Alojera: Palmhonig, Felswände und schwarzer Strand
Wer von Vallehermoso weiter nach Westen fährt, verlässt die großen Ortschaften und landet schließlich in Alojera – einem kleinen Dorf auf der Nordwestküste, das von der Palmhonig-Produktion lebt und von der übrigen Welt durch tiefe Barrancos und spektakuläre Felswände abgetrennt scheint. Etwa 400 Einwohner. Ein Supermarkt. Eine Bar. Eine Imkerei. Und am Ende der Serpentinenstraße: ein schwarzer Sandstrand, an dem fast nie jemand ist.

Alojera ist kein Touristenziel – es ist ein echter Inselort, der sich seinen Alltag nicht hat nehmen lassen. Wer hinkommt, spürt das sofort.
Alojera auf einen Blick
| Lage | Nordwestküste La Gomeras; Gemeinde Vallehermoso; ca. 200 m Höhe |
|---|---|
| Einwohner | ca. 400 |
| Charakter | Palmhonig-Dorf; kaum Tourismus; enge Küstenstraße |
| Besonderheiten | Casa de la Miel (Imkerei), Playa de Alojera, Zugang Chorros de Epina |
| Strand | Playa de Alojera – 250 m schwarzer Sand; ruhig; Bar am Strand |
| Anreise | GM-1 ab Vallehermoso (ca. 12 km, enge Kurvenstraße) |

Palmhonig – Das Produkt, das Alojera definiert
La Gomera ist die einzige Kanarische Insel, auf der Miel de Palma – Palmhonig – noch in nennenswerter Menge produziert wird. Und Alojera ist eines der Hauptzentren dieser Produktion. Palmhonig wird nicht aus Blüten gewonnen, sondern aus dem Saft der Kanarischen Dattelpalme (Phoenix canariensis): Die Palmeros steigen auf die Palmen, zapfen den Stamm an und sammeln den austretenden Saft (Guarapo), der dann eingekocht wird.

Das Anzapfen der Palmen ist eine anspruchsvolle Handwerkskunst. Die Guaraperos gewinnen den süßen Saft der Kanarischen Dattelpalme zu geeigneten Tageszeiten, häufig am frühen Morgen oder am späten Nachmittag, wenn die Hitze geringer ist. Der gewonnene Guarapo wird anschließend eingekocht und erhält dabei seine dunkle Farbe und die typisch karamellige Konsistenz.
Das Ergebnis: ein dunkler, zähflüssiger Sirup mit einem unverwechselbaren karamelligen Geschmack, der nichts mit Honig aus Bienen zu tun hat. Er wird auf Käse gegessen, über Gofio geträufelt und in der traditionellen gomesischen Küche vielfältig eingesetzt.
Casa de la Miel – Das Zentrum des Palmhonigs
In Alojera befindet sich das Centro de Interpretación Casa de la Miel de Palma. Das von AIDER La Gomera betriebene Informationszentrum widmet sich ganz der traditionellen Herstellung des Miel de Palma. In Ausstellungen und interaktiven Bereichen erfährt man, wie die Kanarische Dattelpalme angezapft wird, wie der Guarapo gewonnen wird und wie daraus das dunkle, aromatische Produkt entsteht.
Das Zentrum ist damit weit mehr als eine Verkaufsstelle: Es vermittelt einen anschaulichen Einblick in eine Handwerkstradition, die Alojera bis heute prägt. In der Regel ist die Casa de la Miel mittwochs bis samstags von 10:00 bis 17:30 Uhr geöffnet. Wer Palmhonig kaufen oder an einer Führung teilnehmen möchte, sollte die aktuellen Öffnungszeiten vor dem Besuch prüfen.
Playa de Alojera
Am Ende der Dorfstraße, nach weiteren Serpentinen hinunter zur Küste, liegt die Playa de Alojera – ein ca. 250 m langer schwarzer Sandstrand, den hohe Felswände auf beiden Seiten einrahmen. Kein Gedränge, kein Lärm, kein Massentourismus. Die Bar Prisma am Strand sorgt für das Nötigste: Getränke, einfache Snacks.
Der Strand ist bei Einheimischen beliebt und an Wochenenden etwas belebter. Unter der Woche ist man oft fast allein. Strömungen beachten – die Nordwestküste ist exponierter als die Südseite.

Die Felswände: Imposante Kulisse
Was Alojera von anderen Küstenorten unterscheidet, sind die Felswände, die das Dorf auf drei Seiten einschließen. Senkrechte Basaltsteilwände, teils mit Vegetation überwachsen, teils nackt und dunkel – eine geologische Kulisse, die den Ort theatralisch wirken lässt. Von der Küstenstraße vor dem Abstieg zur Playa hat man den besten Gesamtblick.

Wandern ab Alojera
Alojera ist Ausgangspunkt für zwei sehenswerte Wanderrouten:
- Wanderung zur Playa del Trigo: Ab der Bar Perdomo in Alojera (Start links neben der Bar); durch Palmenhaine und Bananenfelder; steil und weglos im unteren Teil; ca. 5 km, schwer. Einer der einsamsten Strände der Insel.
- GR-132 nach Vallehermoso über Chorros de Epina: 11,3 km, moderat; durch Palmenhaine und den Bergrücken; vorbei an den Bergquellen Chorros de Epina mit Restaurant und Ermita.

Chorros de Epina
Ca. 8 km östlich von Alojera liegen die Chorros de Epina – Bergquellen am Rand des Nationalparks, die seit Generationen als heilsam gelten. Restaurant, Ermita San Isidro Labrador und Picknickplätze machen den Ort zu einem angenehmen Zwischenstopp zwischen Alojera und Vallehermoso.

Anreise
Alojera liegt an der GM-1 (Vallehermoso → Alojera), ca. 12 km von Vallehermoso entfernt. Die Straße ist eng mit vielen Kurven; vorsichtig fahren und auf Gegenverkehr achten. Kein regulärer Busanschluss; Mietwagen notwendig. Parkplatz im Ortskern und am Weg zur Playa.
Praktische Tipps für den Besuch in Alojera
Zeit für die Serpentinen einplanen: Die Fahrt von Vallehermoso hinunter nach Alojera führt über eine spektakuläre, aber stellenweise sehr enge und kurvenreiche Straße. Wer empfindlich auf Serpentinen reagiert, sollte ausreichend Zeit einplanen und besonders bei Gegenverkehr langsam fahren.
Baden mit Bedacht: Die Playa de Alojera liegt wunderbar abgeschieden, verfügt aber über keinen Rettungsschwimmer. An der exponierten Nordwestküste können Wellengang und Strömungen deutlich stärker sein als an geschützteren Stränden im Süden. Vor dem Baden deshalb immer die aktuellen Bedingungen einschätzen.
FAQ
Kann man in Alojera übernachten?
Ist die Playa de Alojera familienfreundlich?
Wann hat die Casa de la Miel de Palma in Alojera geöffnet?
Wie anspruchsvoll ist die Wanderung zur Playa del Trigo?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


