Agulo: Das schönste Dorf La Gomeras mit Glasbodenblick
Es gibt auf La Gomera Orte, die man überfahren würde, wenn man nicht wüsste, wo man abbiegen muss. Agulo ist keiner davon. Das Dorf liegt auf einem kleinen Felsplateau direkt an der Nordküste, von einer imposanten Felswand hinterfangen – und ist mit seiner weißen Architektur, den Kopfsteinpflaster-Gassen und der Kirche mit dem ungewöhnlich runden Dach so fotogen, dass es regelmäßig als eines der schönsten Dörfer der Kanaren gehandelt wird.

Auf La Gomera trägt Agulo deshalb auch den liebevollen Beinamen „Bombón de La Gomera“ – Praline von La Gomera. Die gepflegten historischen Häuser, engen Gassen und die spektakuläre Lage über dem Atlantik machen schnell verständlich, woher dieser Name kommt.
Agulo auf einen Blick
| Einwohner | ca. 1.078 (Gemeinde) |
|---|---|
| Lage | Nordküste La Gomeras; kleines Felsplateau über dem Meer |
| Charakter | Kleinste Gemeinde der Insel; weiße Architektur; enge Gassen; Aussichtsdorf |
| Nicht verpassen | Mirador de Abrante (Glasbodenplattform), Iglesia San Marcos |
| Ortsteil | Las Rosas (6 km, Richtung Juego de Bolas): Restaurant + Ermita de Santa Rosa |
| Fest | San-Marcos-Fest im April: Feuer aus Wacholderholz, Männer springen über Flammen |

Sehenswürdigkeiten
Mirador de Abrante – Glasbodenblick über den Abgrund
Der Mirador de Abrante ist eine der spektakulärsten Aussichtsplattformen der Kanarischen Inseln: Am Ende des Aussichtspunkts ragt ein rund sieben Meter langer Glasboden-Skywalk über die Felskante. Unter der gläsernen Plattform fällt der Blick fast senkrecht hinab ins rund 400 Meter tiefer gelegene Tal von Agulo. Bei klarer Sicht reicht das Panorama über die Nordküste bis nach Teneriffa mit dem Teide.

Wer schwindelfrei ist, sollte den Schritt auf den Glasboden wagen. Unter den Füßen liegen die weißen Häuser von Agulo, dahinter die steilen Felswände und davor der Atlantik – ein außergewöhnlicher Blick auf die Nordküste La Gomeras. Der Mirador liegt abseits der Hauptstraße und ist am einfachsten mit dem Auto erreichbar. Direkt am Aussichtspunkt gibt es Parkmöglichkeiten.
Iglesia San Marcos Evangelista
Die Pfarrkirche Iglesia de San Marcos Evangelista gehört zu den markantesten Bauwerken Agulos. Der heutige Kirchenbau entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Der Entwurf stammt vom Architekten Antonio Pintor y Ocete, an der späteren Fertigstellung war der Ingenieur José Rodrigo Vallabriga beteiligt.

Auffällig ist vor allem das runde Kuppeldach, das der Kirche ein ungewöhnliches Erscheinungsbild verleiht und sich deutlich von den traditionellen kanarischen Kirchenbauten unterscheidet. Das Innere ist schlicht gehalten, mit Holzdecke und kleinen Seitenaltären.
Das San-Marcos-Fest gehört zu den ungewöhnlichsten Traditionen La Gomeras. Am Abend des 24. April, dem Vorabend des San-Marcos-Tages, werden in Agulo die traditionellen Feuer entzündet. Männer und Frauen springen über die kleinen Feuer aus Sabinenholz (Wacholderholz) – begleitet von Musik, Trommeln und den typischen Chácaras. Die jahrhundertealte Tradition macht Agulo an diesem Abend zu einem der eindrucksvollsten Festorte der Insel.
Die Gassen und die Architektur
Agulo ist ein Dorf zum Durchlaufen ohne Ziel. Die Kopfsteinpflaster-Gassen führen an restaurierten Bürgerhäusern, Blumentöpfen an Fensterbänken und weißgekalkten Mauern entlang. Kein Getöse, kein Verkehr, kein Lärm – die Gassen sind so eng, dass Autos ohnehin nicht fahren können.
Der gepflegte Friedhof am Ortsrand ist ein weiterer Fotostopp – von hier aus hat man einen weiten Blick über Agulo und die Nordküste.

Der historische Pescante an der Küste
Unterhalb von Agulo erinnert der Pescante de Agulo an die Zeit, als Bananen und andere Früchte noch direkt an der Küste auf Schiffe verladen wurden. Die Verladeanlage entstand 1908: Über eine weit ins Meer hinausreichende Konstruktion gelangten die Erzeugnisse vom Land direkt zu den vor der Küste liegenden Schiffen.

Ein schwerer Sturm zerstörte den Pescante 1954. Heute sind vor allem die massiven Betonpfeiler erhalten. Sie stehen einsam an der Küste und erzählen von einer Zeit, in der der Exporthafen für Agulo wirtschaftlich von großer Bedeutung war. Der Pescante ist heute zugleich Ziel einer Wanderung ab Agulo.
Las Rosas – Der Ortsteil mit Restaurant
Ca. 6 km von Agulo entfernt, auf dem Weg zum Juego de Bolas, liegt Las Rosas – ein Weiler mit ca. 60 Einwohnern, einer kleinen Kapelle (Ermita de Santa Rosa) und dem Restaurant Las Rosas – bekannt für gomerische Küche in großzügigen Portionen, mit Panoramablick auf die Nordküste und das Meer. Empfehlenswert; Reservierung bei Gruppen sinnvoll.
Playa de San Marcos
Am Ende eines Wanderwegs ab Agulo liegt die Playa de San Marcos – ein rund 150 Meter langer schwarzer Strand, eingerahmt von steilen Felswänden. Eine kleine Kapelle steht direkt an der Küste. Die Bucht wirkt abgeschieden und wild, ist aber kein empfehlenswerter Badeplatz: An der Nordküste kann der Wellengang kräftig sein. Wer hierher wandert, kommt deshalb vor allem wegen der Landschaft und der besonderen Atmosphäre. Rettungsschwimmer gibt es nicht.

Mirador de Agulo
Neben dem Mirador de Abrante gibt es einen weiteren Aussichtspunkt direkt oberhalb von Agulo: den Mirador de Agulo – weniger spektakulär, aber mit einem schönen Panorama auf das Dorf und die Nordostküste. Ein ruhigerer Ort, meist ohne Besucherandrang.
Juego de Bolas – Besucherzentrum des Nationalparks
Wer Agulo mit einem Ausflug in den Nationalpark Garajonay verbinden möchte, sollte zum Besucherzentrum Juego de Bolas weiterfahren. Hier bekommt man einen anschaulichen Einstieg in die Natur, Geschichte und Kultur La Gomeras. Traditionelle Handwerkskunst, Informationen über den Lorbeerwald und ein kanarischer Garten machen den Besuch besonders interessant.
Von Agulo aus lässt sich Juego de Bolas gut mit einem Abstecher nach Las Rosas verbinden.
Praktische Tipps für den Besuch in Agulo
Mirador de Abrante: Der berühmte Skywalk liegt nicht direkt im Dorf, sondern oberhalb von Agulo. Für den Besuch sollte man das Auto einplanen – der Aussichtspunkt liegt abseits der Hauptstraße.
Bester Blick: Bei klarer Sicht reicht der Blick vom Mirador de Abrante bis nach Teneriffa und zum Teide. Gerade an der Nordküste können Wolken die Sicht jedoch schnell verändern.
Agulo zu Fuß entdecken: Das historische Zentrum erkundet man am schönsten zu Fuß. Auto außerhalb der engen Gassen abstellen und einfach durch die gepflasterten Straßen treiben lassen.
Playa San Marcos: Der schwarze Strand ist vor allem ein schönes Wanderziel. Wegen des kräftigen Wellengangs sollte man dort nicht leichtfertig ins Meer gehen.
Anreise
Agulo liegt an der GM-1 (Nordküstenstraße), zwischen San Sebastián (ca. 25 km, ca. 35 Min.) und Vallehermoso (ca. 15 km, ca. 20 Min.). Guagua Gomera Linie 3 hält in Agulo. Parkplatz am Ortseingang (oben) und an der GM-1.

FAQ zu Agulo und dem Mirador de Abrante
Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Besuch in Agulo?
Ist die Glasbodenplattform am Mirador de Abrante sicher?
Kann man in Agulo essen?
Kann man direkt am Mirador de Abrante parken?
Wie kommt man von Agulo hinunter zur Playa de San Marcos?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


