Ruta 15 – La Meseta: Drei Wasserfälle auf 2,5 Kilometern

Der große Bruder ist bekannter – der Chorro del Cedro mit seiner imposanten Fallhöhe wird in vielen Reiseführern erwähnt. Doch im Barranco del Rejo, oberhalb von Hermigua, erlebt man auf der Ruta 15 eine ganz andere Wasserwelt: Ein kleiner Bach bildet eine Folge von Kaskaden und Wasserfällen, zu denen Holzstege und Plattformen führen. Die kurze Route macht das Wasser des Garajonay auf besonders unmittelbare Weise erlebbar.

Kleiner Wasserlauf über Felsstufen im Barranco del Rejo auf La Gomera, umgeben von Laub und Farnen.
Kleiner Wasserlauf über Felsstufen im Barranco del Rejo auf La Gomera, umgeben von Laub und Farnen.

Was die Ruta 15 von allen anderen Wasserfalltouren im Nationalpark unterscheidet: Die Holzplattformen ermöglichen einen Aussichtspunkt direkt über dem Wassersturz – man steht über dem Schluchtrand, schaut hinab auf das fallende Wasser und hinauf zur Felswand. Das ist keine Fernperspektive, sondern Nähe. Zusammen mit der Felskapelle Ermita de Nuestra Señora de Guadalupe am Startpunkt ergibt die Ruta 15 einen kompakten, stimmungsvollen Halbtagesausflug ab La Meseta.

Dieser Artikel erklärt, was die drei Wasserfälle im Barranco del Rejo besonders macht, wie man hinkommt und warum die Ruta 15 die intimste Wasserfallwanderung im Nationalpark ist.

Ruta 15 auf einen Blick

Alle wichtigen Daten zur kürzesten Wasserfallwanderung des Nationalparks:

Streckenlänge2,5 km (Hin- und Rückweg)
Höhenmeter195 Hm
Gehzeitca. 1:15–1:45 Stunden
SchwierigkeitLeicht
CharakterKurzer Weg durch den Barranco del Rejo, Bachlauf, Kaskaden und Holzstege
StartpunktLa Meseta de Hermigua an der CV-14
ZielBachlauf und Kaskaden im Barranco del Rejo
HighlightWasserlauf, kleine Kaskaden, Holzstege und Virgen-de-Guadalupe-Nische
MarkierungRuta 15 (offizielle Nationalpark-Route, gut ausgeschildert)
Geeignet fürEinsteiger und Familien mit etwas Wandererfahrung

Die Route im Detail

Die Ruta 15 ist ein Hin-und-Rückweg. Der Abstieg in den Barranco del Rejo ist der kurze, direkte Weg zu den Wasserfällen – ohne Abzweigungen, ohne Orientierungsprobleme.

Abstieg entlang der Steinmauer

Ab der Ermita führt der Weg zunächst an einer langen, alten Steinmauer entlang – ein Überbleibsel der Terrassenwirtschaft, die einst die Hänge rund um La Meseta prägte. Es geht in gleichmäßigem Abstieg bergab. Lorbeergewächse, Barbusanos, Farne und weitere Pflanzen der feuchten Uferbereiche begleiten den Weg.

Ein Aeonium entfaltet seine symmetrische Blattrosette an der alten Steinmauer entlang der Ruta 15.
Ein Aeonium entfaltet seine symmetrische Blattrosette an der alten Steinmauer entlang der Ruta 15.

Die Holzplattformen: Wasserfälle aus nächster Nähe

Was die Ruta 15 besonders macht, sind die Holzstege und Plattformen, die bis an den Bachlauf heranführen. Zwischen Lorbeerwald, Farnen und Felsen kommt man dem Wasser ungewöhnlich nahe und erlebt die kleinen Kaskaden aus unterschiedlichen Perspektiven. Zusammen mit der Nische der Virgen de Guadalupe am Weg ergibt die Ruta 15 einen kurzen, stimmungsvollen Ausflug in die feuchte Schluchtenlandschaft des Garajonay.

Mächtige Stämme durchbrechen die Holzplattform mitten im Barranco del Rejo.
Mächtige Stämme durchbrechen die Holzplattform mitten im Barranco del Rejo.

Der Bachlauf und Rückweg

Der Barranco del Rejo ist einer der wenigen Bereiche des Nationalparks, in denen ganzjährig Wasser fließt. Ein kleiner Bach bildet hier eine Reihe von Kaskaden und Wasserfällen. Nach Regenperioden führt er deutlich mehr Wasser. Zugleich sorgen die feuchten Bedingungen für eine üppige Ufervegetation mit Farnen, Kanarischer Weide und Barbusanos.

Blick über den Wasserfall von der Aussichtsplattform im Barranco del Rejo
Blick über den Wasserfall von der Aussichtsplattform im Barranco del Rejo

Der Barranco del Rejo: Die weniger bekannte Schlucht

Der Barranco del Rejo ist der Nordarm des Schluchtsystems, das unterhalb von La Meseta in Richtung Hermigua führt. Er ist schmaler und weniger bekannt als das Barranco del Cedro, aber botanisch genauso reich.

Drei Wasserfälle – woher kommt das Wasser?

Wie alle Wasserfälle im Nationalpark Garajonay speist sich der Barranco del Rejo aus dem Quellwasser, das der Lorbeerwald aus den Passatwolken gewinnt. Der dichte Laurisilva fängt die Feuchtigkeit der Nordpassatwolken ein – über Moose, Farne und Baumkronen – und gibt sie als Grundwasser und Quellwasser ab. Die drei Wasserfälle der Ruta 15 fließen ganzjährig, sind aber nach Regenperioden deutlich stärker.

Kleiner Wasserfall über schroffe, bemooste Felsformationen im Barranco del Rejo, Nationalpark Garajonay.
Kleiner Wasserfall über schroffe, bemooste Felsformationen im Barranco del Rejo, Nationalpark Garajonay.

Vergleich: Ruta 15 vs. Chorro del Cedro

Wer beide Wasserfälle kennenlernen möchte, plant zwei verschiedene Touren:

Ruta 15 – Drei WasserfälleChorro del Cedro (Ruta 8/9/11)
SchluchtBarranco del RejoBarranco del Cedro
FallhöheKlein bis mittelCa. 150 m (ein Wasserfall)
ErlebnisartNah, intim, HolzplattformenDramatisch, Fernperspektive
Distanz2,5 km5,8–11,7 km (je nach Route)
SchwierigkeitLeichtModerat
Blick über terrassierte Felder bis zu den Felsen von Hermigua
Blick über terrassierte Felder bis zu den Felsen von Hermigua

Anfahrt und Startpunkt

Der Start der Ruta 15 ist identisch mit dem der Ruta 11 – der Weiler La Meseta am Nordrand des Nationalparks, oberhalb von Hermigua.

Anreise mit dem Mietwagen

Von Hermigua aus fährt man bergauf Richtung Nationalpark; La Meseta ist ausgeschildert. Navigationsziel: „La Meseta, La Gomera“. Die letzten Kilometer sind eng und kurvenreich – normaler Mietwagen reicht vollständig aus. Cicar am Hafen San Sebastián ist die nächste Vermietstation.

Ermita de Guadalupe am Start

Ein besonderer Ort auf der Route ist die kleine, in den Fels gehauene Nische mit der Virgen de Guadalupe. Sie liegt an dem Wegabschnitt, den die Ruta 15 mit der Ruta 11 teilt. Rund um die Nische wachsen unter anderem einige angepflanzte Kanarische Kiefern. Hier beginnt anschließend der Abschnitt mit den Holzstegen und dem Bachlauf.

die Felskapelle Ermita de Nuestra Señora de Guadalupe
die Felskapelle Ermita de Nuestra Señora de Guadalupe

Beste Reisezeit für die Ruta 15

Die Route ist ganzjährig begehbar – der Norden des Nationalparks ist besonders feucht:

JahreszeitCharakterHinweis
Jan – MärViel Wasser, Wasserfälle auf HöchststandNässester Abschnitt; festes Schuhwerk Pflicht
Apr – JunMild, Wasserfälle stark, Vegetation auf HöhepunktBeste Reisezeit; alles in Topform
Jul – SepTrockener, Wasserfälle führen weniger WasserNoch immer gut zu erleben, Atmosphäre bleibt
Okt – DezHerbst, Feuchtigkeit nimmt zuMoose und Farne in Prachtform; Pilze am Wegesrand

Der Barranco del Rejo liegt auf der Nordseite der Insel – hier ist es ganzjährig feuchter und nebliger als auf den Südrouten. Das macht den Wald besonders stimmungsvoll, aber auch rutschiger. Gutes Schuhwerk ist selbst bei dieser kurzen Tour keine Option, sondern Pflicht.

Bachlauf im Barranco del Rejo
Bachlauf im Barranco del Rejo

Ausrüstung

SchuheFeste Wanderschuhe mit Profil; der Abstieg kann feucht-rutschig sein
Wasser0,5–1 l reicht; kurze Route, aber der Nordhang ist kühler als gedacht
KleidungFleecejacke; im Barranco del Rejo ist es auch bei Sonnenschein kühl und feucht
RegenschutzPoncho empfohlen; Nebel und leichter Regen sind auf der Nordseite häufig
KameraWasserfälle von Holzplattformen sind einzigartige Fotomotive
NavigationGPS-Track auf Sunhikes; Route gut markiert, Hin-und-Rückweg kaum zu verfehlen
Laubbedeckte Holzplattform mit Geländer entlang der Ruta 15.
Laubbedeckte Holzplattform mit Geländer entlang der Ruta 15.

Wandern in der Region: Kombinationen

La Meseta ist Ausgangspunkt für zwei sehr unterschiedliche Touren – Ruta 15 und Ruta 11 lassen sich gut verbinden:

KombinationRouteCharakter
HalbtagestourRuta 15 + Ruta 11 Variante AErst Wasserfälle Rejo (kurz), dann El Cedro (moderat)
Größere RundeRuta 11 Variante B oder CRuta 11 führt auch zum Chorro del Cedro – zwei Wasserfallsysteme an einem Tag
Nur KurzbesuchRuta 15 soloIdeal als Morgenspaziergang vor Hermigua-Besuch
Mit DorfRuta 15 + Abstieg nach HermiguaNicht offiziell als Route, aber über Forststraße möglich
Der Wasserfall Chorro del Cedro im Garajonay-Nationalparks
Der Wasserfall Chorro del Cedro im Garajonay-Nationalparks

Praktische Tipps

Der Parkplatz in La Meseta ist klein – früh starten zahlt sich aus, besonders an Wochenenden. Die Ruta 15 dauert knapp 1,5 Stunden; kombiniert man sie mit der Ruta 11, ist man für einen vollen Wandertag gerüstet.

Die Holzstege und Plattformen sind ein schönes Detail der Ruta 15, können bei Feuchtigkeit jedoch glatt werden. Besonders nach Regen oder bei Nebel sollte man langsam gehen und auf den Tritt achten. Festes Schuhwerk mit gutem Profil ist deshalb auch auf dieser kurzen Wanderung sinnvoll. Der Nationalpark empfiehlt ausdrücklich geschlossenes Schuhwerk bzw. Trekking- oder Wanderschuhe.

Auf der gesamten Route gibt es keine Gastronomie. Eigene Verpflegung mitbringen; das Leitungswasser auf La Gomera ist gechlort. Der nächste Ort mit Einkehrmöglichkeit ist Hermigua, ca. 15 Autominuten talwärts.

Handyempfang im Barranco del Rejo ist eingeschränkt – GPS-Track offline speichern. Notruf: 112.

Tipp: GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track zur Ruta 15 – La Meseta Drei Wasserfälle findet man kostenlos auf Sunhikes – Wanderungen auf La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android – am besten offline speichern.

Wer mehrere Touren kombinieren oder die Anfahrt planen möchte: kostenloser Sunhikes-Routenplaner.

Schmale Wasserfäden fließen über die dunkle Felswand im Barranco del Rejo, Garajonay.
Schmale Wasserfäden fließen über die dunkle Felswand im Barranco del Rejo, Garajonay.

Hinweis: Nationalpark Garajonay

Die Ruta 15 verläuft vollständig im Parque Nacional de Garajonay, seit 1981 Nationalpark und seit 1986 UNESCO-Weltnaturerbe. Die Gesamtfläche beträgt 3.984 Hektar; der höchste Punkt ist der Alto de Garajonay mit 1.487 m. Über 85 % des Parks sind mit Laurisilva-Lorbeerwald bedeckt.

Innerhalb des Nationalparks gilt: kein Feuer entzünden, Hunde nur an der Leine, keine Pflanzen oder Steine entnehmen, ausschließlich markierte Wege begehen, Abfall mitnehmen.

Besucherzentren und Anlaufstellen: An der La Laguna Grande befindet sich ein zentraler Erholungsbereich mit Restaurant und Informationsangeboten. Das Besucherzentrum Juego de Bolas bei Agulo vermittelt dagegen vor allem die Natur, Kultur und traditionelle Lebensweise La Gomeras. Telefonische Auskünfte erhält man unter +34 922 478 402.

Häufige Fragen zur Ruta 15 – La Meseta Drei Wasserfälle

Was unterscheidet die Ruta 15 von anderen Wasserfallrouten im Nationalpark?

Die Ruta 15 ist die einzige Route, die über Holzplattformen einen Aussichtsblick direkt über die Wasserfälle ermöglicht – man steht buchstäblich über dem Schluchtrand. Der Chorro del Cedro ist spektakulärer und höher, aber die Perspektive ist eine Fernperspektive. Die drei Wasserfälle im Barranco del Rejo sind intimer und zugänglicher.

Fließt im Barranco del Rejo ganzjährig Wasser?

Ja. Der kleine Bach im oberen Bereich des Barranco del Rejo gehört zu den wenigen permanenten Wasserläufen im Nationalpark Garajonay. Entlang seines Verlaufs entstehen mehrere kleine Kaskaden und Wasserfälle. Nach niederschlagsreichen Perioden ist der Wasserfluss besonders eindrucksvoll.

Kann man die Ruta 15 mit Kindern machen?

Ja, mit Einschränkungen. Für Kinder ab ca. 7–8 Jahren mit Wandererfahrung ist die Ruta 15 gut machbar. Die Holzplattformen erfordern Aufmerksamkeit – Kleinkinder sollten an der Hand gehalten werden. Festes Schuhwerk ist für alle Altersgruppen Pflicht.

Lohnt sich die Ruta 15 auch bei Nebel?

Ja – der Barranco del Rejo wirkt bei Nebel besonders stimmungsvoll: der dichte Lorbeerwald, das feuchte Moos an den Felsen, die Wasserfälle als einziges Geräusch. Die Holzplattformen sind bei Nässe rutschiger; dann ist besondere Vorsicht geboten.

Was ist die Ermita de Guadalupe?

Bei der Virgen de Guadalupe handelt es sich nicht um eine große eigenständige Kapelle, sondern um eine kleine, in den Fels gehauene Nische mit einem Marienbild. Sie liegt am gemeinsamen Abschnitt der Ruta 15 und Ruta 11 und ist ein markanter Orientierungspunkt der Wanderung.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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