La Laja: Terrassenfelder, Seilzüge und Blick auf die Roques
Manche Orte auf La Gomera tauchen in Reiseführern nicht auf, weil man nicht weiß, wie man über sie schreiben soll. La Laja ist einer davon. Rund 100 Einwohner. Keine Bar, kein Hotel, kein Touristeninfrastruktur. Aber: terrassierte Hänge mit Avocados und Orangen, Seilzüge als aktives Transportsystem – weil die Felder anders nicht zu erreichen wären – und unmittelbarer Blick auf die spektakuläre Schlucht Barranco de Las Lajas, durch die der Wanderweg von den Roques nach unten führt.

La Laja gehört zur Gemeinde San Sebastián, liegt auf der östlichen Seite der Insel und ist einer jener Orte, die man entweder durch Zufall entdeckt – oder weil man die Wanderroute von den Roques de Agando durch das Barranco de Las Lajas kennt. Wer diese Route läuft, macht automatisch einen Abstecher nach La Laja. Und bleibt meistens länger als geplant.
La Laja auf einen Blick
| Gemeinde | San Sebastián de La Gomera |
|---|---|
| Einwohner | ca. 100 |
| Höhe | ca. 350–500 m (Terrassenhänge) |
| Lage | Ostseite der Insel; Barranco de Las Lajas; zwischen GM-2 und Küste |
| Bewirtschaftung | Avocados, Orangen, Gemüse auf Terrassenfeldern |
| Transport | Seilzüge zum Warentransport in die unzugänglichen Terrassenebenen |
| Wanderzugang | Hauptzugang über Wanderweg ab Roque de Agando / Embalse de Las Lajas |
| Besonderheit | Aktive traditionelle Landwirtschaft; Seilzüge noch in Betrieb |
Terrassenlandschaft: Generationen Arbeit in Stein
Die Terrassenfelder um La Laja gehören zu den eindrücklichsten der gesamten Insel. Sie ziehen sich die steilen Hänge des Barranco de Las Lajas hinunter – Mauer für Mauer, Stufe für Stufe, Hunderte von Terrassen über Jahrhunderte angelegt. Die Mauern bestehen aus dem Basaltgestein des Barrancos, trocken geschichtet ohne Mörtel.

Was hier angebaut wird: Avocados, Orangen und Gemüse – Tomaten, Kartoffeln, Kräuter. Die Produkte werden zum Teil auf lokalen Märkten verkauft, zum Teil selbst verbraucht. Es gibt keine Agrargenossenschaft, keinen industriellen Betrieb. Jede Familie bewirtschaftet ihre Parzellen in Eigenregie, wie es Generationen vor ihnen taten.
Ein Detail, das La Laja von anderen Terrassendörfern unterscheidet: Mehrere Terrassenebenen sind mit dem Mietwagen oder zu Fuß nicht erreichbar. Die Lösung: Seilzüge. Metallseile, die die Hänge hinunterführen und Kisten, Säcke und Erntegüter transportieren. Wer La Laja besucht, sieht diese Seilzüge – ein lebendiges technisches Erbe aus der Zeit vor Straßen und Fahrzeugen, das noch immer aktiv genutzt wird.
Warum gibt es Seilzüge in La Laja?
Die Topografie des Barranco de Las Lajas macht normale Transportwege unmöglich: Die Hänge sind zu steil für Straßen, zu tief für direkte Zugänge. Früheren Generationen nutzten Maultiere; heute sind Seilzüge die effizientere Lösung für den Transport von Erntegütern aus den tiefsten Terrassenebenen. Die Seilzüge sind einfache Konstruktionen – aber wartungsintensiv, und ihre Weiternutzung hängt vom Willen der Familien ab, diese Tradition zu erhalten.

Das Barranco de Las Lajas
La Laja liegt im und am Barranco de Las Lajas – einer der wildesten Schluchten auf der Ostseite La Gomeras. Das Barranco schneidet sich von der Hochebene nahe den Roques hinunter bis zur Küste; die Basaltwände werden dabei zunehmend steiler und enger.
Das Barranco ist Lebensraum und Landwirtschaftsfläche zugleich: Im Talgrund fließt – zumindest nach Regen – ein kleines Rinnsal, das die Terrassenfelder mit Feuchtigkeit versorgt. Im oberen Teil verläuft der Wanderweg von den Roques; weiter unten liegen die Felder von La Laja; am Ende öffnet sich das Barranco zur Ostküste.
Der Stausee Embalse de Las Lajas
Im mittleren Abschnitt des Barrancos liegt der Embalse de Las Lajas – ein kleiner Stausee, der die Wasserversorgung für La Laja und die umliegenden Felder sicherstellt. Er ist von der Wanderroute aus gut sichtbar; ein ruhiger Wasserspiegel inmitten von Basaltsteilwänden. Der Stausee ist auch ein guter Orientierungspunkt auf der Wanderroute: Wer den Embalse erreicht, hat es noch ca. 400 m bis zum Ortskern La Lajas.

Abgeschieden und doch nah an San Sebastián
La Laja liegt näher an San Sebastián de La Gomera, als das Gefühl vor Ort vermuten lässt. Der tiefe Barranco de Las Lajas macht aus der vergleichsweise kurzen Entfernung jedoch eine natürliche Barriere. Wer zwischen Terrassenfeldern und Palmen steht, hat schnell das Gefühl, weit weg von der Inselhauptstadt und ihren Straßen zu sein. Genau diese Mischung aus Nähe und Abgeschiedenheit macht den besonderen Reiz von La Laja aus.
Wandern: La Laja als Teil einer größeren Route
La Laja ist kein eigenständiges Wanderziel – es ist Etappenort auf einer der schönsten Rundwanderungen der Insel. Die Standardroute:
| Abschnitt | Strecke | Charakter |
| Parkplatz Roque de Agando → Casa del Manco | Ca. 1,4 km | Nationalpark Ruta 13; Blick auf alle vier Roques |
| Casa del Manco → Abstieg Barranco de Las Lajas | Ca. 2,5 km | PR-LG 17; Übergang Lorbeer → Kiefernwald; steil |
| Abstieg → La Laja (Abzweigung 400 m) | Ca. 400 m | Ortskern; Seilzüge sichtbar; Pause möglich |
| La Laja → Embalse de Las Lajas → Aufstieg | Ca. 2,5 km | Stausee; Kiefernwald; Zickzackpfad bergauf |
| Aufstieg → Mirador Bailadero → Roque de Ojila → Parkplatz | Ca. 2,8 km | Ruta 1 + GR-131; Blick auf Roques von unten |
Gesamtlänge der Rundtour: ca. 8,6 km | Höhenmeter: 683 m | Dauer: 3:15–4:00 h | Schwierigkeit: moderat. Start und Ziel: Parkplatz Roque de Agando an der GM-2.

Wander-Hinweis zur Tour
Der Abstieg erfordert Trittsicherheit: Die Runde von den Roques de Agando durch das Barranco de Las Lajas nach La Laja ist landschaftlich spektakulär, verlangt aber mit fast 700 Höhenmetern und teils steilen Zickzack-Pfaden eine gute Grundkondition. Wanderschuhe mit guter Profilsohle sind hier Pflicht.
Blick auf die Roques: Was man sieht
Von den oberen Terrassenebenen La Lajas hat man einen der intimsten Blicke auf die Roques-Formation: Roque de Agando (1.250 m), Roque de la Zarcita (1.230 m), Roque de Ojila (1.170 m) und Roque de Carmona (1.103 m) – von unten, mit La Laja im Vordergrund. Nicht der klassische Touristenfoto-Winkel von der GM-2, sondern ein Blick aus der Schlucht heraus, der die Höhe und Wildheit der Basalttürme viel unmittelbarer erfahren lässt.
Dazu: Bei klarer Sicht reicht der Blick nach Osten über die raue Ostküste hinaus auf den offenen Atlantik; am Horizont kann sich Teneriffa zeigen. Der klassische Teide-Blick gehört eher zu den höher gelegenen Aussichtspunkten der Insel – von La Laja aus steht dagegen die Weite des Meeres im Vordergrund.
Die Wildtiere im Barranco de Las Lajas
Das Barranco de Las Lajas ist reich an Fauna. Am häufigsten zu beobachten:
- Westkanaren-Eidechse (Gallotia caesaris gomerae) – die endemische Unterart; sonnt sich auf dem Wanderweg und den Steinterrassen; an warmen Tagen nahezu garantiert.
- Admiral-Schmetterling (Vanessa atalanta) – häufig auf dem Wanderweg in der Baumheide- und Kiefernzone; der rote Band auf dunklen Flügeln ist unverwechselbar.
- Felsenhuhn (Alectoris barbara) – auf den felsigen Trockenhängen im unteren Barrancoteil; in Gruppen; oft beim Aufstieg erschreckt er Wanderer durch lautes, plötzliches Auffliegen.

Praktische Tipps für den Besuch von La Laja
Keine Infrastruktur: Wie viele der alten Weiler hat auch La Laja keine Geschäfte, Bars oder Toiletten. Nimm für den Spaziergang oder die Wanderung genügend Wasser mit.
Parken mit Verstand: Die Zufahrt mit dem normalen Mietwagen bis in den Ortskern ist wegen der unbefestigten und steilen Pisten nicht empfehlenswert. Am besten parkst du auf geeigneten Plätzen weiter unten oder verbindest den Besuch direkt mit der Wanderung ab den Roques.
Anreise nach La Laja
Mit dem Mietwagen: Ab der GM-2 gibt es keinen asphaltierten Weg direkt nach La Laja. Der untere Zugang ins Barranco führt über eine lokale Nebenstraße beziehungsweise einen unbefestigten Feldweg, der von der Straße Richtung Küste abzweigt – für normale Mietwagen nur eingeschränkt geeignet. Die einfachste und schönste Anreise ist zu Fuß über den Wanderweg ab dem Parkplatz Roque de Agando. Alternativ: weiter unten an der Küstenstraße beziehungsweise Nebenstraße parken und das letzte Stück zu Fuß zurücklegen.
FAQ: La Laja – häufige Fragen zum versteckten Terrassendorf
Kann man La Laja auch ohne die große Rundwanderung besuchen?
Gibt es in La Laja eine Bar oder einen Laden?
Wann sind die Seilzüge in Betrieb?
Kann man mit dem normalen Mietwagen direkt in den Ortskern von La Laja fahren?
Lohnt sich der Besuch von La Laja auch, wenn man nicht die gesamte große Rundwanderung machen möchte?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


