Hermigua – Die große Runde: Auf den Gipfel und durch beide Schluchten

22,1 Kilometer. 1.349 Höhenmeter. Schwierigkeitsgrad schwer. Die große Runde ab Hermigua ist die anspruchsvollste Eintages-Wanderung auf La Gomera, die direkt aus einem Ort startet. Sie führt durch das komplette Barranco del Cedro hinauf auf den Alto de Garajonay (1.487 m), dann hinunter durch den Barranco del Rejo mit seinen drei Wasserfällen, durch den Weiler Parada und zurück nach Hermigua.

Blick über terrassierte Felder bis Hermigua
Blick über terrassierte Felder bis Hermigua

Diese Tour kombiniert alles, was die Schluchtenwelt von Hermigua zu bieten hat: den Stausee Embalse de los Tiles, den Wasserfall Chorro del Cedro, die Siedlung El Cedro, den Gipfelmauerkranz auf 1.487 m, die drei Wasserfälle im Barranco del Rejo, die Felskapelle in Parada – und den Blick auf die Roques Pedro y Petra, wenn man nach einem langen Tag wieder unten in Hermigua ankommt.

Wer diese Runde schafft, hat La Gomera von innen gesehen. Dieser Artikel erklärt jede Station, was man braucht – und warum man früh aufstehen sollte.

Die große Runde auf einen Blick

Alle wichtigen Daten zur härtesten Tagesrunde ab Hermigua:

Streckenlänge22,1 km (Rundweg)
Höhenmeter1.349 Hm
Gehzeitca. 7:00–9:00 Stunden
SchwierigkeitSchwer
CharakterAufstieg Barranco del Cedro → Gipfel Alto Garajonay → Abstieg Barranco del Rejo → Parada → Hermigua
StartpunktHermigua (Ortzentrum oder Parkplatz)
Höchster PunktAlto de Garajonay, 1.487 m
HighlightsStausee Embalse de los Tiles, Chorro del Cedro, El Cedro, Gipfel, drei Wasserfälle Barranco del Rejo, Parada
Beste SaisonMärz–Mai (Frühling: optimale Bedingungen)
Geeignet fürErfahrene Wanderer mit sehr guter Kondition; nicht für Einsteiger
VerpflegungAusreichend für 7–9 h; Restaurant La Vista in El Cedro manchmal offen

Die Route im Detail: Fünf Stationen

Die große Runde lässt sich in fünf klar unterscheidbare Abschnitte einteilen.

Station 1: Hermigua → Stausee → Chorro del Cedro

Vom Ortszentrum Hermigua steigt man durch terrassierte Felder und Palmenhaine bergauf. Bald öffnet sich der Blick auf den Stausee Embalse de los Tiles – ein grüner Spiegel inmitten der Schlucht. Weiter oben fällt das erste Highlight ins Auge: der Chorro del Cedro, der ca. 150 Meter über eine mit Moos bewachsene Steilwand in die Tiefe stürzt. Von der Route aus sieht man ihn in voller Länge.

Wasserfall El Chorro del Cedro, La Gomera.
Wasserfall El Chorro del Cedro, La Gomera.

Station 2: Barranco del Cedro → El Cedro → Ermita de Lourdes

Der Aufstieg führt weiter durch das Barranco del Cedro – bachbegleitend, mit Holzbrückenquerungen, durch dichten Lorbeerwald. Die Siedlung El Cedro mit ihren Fincas, dem Campingplatz und der Aula de Naturaleza liegt auf halber Höhe. Ein Stück weiter oben: die Ermita de Lourdes mit dem lebenden Baum und den Buchfinken.

Stufen zwischen großen Felsblöcken im Barranco El Cedro.
Stufen zwischen großen Felsblöcken im Barranco El Cedro.

Station 3: Alto de Garajonay – 1.487 m

Von Las Mimbreras geht es steil aufwärts auf den Alto de Garajonay. Wer morgens um 6:30 Uhr in Hermigua startet, erreicht den Gipfel gegen 10:00–10:30 Uhr – bei klarem Frühlingswetter mit dem besten Panorama des Tages. Sechs Inseln, Mauerkranz, volle Kondition noch vorhanden.

Blick vom Alto de Garajonay über ein dichtes Wolkenmeer zum fernen Teide auf Teneriffa.
Blick vom Alto de Garajonay über ein dichtes Wolkenmeer zum fernen Teide auf Teneriffa.

Station 4: Barranco del Rejo → Drei Wasserfälle → Parada

Vom Gipfel geht es über den Barranco del Rejo hinunter – durch die Schlucht, zu den drei Wasserfällen mit den Holzplattformen und weiter nach Parada. Die Holzplattformen über den Wasserfällen sind ein zweites Highlight nach dem Gipfel – und ein guter Rastpunkt nach dem langen Abstieg.

Kleiner Wasserfall über schroffe, bemooste Felsformationen im Barranco del Rejo, Nationalpark Garajonay.
Kleiner Wasserfall über schroffe, bemooste Felsformationen im Barranco del Rejo, Nationalpark Garajonay.

Station 5: Parada → Hermigua

Von Parada führt der letzte Abschnitt bergab zurück nach Hermigua. Die Beine sind müde, aber der Blick auf die Roques Pedro y Petra und das Tal entschädigt. Man ist nach ca. 7–9 Stunden zurück – und hat La Gomera in einem einzigen Tag von Nord bis Gipfel erlebt.

Panoramablick über das Tal von Hermigua mit weißen Dorfhäusern, terrassierten Hängen und Atlantikausblick.
Panoramablick über das Tal von Hermigua mit weißen Dorfhäusern, terrassierten Hängen und Atlantikausblick.

Hermigua: Ausgangspunkt, Ziel und Ortserkundung

Hermigua ist nicht nur Logistikpunkt – es ist einer der schönsten Orte La Gomeras und einen eigenen Besuch wert.

Roques Pedro y Petra und Pescante

Die Roques Pedro y Petra – zwei freistehende Felstürme über dem Ort – sind das Wahrzeichen von Hermigua. Am Ortsrand liegt der historische Pescante de Hermigua: eine alte Verladestation aus Betonpfeilern, die einst für den Bananenexport genutzt wurde. Heute umrahmt ein Naturschwimmbecken die Stahlkonstruktion im Meer.

die Felsen Roques Pedro y Petra in Hermigua
die Felsen Roques Pedro y Petra in Hermigua

Das Kloster und das Convento

Das Kloster Convento de San Pedro Apóstol aus dem 16. Jahrhundert ist das prägende Bauwerk von Hermigua. Es liegt im Herzen des Dorfes und gibt ihm seine charakteristische Silhouette. Heute beherbergt es kulturelle Veranstaltungen und ist ein Orientierungspunkt im Ort.

Das Kloster Convento De San Pedro Apóstol in Hermigua
Das Kloster Convento De San Pedro Apóstol in Hermigua

Hermigua: Der schönste Ort der Nordküste

Hermigua ist eines der authentischsten Dörfer La Gomeras: terrassierte Felder bis in die Steilhänge, die Felsnadeln Roques Pedro y Petra als Wahrzeichen, das Kloster Convento de San Pedro Apóstol und der Stausee mit dem Fischadler-Brutgebiet. Eine Übernachtung in Hermigua vor oder nach der großen Runde ist empfehlenswert.

Vorbereitung: Was man für diese Tour braucht

Die große Hermigua-Runde ist keine Tour, die man ohne Vorbereitung angeht. 22,1 km und 1.349 Hm sind eine echte Herausforderung – auch für erfahrene Wanderer.

Früh starten ist Pflicht

Start: 6:00–6:30 Uhr in Hermigua. Damit ist man gegen 10:00 Uhr auf dem Gipfel (bestes Panorama), gegen 12:00–13:00 Uhr an den Rejo-Wasserfällen und gegen 15:00–16:00 Uhr zurück in Hermigua. Wer später startet, wandert in der Dämmerung zurück.

Verpflegung und Wasser

Für 7–9 Stunden braucht man ausreichend Kalorien und mindestens 2,5 l Wasser. Das Restaurant La Vista in El Cedro ist nicht täglich geöffnet – auf eine Einkehr verlassen sollte man sich nicht. Eigene Verpflegung für den gesamten Tag mitbringen. Das Leitungswasser auf La Gomera ist gechlort; eigenes Trinkwasser.

Wanderpfad durch subtropischen Urwald in der El Cedro-Schlucht
Wanderpfad durch subtropischen Urwald in der El Cedro-Schlucht

Anfahrt und Startpunkt Hermigua

Hermigua liegt an der Nordküste La Gomeras und ist über die GM-2 gut erreichbar. Der Aufstieg beginnt direkt im Ort.

Anreise mit dem Mietwagen

Von San Sebastián sind es ca. 15–20 Minuten auf der GM-2. Parken im Ortzentrum von Hermigua – es gibt öffentliche Parkplätze nahe der Kirche und am Ortseingang. Der Startpunkt der Wanderung ist gut ausgeschildert. Normaler Mietwagen reicht aus.

Beste Reisezeit

Die große Runde hat eine klare Hauptsaison:

JahreszeitCharakterHinweis
Jan – FebKalt, Wasser hoch, Nebel am GipfelFür Hartgesottene; Gipfelpanorama eingeschränkt
Mär – MaiMild, Wasserfall und Bachläufe auf Höchststand, beste SichtOptimale Reisezeit; alle Stationen ideal
Jun – SepWarm, langer Tag, weniger WasserNur mit Frühstart; Hitze auf dem langen Weg belastend
Okt – DezHerbst, wechselhaftKürzere Tage; Frühstart wichtiger denn je

Der Frühling (März–Mai) ist die einzige Jahreszeit, in der alle Highlights gleichzeitig optimal sind: Wasserfall stark, Gipfelpanorama klar, Barranco del Rejo wasserreich, Temperaturen angenehm.

Wanderpfad über einen breiten, flechtenbewachsenen Felsen, umgeben von üppigem Farnbewuchs im Barranco del Rejo.
Wanderpfad über einen breiten, flechtenbewachsenen Felsen, umgeben von üppigem Farnbewuchs im Barranco del Rejo.

Ausrüstung

SchuheFeste Wanderschuhe mit Knöchelschutz – absolute Pflicht; langer Tag mit felsigen Abschnitten
WasserMindestens 2,5 l; 7–9 Stunden Gehzeit
VerpflegungVollständige Tagesverpflegung – keine Einkehrmöglichkeit auf Strecke garantiert
KleidungSchichtsystem; Fleece + Windjacke; am Gipfel exponiert
RegenschutzPoncho oder Regenjacke; Schluchten ganzjährig feucht
StöckeDringend empfohlen – langer Abstieg, insgesamt 1.349 Hm
AkkuPowerbank; GPS über 8+ Stunden entleert Handy
Erste HilfeKleines Pflaster-/Verbandsmaterial für einen so langen Tag
NavigationGPS-Track offline auf Sunhikes speichern; Empfang im Barranco del Cedro eingeschränkt
Holzbrücken führen über den Bachlauf El Cedro
Holzbrücken führen über den Bachlauf El Cedro

Die Hermigua-Routen im Überblick

Vier Wanderungen führen ab oder durch Hermigua – ein kurzer Vergleich:

Die Hermigua-Routen im Überblick

Vier Wanderungen führen ab oder durch Hermigua – ein kurzer Vergleich:

RouteFaktenCharakter
Hermigua – Alto de Garajonay: Die große Runde22,1 km, 1.349 Hm, schwerVollständig: Cedro + Gipfel + Rejo + Parada
Hermigua – Mirador Morro de Agando (Runde)21,8 km, 1.299 Hm, schwerCedro + Gipfel + Tajaqué + Morro de Agando
Hermigua → Alto de Garajonay → Pajarito (Strecke)11,1 km, 1.271 Hm aufwärts, moderatAufstieg bis Pajarito; zweites Auto nötig
Pajarito → Mirador Morro de Agando → Hermigua (Strecke)10,7 km, hauptsächlich Abstieg, mittel–schwerAbstiegsvariante über den Mirador del Morro de Agando
Das grüne Tal von Hermigua staffelt sich in Terrassen hinab bis zur Küste des Atlantiks.
Das grüne Tal von Hermigua staffelt sich in Terrassen hinab bis zur Küste des Atlantiks.

Praktische Tipps

Diese Tour verlangt dieselbe Disziplin wie die große Hermigua-Runde: früh starten, ausreichend Wasser mitnehmen und die vollständige Ausrüstung dabeihaben. Mit 21,8 Kilometern und 1.299 Höhenmetern ist sie eine schwere, lange Bergwanderung, bei der vor allem der Aufstieg durch das Barranco del Cedro und der anschließende lange Rückweg Kondition und Trittsicherheit verlangen.

Der kritische Punkt ist der Aufstieg auf den Gipfel nach dem langen Barranco del Cedro. Wer am Campingplatz El Cedro merkt, dass die Kräfte nicht reichen, sollte besser über Las Mimbreras nach Hermigua zurückkehren. Die Abkürzung nimmt den Gipfel aus der Tour – bleibt aber selbst eine anspruchsvolle Wanderung.


Die Abzweigung zum Mirador del Morro de Agando liegt auf dem Rückweg über Tajaqué. Hier sollte man den GPS-Track aktiv nutzen, damit man die richtige Abzweigung nicht verpasst.

Auf den tieferen Abschnitten im Barranco del Cedro oder im Reventón Oscuro bricht der Handyempfang zeitweise komplett ab.

Notruf: 112.

Tipp: GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track zur Hermigua auf den Alto de Garajonay – Die große Runde findet man kostenlos auf Sunhikes – Wanderungen auf La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android – am besten offline speichern.

Wer mehrere Touren kombinieren oder die Anfahrt planen möchte: kostenloser Sunhikes-Routenplaner.

Felsturm des Roque Pedro mit angrenzender Höhle in der zerklüfteten Felswand bei Hermigua.
Felsturm des Roque Pedro mit angrenzender Höhle in der zerklüfteten Felswand bei Hermigua.

Hinweis: Nationalpark Garajonay

Die Ruta 18 verläuft großteils im Parque Nacional de Garajonay, seit 1981 Nationalpark und seit 1986 UNESCO-Weltnaturerbe. Die Gesamtfläche beträgt 3.984 Hektar; der höchste Punkt ist der Alto de Garajonay mit 1.487 m. Über 85 % des Parks sind mit Laurisilva-Lorbeerwald bedeckt.

Innerhalb des Nationalparks gilt: kein Feuer entzünden, Hunde nur an der Leine, keine Pflanzen oder Steine entnehmen, ausschließlich markierte Wege begehen, Abfall mitnehmen.

Besucherzentren und Anlaufstellen: An der La Laguna Grande befindet sich ein zentraler Erholungsbereich mit Restaurant und Informationsangeboten. Das Besucherzentrum Juego de Bolas bei Agulo vermittelt dagegen vor allem die Natur, Kultur und traditionelle Lebensweise La Gomeras. Telefonische Auskünfte erhält man unter +34 922 478 402.

Häufige Fragen zur großen Hermigua-Runde

Wie lange dauert diese Wanderung wirklich?

Realistisch: 8–9 Stunden für die 22,1 km und 1.349 Hm – inklusive Pausen, Fotostopps und den langen Blicken vom Gipfel. Wer sportlich unterwegs ist, schafft es in 7 Stunden. Wer langsamer geht, plant 9–10 Stunden ein.

Was ist der Unterschied zu Hermigua – Mirador Morro de Agando – Hermigua (Runde) (Mirador Morro de Agando)?

Hermigua – Alto de Garajonay: Die große Runde (diese Tour) kehrt über den Barranco del Rejo und Parada zurück – mit den drei Wasserfällen auf dem Rückweg. Hermigua – Mirador Morro de Agando – Hermigua (Runde) führt stattdessen über den Mirador del Morro de Agando zurück – ein spektakulärer Aussichtspunkt mit Blick auf den Roque de Agando. Beide sind schwer; Hermigua – Alto de Garajonay: Die große Runde hat etwas mehr Höhenmeter, Hermigua – Mirador Morro de Agando – Hermigua (Runde) den extra Aussichtsblick auf die Roques.

Kann man die Tour verkürzen?

Ja – der natürliche Abkürzungspunkt ist El Cedro. Von dort über Las Mimbreras zurück nach Hermigua ergibt eine moderate Tour von ca. 12–14 km. Wer am Campingplatz El Cedro merkt, dass die Kräfte für den Gipfel nicht reichen, kehrt besser um.

Ist die Strecke technisch schwierig oder „nur“ anstrengend?

Die Wege sind überwiegend gut angelegt, verlangen aber durch unzählige Steine, feuchte Baumwurzeln im Lorbeerwald und teils steile Stufen im Abstieg durch den Barranco del Rejo absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Gibt es auf der Strecke eine Busverbindung zum Abkürzen?

Nein. Direkt im Barranco del Cedro oder dem abgelegenen Barranco del Rejo fährt kein Bus. Wer die Tour abbrechen muss, ist auf einen langen Fußmarsch zurück nach Hermigua oder ein privates Taxi angewiesen (dabei beachten, dass in den Schluchten oft kein Mobilfunkempfang besteht).

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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