Ruta 4 – Los Barranquillos: 20 Minuten, Atlantik, Alojera

Es gibt Wanderungen, die brauchen Stunden, um ihren Höhepunkt zu liefern. Und dann gibt es die Ruta 4 – Los Barranquillos: 0,8 Kilometer, 20 Minuten, und man steht an einem der überraschendsten Aussichtspunkte im Nationalpark Garajonay. Der Blick geht weit über den Westen der Insel hinaus – direkt auf den kleinen Küstenort Alojera und den tiefblauen Atlantik dahinter.

Blick auf den Ort Alojera vor dem tiefblauen Atlantik
Blick auf den Ort Alojera vor dem tiefblauen Atlantik

Die Ruta 4 ist die kürzeste der 18 offiziellen Nationalpark-Routen – und wird deshalb gerne unterschätzt. Dabei kombiniert sie zwei Dinge, für die man auf La Gomera meist viel länger laufen muss: dichten Fayal-Brezal-Wald und einen weiten Panoramablick in einem einzigen, entspannten Spaziergang. Ideal als Ergänzung zu einer anderen Tour, als Morgenspaziergang oder einfach dann, wenn wenig Zeit bleibt.

Dieser Artikel erklärt, wo der Startpunkt liegt, was die Route zu bieten hat, und warum der Aussichtspunkt Los Barranquillos trotz seiner Kürze einen echten Stopp wert ist.

Ruta 4 auf einen Blick

Klein, fein und schnell – alle Daten zur kürzesten offiziellen Nationalpark-Route:

Streckenlänge0,8 km (Rundweg)
Höhenmeter43 Hm
Gehzeitca. 20 Minuten
SchwierigkeitLeicht
CharakterKurzrundweg durch Fayal-Brezal-Wald mit Aussichtspunkt
StartpunktParkplatz Los Barranquillos, Nationalpark Garajonay (Westseite, Nähe Vallehermoso)
EndpunktStartpunkt (Rundweg)
HöhepunktMirador Los Barranquillos – Blick auf Alojera und Atlantik
MarkierungRuta 4 (offizielle Nationalpark-Route)
WaldtypFayal-Brezal (Baumheide + Gagelbaum), Übergang zu Laurisilva
Geeignet fürFamilien, Einsteiger, als Ergänzung zu längeren Touren
wunderbarer Laurisiva entlang der Wanderung Los Barranquillos
wunderbarer Laurisiva entlang der Wanderung Los Barranquillos

Die Route im Detail

Die Ruta 4 ist ein kompakter Rundweg – kein Hin-und-Rückweg, sondern eine kleine Schleife, die immer wieder neue Perspektiven bietet. Der Weg ist gut markiert und auch ohne GPS-Track problemlos zu begehen.

Durch den Fayal-Brezal-Wald

Ab dem Parkplatz taucht man sofort in den charakteristischen Fayal-Brezal-Wald ein – eine Waldformation aus Baumheide (Erica arborea) und Gagelbaum (Myrica faya), die auf den höheren Lagen des Nationalparks typisch ist. Dieser Wald ist dichter und dunkler als der offene Lorbeerwald der Tieflagen; Flechten hängen von den Ästen, der Boden ist mit Moos bedeckt. Es geht leicht an, kaum Steigung, kaum Anstrengung.

der Wanderpfad Los Barranquillos entlang der Ruta 4
der Wanderpfad Los Barranquillos entlang der Ruta 4

Der Aussichtspunkt Los Barranquillos

Nach wenigen Gehminuten öffnet sich der Wald und der Blick eröffnet sich sofort. Der Mirador Los Barranquillos liegt auf einem kleinen Felsvorsprung und bietet einen weiten Blick über die Westseite La Gomeras. Tief unten liegen die Barrancos, die dem Ort seinen Namen gaben. Vor einem breitet sich die Berg- und Schluchtenlandschaft in Richtung Alojera aus, dahinter liegt der Atlantik.

Blick vom Mirador auf die Bergkette um den Tejeleche
Blick vom Mirador auf die Bergkette um den Tejeleche

Rückweg mit Blick auf die Bergkette Tejeleche

Der Rückweg der Rundschleife führt an der anderen Flanke des Hügels entlang – mit Blick auf die Bergkette um den Tejeleche. Die Vegetation wechselt leicht, es wird etwas offener. Nach insgesamt rund 20 Minuten ist man zurück am Parkplatz – und fragt sich, warum man nicht öfter so kurze Wanderungen macht.

Fayal-Brezal: Der unterschätzte Wald

Die meisten Besucher kennen den Lorbeerwald des Nationalparks – die dichte, märchenhafte Laurisilva, die den Kern des Parks prägt. Weniger bekannt ist der Fayal-Brezal, der die Randzonen des Nationalparks bedeckt und entlang der Ruta 4 besonders gut ausgeprägt ist.

Baumheide und Gagelbaum

Der Fayal-Brezal besteht aus zwei Hauptarten: der Baumheide (Erica arborea) – auf den Kanaren bis zu 10 Meter hoch – und dem Gagelbaum (Myrica faya), dem namengebenden „Fayal“. Beide Arten wachsen dicht zusammen, bilden ein halbgeschlossenes Kronendach und halten die Feuchtigkeit aus den Passatwolken zurück. Dieser Wald ist ein natürlicher Wasserspeicher: Er fängt Nebel ein und gibt ihn langsam ans Grundwasser ab – ein System, das für die wasserarme Insel überlebenswichtig ist.

gut erhaltener Fayal-Brezal Wald bei Los Baranquillos im Nationalpark Garajonay
gut erhaltener Fayal-Brezal Wald bei Los Barranquillos im Nationalpark Garajonay

Flora und Fauna

Entlang der Ruta 4 wachsen neben Heide und Gagelbaum auch Farne, Moose und vereinzelte Lorbeerbäume, die den Übergang zur Laurisilva andeuten. Im gut erhaltenen Fayal-Brezal bei Los Barranquillos sind Vögel wie Buchfink und Kanarischer Laubsänger regelmäßig zu hören. Wer leise geht, hat gute Chancen, auch den gomerschen Unterart des Europäischen Grünspechts zu entdecken – eine der endemischen Vogelarten des Nationalparks.

Beste Reisezeit für die Ruta 4

Grundsätzlich kann die Ruta 4 das ganze Jahr über begangen werden. Je nach Wetterlage zeigt sie jedoch ein ganz anderes Gesicht: Der Fayal-Brezal wirkt bei Nebel besonders mystisch, während für den weiten Blick Richtung Atlantik möglichst klare Bedingungen benötigt werden. Vor der Anfahrt lohnt es sich deshalb, einen Blick auf die aktuelle Wetterlage in den Höhenlagen des Nationalparks zu werfen.

JahreszeitCharakterHinweis
Jan – MärFeucht, kühl, viel Nebel auf der WestseiteMystische Waldstimmung, Ausblick evtl. eingeschränkt
Apr – JunMild, grün, gute SichtBeste Kombination: Waldblüte + Atlantikblick
Jul – SepTrockener, Atlantik kristallklarFrüh starten; Westseite teils windiger
Okt – DezHerbstfarben, feuchter werdendPilze und Flechten in Hochform

Tipp für Fotografen & Licht-Enthusiasten

Vom Mirador Los Barranquillos aus eröffnet sich ein Blick nach Westen. Für klare Panoramafotos lohnt es sich besonders, am Vormittag bei guter Fernsicht zu kommen. Dann ist die Luft in den Höhenlagen häufig noch ruhig und die Sicht Richtung Alojera und Atlantik besonders klar.
Wer hingegen die atmosphärische Seite der Route erleben möchte, ist auch bei aufziehenden Passatwolken gut beraten. Vor allem um die Mittagszeit oder am frühen Nachmittag kann sich der Fayal-Brezal-Wald in dichten Nebel hüllen. Der kurze Weg wirkt dann plötzlich wie ein Spaziergang durch eine ganz andere Welt.

der Aussichtspunkt Los Barranquillos
der Aussichtspunkt Los Barranquillos

Anfahrt und Startpunkt

Der Startpunkt ist mit dem Mietwagen am einfachsten zu erreichen. Als Navigationsziel können Sie „Los Barranquillos“ oder die Koordinaten des Parkplatzes eingeben. So gelangen Sie zuverlässig in die Nähe des Wanderwegs. Die Zufahrt erfolgt über die Straßen und Pisten im Nationalpark. Ein normales Mietfahrzeug ist ausreichend, ein Fahrzeug mit Allradantrieb ist nicht erforderlich.

Am Startpunkt gibt es nur begrenzt Parkmöglichkeiten an bzw. neben der Forststraße. An Tagen mit gutem Wanderwetter kann die kleine Parkfläche schnell belegt sein. Da die Ruta 4 jedoch nur etwa 20 Minuten dauert, kommen und gehen die meisten Besucher zügig. Wer die Tour mit einer längeren Wanderung verbinden möchte, sollte dennoch frühzeitig anreisen.

Ausrüstung

SchuheLeichte Wanderschuhe oder feste Sportschuhe; der kurze Weg kann je nach Witterung feucht und rutschig sein
WasserEine kleine Flasche reicht für die kurze Tour; besonders an warmen Tagen sollte man trotzdem eigenes Trinkwasser dabeihaben
KleidungLeichte Fleece- oder Windjacke empfehlenswert – in den Höhenlagen kann es deutlich kühler sein
RegenschutzLeichter Poncho sinnvoll; Passatwolken und Nebel können schnell aufziehen
KameraBesonders bei klarer Fernsicht lohnt sich die Kamera für die Landschafts- und Atlantikblicke
NavigationGPS-Track auf Sunhikes verfügbar; die Route ist ausgeschildert und aufgrund ihrer Kürze leicht zu orienti

Wandern in der Region: Kombinationen

Die Ruta 4 ist kurz genug, um sie problemlos mit einer zweiten Tour oder einem Ausflug in den Westen La Gomeras zu kombinieren. Besonders gut eignet sie sich als Ergänzung zu einem Besuch in Vallehermoso oder Alojera.

In den umliegenden Orten haben diejenigen, die nach der Wanderung weiterfahren, die Möglichkeit, eine Pause einzulegen oder eine Mahlzeit zu sich zu nehmen. Alojera bietet sich dabei besonders an: Der Ort liegt direkt an der Küste und ist für seine Fischrestaurants und traditionelle Küche bekannt. Auch in Vallehermoso gibt es mehrere Einkehrmöglichkeiten.

KombinationRouteCharakter
HalbtagestourRuta 5 – Las Creces (Rundwanderung)Lorbeerwald + Kanarische Geranien, leicht, 2,3 km
Mit Atlantikblick verlängernWanderung Vallehermoso → Playa Alojera (GR-132)Moderat, 11,3 km, Abstieg zur Küste
Westseite erkundenRuta 6 – Laguna Grande IIBaumheide + Ausblicke Südrand, leicht, 4,2 km
GipfelzielRuta 7 – El Contadero → Alto de GarajonaySchnellste Route auf den Gipfel, leicht–moderat
Uralt und dicht bewachsen erstreckt sich die Laurisilva im Herzen des Garajonay-Nationalparks.
Uralt und dicht bewachsen erstreckt sich die Laurisilva im Herzen des Garajonay-Nationalparks.

Tipp: Die Ruta 4 mit Alojera verbinden

Die Ruta 4 ist in nur etwa 20 Minuten geschafft und eignet sich daher ideal als kurzer Naturstopp auf einem Ausflug in den Westen La Gomeras. Anschließend kann man weiter hinunter nach Alojera fahren und den Blick vom Hochland mit einem Besuch der Küste verbinden.
So erlebt man an einem Tag zwei völlig unterschiedliche Landschaften der Insel: den feuchten Fayal-Brezal-Wald in den Höhenlagen des Garajonay-Nationalparks und die trockene, sonnigere Atlantikküste von Alojera.

Kleine Siedlung Playa de Alojera an der Nordwestküste von La Gomera.
Kleine Siedlung Playa de Alojera an der Nordwestküste von La Gomera.

Hinweis: Nationalpark Garajonay

Die Route verläuft vollständig durch den Parque Nacional de Garajonay. Der Nationalpark ist seit 1981 geschützt und wurde 1986 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt. Auf einer Fläche von rund 3.984 Hektar schützt der Park eine der bedeutendsten Laurisilva-Landschaften der Kanaren. Der höchste Punkt ist der 1.487 m hohe Alto de Garajonay. Mehr als 85 % der Parkfläche sind von Lorbeerwald geprägt.
Nationalpark-Regeln: kein Feuer entzünden, ausschließlich markierte Wege benutzen, keine Pflanzen entnehmen und Abfall wieder mitnehmen.

Infostation La Laguna Grande: täglich 08:30–16:30 Uhr, Tel. +34 922 477 222
Besucherzentrum Juego de Bolas: täglich 09:30–16:30 Uhr.

Tipp: GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track findet man kostenlos auf Sunhikes – La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android.

Routenplaner: sunhikes.com/de/planer.

Häufige Fragen zur Ruta 4 – Los Barranquillos

Ist die Ruta 4 wirklich nur 20 Minuten?

Ja – mit 0,8 km und 43 Höhenmetern ist die Ruta 4 die kürzeste der 18 offiziellen Nationalpark-Routen. Die angegebene Gehzeit von 20 Minuten gilt für ein normales Gehtempo. Wer häufiger anhält und fotografiert, plant besser 30–40 Minuten ein.

Lohnt sich die Fahrt nur für diese kurze Route?

Als alleiniges Ziel ist die Ruta 4 schnell erledigt – ihre Stärke liegt deshalb vor allem in der Kombination mit anderen Zielen auf der Westseite La Gomeras. Ein Ausflug nach Vallehermoso, eine weitere Wanderung im Nationalpark oder die Weiterfahrt nach Alojera lassen sich gut mit dem kurzen Spaziergang verbinden. Gerade wenn wenig Zeit bleibt, ist die Ruta 4 dennoch ein lohnender Stopp: In nur wenigen Minuten verbindet sie dichten Wald, eine typische Vegetationsform der Höhenlagen und weite Ausblicke über den Westen der Insel bis zum Atlantik.

Was ist der Fayal-Brezal?

Der Fayal-Brezal ist eine Waldformation aus Baumheide (Erica arborea) und Gagelbaum (Myrica faya), die die höheren Randbereiche des Nationalparks bedeckt. Er ist dichter und dunkler als der Lorbeerwald, fängt Nebelfeuchtigkeit ein und ist ein wichtiger Teil des Wasserkreislaufs der Insel. Bei Los Barranquillos ist er besonders gut erhalten.

Kann man den Aussichtspunkt auch von Alojera aus erreichen?

Der Mirador Los Barranquillos ist nicht direkt von Alojera aus erreichbar – die Küste und das Hochplateau sind durch tiefe Schluchten getrennt. Die einfachste Anreise bleibt die mit dem Mietwagen von oben. Wer Alojera besuchen möchte, fährt besser direkt dorthin oder wandert über den GR-132 von Vallehermoso.

Gibt es Trinkwasser an der Route?

An der Ruta 4 gibt es keine Infrastruktur wie Gastronomie oder eine garantierte Trinkwasserversorgung. Aufgrund der kurzen Gehzeit reicht normalerweise eine kleine mitgebrachte Wasserflasche vollkommen aus. Das Leitungswasser auf La Gomera ist in der Regel aufbereitet und grundsätzlich für die Nutzung im Haushalt geeignet. Geschmack und Mineralisierung können jedoch je nach Herkunft und Aufbereitung deutlich variieren. Wer empfindlich auf den Geschmack reagiert, nimmt für unterwegs besser eigenes Trinkwasser mit.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

Sunhikes.com