Ruta 16 – Pajarito nach Ajugal: Wo der Nationalpark blüht

Wer von Pajarito aus wandert und nach Süden abbiegt, landet in einer anderen Welt als der feuchte Nebelwald-Teil des Parks vermuten lässt. Die Ruta 16 – Pajarito nach Ajugal führt über die sonnenexponierten Südhänge des Nationalparks Garajonay – offen, warm, im Frühjahr ein einziges Blütenmeer aus Natternkopf, Zistrosen und Gänsedisteln. Und am Horizont: der Roque de Agando und das Tal von Benchijigua.

in den Frühjahrsmonaten findet man ein Blütenmeer am Wegesrand der Ruta 16
in den Frühjahrsmonaten findet man ein Blütenmeer am Wegesrand der Ruta 16

Die Ruta 16 ist mit 7,4 km und 194 Höhenmetern die leichteste der Pajarito-Routen und zugleich diejenige mit dem meisten Sonnenlicht. Wer den Nationalpark immer nur als dunkel-moosigen Lorbeerwald kennt, erlebt hier die andere Seite: weite Blicke, offene Buschlandschaft, eine Vielfalt an Blüten und Schmetterlingen, die im geschlossenen Wald fehlt.

Dieser Artikel erklärt, was den Abschnitt über Ajugal besonders macht, warum das Frühjahr die beste Reisezeit ist – und wie man die Ruta 16 mit der Ruta 17 zum Gipfel kombiniert.

Ruta 16 auf einen Blick

Alle wichtigen Daten zur sonnigsten Rundwanderung ab Pajarito:

Streckenlänge7,4 km (Rundweg)
Höhenmeter194 Hm
Gehzeitca. 2:00–2:30 Stunden
SchwierigkeitLeicht
CharakterBreite Pisten + Wanderpfade, Südexposition, offene Buschlandschaft, Blütenvielfalt im Frühjahr
StartpunktParkplatz Cruce de Pajarito, Nationalpark Garajonay
EndpunktStartpunkt (Rundweg)
HighlightsFrühjahrsblüte (Mär–Mai), Roque de Agando-Blick, Benchijigua-Panorama, Schmetterlinge
MarkierungRuta 16 (offizielle Nationalpark-Route, gut ausgeschildert)
Geeignet fürEinsteiger, Familien, alle die Sonne und weite Ausblicke mögen
Weiter Meerblick von der Ruta 16, gerahmt von schlanken Kiefern und dichtem Buschwerk.
Weiter Meerblick von der Ruta 16, gerahmt von schlanken Kiefern und dichtem Buschwerk.

Die Route im Detail

Die Ruta 16 ist ein Rundweg auf der Südseite des Nationalparks. Breite Pisten, wenig Steigung, viel Aussicht.

Südwärts: Aus dem Nebelwald ins Licht

Ab dem Parkplatz Cruce de Pajarito führt die Ruta 16 zunächst durch den Übergangsbereich des Nationalparks. Mit zunehmender Höhe beziehungsweise in Richtung der Südhänge verändert sich die Landschaft: Der Wald wird lichter, die Vegetation offener und die Ausblicke weiter. Baumheide, Zistrosen und Balsamstrauch prägen die sonnigeren Abschnitte. Je nach Wetterlage zeigt sich hier ein deutlicher Kontrast zum feuchten, oft nebelverhangenen Wald rund um Pajarito.

Erdiger Wanderpfad durch nebligen Lorbeerwald beim Cruce de Pajarito, mit rötlich gefärbten Farnen am Wegesrand.
Erdiger Wanderpfad durch nebligen Lorbeerwald beim Cruce de Pajarito, mit rötlich gefärbten Farnen am Wegesrand.

Ajugal und die Blütenhänge

Der Bereich Ajugal bzw. Ayugal bezeichnet eine Landschafts- und Schluchtenzone an den Südhängen von La Gomera. Die Ruta 16 führt in diese Richtung und erschließt dabei die offene Vegetation unterhalb des Pajarito-Massivs. Im Frühjahr verwandeln die Blüten von Natternkopf, Zistrose und Gänsedistel die Hänge in ein farbenreiches Mosaik. Dazu kommen Schmetterlinge und zahlreiche weitere Insekten, die von der Blütenfülle profitieren. Der Weg bleibt dabei vergleichsweise ruhig und bietet immer wieder weite Blicke über die Südhänge.

Roque de Agando und Benchijigua-Panorama

Der spektakulärste Ausblick öffnet sich nach Süden und Osten: Der Roque de Agando (1.250 m) dominiert das Bild, darunter liegt das Tal von Benchijigua – tief, grün und weitgehend verlassen. Bei klarer Sicht sieht man die Küste und den Atlantik. Der Rückweg führt über den zweiten Pisten-Schenkel zurück zum Parkplatz Pajarito.

Blick auf den wolkenverhangenen Roque de Agando
Blick auf den wolkenverhangenen Roque de Agando

Die Frühjahrsblüte: Wann der Südhang erwacht

Auf den Südhängen des Nationalparks spielt sich eine Blütenshow ab, die auf den Nordrouten kaum zu erleben ist. Die Ruta 16 ist die beste Tour, um sie zu sehen.

Kanaren-Natternkopf

Der Kanaren-Natternkopf (Echium acanthocarpum) ist ein seltener, auf La Gomera endemischer Strauch. Er wächst mehrjährig, wird bis zu zwei Meter hoch und bildet im Frühjahr auffällige, kegelförmige Blütenkerzen in Blauviolett. Als herausragende Nektarquelle zieht er zahlreiche Insekten magisch an und setzt an Felsen und Wegrändern unvergessliche Farbakzente.

Blauer Natternkopf auf La Gomera
Blauer Natternkopf auf La Gomera

Admiral, Zistrosen und Balsamstrauch

Neben dem Natternkopf blühen im Frühjahr auf der Ruta 16 Zistrosen in Weiß und Rosa sowie der Balsamstrauch (Artemisia thuscula) mit seinen silbrig-grünen Blättern. Der Admiral (Vanessa atalanta) ist auf den sonnigen Abschnitten fast garantiert anzutreffen – er nutzt Balsamstrauch und Zistrosen als Nektarquelle. Hummeln und Bienen vervollständigen das Bild einer Landschaft in voller Blüte.

Schmetterlinge wie der Admiral schätzen die Blüten des Balsamstrauchs
Schmetterlinge wie der Admiral schätzen die Blüten des Balsamstrauchs

Anfahrt und Startpunkt

Die Ruta 16 startet am Parkplatz Cruce de Pajarito – dem südlichen Ausgangspunkt des Nationalparks, an der GM-3 zwischen San Sebastián und Valle Gran Rey.

Anreise mit dem Mietwagen

Das Navigationsziel „Cruce de Pajarito“ oder „Mirador Pajarito, La Gomera“ führt direkt zum Parkplatz. Die GM-3 ist die Hauptachse durch den Süden des Parks – gut ausgebaut, kurvenreich. Normaler Mietwagen ist ausreichend. Cicar am Hafen San Sebastián vermietet Fahrzeuge.

Pajarito – zentraler Ausgangspunkt für drei Routen

Der Cruce de Pajarito ist eine der wichtigsten Wegkreuzungen des Nationalparks: Von hier starten Ruta 16 (nach Süden/Ajugal), Ruta 17 (auf den Gipfel) und die große Ruta 18 (Rundweg Barranco del Cedro → Alto). Ein Schild zeigt alle Optionen; die Entscheidung zwischen ihnen ist oft eine Wetterfrage – bei Nebel bietet Ruta 16 nach Süden die beste Fernsicht.

Blick auf den Roque de Agando und die zerklüfteten Felsgipfel über dem Tal von Benchijigua, im Nebel.
Blick auf den Roque de Agando und die zerklüfteten Felsgipfel über dem Tal von Benchijigua, im Nebel.

Beste Reisezeit für die Ruta 16

Die Ruta 16 ist ganzjährig begehbar – aber das Frühjahr ist klar die beste Zeit:

JahreszeitCharakterHinweis
Jan – FebKühler, wenig Blüten, gute FernsichtRoque de Agando besonders klar sichtbar
Mär – MaiBlütenmeer, Schmetterlinge, angenehme TemperaturenBeste Reisezeit; alle Highlights auf einmal
Jun – SepWarm, trocken, Vegetation verblühtFrüh starten; Südseite heizt sich auf
Okt – DezHerbst, Vegetation erholt sichAngenehm kühl, wenig Touristen

Das Frühjahrs-Timing gilt auch für die Kanarischen Geranien auf der benachbarten Ruta 5: Wer beides sehen möchte, plant den Besuch für Ende März bis Mitte April.

Ausrüstung

SchuheLeichte Wanderschuhe reichen; die Route verläuft überwiegend auf breiten Pisten
Wasser1–1,5 l; Südexposition, wenig Schatten auf den offenen Abschnitten
SonnenschutzWichtig – die Südhänge sind deutlich sonniger als die Nordrouten des Parks
KleidungLeichte Schichten; am Parkplatz Pajarito (höher gelegen) kann es kühl sein
KameraPflicht im Frühjahr – Natternkopf-Blüte und Admiral sind außergewöhnliche Fotomotive
NavigationGPS-Track auf Sunhikes; Beschilderung gut, Rundweg klar markiert
Breite, geschwungene Erdpiste der Ruta 16, gesäumt von üppigen Farnhängen.
Breite, geschwungene Erdpiste der Ruta 16, gesäumt von üppigen Farnhängen.

Pajarito: Drei Routen, drei Charaktere

Ab Pajarito starten drei sehr verschiedene Routen – ein kurzer Vergleich hilft bei der Entscheidung:

RouteCharakterFür wen?
Ruta 16 – Ajugal (7,4 km, leicht)Südseite, Sonne, Blüten, Benchijigua-BlickEinsteiger, Familien, Frühjahrsbesucher
Ruta 17 → Alto Garajonay (4,6 km, leicht)GR-131, Fayal-Brezal, direkter GipfelwegGipfelwanderer, alle Jahreszeiten
Ruta 18 – Große Runde (15,1 km, leicht–moderat)Barranco del Cedro, Gipfel, volle Nationalpark-ErfahrungAusdauernde Wanderer, Frühling empfohlen
Treppe am Mauerkranz beim Gipfel des Alto de Garajonay
Treppe am Mauerkranz beim Gipfel des Alto de Garajonay

Praktische Tipps

Der Parkplatz am Cruce de Pajarito liegt direkt an der GM-3 und ist gut erreichbar. Im Frühjahr füllt er sich an Wochenenden schnell – früh ankommen zahlt sich aus. Es gibt keine Infrastruktur am Parkplatz selbst; die nächste Gastronomie ist in San Sebastián oder Valle Gran Rey.

Die Ruta 16 ist die beste Wahl, wenn Nebel die Gipfelrouten (Ruta 17) verdeckt. Die Südseite des Parks liegt meist im Freien, während der Gipfelbereich wolkenverhangen ist. Ein Blick auf die Wetterlage hilft bei der Entscheidung.

Im Frühjahr lohnt sich ein früher Start – die Schmetterlinge und Insekten sind morgens am aktivsten, und das Morgenlicht auf dem Natternkopf-Blütenmeer ist fotografisch unschlagbar.

Eigenes Trinkwasser mitbringen.
Notruf: 112.

Tipp: GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track zur Ruta 16 – Pajarito nach Ajugal findet man kostenlos auf Sunhikes – Wanderungen auf La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android – am besten offline speichern.

Wer mehrere Touren kombinieren oder die Anfahrt planen möchte: kostenloser Sunhikes-Routenplaner.

lila-blau blühender Natternkopf entlang der Wanderung
lila-blau blühender Natternkopf entlang der Wanderung

Hinweis: Nationalpark Garajonay

Die Ruta 16 verläuft vollständig im Parque Nacional de Garajonay, seit 1981 Nationalpark und seit 1986 UNESCO-Weltnaturerbe. Die Gesamtfläche beträgt 3.984 Hektar; der höchste Punkt ist der Alto de Garajonay mit 1.487 m. Über 85 % des Parks sind mit Laurisilva-Lorbeerwald bedeckt.

Innerhalb des Nationalparks gilt: kein Feuer entzünden, Hunde nur an der Leine, keine Pflanzen oder Steine entnehmen, ausschließlich markierte Wege begehen, Abfall mitnehmen.

Besucherzentren und Anlaufstellen: An der La Laguna Grande befindet sich ein zentraler Erholungsbereich mit Restaurant und Informationsangeboten. Das Besucherzentrum Juego de Bolas bei Agulo vermittelt dagegen vor allem die Natur, Kultur und traditionelle Lebensweise La Gomeras. Telefonische Auskünfte erhält man unter +34 922 478 402.

Häufige Fragen zur Ruta 16 – Pajarito nach Ajugal

Was macht Ajugal zum Ziel der Ruta 16?

Ajugal beziehungsweise Ayugal ist kein eigenständiger Ort, sondern bezeichnet eine Landschafts- und Schluchtenzone an den Südhängen La Gomeras. Die Ruta 16 führt in diesen südlichen Bereich des Pajarito-Massivs und bietet dabei offene Vegetation, weite Ausblicke und im Frühjahr eine besonders abwechslungsreiche Blütenpracht. Der Name steht damit weniger für einen einzelnen Zielpunkt als für den Landschaftsbereich, den die Route erschließt.

Wann blüht der Kanaren-Natternkopf auf der Ruta 16?

Der Kanaren-Natternkopf (Echium acanthocarpum) blüht typischerweise von März bis Mai auf den Südhängen des Nationalparks. Der genaue Höhepunkt hängt vom Winterregen ab – nach einem feuchten Winter blüht er üppiger und früher. Ende März bis Mitte April ist statistisch der zuverlässigste Zeitpunkt.

Ist die Ruta 16 die einfachste Route ab Pajarito?

Ja – mit 7,4 km und nur 194 Höhenmetern ist die Ruta 16 die leichteste der drei Pajarito-Routen. Die Ruta 17 ist mit 4,6 km kürzer, aber führt mit 178 Hm auf den Gipfel und ist etwas anspruchsvoller. Die Ruta 18 ist die längste Option (15,1 km).

Kann man Ruta 16 und Ruta 17 am gleichen Tag kombinieren?

Ja, und das ist die empfohlene Kombination für einen Wandertag ab Pajarito: Ruta 16 (Südhänge, Blüte, Benchijigua-Blick) am Vormittag, Ruta 17 (Gipfel, 1.487 m, Panorama) am Nachmittag – oder umgekehrt. Zusammen ca. 12 km und 372 Hm, für ausdauernde Wanderer moderat.

Gibt es Schatten auf der Ruta 16?

Wenig – die Ruta 16 verläuft über sonnige Südhänge mit offener Vegetation. Im Sommer und bei Calima kann es warm werden. Früh starten (vor 9 Uhr) und ausreichend Sonnenschutz und Wasser sind auf dieser Route wichtiger als auf den Nordrouten.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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