Guillama – Baja de Los Roques: Wilde Nordwestküste La Gomeras

Die Nordwestküste La Gomeras ist die raueste, einsamste Ecke der Insel. Hier, zwischen Arguamul und Guillama, führt eine kurze, aber anspruchsvolle Küstenwanderung zu einem der einsamsten Felsenstrände überhaupt: der Baja de los Roques. Der Blick auf die Felsgruppe Calao de los Roques und – bei klarer Sicht – auf Los Órganos gehört zu den weniger bekannten Höhepunkten La Gomeras.

wegloser Streckenabschnitt am Felsstrand der Bucht Baja de Los Roques
wegloser Streckenabschnitt am Felsstrand der Bucht Baja de Los Roques

2,5 km. 210 Höhenmeter. Mittel–schwer. Wichtige Warnhinweise beachten: Steinschlaggefahr an Steilwänden, bei Flut und Swell unpassierbar, Baden lebensgefährlich.

Steckbrief

Streckenlänge2,5 km (Rundweg)
Höhenmeter210 Hm
Gehzeitca. 1:45–2:15 Stunden
SchwierigkeitMittel–Schwer
StartpunktParkplatz Capilla de Santa Clara, Guillama (183 m)
HighlightsCalado de los Roques, Blick Richtung Los Órganos, Zedern-Wacholder, einsame Bucht Baja de los Roques
Beste SaisonOktober–Mai; niemals bei Swell oder Sturm
WARNUNGSteinschlaggefahr an Steilwänden! Bei Flut und starkem Wellengang UNPASSIERBAR. Baden LEBENSGEFÄHRLICH (große Steine, Strömungen)!

Tipp: Handyempfang an der Nordwestküste

In den tief eingeschnittenen Barrancos und unterhalb der Steilwände kann der Handyempfang abschnittsweise ausfallen. Deshalb sollte der GPS-Track vor dem Start offline gespeichert werden. Im Notfall gilt auf den Kanaren die 112; eine Verbindung ist allerdings nicht an jedem Punkt der Route garantiert. Bei unsicherem Wetter oder starkem Wellengang sollte man die Wanderung gar nicht erst beginnen.

An der Nordwestküste La Gomeras prägen terrassierte Hänge das Landschaftsbild, das steil zum Atlantik hin abfällt.
An der Nordwestküste La Gomeras prägen terrassierte Hänge das Landschaftsbild, das steil zum Atlantik hin abfällt.

Die Route

Guillama → Bergrücken → Las Bodegas

Vom Parkplatz führt der Weg bergab durch den Ort Guillama – vorbei an restaurierten Häusern mit traditionellem Schichtmauerwerk. Dann öffnet sich die Küste: links eine tiefe Erosionsschlucht, rechts der Atlantik. Der Weg führt über einen Bergrücken mit Ausblick auf den Strand Playa de Arguamul und in Richtung Los Órganos.

Weiter zur Abzweigung: wer möchte, steigt zur Playa del Remo ab (Abstieg möglich, aber ohne Schwimmen). Hauptroute führt zu Las Bodegas – einem alten Gehöft, das als letzter Rastpunkt vor der Bucht dient.

Beim abgelegenen Weiler Guillama auf La Gomera bieten sich Ausblicke auf kleine, terrassierte Anbauflächen inmitten steiler Hänge.
Beim abgelegenen Weiler Guillama auf La Gomera bieten sich Ausblicke auf kleine, terrassierte Anbauflächen inmitten steiler Hänge.

Las Bodegas → Baja de los Roques

Von Las Bodegas führt ein Pfad – teils weglos am Felsstrand entlang – zur Baja de los Roques. Die Passage ist nur möglich, wenn kein Swell herrscht und die Flut nicht zu hoch ist. Bei ruhiger See: eindrucksvolle Bucht mit porösen Steilwänden, Zedern-Wacholder auf den Hängen und der Felsgruppe Calao de los Roques im Wasser.

Blick auf die vorgelagerte Felsgruppe Calado de los Roques bei Guillama
Blick auf die vorgelagerte Felsgruppe Calado de los Roques bei Guillama

WARNUNG: Sicherheitshinweise

Diese Route hat reale Gefahren, die nicht relativiert werden:

  • Steinschlaggefahr an den Steilwänden des gesamten Küstenabschnitts. Nicht direkt unter Felswände stellen. Bei frischen Steinschlags-Spuren: umkehren.
  • Bei Flut und starkem Wellengang (Swell) ist der Weg zur Baja de los Roques vollständig unpassierbar. Der Felsstrand wird dann überspült.
  • Baden an der Baja de los Roques ist lebensgefährlich – große Felsbrocken im Wasser, starke Strömungen, kein Rettungsschwimmer, keine Infrastruktur.
  • Die Route bei Regen oder starker Gischt nicht begehen. Nasse Felsen und vom Meer besprühte Steine können am Küstenabschnitt extrem glatt sein.
  • Notruf: 112. Handyempfang in der Bucht eingeschränkt.
Poröse Steilwände an der Baja de los Roques
Poröse Steilwände an der Baja de los Roques

Der Zedern-Wacholder: Seltene Pflanze der Nordwestküste

Entlang des Aufstiegs wächst der Zedern-Wacholder (Juniperus cedrus) – eine auf den Kanarischen Inseln endemische und seltene Pflanzenart. Er bevorzugt felsige, trockene Standorte an der windabgewandten Küste und ist auf La Gomera fast ausschließlich an der Nordwest- und Westküste zu finden.

Die markanten, knorrigen Büsche mit ihren bläulich-grünen Nadeln und den kleinen bläulichen Beeren sind entlang der Aufwanderung gut zu sehen. Ein botanisches Highlight, das Richtung Nationalpark nicht vorkommt.

entlang der Wanderung finden sich zahlreiche Büsche des Zedern-Wacholder (Juniperus cedrus)
entlang der Wanderung finden sich zahlreiche Büsche des Zedern-Wacholder (Juniperus cedrus)

Los Órganos: Die Orgelpfeifen-Felsen

Von der Küste bei Guillama ist bei klarer Sicht die Basaltsäulen-Formation Los Órganos zu sehen – eine senkrechte Felswand an der Nordküste, deren Basaltsäulen an Orgelpfeifen erinnern. Sie ist nur per Boot direkt erreichbar (Touren ab Hafen Vueltas, Valle Gran Rey). Von der Wanderroute sieht man sie als dunklen Felsgrat am Horizont.

Ausblick über den Strand Playa de Arguamul in Richtung der Los Órganos
Ausblick über den Strand Playa de Arguamul in Richtung der Los Órganos

Beste Reisezeit

JahreszeitBedingungenEmpfehlung
Okt – DezHerbst, wenig Swell im Herbst-AnfangGut; Swell-Forecast prüfen
Jan – MärWinter, atlantischer Swell möglichNur bei ruhiger See; Forecast prüfen
Apr – MaiFrühjahr, meist ruhigBeste Zeit
Jun – SepSommer, ruhige SeeAuch gut; heiß an der Küste

Vor jeder Begehung den Wellengang-Forecast prüfen (z.B. Windguru.cz oder MSW für La Gomera Nordwestküste). Werte über 1,5 m Wellenhöhe = Tour verschieben.

Mündung Barranco de las Bolas, La Gomera – tief eingeschnittene Schlucht.
Mündung Barranco de las Bolas, La Gomera – tief eingeschnittene Schlucht.

Anfahrt

Über die CV-16 Richtung Tazo/Arguamul, nach ca. 2,5 km Abzweigung Arguamul, weiter nach Guillama. Enge, kurvenreiche Strecke! Normaler Mietwagen reicht, aber langsam und vorsichtig fahren. Parken am Parkplatz bei der Capilla de Santa Clara.

Guillama ist ein kleiner, teilweise restaurierter Weiler am Ende der Straße. Der Parkplatz liegt direkt neben der Kapelle – von hier beginnt die Wanderung.

Startpunkt der Wanderung ist die Capilla de Santa Clara in Guillama
Startpunkt der Wanderung ist die Capilla de Santa Clara in Guillama

GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track zur Küstenwanderung Guillama – Baja de Los Roques findet man kostenlos auf Sunhikes – Wanderungen auf La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android – am besten offline speichern.

Wer mehrere Touren kombinieren oder die Anfahrt planen möchte: kostenloser Sunhikes-Routenplaner.

Im Barranco de los Balos auf La Gomera zeigen sich vom Wasser geschliffene Felsen
Im Barranco de los Balos auf La Gomera zeigen sich vom Wasser geschliffene Felsen

FAQ – Häufige Fragen zur Wanderung Guillama – Baja de Los Roques

Was ist die Baja de los Roques?

„Baja“ bedeutet auf Spanisch „niedrige Stelle“ oder auch „Untiefe“ – in diesem Kontext eine Bucht oder Strandstelle, die bei Flut sehr flach überspült wird. Die Baja de los Roques ist eine solche Bucht am Fuß der Felsgruppe Calao de los Roques.

Kann man Los Órganos von hier sehen?

Bei klarer Sicht ja – als dunkler Felsrücken am Nordküsten-Horizont, ca. 4–5 km entfernt. Um die Orgelpfeifen-Struktur wirklich zu erkennen, braucht man ein Fernglas oder man fährt mit einem der Boote ab Hafen Vueltas.

Ist Guillama bewohnt?

Ja – Guillama ist ein kleiner, teils restaurierter Weiler mit wenigen ständigen Bewohnern. Einige Häuser werden als Ferienunterkünfte genutzt. Kein Restaurant, keine Bar, kein Supermarkt vor Ort.

Wie verhält man sich, wenn man vom steigenden Wellengang (Swell) überrascht wird?

Der atlantische Swell kann sich an dieser exponierten Küste sehr schnell aufbauen. Sollte das Wasser plötzlich den Strand oder den schmalen Küstensaum überspülen, gilt: Sofort umkehren und so schnell wie möglich wieder in den gesicherten, höher gelegenen Bereich (Richtung Las Bodegas / Guillama) aufsteigen. Niemals versuchen, eine überflutete Passage im Wasser zu durchqueren, da die Unterströmungen extrem stark sind.

Gibt es auf der Strecke Schatten oder Trinkwasserquellen?

Nein, die gesamte Tour an der offenen Nordwestküste ist völlig schattenlos und es gibt keinerlei Trinkwasserquellen unterwegs. Da die Sonne hier besonders intensiv brennt und sich die Hitze in den trockenen Hängen stauen kann, sollte man unbedingt ausreichend Wasser (mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Person) sowie Sonnenschutz (Kopfbedeckung, Sonnencreme) von Anfang an im Rucksack dabeikommen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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