La Dama und La Rajita: Verlassene Fabrik, einsamer Strand und die stille Südwestküste

Wer den GR-132 von Vallehermoso Richtung Süden läuft, kommt irgendwann an einen Punkt, wo die Straße endet und nur noch ein Zickzackweg an der Südwestküste weiterführt. Unten: der Atlantik. Vorne: die Ruinen einer alten Fischfabrik, ein Schiffsanleger aus Beton, ein verlassenes Dorf. Das ist La Rajita – das Ende der Welt im Südwesten La Gomeras.

die Kirche Ermita de las Nieves mit dem Fortaleza de Chipude im Hintergrund in La Dama
die Kirche Ermita de las Nieves mit dem Fortaleza de Chipude im Hintergrund in La Dama

Und ein paar Kurven höher, auf einem kleinen Plateau über dem Meer, liegt La Dama – ein winziger Ort mit einer der stimmungsvollsten Kapellen der Insel: der Ermita de Nuestra Señora de las Nieves, hinter der La Fortaleza als Tafelberg im Hintergrund aufragt. Zwei Orte, die kaum jemand kennt – und die sich für alle lohnen, die abseits der bekannten Routen suchen.

La Dama und La Rajita auf einen Blick

LageSüdwestküste La Gomeras; Gemeinde Vallehermoso; ca. 3 km Abstand zueinander
La DamaKleiner Weiler; Ermita de las Nieves; Blick auf La Fortaleza; Ausgangspunkt GR-132
La RajitaKüstenort; ehem. Fischkonservenfabrik (seit 1984 verlassen); Schiffsanleger; Strand; Chiringuito
GR-132Verbindet beide Orte; Igualero → La Rajita (11,1 km, schwer, 1.464 hm bergab)
BesonderheitVerlassene Industrieanlage direkt am Strand; eine der isoliertesten Küstenstrände La Gomeras
AnreiseAbzweigung von GM-1 bei Vallehermoso; Serpentinenstraße zur Küste
Wanderung in die Schlucht Barranco La Rajita bei La Dama
Wanderung in die Schlucht Barranco La Rajita bei La Dama

La Dama: Kapelle mit Panorama

La Dama ist kein Ort im üblichen Sinne – es ist eine Handvoll Häuser auf einem Plateau über dem Meer, gut geschützt vor dem Wind und mit einem Blick, der einen überrascht: direkt dahinter, nah und imposant, ragt der Tafelberg La Fortaleza de Chipude (1.231 m) auf. Von keinem anderen tiefer gelegenen Punkt auf La Gomera ist der Tafelberg so nah und so klar sichtbar wie von La Dama aus.

Ermita de Nuestra Señora de las Nieves

Die Ermita de Nuestra Señora de las Nieves – die Kapelle der Schneekönigin – ist das Herzstück La Damas. Sie steht frei auf dem Plateau, schlicht weiß gekalkt, mit einem kleinen Glockenturm. Die Kapelle ist einfach, ohne Touristenaufbereitung. Was sie besonders macht, ist die Komposition: Kapelle im Vordergrund, Felswände und La Fortaleza dahinter, Atlantik zur Seite.

die Kirche Ermita de las Nieves in La Dama auf La Gomera
die Kirche Ermita de las Nieves in La Dama auf La Gomera

Die Ermita de las Nieves ist ein Wallfahrtsort. Einmal im Jahr – am Fest der Schneekönigin (5. August) – kommen Pilger aus den umliegenden Gemeinden zur Messe. Der Rest des Jahres ist die Kapelle meist geschlossen; der Platz davor aber immer zugänglich.

Die alte Hafenanlage

Unterhalb von La Dama, an der Küste, sind die Überreste einer alten Hafenanlage sichtbar – Betonpfeiler, Stahlreste, eine Mole. Sie diente in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dem Transport von Gütern zwischen La Dama und der Fischfabrik in La Rajita. Heute ist sie verfallen, aber als industrielles Erbe der Insel einen Blick wert.

Schiffsanleger der ehemaligen Fischkonservenfabrik an der Playa de la Rajita
Schiffsanleger der ehemaligen Fischkonservenfabrik an der Playa de la Rajita

La Rajita: Die verlassene Fischfabrik

Unterhalb der Serpentinenstraße, direkt am Strand, liegt das eindrücklichste Industrierelikt La Gomeras: die ehemalige Fischkonservenfabrik von La Rajita. Sie wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gebaut und verarbeitete Thunfisch und Sardinenfang aus dem Atlantik. Betrieben wurde die Fabrik historisch von Lloret y Llinares, einem Unternehmen von den Balearen beziehungsweise aus Alicante, das den Thunfischfang auf den Kanaren stark industrialisierte. In ihrer Blütezeit war die Fabrik ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Südwestküste.

Die Überreste der ehemaligen Fischkonservenfabrik in La Rajita auf La Gomera.
Die Überreste der ehemaligen Fischkonservenfabrik in La Rajita auf La Gomera.

Seit 1984 steht die Fabrik leer. Die Gründe: rückläufige Fischbestände, unwirtschaftliche Betriebskosten, bessere Transportwege auf der Insel. Was geblieben ist, sind die Betonhallen direkt am Wasser, der alte Schiffsanleger aus Beton und die Rost-Eisenstruktur einer Anlage, die keiner mehr braucht – aber die niemand abreißt.

Die verfallenen Hallen der Fabrik bilden eine außergewöhnliche Kulisse – rauer Beton, Meerblick, Salzluft, Stille. Fotografen, die den unbeschönigten Süden La Gomeras suchen, kommen hier auf ihre Kosten.

Die stillgelegte Fischkonservenfabrik von La Rajita erstreckt sich unterhalb steiler Klippen am Meer
Die stillgelegte Fischkonservenfabrik von La Rajita erstreckt sich unterhalb steiler Klippen am Meer

Der Strand Playa de La Rajita

Direkt neben der Fabrik liegt der Strand von La Rajita – schwarzer Kies, geschützte Lage hinter der Mole, klares Wasser. Ein Chiringuito (Strandbar) ist saisonal geöffnet und bietet einfache Snacks und Getränke. Der Strand ist kein Familienstrand mit Liegestühlen – er ist ein rauer Küstenstreifen, an dem man allein sein kann.

Achtung: Die Wege zur Fabrik und zum Strand führen über beschädigte Wegstücke – der GR-132 ist in diesem Abschnitt nicht vollständig intakt. Festes Schuhwerk und Vorsicht sind angeraten. Den GPS-Track (Sunhikes) vorher offline speichern.

Der GR-132: Die Wanderung von Igualero nach La Rajita

La Rajita ist das Ziel einer der anspruchsvollsten Tageswanderungen der Insel. Die Wanderung von Igualero nach La Rajita ist technisch schwer, landschaftlich aber außergewöhnlich:

StartMirador de Igualero (ca. 1.300 m)
ZielStrand La Rajita (Meeresniveau)
Distanz11,1 km
Höhenmeter bergab1.464 m
Höhenmeter bergauf169 m
Dauer4:00–5:00 h
SchwierigkeitSchwer
MarkierungGR-132.1
Beste ZeitOktober bis April
Ein Wegweiser des Fernwanderwegs GR-132 auf La Gomera
Ein Wegweiser des Fernwanderwegs GR-132 bei La Dama auf La Gomera

Wander- & Sicherheits-Hinweis zum GR-132

Extremer Höhenunterschied: Der Abstieg von Igualero nach La Rajita schlägt mit fast 1.500 Höhenmetern ins Knie. Unterschätze diese Tour nicht – feste Bergschuhe, Wanderstöcke und reichlich Wasser sind hier absolut notwendig. Gerade der lange Abstieg zur Küste fordert Kondition und Trittsicherheit.

Routenbeschreibung

Start am Mirador de Igualero (mit Monumento al Silbo Gomero und Blick auf La Fortaleza). Durch Terrassenfelder bergab Richtung Erque. Beim Dorf Erque links abbiegen – nicht rechts ins Dorf. Pfad oberhalb des Dorfes weiter; steiler Anstieg über 120 Hm Richtung El Drago.

Dann: spektakulärer Blick in den Barranco Jina – La Fortaleza taucht direkt vor einem auf, die Steilwände fallen senkrecht in die Schlucht. Weiter über die Ruinen von Las Chenejigas (ehemalige Terrassenfelder), an denen wilde Artischocken und Drachenbäume wachsen. Abstieg durch den Barranco de la Rajita – zunächst Zickzack-Pfad, dann steil zur Küste.

Am Ende: der GR-132 führt hinter der ehemaligen Fischfabrik vorbei zum Strand. Die Wegstücke im letzten Abschnitt sind beschädigt – sehr langsam und vorsichtig.

Erquito, das kleine Erque, thront still über der tiefen Erque-Schlucht.
Erquito, das kleine Erque, thront still über der tiefen Erque-Schlucht.

Was man unterwegs sieht

AbschnittPOIBesonderheit
Igualero → ErqueMirador de Igualero, La Fortaleza-BlickSilbo-Denkmal; spektakuläre Schluchtblicke
Erque → Las ChenejigasDorf Erque, Ruinen Las ChenejigasZiegenherde; verlassene Terrassenfelder
Las Chenejigas → La DamaEl Drago, ArguayodaDrachenbäume; Blick auf La Dama + La Fortaleza
La Dama → La RajitaErmita de las Nieves, KüstenabstiegKapelle; GR-132 Zickzack; Fabrikruine

Anreise nach La Dama / La Rajita mit dem Auto

Von Vallehermoso: GM-1 in Richtung Süden, nach ca. 8 km Abzweigung Richtung La Dama / La Rajita. Die Straße ist schmal und kurvenreich – mit Gegenverkehr rechnen; an engen Stellen einen Rückwärtsgang einlegen. Parkplatz in La Dama (oberhalb der Fabrik). Kein regulärer Bus; Mietwagen notwendig. Gesamtfahrzeit ab San Sebastián ca. 55–65 Minuten.

Praktische Tipps für den Ausflug in den Südwesten

Keine Infrastruktur vor Ort: Weder in La Dama noch in La Rajita gibt es verlässliche Einkaufsmöglichkeiten oder Supermärkte. Nimm ausreichend Wasser und Proviant mit – vor allem, wenn du eine Wanderung planst.
Fahrkunst auf der Serpentinenstraße: Die Straße hinunter nach La Dama windet sich in unzähligen Serpentinen die Steilwand hinab. Fahre vorausschauend, nutze die Hupe vor unübersichtlichen Kurven und bleibe entspannt, falls dir ein Einheimischer entgegenkommt.

FAQ – La Dama & La Rajita

Kann man in La Rajita schwimmen?

Bedingt. Der Strand ist durch die Mole geschützt, das Wasser meist ruhig. Einen Rettungsschwimmer gibt es nicht. Bei Atlantikswell solltest du die Bedingungen vor dem Einstieg prüfen. Im Sommer ist das Meer hier meist ruhiger als im Winter.

Ist die Fischfabrik in La Rajita zugänglich?

Das Außengelände ist zugänglich. Das Innere der alten Betonhallen solltest du wegen möglicher Einsturzgefahr und fehlender Sicherung nicht betreten. Von außen lässt sich die Anlage gut erkunden und fotografieren.

Braucht man für die GR-132-Wanderung Bergschuhe?

Ja – unbedingt. Der Abstieg von Igualero nach La Rajita ist steil und führt teilweise über beschädigte Wegabschnitte. Feste Bergschuhe mit guter Profilsohle gehören zur Grundausstattung. Sandalen oder einfache Turnschuhe sind für diese Tour ungeeignet.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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