenden und im Frühjahr schnell voll sein. Wer früh startet, hat die besten Chancen auf einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe.
  • Bestes Licht: Besonders stimmungsvoll ist der Lorbeerwald am Vormittag, wenn erste Sonnenstrahlen durch Nebel und Kronendach fallen und die violetten Blüten der Kanarischen Geranien leuchten.
  • Picknick und Einkehr: Am Rastplatz Las Creces gibt es Bänke und Tische, aber keine Gastronomie. Für eine Einkehr bietet sich anschließend die La Laguna Grande mit Restaurant im Nationalpark an. An Wochenenden kann es dort gut besucht sein. Wer danach noch traditionell gomerisch essen möchte, kann einen Abstecher nach Chipude einplanen.
  • Ausrüstung: Trinkwasser selbst mitbringen und feste Wanderschuhe tragen. Nach Regen können die Wege stellenweise rutschig sein.
  • Offline vorbereitet: Der Handyempfang im Nationalpark ist nicht überall zuverlässig. Den GPS-Track deshalb am besten vor der Wanderung offline speichern. Im Notfall gilt die europaweite Notrufnummer 112.

Wanderroute durch Baumheidewald bei Las Creces, sonnendurchflutet mit rötlichem Sandboden
Wanderroute durch Baumheidewald bei Las Creces, sonnendurchflutet mit rötlichem Sandboden

Hinweis: Nationalpark Garajonay

Die Ruta 5 verläuft vollständig im Parque Nacional de Garajonay, seit 1981 Nationalpark und seit 1986 UNESCO-Weltnaturerbe. Die Gesamtfläche beträgt 3.984 Hektar; der höchste Punkt ist der Alto de Garajonay mit 1.487 m. Über 85 % des Parks sind mit Laurisilva-Lorbeerwald bedeckt.

Innerhalb des Nationalparks gilt: kein Feuer entzünden, Hunde nur an der Leine, keine Pflanzen oder Steine entnehmen, ausschließlich markierte Wege begehen, Abfall mitnehmen.

Besucherzentren und Anlaufstellen: An der La Laguna Grande befindet sich ein zentraler Erholungsbereich mit Restaurant und Informationsangeboten. Das Besucherzentrum Juego de Bolas bei Agulo vermittelt dagegen vor allem die Natur, Kultur und traditionelle Lebensweise La Gomeras. Telefonische Auskünfte erhält man unter +34 922 478 402.

Wanderweg der Ruta 5 durch den dichten Lorbeerwald im Nationalpark Garajonay auf La Gomera
Wanderweg der Ruta 5 durch den dichten Lorbeerwald im Nationalpark Garajonay auf La Gomera

Tipp: GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track zur Ruta 5 – Las Creces findet man kostenlos auf Sunhikes – Wanderungen auf La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android – am besten offline speichern.

Wer mehrere Touren kombinieren oder die Anfahrt planen möchte: kostenloser Sunhikes-Routenplaner.

Häufige Fragen zur Ruta 5 – Las Creces

Wann blüht der Kanaren-Storchschnabel?

Der Kanaren-Storchschnabel (Geranium canariense) blüht auf La Gomera typischerweise von März bis Mai. Der genaue Höhepunkt hängt vom Jahresniederschlag und den Witterungsbedingungen ab. Nach einem feuchten Winter fällt die Blüte oft besonders üppig aus. Ende März bis Mitte April ist in der Regel eine gute Zeit, um die violetten Blüten entlang der Ruta 5 zu erleben.

Ist die Ruta 5 für Kinder geeignet?

Ja. Die Ruta 5 ist mit 4,3 km und 124 Höhenmetern auch für Kinder ab ca. 6 Jahren gut machbar. Der Weg ist durchgehend markiert und befestigt. Der Rastplatz Las Creces als Ziel macht die Tour für Kinder attraktiver als reine Hin-und-Rückweg-Wanderungen.

Wie unterscheidet sich die Ruta 5 von anderen Nationalpark-Routen?

Die Ruta 5 führt durch einen Übergangsbereich des westlichen und südwestlichen Garajonay-Hochlands. Dadurch wirkt die Landschaft je nach Wetter und Jahreszeit offener und lichter als im dichtesten Kernbereich des Lorbeerwaldes. Auf kurzer Strecke erlebt man den Wechsel zwischen Laurisilva, feuchteren Schluchtabschnitten und trockenerer Fayal-Brezal-Vegetation. Ihre besondere Qualität liegt vor allem in der abwechslungsreichen Botanik und der kurzen Distanz. Im Frühjahr sorgen die Kanarischen Geranien für zusätzliche Farbakzente – eine Kombination, die die Ruta 5 zu einer besonders reizvollen leichten Wanderung im Nationalpark macht.

Gibt es eine Kombination mit Ruta 12?

Ja – die Kombination Ruta 10 + Ruta 12 + Ruta 5 ist eine der schönsten Halbtagstouren im Nationalpark: 9,5 km, 431 Höhenmeter, moderat. Sie führt durch alle drei charakteristischen Waldzonen des Westteils und kombiniert den Aussichtspunkt Risquillo de Corgo (Blick auf Vallehermoso und Roque Cano) mit dem Rastplatz Las Creces. Der GPS-Track für diese Kombination ist ebenfalls auf Sunhikes verfügbar.

Was bedeutet „Las Creces“?

„Las Creces“ lässt sich mit „die Wachstümer“ oder „die Zuwächse“ übersetzen – ein Hinweis auf die üppige Vegetation dieses Waldabschnitts. Der Name ist typisch für die gomersische Toponymie, die Orte nach ihrer natürlichen Umgebung benennt.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

Sunhikes.com