Mirador de Igualero: Silbo-Denkmal, La Fortaleza und La Palma – 1.300 m über dem Süden
Es gibt Aussichtspunkte auf La Gomera, die nur einen Blick zeigen. Und es gibt den Mirador de Igualero – einen Ort, der drei Dinge gleichzeitig ist: ein kulturelles Denkmal für die Pfeifsprache El Silbo, ein Aussichtspunkt mit dramatischem Blick auf den Tafelberg La Fortaleza und den tief eingeschnittenen Barranco del Erque, und der Startpunkt einer der schönsten Fernwanderungen der Insel – der Strecke von Igualero nach La Rajita, auf Sunhikes dokumentiert mit 11,1 km, 1.464 Hm bergab, schwer.

Auf 1.300 m Höhe, am Schnittpunkt der Bergstraßen CV-13 und CV-17 – dem südlichen Ende des Naturparks Garajonay – steht der Mirador de Igualero als stiller Ankerpunkt im Hochland. Daneben die kleine Iglesia de San Francisco, dahinter die Felsmasse von La Fortaleza, und an klaren Tagen über allem: La Palma am Horizont.
Der Mirador auf einen Blick
| Höhe | Ca. 1.300 m |
|---|---|
| Lage | Schnittpunkt CV-13/CV-17; südliches Ende des Naturparks Garajonay |
| Kulturelles Merkmal | Monumento al Silbo Gomero – Skulptur zum UNESCO-Kulturerbe El Silbo |
| Kirche | Iglesia de San Francisco – direkt am Mirador |
| Blick 1 | La Fortaleza de Chipude (1.231 m) – Tafelberg direkt gegenüber |
| Blick 2 | Barranco del Erque – tief eingeschnittene Schlucht mit Terrassenfeldern |
| Blick 3 | Alto de Garajonay (1.484 m) – sichtbar nach Nordosten |
| Blick 4 | La Palma – bei klarer Sicht am Nordwesthorizont sichtbar |
| Wanderstart | GR-132.1 → La Rajita: 11,1 km / 1.464 Hm bergab / schwer (Sunhikes) |
Das Monumento al Silbo Gomero: Denkmal für eine Sprache
Das Herzstück des Miradors ist keine Plattform und kein Restaurant – es ist eine Skulptur. Das Monumento al Silbo Gomero, das dem UNESCO-Kulturerbe der Pfeifsprache El Silbo gewidmet ist, steht direkt am Aussichtspunkt: eine abstrakte Plastik, die die Kommunikation durch Pfeifen – über Schluchten, Berge, Kilometer – als künstlerisches Objekt fasst.

El Silbo Gomero ist keine Touristenattraktion, die eigens für Reisende erfunden wurde. Es ist eine lebendige Kommunikationsform der Gomeros, die über Jahrhunderte entwickelt wurde, weil die tiefen Barrancos der Insel jede andere Kommunikation über Distanz unmöglich machten. Durch Pfeifen ließen sich Nachrichten über Distanzen von mehreren Kilometern übertragen. 2009 wurde El Silbo Gomero von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt; seit 1999 ist es Pflichtfach in den Schulen La Gomeras.
Dass das Denkmal am Mirador de Igualero steht, ist kein Zufall: Von hier aus – auf 1.300 m, mit freiem Blick in den Barranco del Erque und auf La Fortaleza – lässt sich ermessen, über welche Distanzen und Schluchten die Pfeifsprache einst genutzt wurde. Kein Lärm, kein Verkehr. Nur der Wind. Und weit unten im Barranco: das Tal Erque, das mit einem gepfiffenen Satz erreichbar war.
Die Iglesia de San Francisco: Kapelle am Aussichtspunkt
Direkt am Mirador de Igualero steht die Iglesia de San Francisco – eine kleine Kapelle in der typisch kanarischen Bauweise: weißgetünte Fassade, Glockenturm, schlichte Innenausstattung. Sie ist in der Regel bei besonderen Anlässen geöffnet; der Vorplatz mit Blick auf La Fortaleza und den Barranco ist jederzeit zugänglich.

Die Kapelle und das Silbo-Denkmal bilden zusammen eine Einheit aus kulturellem Gedächtnis und religiösem Ort – typisch für La Gomera, wo Sakralbauten oft die schönsten Aussichtspunkte der jeweiligen Gemeinde besetzen.
Die vier Blickrichtungen
Blick 1: La Fortaleza de Chipude (1.231 m)
Der dominierende Blick vom Mirador de Igualero ist der auf La Fortaleza de Chipude – den Tafelberg, der 1.231 m hoch direkt vor dem Aussichtspunkt steht. Vom Mirador aus sieht man La Fortaleza so, wie sie am eindrucksvollsten ist: nicht als flache Silhouette von der Ferne, sondern als Mauer mit senkrecht abbrechenden Basaltkanten. Die Südflanke der Fortaleza fällt direkt in den Barranco del Erque – ein senkrechter Sturz von mehreren Hundert Metern. Genau dieser Blick auf die Steilwand ins Barranco Erque zählt zu den eindrucksvollsten Perspektiven der Wanderung Igualero–La Rajita.

Blick 2: Barranco del Erque mit Terrassenfeldern
Unter dem Mirador öffnet sich der Barranco del Erque – eine der tiefsten und wildesten Schluchten im Südwesten La Gomeras. Die Flanken des Barrancos sind mit terrassierten Feldern überzogen, die Generationen angelegt haben: horizontale Steinmauern auf steilem Basalt, die noch immer teilweise bewirtschaftet werden. Die Sunhikes-Wanderung Igualero→La Rajita führt durch diesen Barranco; die Route dokumentiert u.a. Ziegenherden auf den Feldern bei Erque – ein Bild, das zeigt, wie lebendig diese scheinbar menschenleere Landschaft noch ist.

Blick 3: Alto de Garajonay im Nordosten
Nach Nordosten hin – in Richtung des Nationalparks – ist der Alto de Garajonay (1.484 m) sichtbar: der höchste Punkt La Gomeras, der Gipfel, von dem aus an klaren Tagen alle sieben Kanarischen Hauptinseln zu sehen sind. Vom Mirador de Igualero liegt er näher als von fast allen anderen Aussichtspunkten der Südhälfte – die CV-13 führt direkt am Rand des Nationalparks entlang, Igualero liegt am südlichen Eingang.
Blick 4: La Palma und das Wolkenmeer
Das, worüber Besucher am häufigsten staunen: Bei klarer Sicht ist La Palma vom Mirador de Igualero aus sichtbar – die „Isla Bonita“ mit der Caldera de Taburiente, ca. 140 km im Nordwesten. Von hier aus zeigt sich La Palma in drei unterschiedlichen Perspektiven: einmal über La Fortaleza hinweg, einmal über das Wolkenmeer, einmal als weiter Ausblick bis zur Nachbarinsel. Das Wolkenmeer darunter ist das Passatwolkenband, das die Inseln trennt – Igualero liegt hoch genug, um darüber zu schauen.

Wanderung Igualero → La Rajita: Sunhikes-Route
Der Mirador de Igualero ist der offizielle Startpunkt der Wanderung von Igualero nach La Rajita – einer der spektakulärsten Streckentouren im Südwesten La Gomeras, auf Sunhikes vollständig dokumentiert:
| Start | Mirador de Igualero (ca. 1.300 m) |
|---|---|
| Ziel | Playa de La Rajita (Meeresniveau) |
| Distanz | 11,1 km |
| Höhenmeter bergab | 1.464 m |
| Höhenmeter bergauf | 169 m |
| Dauer | 3:45–4:15 h |
| Schwierigkeit | Mittel bis schwer (GR-132.1) |
| Beste Zeit | Oktober bis April |

Was man auf der Route sieht
Sunhikes beschreibt die Route detailliert: Ab dem Mirador geht es durch Terrassenfelder bergab, dann auf dem GR-132.1 durch das Barranco Jina. Beim Dorf Erque: links abbiegen – wer rechts geht, landet im Dorf, nicht auf dem Weg. Bei Erque sind Ziegenherden auf den Feldern ein typisches Bild der Route. Weiter durch verlassene Felder, vorbei an den Ruinen von Las Chenejigas (ehemalige Terrassenfelder), an wilden Artischocken und dem Weiler El Drago. Abstieg durch den Barranco de la Rajita zum Meer.
Der Blick, der die Route definiert: La Fortaleza mit der Steilwand ins Barranco Erque – senkrechte Basaltwände, die man von der Wanderroute aus fast in voller Höhe sieht. Steinmänner markieren den Weg durch die Terrassenfelder; GPS-Track (Sunhikes) offline speichern.
Tipp für die An- und Rückreise:
Wer die spektakuläre Wanderung von Igualero nach La Rajita plant, sollte den Rückweg unbedingt vorher organisieren. An der einsamen Küste von La Rajita gibt es keine öffentliche Busverbindung. Praktisch ist die klassische Zwei-Auto-Lösung: Ein Fahrzeug bleibt am Startpunkt, ein zweites steht am Ziel. Alternativ kann man rechtzeitig ein Taxi für den Rücktransport ins Hochland vorbestellen.
Anreise
Der Mirador de Igualero liegt am Schnittpunkt der Bergstraßen CV-13 und CV-17. Von Chipude aus ca. 3 km nordöstlich. Von San Sebastián ca. 40–45 Minuten (GM-1 → CV-12 → CV-13). Von Valle Gran Rey ca. 25 Minuten (CV-13 über Arure). Parkplatz direkt am Mirador; Platz für ca. 10–15 Fahrzeuge.

FAQ – Häufige Fragen zum Mirador de Igualero auf La Gomera
Was ist El Silbo Gomero genau?
Ist die Wanderung nach La Rajita ohne Guide machbar?
Kann man vom Mirador de Igualero immer La Palma sehen?
Lohnt sich der Mirador de Igualero auch ohne Wanderung?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


