Naturschutzgebiet Benchijigua: Botanisches Paradies unter dem Roque de Agando

Unterhalb des Roque de Agando öffnet sich ein Tal, das sich von allen anderen Gebieten La Gomeras unterscheidet. Das Barranco de Benchijigua und das gleichnamige Naturschutzgebiet (Reserva Natural Integral de Benchijigua) beherbergen die botanisch reichste Flora der gesamten Insel – eine Mischung aus wilden Obstbäumen, Palmhainen, Agaven und Lorbeerwald-Fragmenten, die nirgends sonst in dieser Dichte zu finden ist.

Das Naturschutzgebiet Benchijigua zählt zu den eindrucksvollsten Landschaften La Gomeras.
Das Naturschutzgebiet Benchijigua zählt zu den eindrucksvollsten Landschaften La Gomeras.

Dazu kommt ein fast verlassenes Dorf. Die älteste dauerhaft besiedelte Stelle La Gomeras liegt in Benchijigua – heute kaum noch bewohnt, mit verfallenden Steinhäusern und dem kleinen Kirchlein Ermita San Juan. Der Camino de Cabras, eine der bekanntesten Wanderungen der Kanaren, führt mittendurch.

Das Schutzgebiet auf einen Blick

SchutzstatusReReserva Natural Integral (Integriertes Naturreservat)
Lageca. 12 km nördlich Playa de Santiago; Fuß des Roque de Agando
Höheca. 400–1.250 m (Roque de Agando-Gipfel)
Botanische BedeutungArtenreichste Flora La Gomeras
Dorf Benchijiguaca. 600 m; älteste Siedlungen der Insel; heute fast verlassen
HauptwegCamino de Cabras (PR-LG 16) – bekannteste Abstiegstour La Gomeras
WanderroutenAbstieg Roque de Agando – Camino de Cabras – Playa de Santiago, Pajarito → Roque de Agando → Camino de Cabras → Playa de Santiago, Pajarito → Camino de Cabras → Playa de Santiago (direkt) (alle ab/durch Benchijigua)
schroffe Bergkämme und Schluchten im Talkessel von Benchijigua
schroffe Bergkämme und Schluchten im Talkessel von Benchijigua

Warum Benchijigua botanisch einzigartig ist

Die ungewöhnliche Artenvielfalt Benchijiguas hat eine klima-topografische Erklärung: Das Tal liegt in einer Übergangszone zwischen der feuchten Nordseite und der trockenen Südseite La Gomeras. Gleichzeitig sind die Hänge durch den Roque de Agando und die umgebenden Bergkämme windgeschützt. Das Ergebnis: ein Mikroklima, das sowohl mediterrane Trockenpflanzen als auch feuchtigkeitsliebende Lorbeerwaldarten begünstigt.

Die Schlüsselarten

  • Wilde Feigenbäume (Ficus carica) – im Barranco-Boden und an den Hängen; teils sehr alt; Früchte im Spätsommer.
  • Wilde Mandelbäume (Prunus dulcis) – an den mittleren Hängen; im Februar/März Blüte; eine der augenfälligsten Frühlings-Landschaften La Gomeras.
  • Wilde Orangenbäume (Citrus sinensis) – verwilderter Nachkomme früher Kultivierung; duftend, fruchtend; in den feuchteren Lagen.
  • Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) – natürliche Haine; Palmhonig-Produktion auf der Insel; charakteristisches Bild.
  • Agaven (Agave americana) – eingeführt, aber eingebürgert; Markierungspflanzen der Wegränder; blühen einmal im Leben und sterben dann.
  • Lorbeerwald-Fragmente – in Senken und schattigen Stellen; Überbleibsel der einstigen Bedeckung.
Benchijigua gilt als botanische Enklave La Gomeras
Benchijigua gilt als botanische Enklave La Gomeras

Das Dorf Benchijigua: Älteste Siedlung der Insel

Das Dorf Benchijigua liegt auf ca. 600 m am Rand des Barrancos. Es gilt als eine der ältesten dauerhaft besiedelten Stellen La Gomeras – archäologische Funde belegen guanchische Nutzung weit vor der spanischen Kolonisierung.

Heute lebt hier kaum noch jemand. Ein paar Häuser sind erhalten; die meisten verfallen. Die Ermita San Juan – eine kleine Kapelle am Bergkamm – ist das auffälligste Gebäude. Sie wird noch für Feste genutzt, steht aber die meiste Zeit leer. EU-Fördermittel fließen in die Erhaltung des Gebiets und die Schutzgebietsverwaltung.

das Dorf Benchijigua verteilt sich rund um die markante Felsformation
das Dorf Benchijigua verteilt sich rund um die markante Felsformation

Die Ermita San Juan

Die Ermita de San Juan steht exponiert am Bergkamm oberhalb des Dorfes. Von ihr aus hat man einen der besten Blicke auf den Roque de Agando – nah, fast auf Augenhöhe mit seinem unteren Drittel. Der Weg zur Ermita ist Teil des Camino de Cabras.

Der Camino de Cabras: Die berühmteste Wanderung

Der Camino de Cabras (Ziegenpfad) ist der berühmteste Wanderweg, der durch Benchijigua führt. Er verbindet den Parkplatz Roque de Agando mit Playa de Santiago – und führt dabei durch das gesamte Barranco de Benchijigua.

Blick vom Camino de Cabras über das Tal von Benchijigua
Blick vom Camino de Cabras über das Tal von Benchijigua

Der Weg ist felsig, teils ausgesetzt, mit Blick auf die Benchijigua-Schlucht und den Roque de Agando aus wechselnden Perspektiven. Im Frühjahr: Blütenmeer aus Mandeln und Wildkräutern. Im Sommer: heiß und trocken. Im Herbst: goldenes Licht auf den Felsen.

Es gibt drei Varianten des Camino de Cabras-Abstiegs: Abstieg Roque de Agando – Camino de Cabras – Playa de Santiago (ab Roque de Agando, 13 km, schwer), Pajarito → Roque de Agando → Camino de Cabras → Playa de Santiago (ab Pajarito über Agando, 17 km) und Pajarito → Camino de Cabras → Playa de Santiago (direkt) (ab Pajarito direkt, 14 km). Alle sind als schwer klassifiziert.

Wander-Tipp:

Der Abstieg über den Camino de Cabras nach Playa de Santiago verlangt den Knien einiges ab (ca. 800–1000 Höhenmeter bergab). Wanderstöcke sind hier wärmstens zu empfehlen!

Der Roque de Agando als Kulisse

Das Naturschutzgebiet Benchijigua liegt direkt unter dem Roque de Agando – dem Insel-Wahrzeichen. Von keinem anderen Ort ist der Roque so nah und so imposant wie von Benchijigua aus: Die senkrechten Flanken des Basaltturms ragen aus dem Tal auf, als würden sie das Gebiet bewachen.

der 1.250 Meter hohe Roque de Agando thront über dem malerischen Tal von Benchijigua
der 1.250 Meter hohe Roque de Agando thront über dem malerischen Tal von Benchijigua

Die Lage erklärt auch die archäologische Bedeutung: Für die Guanchen war der Roque de Agando ein heiliger Ort. Die Siedlung in Benchijigua, direkt unterhalb, war wahrscheinlich auch religiös-zeremonell bedeutsam – nicht nur ein Ackerbau-Dorf.

Anreise und Zugang

Das Naturschutzgebiet ist über den Parkplatz Roque de Agando (GM-2) zu erreichen – kostenlos, direkt an der Nationalpark-Höhenstraße. Von dort starten Abstieg Roque de Agando – Camino de Cabras – Playa de Santiago, Pajarito → Roque de Agando → Camino de Cabras → Playa de Santiago und alle Benchijigua-Varianten. Mit Bus: kein direkter Halt am Roque de Agando-Parkplatz; Mietwagen empfohlen.

Am Fuß des Roque de Agando beginnt der Pfad ins Naturschutzgebiet Benchijigua
Am Fuß des Roque de Agando beginnt der Pfad ins Naturschutzgebiet Benchijigua

Beste Zeit für Benchijigua

JahreszeitBesonderheitEmpfehlung
Feb – MärMandelblüte; weiß-rosa HängeSpektakulär; Frühling beginnt hier früher als oben
Apr – MaiGrün, Wildkräuter in BlüteBeste Wanderzeit; angenehme Temperaturen
Jun – AugHeiß; trocken; FeigenernteNur früh morgens; Hitze im Talgrund
Sep – NovHerbst; Goldlicht; noch warmSehr gut; Barrancos weniger ausgetrocknet
Dez – JanWinterregen; frisch grün; Wasseradern aktivBotanisch interessant; Schlucht kann feucht sein

FAQ –  Häufig gestellte Fragen zum Naturschutzgebiet Benchijigua

Ist das Dorf Benchijigua noch bewohnt?

Kaum noch. Ein paar wenige Einwohner halten sporadisch Haus; die meisten Häuser stehen leer. EU-Fördermittel fließen in den Schutz des Gebiets, nicht in Wiederbelebung des Dorfes.

Was ist der Unterschied zur Reserva Natural und dem Nationalpark?

Der Parque Nacional de Garajonay ist die strengste Schutzkategorie – UNESCO-Weltnaturerbe, kein Verlassen der Wege. Die Reserva Natural Integral Benchijigua ist eine etwas weniger strenge Kategorie; sie erlaubt mehr Nutzungsformen, schützt aber trotzdem den Naturhaushalt.

Kann man Benchijigua auch ohne Wanderung besuchen?

Nicht wirklich. Das Gebiet hat keinen Straßenanschluss bis ins Talinnere. Der Zugang ist ausschließlich zu Fuß. Der Camino de Cabras ist der einzige Weg, der das Tal wirklich erschließt.

Wie anstrengend ist der Abstieg über den Camino de Cabras nach Playa de Santiago?

Der Weg verlangt vor allem den Oberschenkeln und Knien einiges ab, da man auf relativ kurzer Strecke rund 1.000 Höhenmeter bergab wandert. Der Pfad ist oft steinig, felsig und verläuft in Teilen ungesichert an den Hängen. Wanderstöcke sind für diese Tour dringend zu empfehlen, um die Gelenke zu entlasten und die Trittsicherheit zu erhöhen.

Gibt es im Tal von Benchijigua Einkehrmöglichkeiten oder Trinkwasserquellen?

Nein. Es gibt im gesamten Naturschutzgebiet und im Weiler weder Restaurants, Bars noch bewirtschaftete Hütten. Auch verlässliche, saubere Trinkwasserquellen sind unterwegs nicht vorhanden. Man muss daher zwingend ausreichend Wasser und Verpflegung für die gesamte Wanderung im Rucksack mitnehmen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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