Tazo: Abgelegener Weiler im Nordwesten zwischen Palmen und Terrassenfeldern
Auf der Straße in den abgelegenen Westen der Gemeinde Vallehermoso liegt ein Weiler, über den sich kaum ein Reiseführer ausführlich auslässt: Tazo. Und doch lohnt es sich, hier nicht einfach vorbeizufahren. Tazo liegt in einer stillen, von Barrancos, Palmenhainen und alten Terrassenfeldern geprägten Landschaft oberhalb der Westküste. Viele Besucher kommen auf dem Weg weiter in die abgelegenen Regionen des Inselwestens vorbei – doch der kleine Weiler selbst zeigt etwas, das auf La Gomera immer seltener geworden ist: eine gewachsene Kulturlandschaft ohne touristische Kulisse.

Palmen, verstreute Häuser, steile Hänge und der Atlantik in der Ferne bestimmen das Bild. Tazo ist kein klassisches Ausflugsziel. Gerade deshalb lohnt sich ein kurzer Halt.
Tazo auf einen Blick
| Lage | Westen der Gemeinde Vallehermoso; abgelegene Berg- und Schluchtenlandschaft oberhalb der Westküste |
|---|---|
| Einwohner | Kleiner, weit verstreuter Weiler mit traditioneller ländlicher Bebauung |
| Charakter | Ruhiger Caserío zwischen Palmenhainen, Terrassenfeldern und Barrancos |
| Wirtschaft | raditionelle Nutzung der Palmen für Guarapo und Miel de Palma sowie kleinräumige Landwirtschaft |
| Straßenanschluss | Zufahrt über die CV-16 und die anschließende Panoramastraße nach Tazo |
| Funktion | Ausgangspunkt für Wanderungen und Zugang zu den abgelegenen Landschaften Richtung Arguamul und Alojera |

Die Landschaft um Tazo
Tazo liegt in einer Landschaft, die auf La Gomera einzigartig wirkt. Die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) prägt den Weiler stärker als fast jeden anderen Ort der Insel. Tatsächlich befindet sich hier einer der größten und dichtesten Palmenhaine La Gomeras mit mehr als 12.000 Palmen – ein außergewöhnliches Kulturerbe, das seit Jahrhunderten das Landschaftsbild und die traditionelle Landwirtschaft bestimmt.
Zwischen den Palmen liegen alte Terrassenfelder, verstreute Fincas und schmale Wege, die noch heute vom ursprünglichen Leben in diesem abgelegenen Caserío erzählen. Terrassenfelder aus Basaltmauern, teils bewirtschaftet (Tomaten, Kräuter, Kartoffeln), teils verlassen und von Agaven übernommen. Die Agave americana ist hier besonders präsent: die eingeführte mexikanische Agave, die auf La Gomera seit Jahrhunderten eingebürgert ist und einmal blüht – mit einem bis zu sechs Meter hohen Blütenschaft – bevor sie abstirbt. In Tazo sieht man sie in allen Stadien: junge Rosetten, blühende Riesen, vertrocknete Stämme.

Der Lomo del Carretón
Oberhalb von Tazo erhebt sich ein markanter Bergrücken: der Lomo del Carretón. Er ist von der Dorfgasse aus sichtbar und gibt der Umgebung Tazo eine eigene, charakteristische Silhouette. Die palmengesäumten Gassen des Weilers führen direkt auf ihn zu. Von seinem Kamm aus – zu Fuß in ca. 40 Minuten erreichbar – hat man eine der besten Aussichten auf die gesamte Nordwestküste: Los Órganos in der Ferne, Arguamul an der Felswand, der Atlantik darunter.
Die Straße nach Tazo: Panoramafahrt in den Nordwesten
Die Fahrt nach Tazo gehört bereits zum Erlebnis. Die schmale Straße führt durch eine zunehmend stille und ursprüngliche Landschaft mit tief eingeschnittenen Barrancos, steilen Berghängen und weiten Blicken Richtung Atlantik.
Auf vielen Abschnitten ist die Fahrbahn schmal und kurvenreich. Ausweichstellen gehören zum Straßenalltag auf La Gomera. Wer hier unterwegs ist, sollte langsam und vorausschauend fahren – nicht wegen der Entfernung, sondern wegen der Strecke selbst.
Tazo liegt auf dem Weg durch den abgelegenen Westen der Gemeinde Vallehermoso und ist eng mit den umliegenden Weilern und der Landschaft rund um Alojera und Arguamul verbunden. Gerade diese Abgeschiedenheit macht die Fahrt so besonders: Hinter jeder Kurve verändert sich der Blick, während die touristische Infrastruktur zunehmend verschwindet.
Palmhonig-Wirtschaft in Tazo
Tazo gehört zu einer Landschaft, in der die Kanarische Dattelpalme seit Jahrhunderten das Bild prägt. Besonders eng verbunden ist der Weiler mit der Region um Alojera, einem der wichtigsten Gebiete der traditionellen Palmensaftgewinnung auf La Gomera.

Aus dem Saft der Kanarischen Dattelpalme, dem Guarapo, entsteht durch langsames Einkochen die Miel de Palma. Die Palmenwirtschaft prägt nicht nur die Landschaft, sondern auch die kulturelle Identität dieser abgelegenen Region. Zwischen Tazo und Alojera wird sichtbar, warum die Palme auf La Gomera weit mehr ist als eine dekorative Pflanze: Sie war und ist Rohstoff, Nahrungsquelle und Teil einer über Generationen weitergegebenen Tradition.
Wandern ab Tazo
Tazo ist ein schöner Ausgangspunkt für Wanderungen durch die ursprüngliche Kulturlandschaft des Nordwestens.
| Route | Ziel | Charakter |
| CV-16 weiter → Arguamul → Guillama | Küstenwanderung ab Guillama | Nur mit Mietwagen bis Arguamul; dann Wanderung |
| Lomo del Carretón (frei) | Bergrücken über Tazo | Kein markierter Weg; GPS-Track Pflicht; Panorama |
| GR-132 Abschnitt (Alojera → Vallehermoso) | Bergrücken mit Chorros de Epina | Moderat; 11,3 km; GR-132-Abschnitt durch Nordwesten |
Der GR-132 verläuft in diesem Landschaftsraum und kreuzt beziehungsweise begleitet mehrere historische Wege rund um Epina und Tazo, sodass sich der Weiler gut in längere Etappen integrieren lässt.

Flora: Was rund um Tazo wächst
- Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) – überall; prägt das Ortsbild; liefert Palmhonig.
- Agave americana – mexikanisch eingebürgert; markiert aufgegebene Terrassenränder.
- Kanarische Wolfsmilch (Euphorbia canariensis) – auf trockenem Felsgestein; säulenförmig.
- Zedern-Wacholder (Juniperus cedrus) – auf dem Bergrücken; endemisch; windgeformt.
- Wilde Feige (Ficus carica) – in Barrancospalten; teils uralt und riesig.

Anreise und praktische Infos
Tazo liegt im abgelegenen Westen der Gemeinde Vallehermoso und ist mit dem Mietwagen erreichbar. Die Zufahrt führt über schmale, kurvenreiche Straßen, die auf einigen Abschnitten wenig Platz für Gegenverkehr bieten.
Ein normaler Mietwagen reicht aus. Wichtig ist jedoch eine defensive Fahrweise: langsam fahren, Ausweichstellen nutzen und besonders in engen Kurven mit Gegenverkehr rechnen.
Gastronomische Versorgung und Einkaufsmöglichkeiten sind in Tazo sehr begrenzt oder nicht vorhanden. Wasser und Proviant sollte man deshalb bereits vor der Fahrt in die abgelegene Region mitnehmen.
Praktische Tipps für die Anfahrt nach Tazo
Entspannt fahren: Die Straßen durch den abgelegenen Westen La Gomeras sind schmal, kurvenreich und teilweise ohne Leitplanken. Langsam fahren und die Ausweichstellen für Gegenverkehr im Blick behalten – die Fahrt ist Teil des Erlebnisses.
Selbstversorgung einplanen: In Tazo gibt es keine verlässliche touristische Infrastruktur. Wasser und einen kleinen Proviant sollte man deshalb bereits vor der Fahrt mitnehmen.
Nicht einfach durchfahren: Ein kurzer Spaziergang durch den Weiler reicht oft schon, um den Charakter von Tazo zu erleben: Palmen, Terrassenfelder, verstreute Häuser und eine Stille, die auf den touristischeren Teilen der Insel selten geworden ist.
FAQ
Was ist der Unterschied zwischen Tazo und Arguamul?
Gibt es in Tazo irgendwo Palmhonig zu kaufen?
Lohnt es sich, in Tazo zu halten, wenn man nach Arguamul fährt?
Liegt Tazo im Nordwesten oder Westen von La Gomera?
Warum ist Tazo für Palmhonig so bekannt?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


