Ruta 11 – La Meseta nach El Cedro: Drei Wege durch den Kernwald
La Meseta ist ein kleiner Weiler am Nordrand des Nationalparks Garajonay – und der Startpunkt einer der vielseitigsten Routen des Parks. Die Ruta 11 führt von hier durch den dichtesten Lorbeerwald der Insel hinunter ins Barranco del Cedro. Unterwegs: die schlanke Felsnadel Espigón de Ibosa, eine versteckte Felskapelle, der Campingplatz El Cedro und – als Highlight – der Wasserfall Chorro del Cedro.

Die Ruta 11 kann in drei Varianten begangen werden: als direkter Hin-und-Rückweg nach El Cedro (5,8 km), als Rundweg über die Ermita de Lourdes (7,3 km) oder als Rundweg über den Barranco del Cedro zurück (8,7 km). Alle drei sind moderat – aber keine Einsteigertour. Die Kombination aus Distanz, Höhenmetern und teils felsigem Terrain verlangt gutes Schuhwerk und Kondition.
Dieser Artikel erklärt alle drei Varianten, die Highlights unterwegs und warum der Espigón de Ibosa zu den am wenigsten bekannten Sehenswürdigkeiten des Nationalparks gehört.
Ruta 11 auf einen Blick: Alle drei Varianten
Die Fakten zu Variante A, B und C im direkten Vergleich:
| Variante A – H+R El Cedro | Variante B – Rundweg Ermita | Variante C – Rundweg Barranco | |
| Distanz | 5,8 km | 7,3 km | 8,7 km |
| Höhenmeter | 429 Hm | 448 Hm | 477 Hm |
| Gehzeit | ca. 2:30–3:00 h | ca. 3:00–3:30 h | ca. 3:30–4:00 h |
| Schwierigkeit | Moderat | Moderat | Moderat |
| Startpunkt | La Meseta | La Meseta | La Meseta |
| Rückweg | Gleicher Weg | Über Ermita de Lourdes | Über Barranco del Cedro |
| Highlight | Espigón de Ibosa, Wasserfall | Wasserfall + Kapelle | Wasserfall + Schluchtenblick |

Der gemeinsame Abstieg: La Meseta in die Schlucht
Alle drei Varianten teilen den Abstieg von La Meseta nach El Cedro. Dieser Abschnitt ist das Herzstück der Route.
Espigón de Ibosa – die vergessene Felsnadel
Kurz nach dem Start öffnet sich der Blick auf den Espigón de Ibosa – eine freistehende Felsnadel, die aus dem Lorbeerwald herauswächst. Sie ist weit weniger bekannt als die Roques im Süden des Parks (Agando, Ojila, Carmona), aber nicht weniger beeindruckend: Der Kontrast zwischen dem schwarzen Vulkangestein und dem satten Grün des Waldes ist auf der Ruta 11 besonders scharf.
Durch den Kernwald ins Barranco
Der Abstieg führt durch besonders dichten, alten Laurisilva. Hier ist der Wald am feuchtesten – Moose bedecken jeden Stein, Flechten hängen wie grüne Vorhänge von den Ästen. Steinmauern aus der Siedlungszeit säumen teils den Weg. Je tiefer man kommt, desto lauter wird das Rauschen des Bachs El Cedro.

Campingplatz El Cedro und Aula Naturaleza
Im Tal angekommen passiert man den Campingplatz El Cedro – den einzigen offiziellen Campingplatz auf La Gomera (Vorausreservierung Pflicht). Daneben liegt die Aula Naturaleza, das Bildungsgebäude des Nationalparks. Ab hier trennen sich die drei Varianten.

Die drei Varianten: Welcher Rückweg?
Variante A – Hin und Rückweg El Cedro (5,8 km, 429 Hm)
Nach dem Wasserfall kehrt man auf demselben Weg zurück nach La Meseta. Der Wiederaufstieg ist der anstrengendste Teil – gut 400 Höhenmeter nach einem langen Abstieg. Ideal für: alle, die den Wasserfall sehen wollen, ohne Orientierungsunsicherheiten beim Rückweg.
Variante B – Rundweg über Ermita de Lourdes (7,3 km, 448 Hm)
Nach dem Wasserfall steigt man zur Ermita de Lourdes auf – dem Rastplatz mit der kleinen Kapelle und dem lebenden Baum. Von dort führt der Weg über Las Mimbreras zurück nach La Meseta. Ideal für: alle, die zwei klassische Ziele kombinieren wollen: Chorro del Cedro + Ermita.

Variante C – Rundweg über Barranco del Cedro (8,7 km, 477 Hm)
Die längste Variante verläuft nach dem Wasserfall bachbegleitend durch den Barranco del Cedro – mit Blick auf den Stausee und Hermigua in der Ferne, mehrfachen Bachquerungen und dem charakteristischen Schluchtencharakter. Der Rückaufstieg erfolgt über Las Mimbreras. Ideal für: erfahrene Wanderer, die die komplette Schlucht erleben wollen.

Espigón de Ibosa: Die vergessene Felsnadel
Im Süden des Parks sind die Roques – Agando, Ojila, Zarcita, Carmona – weltberühmt. Im Norden, an der Ruta 11, steht der Espigón de Ibosa, und kaum jemand kennt ihn.
Entstehung und Geologie
Der Espigón de Ibosa ist wie die großen Roques im Süden ein Vulkanschlot – ein Überrest eines alten Ausbruchs, bei dem erstarrtes Gestein den Abtrag durch Erosion überdauert hat. Das umliegende Gestein wurde weggespült, der härtere Schlot blieb stehen. Der Espigón de Ibosa ist nicht so monumental wie der Roque de Agando, aber sein Kontrast zum umgebenden Lorbeerwald macht ihn zu einem der schönsten Fotomotive im Norden des Parks.

Sichtbarkeit vom Weg
Der Espigón de Ibosa ist von der Ruta 11 aus gut sichtbar – man passiert ihn auf dem Abstieg nach El Cedro. Ein kurzer Halt lohnt sich: Die Perspektive, durch den Laurisilva auf die dunkle Felsnadel zu schauen, ist auf keiner anderen Route im Nationalpark so zu erleben.
Anfahrt und Startpunkt
Alle drei Varianten starten in La Meseta – einem kleinen Weiler am Nordrand des Nationalparks, oberhalb von Hermigua. Die Zufahrt ist kurvenreich und endet an einem kleinen Parkplatz am Ortseingang.
Anreise mit dem Mietwagen
Von Hermigua aus fährt man die Straße bergauf Richtung Nationalpark; La Meseta ist ausgeschildert. Das Navi-Ziel „La Meseta, La Gomera“ funktioniert zuverlässig. Die letzten Kilometer sind eng – normaler Mietwagen reicht aus. Mietwagen gibt es in San Sebastián z. B. bei Cicar.
Lage und Besonderheit des Startorts
La Meseta liegt am Übergang zwischen den Kulturflächen von Hermigua und dem Nationalpark. Schon am Parkplatz beginnt der Lorbeerwald – die Route ist ab dem ersten Schritt mittendrin. Am Startpunkt steht die kleine Ermita de Nuestra Señora de Guadalupe – eine Felskapelle, in der Wanderer traditionell um guten Weg bitten. Gut ausgeschildert; Schutzhütte mit Bank vorhanden.

Beste Reisezeit für die Ruta 11
Die Route ist ganzjährig begehbar – der Nordrand des Nationalparks ist besonders feucht:
| Jahreszeit | Charakter | Hinweis |
| Jan – Mär | Sehr feucht, Wasserfall auf Höchststand | Rutschiger Abstieg; festes Schuhwerk Pflicht |
| Apr – Jun | Mild, grüner Höhepunkt, beste Bedingungen | Optimale Reisezeit für die Route |
| Jul – Sep | Trockener, Bach führt weniger Wasser | Früh starten; Nordseite bleibt kühler als Süden |
| Okt – Dez | Herbst, feuchter werdend | Pilze, Moose in Hochform; Wasserfall füllt sich |
La Meseta liegt am Nordrand des Parks – hier sind Nebel und Feuchtigkeit häufiger als im Süden. Das macht die Route zu einem anderen Erlebnis als die Südrouten, aber auch rutschiger nach Regen.
Ausrüstung
| Schuhe | Feste Wanderschuhe mit Knöchelschutz – Pflicht; feuchter Boden, felsiger Wasserfall-Abstieg |
|---|---|
| Wasser | Mindestens 1,5 l; je nach Variante 2,5–4 Stunden Gehzeit |
| Verpflegung | Eigene Verpflegung mitbringen; keine Gastronomie auf der Route |
| Kleidung | Fleecejacke; Nordseite des Parks ganzjährig kühler und feuchter |
| Regenschutz | Poncho oder Regenjacke; am Wasserfall Sprühnebel |
| Stöcke | Empfohlen für den Abstieg, besonders bei Nässe |
| Navigation | GPS-Track auf Sunhikes offline speichern; Abzweigungen der Varianten sorgfältig prüfen |

Wandern in der Region: Kombinationen
La Meseta liegt nahe Hermigua – die Route lässt sich gut einbetten:
| Kombination | Route | Charakter |
| Vom Ort aus | Aufstieg ab Hermigua statt Auto | Mehrere km Zusatzweg; nur für sehr ausdauernde Wanderer |
| Kürzere Alternative | Ruta 8 – Reventón Oscuro (Variante A) | Selbe Highlights, anderer Einstieg, etwas kürzer |
| Schlucht komplett | Ruta 9 – Contadero → El Cedro | Selbe Schlucht von Norden, 11,7 km, moderat |
| Zweitagestour | Ruta 11 + Übernachtung Campingplatz El Cedro | Nur mit Vorausreservierung; einziger Campingplatz der Insel |
Praktische Tipps
Der Parkplatz in La Meseta ist klein – an Wochenenden im Frühling kann er schnell voll sein. Früh starten zahlt sich aus: Der Abstieg bei Morgennebel durch den Lorbeerwald ist ein Erlebnis für sich.
Genügend Trinkwasser mitbringen – mindestens 1,5 l.
Wildcampen ist auf ganz La Gomera streng verboten. Wer auf dem privaten Campingplatz in El Cedro übernachten möchte, sollte unbedingt rechtzeitig direkt beim Betreiber reservieren – es ist der einzige legale Camping-Stellplatz vor Ort.
Handyempfang im Tal und am Wasserfall ist eingeschränkt. GPS-Track offline speichern, Akku voll laden.
Notruf: 112.

Tipp: GPS-Track und Routenplaner
Den vollständigen GPS-Track zur Ruta 11 – La Meseta nach El Cedro findet man kostenlos auf Sunhikes – Wanderungen auf La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android – am besten offline speichern.
Wer mehrere Touren kombinieren oder die Anfahrt planen möchte: kostenloser Sunhikes-Routenplaner.

Hinweis: Nationalpark Garajonay
Die Ruta 11 verläuft vollständig im Parque Nacional de Garajonay, seit 1981 Nationalpark und seit 1986 UNESCO-Weltnaturerbe. Die Gesamtfläche beträgt 3.984 Hektar; der höchste Punkt ist der Alto de Garajonay mit 1.487 m. Über 85 % des Parks sind mit Laurisilva-Lorbeerwald bedeckt.
Innerhalb des Nationalparks gilt: kein Feuer entzünden, Hunde nur an der Leine, keine Pflanzen oder Steine entnehmen, ausschließlich markierte Wege begehen, Abfall mitnehmen.
Besucherzentren und Anlaufstellen: An der La Laguna Grande befindet sich ein zentraler Erholungsbereich mit Restaurant und Informationsangeboten. Das Besucherzentrum Juego de Bolas bei Agulo vermittelt dagegen vor allem die Natur, Kultur und traditionelle Lebensweise La Gomeras. Telefonische Auskünfte erhält man unter +34 922 478 402.
Häufige Fragen zur Ruta 11 – La Meseta nach El Cedro
Was ist der Espigón de Ibosa?
Welche Variante ist die beste?
Kann man auf dem Campingplatz El Cedro übernachten?
Wie unterscheidet sich die Ruta 11 von der Ruta 9?
Gibt es auf der Ruta 11 Einkehrmöglichkeiten oder Trinkwasser?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


