Mirador Degollada de Peraza: Passatwolken, Geschichte und Tiefblick ins Barranco
Auf 900 m Höhe, an der Stelle, wo die GM-2 durch eine natürliche Lücke im Bergkamm führt, liegt einer der historisch bedeutungsvollsten Aussichtspunkte La Gomeras: die Degollada de Peraza. Der Name klingt nach Schlucht – und ist einer: „Degollada“ bedeutet „Kehle“, ein Passeinschnitt. Benannt nach der Familie Peraza, den ersten spanischen Gouverneuren La Gomeras.

Was die Degollada de Peraza bekannt macht, ist nicht nur der Blick – sondern das Passatwolken-Schauspiel. Hier, an dieser Kammlücke, strömen die Nordostpassate durch und schieben Wolkenbänder über den Kamm. Man steht auf der Sonnenseite und sieht, wie Wolken über die Felsen rollen und auf der Nordseite verdampfen. Ein atmosphärisches Schauspiel, das sich täglich wiederholt.
Der Mirador auf einen Blick
| Höhe | Ca. 900 m |
|---|---|
| Lage | GM-2 (Nationalpark-Querstraße); zwischen San Sebastián und Roque de Agando |
| Name | Degollada = Passeinschnitt; Peraza = Familie der ersten spanischen Gouverneure La Gomeras |
| Blick Süd | Barranco de las Lajas; Terrassenfelder; Atlantik; Alajeró; Playa de Santiago |
| Blick Nord | Barranco de Juan de Vera; Chejelipes; Nordküste |
| Besonderheit | Passatwolken-Schauspiel; Lage am historischen Passweg der Insel |
| Infrastruktur | Parkplatz; Geländer; Informationstafeln; kleine Bar Peraza; kostenlos; Guagua-Haltestelle am Pass |
Die Geschichte des Passes
Die Degollada de Peraza war jahrhundertelang der wichtigste Übergang zwischen der Ost- und Westseite La Gomeras. Bevor die GM-2 gebaut wurde (in den 1970er Jahren), war dieser natürliche Passeinschnitt der schnellste Weg vom Hochland Richtung Westen. Maultierkarawanen, Hirten mit Ziegenherden, Händler mit Gütern – alle nahmen diesen Weg.

Der Name „Peraza“ erinnert an die Familie, die La Gomera nach der kastilischen Eroberung als Herren der Insel prägte. Hernán Peraza el Viejo ließ 1447 den Torre del Conde in San Sebastián errichten. Sein Sohn Hernán Peraza el Joven übernahm später die Herrschaft über die Insel und wurde 1488 von dem Gomero Hautacuperche getötet. Sein Tod löste den großen Aufstand der Gomeros gegen die Herrschaft der Peraza aus. Die Degollada trägt den Namen der Familie, deren Einflussgebiet sich über weite Teile La Gomeras erstreckte.
Das Passatwolken-Schauspiel
Was die Degollada de Peraza zu einem besonderen Beobachtungsort macht, ist die Passatdynamik. Der Nordostpassat – der konstante Atlantikwind, der das Klima der Kanarischen Inseln prägt – trifft hier auf das Bergmassiv La Gomeras. Der Kamm ist zu hoch für die Wolken; sie müssen durch die Lücke, die Degollada.
Was man sieht: Wolkenbänder, die aus dem Norden heranrollen, sich an der Kammlinie stauen, dann durch den Pass drängen und auf der Südseite sofort verdampfen – weil die wärmere, trockenere Luft des Südens die Feuchtigkeit sofort auflöst. Das Staunen ist garantiert: Man steht auf der Sonne (Südseite) und schaut auf eine Wolkenproduktion, die sich in Echtzeit vollzieht.
Dieses Phänomen nennt sich „Föhn-Effekt“ – auf der Leeseite (Südseite) erwärmt sich die Luft beim Absteigen und trocknet aus. Die Wolken, die auf der Nordseite entstehen, lösen sich auf der Südseite auf. Auf La Gomera ist dieser Effekt besonders ausgeprägt, weil die Insel klein und der Kamm hoch ist.
Das Barranco de Juan de Vera: Der Tiefblick
Auf der Nordseite des Passes öffnet sich der Blick ins Barranco de Juan de Vera – eine der tiefen Schluchten, die sich von der Hochebene zur Nordküste ziehen. Die Terrassenfelder an den Hängen sind von hier deutlich zu sehen: Jahrhunderte menschlicher Arbeit, geometrisch präzise, auf steilem Basaltuntergrund. Das Dorf Chejelipes liegt im Talbereich – von hier oben als kleine Ansammlung von Häusern sichtbar.
Der Blick ins Barranco de Juan de Vera zeigt einen anderen Aspekt La Gomeras als die Südküsten-Panoramen: kein Strand, kein Hafen, keine Fähre. Nur die Schlucht, die Terrassenfelder und das Meer am Ende.

Chejelipes: Das Dorf im Barranco
Am unteren Ende des Barrancos de Juan de Vera liegt Chejelipes – ein kleiner Weiler, der von der Degollada de Peraza aus sichtbar ist. Er ist über eine enge Straße erreichbar und einer jener Orte, die man kennt, wenn man La Gomera wirklich kennt. Keine Sehenswürdigkeit im klassischen Sinne; ein lebendiger Beweis, dass die Barrancos der Insel bewohnt sind.
Wanderweg ab Degollada de Peraza
Die Degollada de Peraza ist Ausgangspunkt oder Etappenort für mehrere Wanderungen:
- Roque de Agando – La Laja – Degollada de Peraza – Ermita de las Nieves (9,8 km, moderat): Strecke ab GM-2-Parkplatz Roque de Agando; über La Laja; endet an der Ostküste. Auf Sunhikes dokumentiert.
- GR-131 Abschnitt San Sebastián → Degollada: Der Fernwanderweg GR-131 führt durch die Degollada de Peraza – für Mehrtages-Wanderer ein wichtiger Passierpunkt.
Praktisch für Streckenwanderer: An der Degollada de Peraza gibt es eine Guagua-Haltestelle. Dadurch lässt sich der Pass nicht nur mit dem Mietwagen erreichen, sondern auch als Ein- oder Ausstiegspunkt für Wanderungen nutzen. Die Busverbindungen sind allerdings nicht mit einem eng getakteten Stadtfahrplan vergleichbar – die Abfahrtszeiten sollte man vor der Wanderung prüfen.

Anreise und Lage
Die Degollada de Peraza liegt an der GM-2 zwischen San Sebastián und dem Inselinneren, etwa 8 km von San Sebastián entfernt. Der Pass ist gut ausgeschildert; ein Parkplatz liegt direkt an der Straße. Auch mit der Guagua ist die Degollada erreichbar, da sich direkt am Pass eine Haltestelle befindet. Damit eignet sich der Ort besonders gut als Ausgangs- oder Endpunkt für Streckenwanderungen. Wer mit dem Bus unterwegs ist, sollte die Fahrzeiten vorab prüfen.
Mit dem Auto lässt sich der Pass von San Sebastián in etwa 15 Minuten erreichen. Wer anschließend weiter über die GM-2 fährt, kann die Fahrt mit Stopps an Mirador de Tajaqué, den Roques und weiteren Aussichtspunkten verbinden.

Praktische Tipps für die Degollada de Peraza
- Wind und Temperatur: Auf rund 900 Metern kann es an der Passhöhe deutlich kühler und windiger sein als an der Küste. Eine leichte winddichte Jacke gehört deshalb auch an warmen Tagen ins Auto oder in den Rucksack.
- Kleine Pause: Direkt am Pass gibt es mit der Bar Peraza eine einfache Möglichkeit für einen Kaffee oder eine kleine Stärkung.
- Mit der Guagua: Die Degollada de Peraza besitzt eine Bushaltestelle und ist damit auch für Wanderer ohne Mietwagen interessant. Vor allem bei Streckenwanderungen kann das praktisch sein – die Fahrzeiten sollte man allerdings vorher kontrollieren.
FAQ Häufige Fragen zum Mirador Degollada de Peraza
Was bedeutet „Degollada“?
Zu welcher Tageszeit ist das Passatwolken-Schauspiel am besten?
Warum ist die Südseite der Degollada sonnig und die Nordseite bewölkt?
Kann man die Degollada de Peraza mit dem Bus erreichen?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


