Mirador del Erque: Bizarre Felsen, einsame Finca und Blick ins Naturschutzgebiet Orone
Der Mirador del Erque ist kein Aussichtspunkt, den man zufällig besucht. Er liegt im Naturschutzgebiet Orone (Paisaje Protegido de Orone) – einer der wenig erschlossenen Schutzzone im Südwesten La Gomeras – und ist nur zu Fuß erreichbar, ab dem Mirador de Igualero. Wer ihn kennt, kennt La Gomera jenseits der Straßen und Parkplätze.

Was ihn auszeichnet: Der Blick in den Barranco del Erque ist wilder und tiefer als von Igualero – man ist näher dran. Bizarre Felsformationen mit Vegetation in den Spalten. Eine einsame Finca, die von der Straße aus nie sichtbar wäre. Und der Atlantik, der am Ende des Barrancos als schmaler blauer Streifen erscheint.
Der Mirador auf einen Blick
| Lage | Naturschutzgebiet Orone (Paisaje Protegido de Orone); Südwesthang La Gomeras |
|---|---|
| Zugang | Nur zu Fuß – ab Mirador de Igualero, ca. 30–45 Minuten einfach |
| Schutzstatus | Paisaje Protegido de Orone – Schluchten Erques-La Rajita und La Negra |
| Charakter | Wildromantischer Aussichtspunkt ohne touristische Infrastruktur |
| Blick | Barranco del Erque; einsame Finca; bizarre Felsformationen; Atlantik |
| Sunhikes | Als POI „Mirador del Erque“ in Verbindung mit Wanderung Igualero→La Rajita |
Das Naturschutzgebiet Orone
Der Mirador del Erque liegt im Herzen des Paisaje Protegido de Orone – einer Landschaftsschutzzone, die die Schluchten Erques-La Rajita und die Schlucht La Negra umfasst. Orone ist einer der am wenigsten bekannten Schutzgebietsnamen auf La Gomera – weniger prominent als der Nationalpark Garajonay, aber landschaftlich nicht weniger eindrucksvoll.

Das Orone-Schutzgebiet schützt eine Landschaft, die aus zwei Elementen besteht: tiefen Basaltschluchten, die senkrecht zur Küste verlaufen, und den dazwischenliegenden Hochflächen mit halbverlassenen Bauernhöfen und Terrassenfeldern. Es ist eine Landschaft, in der Menschenarbeit und geologische Gewalt nebeneinander bestehen – und die ohne Schutzstatus längst verändert wäre.
Im Orone-Schutzgebiet liegen auch die Dörfer Erque, Erquito und Las Chenejigas – alle halbverlassen, alle Teil der Wanderroute Igualero→La Rajita, auf Sunhikes vollständig dokumentiert.
Die vier Blickrichtungen
Blick 1: Barranco del Erque
Der zentrale Blick vom Mirador del Erque geht in den Barranco del Erque – denselben Barranco, den man auch vom Mirador de Igualero sieht, aber hier aus einer anderen Perspektive: tiefer, näher, weniger Abstand zu den Schluchtflanken. Man sieht die Steilwände direkt gegenüber, die Terrassenfelder in den Flanken, und hört – bei Stille – das Rauschen des Winds durch die Schlucht.

Blick 2: Die einsame Finca
Das ikonischste Motiv des Mirador del Erque ist nicht die Schlucht – es ist die einsame Finca. Ein einzelnes Gebäude, in einer Hanglage, die von der Straße aus nie zu sehen wäre: gut gelegen, exponiert, von Terrassenfeldern umgeben, mit freiem Blick auf den Barranco. Wer diese Finca lebt oder gelebt hat, und wie man täglich zum nächsten Ort gelangt – das sind Fragen, die La Gomeras Geschichte erzählen.

Die schön gelegene, einsame Finca am Mirador ist eines der stärksten Motive der gesamten Orone-Landschaft.
Blick 3: Die bizarren Felsformationen mit Vegetation
Unmittelbar am Mirador wachsen Pflanzen aus den Felsrissen – Kanarische Wolfsmilch (Euphorbia canariensis), Tabaibas und einzelne Palmen, die sich in Felspalten eingeklemmt haben. Diese Felsformationen sind geologisch alt – Basalt, der über Jahrmillionen erodiert ist und durch die Erosion bizarre Formen angenommen hat: Überhänge, Türme, zerklüftete Kanten.

Blick 4: Der Atlantik am Barranco-Ende
Am Ende des Barrancos del Erque, wo die Schlucht sich zur Küste öffnet, erscheint der Atlantik als schmaler, intensiver Streifen. Die Tiefenstaffelung ist eindrücklich: Felsformationen im Vordergrund, Barranco in der Mitte, Meer dahinter. Der blaue Streifen macht deutlich, wie weit man von der Küste entfernt ist – und wie nah La Gomera ist, obwohl man auf 1.200 m steht.
Der Weg zum Mirador del Erque
Da der Mirador del Erque nicht mit dem Auto erreichbar ist, gibt es zwei Zugangswege:
- Ab Mirador de Igualero zu Fuß: Der direkteste Zugang führt vom Mirador de Igualero in Richtung Barranco del Erque. Vom Hauptweg zweigt der Zugang zum Mirador del Erque ab. Je nach Wegführung benötigt man etwa 30–45 Minuten einfach. Der Pfad ist stellenweise schmal und steinig und sollte nicht unterschätzt werden.
- Als Teil der Wanderung Igualero→La Rajita (11,1 km, 1.464 Hm bergab, schwer): Der Mirador del Erque liegt auf der ersten Hälfte der Route. Wer die volle Strecke geht, passiert ihn automatisch.

Tipp für den Fußweg zum Mirador del Erque:
Der Weg ab Igualero ist zwar kurz, führt aber teilweise über schmale und steinige Pfade. Schatten und Infrastruktur gibt es unterwegs kaum. Festes Schuhwerk, ausreichend Trinkwasser und eine offline gespeicherte GPS-Navigation sind deshalb empfehlenswert.
Was es zu beachten gibt
- Der Mirador del Erque liegt im Schutzgebiet Orone. Das Verlassen der Wege ist nicht verboten, aber nicht empfohlen – die Steilhänge sind rutschig und die Rettungswege lang.
- Keine Gastronomie, kein Trinkwasser am Mirador selbst. Wasserversorgung ab Igualero (Parkplatz) mitbringen.
- GPS-Track offline speichern (Sunhikes). Der Weg ab Igualero ist teilweise weglos; Markierungen durch Steinmänner.
Die Flora am Mirador del Erque
Die Vegetation rund um den Mirador del Erque ist das Ergebnis einer ungewöhnlichen Kombination: trockenes Südklima, basaltisches Gestein und die Restfeuchte aus dem Naturschutzgebiet Orone. Das ergibt eine Trocken-Sukkulentenflora mit einzelnen Elementen der Lorbeerwald-Zone:
- Kanarische Wolfsmilch (Euphorbia canariensis) – die charakteristischen grünen Säulen, die aus Felsrissen wachsen. Sie sind giftig (Milchsaft), aber optisch unverwechselbar. In Dürreperioden ist ihr Milchsaft die einzige Wasserquelle mancher Reptilien.
- Kanarische Tabaiba (Euphorbia regis-jubae) – niedrige Wolfsmilchsträucher, die die trockenen Flanken des Barrancos überziehen. Blüte im Frühjahr mit kleinen gelben Blüten.
- Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) – einzelne Exemplare in den Felspalten; Überreste aus ehemaliger Landwirtschaft.
- Zedern-Wacholder (Juniperus cedrus) – an windexponierten Stellen; endemisch; windgeformt zu flachen, ausladenden Formen.
Diese Vegetation zeigt eindrücklich, wie Pflanzen im Orone-Schutzgebiet mit extremen Standortbedingungen umgehen.

Was den Mirador del Erque von Igualero unterscheidet
Beide Aussichtspunkte liegen im selben Gebiet und zeigen denselben Barranco – aber aus verschiedenen Perspektiven. Ein direkter Vergleich:
| Merkmal | Mirador de Igualero | Mirador del Erque |
| Erreichbarkeit | Mit Mietwagen (Parkplatz) | Nur zu Fuß (30–45 Min. ab Igualero) |
| Blick auf La Fortaleza | Frontal; klassisches Motiv | Seitlich; weniger prominent |
| Blick in Barranco | Aus grösserer Distanz | Näher; tiefer; intimer |
| Einsame Finca sichtbar | Nein | Ja – ikonisches Motiv |
| Kulturelles Element | Silbo-Denkmal + Iglesia San Francisco | Nur Natur; keine Infrastruktur |
| Besucheraufkommen | Moderat (Straßenstopp) | Sehr gering (echter Insidertipp) |
| Für wen | Für alle; Auto-Stopp möglich | Für Wanderer + La-Gomera-Kenner |

Anreise
Der Mirador de Igualero ist immer der Ausgangspunkt. Dieser ist mit dem Mietwagen über die GM-1 und die lokale Zufahrt nach Igualero erreichbar. Am Mirador de Igualero gibt es einen Parkplatz. Von dort aus geht es zu Fuß weiter zum Mirador del Erque, was je nach Wegführung etwa 30 bis 45 Minuten dauert. Es gibt keinen Bus. Von San Sebastián aus benötigt man mit dem Auto ungefähr 40 Minuten bis Igualero.
FAQ – Häufige Fragen zum Mirador del Erque auf La Gomera
Warum ist der Mirador del Erque nicht mit dem Auto erreichbar?
Was ist das Paisaje Protegido de Orone?
Wie schwierig ist der Weg zum Mirador del Erque?
Kann man den Mirador del Erque mit einer längeren Wanderung verbinden?
Gibt es an dem Aussichtspunkt Sitzmöglichkeiten oder schattige Plätze?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


