Mirador César Manrique: Design-Aussichtspunkt über dem Valle Gran Rey
Nicht jeder Aussichtspunkt auf La Gomera trägt den Namen eines Künstlers. Und nicht jeder Künstler hinterlässt auf den Kanarischen Inseln ein Werk, das nach seinem Tod noch bekannt ist. César Manrique ist die Ausnahme. Der Lanzarote-Künstler (1919–1992) hat auf den Kanaren mehr gestaltet als jeder andere – und sein Einfluss reicht weit über seine Heimatinsel hinaus. Der Mirador César Manrique bei Arure auf La Gomera – auch bekannt als Mirador El Palmarejo – ist eines seiner Werke: ein Aussichtspunkt, der Natur und Architektur so verbindet, dass das Bauwerk verschwindet und nur der Blick bleibt.

Das Restaurant, das einmal Teil des Konzepts war, ist geschlossen. Aber der Aussichtspunkt selbst – die Plattform, die Skulptur, die Windräder – ist offen.
Das Valle Gran Rey liegt wie ein gewaltiger Einschnitt im Westen La Gomeras: Terrassenfelder, verstreute Häuser und kanarische Palmen ziehen sich die Hänge hinab bis zum Atlantik. Die gesamte Insel gehört seit 2012 zum UNESCO-Biosphärenreservat La Gomera – ein Schutzgedanke, der gut zu Manriques Philosophie passt, Landschaft und menschliche Gestaltung nicht als Gegensätze zu betrachten.
Der Mirador auf einen Blick
| Lage | Ca. 2 km von Arure; Hochland oberhalb Valle Gran Rey; etwa 680–700 m Höhe; Gemeinde Valle Gran Rey |
|---|---|
| Gestalter | César Manrique (1919–1992), kanarischer Künstler und Architekt |
| Auch bekannt als | Mirador El Palmarejo |
| Blick | Valle Gran Rey komplett; El Retamal; Playa de la Calera; Atlantik |
| Skulptur | Charakteristische Manrique-Skulptur aus Basalt und Stahl am Aussichtspunkt |
| Windräder | Teil der Manrique-Gestaltung; markantes Element auf dem Bergrücken |
| Restaurant | Ehemals geöffnet; heute geschlossen |
| Eintritt | Kostenlos; frei zugänglich |
| Beste Zeit | Abends (Sonnenuntergang über dem Atlantik); morgens (Teide sichtbar) |

César Manrique: Wer war dieser Mann?
Um den Mirador zu verstehen, muss man César Manrique verstehen. Der 1919 auf Lanzarote geborene Künstler, Maler, Bildhauer und Landschaftsarchitekt ist die wichtigste kulturelle Figur des modernen Kanaren. Er hat nicht nur Bilder gemalt – er hat Landschaften gestaltet, Tourismusentwicklung beeinflusst und eine Ästhetik entwickelt, die bis heute auf den Kanaren erkennbar ist.
Manriques Leitgedanke: Natur und Architektur dürfen nicht konkurrieren – sie müssen fusionieren. Gebäude sollen aus dem Gelände wachsen, nicht daraufgesetzt werden. Farben sollen die natürlichen Farben der Landschaft aufgreifen – Weiß, Schwarz, Ocker. Materialien sollen lokal sein – Basalt, Lavagestein, einfaches Handwerk.
Auf Lanzarote hat er Miradore, Restaurants, Museen und das Tourismuskonzept der gesamten Insel geprägt – mit dem Ziel, Massentourismus zu verhindern und das natürliche Gesicht der Insel zu bewahren. Sein bekanntestes Werk: der Jameos del Agua – ein Kulturzentrum in einem Lavatunnel unter dem Meer.
1992 starb Manrique bei einem Autounfall auf Lanzarote. Seine Stiftung – die Fundación César Manrique – führt sein Werk weiter. Der Mirador auf La Gomera ist ein Zeugnis seines Einflusses über seine Heimatinsel hinaus.
Das Bauwerk: Manrique-Prinzipien in der Praxis
Die Plattform
Die Aussichtsplattform fügt sich in den Bergrücken ein – kein auffälliger Bau, keine glänzenden Oberflächen, kein Fremdkörper. Die Materialien folgen dem Manrique-Prinzip: Basalt, einfache Betonoberflächen in natürlichen Tönen. Das Geländer lässt den Blick frei; kein Glaskasten, der den Wind filtert oder die Temperatur reguliert.
Was auffällt: Man sieht das Gebäude kaum. Man sieht das Tal.

Die Skulptur
Am Aussichtspunkt steht eine charakteristische Manrique-Skulptur – aus Basalt und Stahl, abstrakt, mit der windgängigen Formensprache, die Manrique-Skulpturen kennzeichnet. Sie ist kein Blickfang, der das Panorama stört; sie ist Teil der Komposition. Wer die Skulptur fotografiert, fotografiert unweigerlich auch das Tal.

Die Windräder
Ein unverwechselbares Element: Windräder auf dem Bergrücken. Sie sind kein Energieproduktionsprojekt – sie sind Gestaltungselemente. Manrique hat auf Lanzarote immer wieder kinetische Elemente eingebaut: Dinge, die sich bewegen, die auf Wind reagieren, die die Bewegung der Natur sichtbar machen. Die Windräder am Mirador El Palmarejo sind sein Markenzeichen auf La Gomera.
Was man sieht: Das Valle Gran Rey von oben
Der Blick vom Mirador César Manrique auf das Valle Gran Rey ist einer der bekanntesten auf La Gomera – auf Sunhikes als Highlight-POI gelistet, in jedem Reiseführer abgebildet. Was ihn besonders macht: die Tiefenstaffelung.
Das Tal der Palmen
Zwischen den Terrassen und kleinen Siedlungen fallen die kanarischen Dattelpalmen überall auf. Von hier oben versteht man besonders gut, warum das Valle Gran Rey für seine Palmenlandschaft bekannt ist. Aus dem Saft dieser Palmen wird traditionell Guarapo gewonnen, der durch Einkochen zu Miel de Palma, dem kanarischen Palmensirup, wird. Wer das Valle Gran Rey besucht, sollte diese Spezialität unbedingt einmal probieren.
El Retamal direkt unter dem Mirador
Tief unterhalb des Miradors liegt El Retamal – einer der Ortsteile des Valle Gran Rey, an den Terrassenhängen verstreut. Von der Plattform aus sieht man die Häuser, die Terrassenfelder, die Palmen. El Retamal ist der Beweis, dass das Tal bis auf diese Höhe bewohnt und landwirtschaftlich genutzt war.

Das Tal bis La Calera und La Playa
Weiter unten im Tal: La Calera (das administrative Zentrum) und La Playa / Playa de la Calera (der schwarze Sandstrand direkt am Meer). Man sieht das Tal in seiner gesamten Länge – von den Bergrücken bis zum Strand. Die schwarze Sandlinie der Playa ist selbst bei Bewölkung gut erkennbar.
Der Atlantik und der Sonnenuntergang
Westlich öffnet sich das Tal direkt zum Atlantik. Der Mirador César Manrique liegt so, dass der Sonnenuntergang über dem Meer von hier aus vollständig zu sehen ist – ohne Berge, ohne Gebäude im Weg. Abends, wenn die Sonne im Atlantik versinkt und das Tal in orange-goldenes Licht taucht, ist das der beste Moment für diesen Mirador.
Tipp: Wind und Fotolicht
Der Mirador liegt exponiert auf dem Bergrücken. Auch wenn unten im Valle Gran Rey sommerliche Temperaturen herrschen, kann es hier oben deutlich kühler und vor allem windig sein. Eine winddichte Jacke gehört deshalb besonders am späten Nachmittag ins Gepäck.
Für Fotos lohnt sich das späte Nachmittagslicht. Die geschwungene Stahl-Basalt-Skulptur lässt sich dabei wunderbar als Vordergrund nutzen: Man fotografiert die Landschaft gewissermaßen durch Manriques Gestaltung hindurch.
Das ehemalige Restaurant
Manriques Konzept sah ein Restaurant als Teil des Miradors vor – nicht als kommerzielle Ergänzung, sondern als integrales Element: Speisen mit Blick, als Teil des Gesamterlebnisses. Das Restaurant war geöffnet, war beliebt, und schloss. Der genaue Zeitpunkt und die Gründe sind nicht öffentlich dokumentiert.
Heute: Das Restaurantgebäude steht, ist aber nicht in Betrieb. Die Terrasse ist zugänglich; der Blick ist derselbe. Das Fehlen des Restaurants ist kein Qualitätsverlust für den Aussichtspunkt – es ist eine Veränderung der Atmosphäre.
Kombination: Arure + Mirador + GR-132
Der Mirador César Manrique liegt ca. 2 km von Arure entfernt – gut ausgeschildert, mit Parkplatz. Arure selbst ist Ausgangspunkt des GR-132-Abstiegs nach Valle Gran Rey (ca. 6 km über den Barranco de Arure mit dem Wasserfall Salto de Agua) und des Mirador Ermita del Santo (Blick ins Taguluche-Tal).
Empfohlene Kombination: Arure Ortszentrum (Kirche Nuestra Señora de la Salud, Plaza) → Mirador Ermita del Santo → Mirador César Manrique

Anreise
Der Mirador liegt direkt an der GM-1 zwischen Arure und Valle Gran Rey, auf rund 680–700 Metern Höhe. Von Arure sind es etwa 2 km, vom Valle Gran Rey je nach Ausgangspunkt rund 8–10 km. Der Aussichtspunkt ist als „Mirador del Palmarejo“ beziehungsweise „Mirador César Manrique“ ausgeschildert und verfügt über einen Parkplatz direkt an der Straße. Von Valle Gran Rey erreicht man ihn mit dem Auto in etwa 15 Minuten. Ein regulärer Bus hält nicht direkt am Mirador.
Wandern & Kombi-Tipp
Wer nicht nur mit dem Auto kommen will, verbindet den Besuch mit dem alten Fußweg (GR-132 oder dem historischen Camino Real) von Arure hinab ins Valle Gran Rey.
Wichtig: Der Abstieg ist steil (ca. 6 km, viele Serpentinen) und erfordert trittsichere Schuhe sowie Knie-Schonung. Man wird dafür mit spektakulären Ausblicken belohnt, die man vom Auto aus nie sieht.
FAQ – Häufige Fragen zum Mirador César Manrique
Hat César Manrique den Mirador selbst gebaut?
Warum ist das Restaurant geschlossen?
Lohnt sich der Besuch auch ohne Sonnenuntergang?
Ist es am Mirador César Manrique windiger als im Valle Gran Rey?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


