Ruta 9 – Contadero bis El Cedro: Tief in die Schlucht

Wer die Ruta 9 geht, versteht, warum der Nationalpark Garajonay zum UNESCO-Weltnaturerbe gehört. Diese 11,7-Kilometer-Tour vom Parkplatz El Contadero in die Tiefe des Barranco del Cedro führt durch das dichteste, feuchteste und älteste Stück Lorbeerwald der ganzen Insel. Am Ende steht der Wasserfall Chorro del Cedro – ca. 150 Meter, ganzjährig, unmittelbar vor einer bemoorten Felswand.

der mit Holzgeländern eingefasste Wanderweg nahe dem Ausgangspunkt El Contadero
der mit Holzgeländern eingefasste Wanderweg nahe dem Ausgangspunkt El Contadero

Die Ruta 9 ist moderat: 584 Höhenmeter, gut markiert, keine technischen Passagen. Aber sie ist lang und fordert Ausdauer. Der Abstieg durch die Schlucht, die historischen Galerías bei Las Mimbreras, der Bach El Cedro mit seinen Holzbrücken, die Streusiedlung und der Wasserfall – das alles ergibt eine Tour, die man so schnell nicht vergisst.

Dieser Artikel erklärt den gesamten Wegverlauf, die Highlights unterwegs und alles, was man für eine gute Vorbereitung wissen muss.

Ruta 9 auf einen Blick

Alle wichtigen Daten zur Tour durch die Cedro-Schlucht:

Streckenlänge11,7 km (Strecke oder Rundweg)
Höhenmeter584 Hm
Gehzeitca. 3:30–4:30 Stunden
SchwierigkeitModerat
CharakterAbstieg durch Barranco del Cedro, bachbegleitend, historische Galerías, Wasserfall
StartpunktParkplatz El Contadero, Nationalpark Garajonay
EndpunktRückweg über Las Mimbreras zum Startpunkt (oder Verlängerung bis Hermigua)
HighlightsRoques-Aussichtspunkt, Galerías Las Mimbreras, Ermita de Lourdes, Chorro del Cedro
MarkierungRuta 9 (offizielle Nationalpark-Route, gut ausgeschildert)
VerlängerungAls Streckenwanderung bis Hermigua verlängerbar; ca. 13–14 km je nach Zielpunkt im Tal
Geeignet fürErfahrene Wanderer mit guter Kondition; nicht für Anfänger
malerischer Wanderweg durch den Lorbeerwald des Nationalpark Garajonay
malerischer Wanderweg durch den Lorbeerwald des Nationalpark Garajonay

Wichtig: Keine Tour für den Einstieg

Harte Fakten für die Planung: Mit knapp 12 Kilometern und fast 600 Höhenmetern ist die Ruta 9 eine echte Halbtagswanderung. Auch wenn es keine ausgesetzten Kletterstellen gibt, fordern die Länge, das feuchte Wurzelwerk und der felsige Abstieg zum Wasserfall eine gewisse Grundkondition und Trittsicherheit. Wer gerade erst mit dem Wandern auf La Gomera beginnt, wählt für den Einstieg besser eine kürzere Route wie die Ruta 2 oder Ruta 7.

Die Route im Detail

Die Ruta 9 lässt sich in vier klar unterschiedliche Abschnitte einteilen – jeder mit eigenem Charakter.

Abstieg vom Contadero: Roques-Aussichtspunkt

Ab dem Parkplatz El Contadero führt der Weg zunächst bergab in Richtung der Schlucht. Schon früh bietet sich ein Aussichtspunkt mit freiem Blick auf die markanten Felsnadeln des Monumento Natural de los Roques – Agando, Zarcita, Ojila und Carmona. Dieser Blick von oben, mit dem Lorbeerwald als Vordergrund und den schwarzen Vulkanschloten, ist einer der schönsten Panoramapunkte der ganzen Tour. Der Abstieg ist gut gesichert mit Holzgeländern.

Aussichtspunkt mit Blick auf die Roques entlang der Abwanderung nach El Cedro
Aussichtspunkt mit Blick auf die Roques entlang der Abwanderung nach El Cedro

Durch den Lorbeerwald: Holzbrücken und Bachquerungen

Je tiefer der Weg führt, desto feuchter und dichter wird der Wald. Der Bach El Cedro begleitet die Route bald auf der rechten Seite – immer wieder quert der Weg ihn über kleine Holzbrücken. Das Rauschen des Bachs ist dauerhaft präsent. Alte Lorbeerbäume wölben ihre bemoorten Äste über den Weg, Farne und Moose bedecken Steine und Wurzeln. Steinmauern aus der Besiedlungszeit zeugen davon, dass hier früher Menschen lebten und das Wasser gezielt nutzten.

Ein alter Steindamm leitet das Wasser am Wanderweg Ruta 9 sanft durch bemooste Felsblöcke.
Ein alter Steindamm leitet das Wasser am Wanderweg Ruta 9 sanft durch bemooste Felsblöcke.

Galerías bei Las Mimbreras

An der Wegkreuzung bei Las Mimbreras trifft man auf eines der ungewöhnlichsten Überbleibsel der Wasserwirtschaft La Gomeras: die Galerías – in den Fels getriebene Stollen, die einst Quellwasser aus dem Berg zapften. Diese horizontalen Schächte wurden ab dem 19. Jahrhundert angelegt, um das Innere der Insel zu entwässern und das Wasser an die Küste zu leiten. Die Galerías bei Las Mimbreras sind heute nicht mehr aktiv, aber gut sichtbar. Ein kurzer Stopp lohnt sich.

Ermita de Lourdes, Aula Naturaleza und Chorro del Cedro

Von Las Mimbreras führt der Weg weiter zur Ermita de Lourdes – dem Rastplatz mit der kleinen weißen Kapelle und dem lebenden Baum aus der Ruta 2. Hier lohnt eine Pause. Anschließend geht es zur Aula Naturaleza und von dort zum Abstiegspfad zum Chorro del Cedro. Der felsige Abstieg zur Wasserfallbasis ist der steilste Abschnitt der ganzen Tour – aber auch der eindrücklichste. Der Wasserfall stürzt ca. 150 Meter über eine bemoore Steilwand in die Tiefe.

Die kleine weiße Kapelle Ermita de Lourdes im Schatten des Lorbeerwaldes.
Die kleine weiße Kapelle Ermita de Lourdes im Schatten des Lorbeerwaldes.

Die Galerías: Wasser aus dem Berg

Kaum ein Wanderer kennt die Galerías – dabei sind sie eines der faszinierendsten Infrastrukturzeugnisse der Kanarischen Inseln.

Was sind Galerías?

Galerías sind horizontale Stollen, die von spezialisierten Arbeitern – den galerieros – in den Bergkern der Inseln getrieben wurden. Ziel: das Wasser, das sich im porösen Vulkangestein sammelt, anzuzapfen und durch Schwerkraft nach unten zu leiten. Auf La Gomera waren Galerías der wichtigste Weg zur Wasserversorgung – in einer Landschaft ohne natürliche Flüsse und mit unzuverlässigem Regenfall.

Las Mimbreras als historischer Knotenpunkt

Die Kreuzung bei Las Mimbreras war einst ein Wasserverteilpunkt: Hier trafen Galerías-Wasser, Bachläufe und die alten Wasserleitungen aus dem Nationalpark zusammen. Brunnen, Schächte und Kanalreste sind noch heute sichtbar. Es ist einer der Orte auf La Gomera, an dem man am deutlichsten spürt, wie sehr die Inselbevölkerung von einem funktionierenden Wasserhaushalt abhängig war.

Die ehemaligen Wassergalerien Las Mimbreras zeigen mehrere in den Hang getriebene Stolleneingänge.
Die ehemaligen Wassergalerien Las Mimbreras zeigen mehrere in den Hang getriebene Stolleneingänge.

Die Ader der Insel

Einblicke in die historische Wasserwirtschaft: Wer durch das Barranco del Cedro wandert, bewegt sich auf historischen Spuren. Die Galerías bei Las Mimbreras und die alten Steinmauern zeigen, wie mühsam den Bergen früher das kostbare Trink- und Bewässerungswasser abgerungen wurde. Die historischen Anlagen bitte respektieren und die alten Stolleneingänge aus Sicherheitsgründen nicht betreten.

Anfahrt und Startpunkt

Die Ruta 9 startet am Parkplatz El Contadero – dem gleichen Ausgangspunkt wie die Ruta 7. Der Parkplatz liegt auf der Hochebene des Nationalparks und ist von allen Seiten erreichbar.

Anreise mit dem Mietwagen

Das Navigationsziel „El Contadero, La Gomera“ führt direkt zum Parkplatz. Zufahrt über die GM-2 (San Sebastián/Hermigua) oder über die Forststraße ab La Laguna Grande. Normaler Mietwagen reicht aus. Cicar am Hafen San Sebastián ist die nächstgelegene Vermietstation.

Logistik: Strecke oder Rundweg?

Wer die Ruta 9 als Streckenwanderung bis Hermigua plant, verlängert die Tour deutlich: Vom El Contadero geht es über El Cedro und durch das gesamte untere Barranco bis ins Tal von Hermigua. Je nach gewähltem Zielpunkt sind insgesamt etwa 13 bis 14 Kilometer zurückzulegen. Dafür braucht man zwei Autos oder eine Rückfahrmöglichkeit. Als Rundweg kehrt man über Las Mimbreras und die Ermita de Lourdes zum El Contadero zurück – das ist die Standardvariante und erfordert kein zweites Fahrzeug. Ein Taxi zwischen Hermigua und El Contadero kann nach Absprache eine Alternative sein.

Beste Reisezeit für die Ruta 9

Die Route ist ganzjährig begehbar – mit deutlichen saisonalen Unterschieden beim Wasserfall:

JahreszeitCharakterHinweis
Jan – MärViel Wasser, Wasserfall auf Höchststand, feuchtRutschiger Abstieg; festes Schuhwerk zwingend
Apr – JunMild, grüner Höhepunkt, gute BedingungenBeste Reisezeit; Wasserfall stark, Weg begehbar
Jul – SepTrockener, weniger Wasser im BachFrüh starten; langer Tag, Sonne nachmittags stark
Okt – DezHerbst, Bach füllt sich wiederPilze und Moose in Hochform, ruhige Trails

Für die Ruta 9 gilt: Mit über 11 km und 584 Höhenmetern ist diese Tour nichts, das man spontan ohne gute Vorbereitung angeht. Früh starten (vor 8 Uhr), ausreichend Wasser mitnehmen, GPS-Track offline speichern.

Die Steilwand am Chorro del Cedro aus erstarrter Basaltlava und zeugt vom vulkanischen Ursprung La Gomeras.
Die Steilwand am Chorro del Cedro aus erstarrter Basaltlava und zeugt vom vulkanischen Ursprung La Gomeras.

Ausrüstung

SchuheFeste Wanderschuhe mit Knöchelschutz – Pflicht; nasse Felsen, Holzbrücken, felsiger Wasserfall-Abstieg
WasserMindestens 2 l; 3,5–4,5 Stunden Gehzeit
VerpflegungVerpflegung für den ganzen Tag mitnehmen; Restaurant La Vista in El Cedro als Option
KleidungFleecejacke, Windjacke; in der Schlucht kühler als oben
RegenschutzPoncho oder Regenjacke; am Wasserfall kommt Sprühnebel an
StöckeEmpfohlen – langer Abstieg, felsiges Terrain zum Wasserfall
NavigationGPS-Track auf Sunhikes unbedingt offline speichern; Wegmarkierungen gut aber Kreuzungen prüfen
HandyAkku voll laden; Empfang in der Schlucht eingeschränkt; Notruf 112

Wandern in der Region: Kombinationen

Die Ruta 9 ist eine eigenständige Tagestour. Wer mehr möchte, kombiniert:

KombinationRouteCharakter
Gipfel zuerstRuta 7 + Ruta 9 an einem TagNur für sehr ausdauernde Wanderer; Ruta 7 morgens zuerst
StreckenverlängerungRuta 9 weiter bis HermiguaBraucht zweites Auto oder Taxi in Hermigua
Nächster TagRuta 8 – Reventón OscuroAnderer Einstieg in dieselbe Schlucht, moderat
Alternative SchluchttourEl Cedro – Drei Routen durch das Herz des Lorbeerwalds – El Cedro Drei RoutenKürzere Varianten ab El Cedro selbst, leichter
Blick über die tiefe Schlucht El Cedro über den Stausee bis zum Ort Hermigua
Blick über die tiefe Schlucht El Cedro über den Stausee bis zum Ort Hermigua

Praktische Tipps

Die Ruta 9 ist eine ernste Tour. Mit 11,7 km und 584 Höhenmetern gehört sie zu den anspruchsvolleren Halbtagstouren des Nationalparks – nicht wegen der Schwierigkeit des Geländes, sondern wegen der Länge. Wer um 7:30 Uhr startet, ist am frühen Nachmittag zurück und hat den Wasserfall noch in gutem Licht.

Das Restaurant La Vista in der Streusiedlung El Cedro liegt etwa auf halber Strecke und bietet einfache Gerichte. Öffnungszeiten sind nicht garantiert – eigene Verpflegung mitnehmen. Am Rastplatz Ermita de Lourdes gibt es Picknickbänke.

Der Abstieg zum Chorro del Cedro ist steil und felsig. Kein Gelände für Freizeitschuhe. Der Boden am Wasserfall ist dauerhaft nass – Abstand zur Kante halten, keine halsbrecherischen Aussichtsversuche.

Trinkwasser selbt mitbringen.

Wildcampen ist auf ganz La Gomera verboten. Der kleine Campingplatz La Vista direkt in der Siedlung El Cedro ist privat geführt (Voranfrage empfohlen).

Tipp: GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track zur Ruta 9 – Contadero bis El Cedro findet man kostenlos auf Sunhikes – Wanderungen auf La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android – am besten offline speichern.

Wer mehrere Touren kombinieren oder die Anfahrt planen möchte: kostenloser Sunhikes-Routenplaner.

der Wanderweg quert mehrfach den Bachlauf El Cedro über Holzbrücken
der Wanderweg quert mehrfach den Bachlauf El Cedro über Holzbrücken

Hinweis: Nationalpark Garajonay

Die Ruta 9 verläuft vollständig im Parque Nacional de Garajonay, seit 1981 Nationalpark und seit 1986 UNESCO-Weltnaturerbe. Die Gesamtfläche beträgt 3.984 Hektar; der höchste Punkt ist der Alto de Garajonay mit 1.487 m. Über 85 % des Parks sind mit Laurisilva-Lorbeerwald bedeckt.

Innerhalb des Nationalparks gilt: kein Feuer entzünden, Hunde nur an der Leine, keine Pflanzen oder Steine entnehmen, ausschließlich markierte Wege begehen, Abfall mitnehmen.

Besucherzentren und Anlaufstellen: An der La Laguna Grande befindet sich ein zentraler Erholungsbereich mit Restaurant und Informationsangeboten. Das Besucherzentrum Juego de Bolas bei Agulo vermittelt dagegen vor allem die Natur, Kultur und traditionelle Lebensweise La Gomeras. Telefonische Auskünfte erhält man unter +34 922 478 402.

Häufige Fragen zur Ruta 9 – Contadero bis El Cedro

Wie lang ist die Ruta 9 wirklich?

Die Ruta 9 misst als Rundweg ab El Contadero 11,7 km mit 584 Höhenmetern. Als reine Streckenwanderung bis Hermigua ist sie deutlich länger (ca. 13 bis 14 km), da man komplett ins Tal absteigt, und erfordert entsprechende Logistik. Die Gehzeit liegt realistisch bei 3,5–4,5 Stunden je nach Tempo und Pausen.

Was sind die Galerías?

Die Galerías bei Las Mimbreras sind in den Fels getriebene Stollen, die einst Quellwasser aus dem Berginneren der Insel zapften. Sie sind ein typisches Element der kanarischen Wasserwirtschaft und auf La Gomera noch an mehreren Stellen sichtbar.

Kann man die Ruta 9 bis Hermigua verlängern?

Ja – die Ruta 9 kann als Streckenwanderung bis Hermigua verlängert werden. Das ergibt eine der schönsten Punkt-zu-Punkt-Touren des Nationalparks: vom Hochplateau bis ans Meer. Dafür braucht man zwei Fahrzeuge oder ein Taxi zurück nach El Contadero.

Ist die Ruta 9 für Anfänger geeignet?

Nein. Die Ruta 9 ist trotz der Einstufung „moderat“ keine Anfängertour. Die Länge, der Höhenunterschied und der felsige Wasserfall-Abstieg erfordern Wandererfahrung, gutes Schuhwerk und ausreichende Kondition. Für Einsteiger sind Ruta 2, Ruta 4 oder Ruta 5 besser geeignet.

Gibt es einen Unterschied zwischen Ruta 8 und Ruta 9?

Beide Routen führen in das Barranco del Cedro und zum Chorro del Cedro – aber von verschiedenen Einstiegspunkten. Die Ruta 8 startet bei Reventón Oscuro (Westseite), die Ruta 9 bei El Contadero (Nordseite). Die Ruta 9 ist länger und bietet zusätzlich den Roques-Aussichtspunkt und die Galerías bei Las Mimbreras.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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