Chipude: Das älteste Hochlanddorf an der Fortaleza de Chipude
Wer auf La Gomera in die Geschichte eintauchen will, fährt nach Chipude. Das Dorf auf etwa 1.100 m Höhe gilt als eines der ältesten bewohnten Dörfer des Hochlands – und war über Jahrhunderte ein wichtiges Siedlungs- und Landwirtschaftszentrum der Insel. Heute leben noch einige Hundert Menschen hier, aber die Stille ist greifbar.

Was Chipude besonders macht: Es liegt direkt neben einem der geologisch eigenartigsten Objekte der Kanaren – dem Tafelberg La Fortaleza de Chipude (1.231 m). Der platte Basaltgipfel überragt das Dorf wie eine natürliche Festung. Und es gibt Töpfer, die noch heute nach guanchischer Technik arbeiten.
Chipude auf einen Blick
| Höhe | ca. 1.100 m |
|---|---|
| Lage | Hochland La Gomeras; Gemeinde Vallehermoso; nahe CV-13/CV-17 |
| Geschichte | Ältester besiedelt Ort des Hochlands; früher: Tecomadá |
| Kirche | Virgen de la Candelaria (Kern 1540, Pfarrkirche 17. Jh.) |
| Besonderheit | Töpfertradition nach guanchischer Technik; La Fortaleza direkt nebenan |
| La Fortaleza | Tafelberg 1.231 m; Wanderung ab Technikgebäude (2,6 km, schwer) |

Geschichte: Tecomadá – der alte Name
Chipude hieß ursprünglich Tecomadá – ein guanchischer Name, dessen Bedeutung nicht vollständig geklärt ist. Das Dorf war in der vorspanischen Zeit ein wichtiger Siedlungspunkt im Hochland, weil die Höhenlage Zugang zu Wasser, Ackerland und dem Nationalpark-Vorläufer-Gebiet bot. Nach der Kolonisierung wurde der Name zu Chipude hispanisiert.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert gehörte die Region rund um Chipude zu den wichtigsten und bevölkerungsreichsten Siedlungsgebieten des Hochlands. Mit der zunehmenden Abwanderung in die Küstenorte und nach Teneriffa verlor Chipude viele Einwohner. Geblieben ist seine Bedeutung als historisches Hochlandzentrum.
Kirche Virgen de la Candelaria
Die Pfarrkirche Chipudes ist eine der ältesten auf La Gomera: Der Kern des Gebäudes stammt aus dem Jahr 1540 – weniger als 50 Jahre nach der Ankunft der Spanier. Sie wurde im 17. Jahrhundert zur Pfarrkirche ausgebaut und mehrfach renoviert. Gewidmet ist sie der Virgen de la Candelaria, der Schutzpatronin der Kanarischen Inseln.
Das Innere ist schlicht und authentisch – keine touristische Aufbereitung, keine Werbetafeln. Die Kirche steht an der zentralen Plaza, die auch der Mittelpunkt des Dorflebens ist.

Töpfertradition: Handwerk aus der Guanchen-Zeit
Chipude und der unmittelbar benachbarte Weiler El Cercado sind die letzten Orte auf La Gomera, wo traditionelle guanchische Töpfertechnik noch aktiv praktiziert wird. Die Töpfer arbeiten ohne Drehscheibe – sie formen den Ton mit den Händen nach einer Technik, die direkt von den Ureinwohnern der Insel abstammt.
Die fertigen Stücke – Schüsseln, Krüge, Teller – werden traditionell über offenem Feuer gebrannt. Das Ergebnis: unregelmäßige, schwarz-braune Gefäße mit rauer Oberfläche, die funktional und ästhetisch gleichermaßen interessant sind. Direkt in El Cercado und in einigen Werkstätten in Chipude kann man zuschauen und kaufen.
El Cercado – Das Töpferdorf
Knapp 2 km von Chipude entfernt liegt El Cercado – ein kleiner Weiler, der vollständig auf Töpferei ausgerichtet ist. Mehrere Familienbetriebe arbeiten hier nach der alten Technik. Kein Massenprodukt, kein Souvenirkitsch – echtes Handwerk, das man direkt vor Ort kaufen kann. Auch der Embalse de El Cercado (Stausee) liegt in der Nähe und ist ein guter Aussichtspunkt.

Praktische Tipps für den Besuch in Chipude & El Cercado
Töpferkunst hautnah: Wer handgefertigte Keramik als authentisches Souvenir sucht, sollte einen Abstecher nach El Cercado einplanen. Die kleinen Werkstätten haben allerdings nicht immer durchgehend geöffnet – besonders am Wochenende oder zur Mittagszeit können die Türen geschlossen sein. Unter der Woche und am Vormittag sind die Chancen am besten, den Töpfern bei der Arbeit zuzusehen.
Keramik direkt vor Ort kaufen: Die handgeformten Gefäße sind nicht nur schöne Erinnerungsstücke, sondern gehören zu einer jahrhundertealten Handwerkstradition La Gomeras. Mit einem Kauf unterstützt man die wenigen Werkstätten, in denen diese Technik bis heute weitergegeben wird.
La Fortaleza de Chipude – Direkt nebenan
Wer von Chipude auf den Tafelberg La Fortaleza (1.231 m) blickt, versteht sofort, warum dieser Ort besiedelt wurde. Der flache Basaltgipfel überragt das Dorf wie eine natürliche Festung – für die Guanchen war er ein heiliger Kultplatz, für die Spanier ein militärisches Schutzgebiet.
Die Wanderung auf das Plateau der La Fortaleza startet am Technikgebäude kurz vor Chipude (2,6 km, 277 Hm, schwer – Schwindelfrei und Trittsicherheit Pflicht!). Der Blick von oben: der gesamte Südwesten La Gomeras, bei klarer Sicht La Palma und El Hierro.

Wandern ab Chipude
Chipude liegt im Hochland La Gomeras und ist Ausgangspunkt für Wanderungen in mehrere Richtungen:
- GR-131 (Fernwanderweg): Führt durch Chipude; Richtung Nationalpark nach Norden und Playa de Santiago nach Süden.
- La Fortaleza: Ab Technikgebäude, 2,6 km, schwer.
- Mirador de Igualero (CV-13/CV-17): Ca. 3 km nordöstlich; Monumento al Silbo Gomero, Blick auf La Fortaleza und Alto de Garajonay.

Wander-Tipp: La Fortaleza bei gutem Wetter
Die La Fortaleza de Chipude ragt exponiert auf mehr als 1.200 m Höhe auf. Wenn Passatwolken vom Atlantik heranziehen, kann das Plateau schnell im Nebel liegen. Für den anspruchsvollen Aufstieg sollte man deshalb einen Tag mit guter Sicht und trockenen Bedingungen wählen. Bei Nässe, starkem Wind oder dichtem Nebel ist vom Aufstieg abzuraten.
Anreise
Chipude liegt an der CV-13 (Chipude – Las Hayas – Igualero) und ist von San Sebastián ca. 40 Minuten entfernt. Von Valle Gran Rey ca. 25 Minuten (CV-13 über Arure). Kein regulärer Busanschluss nach Chipude; Mietwagen empfohlen. Parkplatz direkt an der Plaza.
FAQ zu Chipude, El Cercado und La Fortaleza
Kann man die Töpfer bei der Arbeit zuschauen?
Kann man die La Fortaleza de Chipude ohne Klettererfahrung besteigen?
Was bedeutet Chipude auf Guanchisch?
Wie weit ist es von Chipude nach El Cercado?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


