Christoph Kolumbus und La Gomera: Der letzte Hafen vor der Neuen Welt
Am 6. September 1492 verließ Christoph Kolumbus den Hafen von San Sebastián de La Gomera und segelte westwärts in das Unbekannte. Was ihm damals niemand bestätigen konnte: dass er Amerika finden würde. Was er wusste: La Gomera war der letzte Ort, an dem er Wasser frisch nehmen, Proviant auffüllen und beten konnte, bevor der offene Atlantik begann.

Heute sind die Orte, an denen Kolumbus auf La Gomera war, alle noch zugänglich. Nicht als rekonstruierte Kulisse, sondern als echte historische Stätten – manche verändert, manche erstaunlich original. Ein Spaziergang durch San Sebastián de La Gomera ist ein Spaziergang durch einen Moment, der die Weltgeschichte verändert hat.
Der historische Kontext: Warum La Gomera?
Kolumbus‘ Wahl, La Gomera als letzten Versorgungshafen zu nutzen, war keine Zufallsentscheidung. Sie folgte einer pragmatischen Logik: La Gomera war die westlichste bewohnte Insel der damals bekannten Welt, auf der Europäer Fuß gefasst hatten. Weiter westlich gab es keine bekannten Stützpunkte, keine Häfen, keine Möglichkeit zur Versorgung.

Dazu kam ein persönlicher Faktor: Kolumbus hatte eine Verbindung zur Insel. Beatriz de Bobadilla – die Witwe des ermordeten Gouverneurs Hernán Peraza el Joven und de facto Herrscherin La Gomeras – war eine seiner Bekannten. Ob die Verbindung romantischer Natur war, ist historisch nicht sicher; was sicher ist: Kolumbus kehrte auf seinen späteren Reisen mehrfach nach La Gomera zurück.
Auf La Gomera nahm die Expedition frisches Wasser, Fleisch, Holz und weitere Vorräte ein. Es war ein Aufenthalt, der die Weiterfahrt erst möglich machte. Ohne den Hafen San Sebastián wäre die erste Atlantiküberquerung in dieser Form nicht denkbar gewesen.
Die Kolumbus-Stätten in San Sebastián
Torre del Conde (1447) – Beatriz de Bobadilla und die Guanchen
Der Torre del Conde ist das älteste weltliche Bauwerk La Gomeras und das physisch eindrucksvollste historische Gebäude San Sebastiáns. Erbaut 1447 als Verteidigungsanlage, überstand er 1488 den Guanchen-Aufstand – jenes Ereignis, bei dem Hernán Peraza el Joven, der Gouverneur La Gomeras, getötet wurde.

Nach der Ermordung ihres Mannes flüchtete Beatriz de Bobadilla in den Torre del Conde und verschanzte sich mit einer kleinen Besatzung. Sie harrte dort aus, bis Verstärkung von Teneriffa kam und den Aufstand niederschlug. Die Fähigkeit des Turms, als Zufluchtsort und Festung zu dienen, hat sein Überleben über die Jahrhunderte gesichert.
Wenn Kolumbus 1492 in San Sebastián ankam, stand der Torre del Conde – fünfundvierzig Jahre alt, von einem Aufstand gezeichnet – als mächtigster Bau der kleinen Siedlung. Beatriz de Bobadilla empfing Kolumbus hier. Heute ist der Turm eine Ausstellungsstätte mit historischer Dokumentation; der umliegende Park ist frei zugänglich.
Iglesia de la Asunción – Kolumbus betete hier
Die Iglesia de la Asunción ist die Hauptkirche San Sebastiáns und der Ort, an dem Kolumbus 1492 betete, bevor er in den Atlantik segelte. Das Gebäude, das er betrat, war nicht das heutige – die Kirche wurde im 17. Jahrhundert in ihrer heutigen Form gebaut, nachdem die Vorgängerbauten mehrfach durch Piratenangriffe beschädigt worden waren.

Dennoch: Die Kirche steht auf demselben Ort, hat denselben Namen und dieselbe Funktion. Wer heute in die Iglesia de la Asunción eintritt, betritt dasselbe sakrale Milieu, in dem Kolumbus kniete – auch wenn die Steine andere sind.
Die Kirche liegt an der Calle Real, der Flaniermeile San Sebastiáns, in unmittelbarer Nähe der Casa de la Aguada. Sie ist in der Regel tagsüber geöffnet; eine einfache, würdevolle kanarische Innenarchitektur mit Holzdecke und kleinen Seitenkapellen.
Casa de la Aguada – Der Brunnen des Kolumbus
Die Casa de la Aguada – das Haus des Wassers – ist der Ort, an dem Kolumbus und seine Besatzung Frischwasser für die Atlantiküberquerung aufnahmen. Das Gebäude hat einen hübschen historischen Innenhof mit einem Brunnen – demselben Brunnen (oder dessen direktem Nachfolger), aus dem 1492 die Fässer der Santa María, der Niña und der Pinta gefüllt wurden.
Heute ist die Casa de la Aguada das Touristeninformationszentrum San Sebastiáns – mit einer Ausstellung zur Geologie La Gomeras und zur Geschichte der Insel. Gegenüber der Iglesia de la Asunción gelegen, ist sie kostenlos zugänglich.
Was der Brunnen symbolisiert, geht über seine Funktion hinaus: Wasser ist Leben; Wasser war Reichweite. Ohne das Frischwasser aus San Sebastián hätte die Expedition nicht überlebt. Der Brunnen der Casa de la Aguada ist einer der kleinsten, unscheinbarsten – und möglicherweise bedeutendsten historischen Orte der Kanaren.
Ermita de San Sebastián (1450) – Die letzte Station
Die Ermita de San Sebastián ist die älteste Kapelle San Sebastiáns und wurde 1450 errichtet. Sie liegt etwas außerhalb des historischen Stadtkerns im Süden der Stadt. Der schlichte Sakralbau gilt als eine der historischen Stationen, die mit dem Aufenthalt von Kolumbus auf La Gomera verbunden werden.

Hier soll Kolumbus vor seiner Weiterfahrt über den Atlantik gebetet haben. Die Kapelle vermittelt dabei weniger den Eindruck einer großen Sehenswürdigkeit als vielmehr eines stillen historischen Ortes abseits des lebhaften Zentrums.
Plaza de las Américas – Die Kolumbus-Statue
An der Plaza de las Américas steht eine Kolumbus-Statue mit Informationstafeln zur Geschichte des Aufenthalts auf La Gomera. Der Platz liegt neben dem ehemaligen Rathaus – heute ein Verwaltungsgebäude – und ist der offizielle Gedenkort für Kolumbus‘ Aufenthalt 1492. Die Statue ist keine historische Figur; sie wurde im 20. Jahrhundert aufgestellt und hat einen symbolischen Charakter.
Chronologie: Was geschah 1492 auf La Gomera?
| Ankunft | Kolumbus erreicht San Sebastián de La Gomera nach Abfahrt von den Kanarischen Hauptinseln |
|---|---|
| Proviantaufnahme | Frisches Wasser (Casa de la Aguada), Lebensmittel, Holz für Reparaturen |
| Gottesdienst | Gebet in der Iglesia de la Asunción und der Ermita de San Sebastián |
| Begegnung | Kontakt mit Beatriz de Bobadilla, der Gouverneurin La Gomeras |
| Abfahrt | 6. September 1492: Die drei Schiffe verlassen den Hafen San Sebastián westwärts |
| Ankunft Amerika | 12. Oktober 1492: Landung auf einer Insel der Bahamas (heute Guanahaní) |
| Rückkehr nach La Gomera | Auf der zweiten Reise (1493) und dritten Reise (1498) machte Kolumbus erneut Halt in San Sebastián |
Was von Kolumbus übrig blieb: Die historische Realität
Ehrlichkeit ist angebracht: San Sebastián de La Gomera war 1492 ein kleiner Hafen, keine Großstadt. Die historischen Orte sind authentisch, aber sie sind nicht museal aufbereitet wie etwa Columbus-Gedenkstätten in Spanien oder Amerika. Der Torre del Conde steht, die Ermita steht, die Kirche steht – aber die meisten Gebäude wurden seither renoviert, umgebaut oder neu gebaut.
Was geblieben ist: der Ort. Die Lage. Das Meer, von dem aus man westwärts segelte. Der Hafen, der noch immer als Hafen funktioniert. Die Calle Real, die noch immer als Flaniermeile dient. San Sebastián de La Gomera ist kein Freilichtmuseum – es ist eine lebende Stadt, die zufällig Teil der Weltgeschichte war.
Kolumbus-Rundgang: Die Stätten in Reihenfolge
Alle Kolumbus-Stätten liegen fußläufig im Ortskern San Sebastiáns. Ein vollständiger Rundgang dauert ca. 1,5–2 Stunden:
Fährhafen → Torre del Conde (Park + Ausstellungsstätte) → Iglesia de la Asunción (Calle Real) → Casa de la Aguada (Pozo de Colón, Innenhof + Touristenzentrum) → Plaza de las Américas (Kolumbus-Statue) → Ermita de San Sebastián (etwas außerhalb des historischen Stadtkerns im Süden) → Calle Real (Flaniermeile, kanarische Fassaden) → Hafen.

Tipp für den Kolumbus-Rundgang:
San Sebastián ist überschaubar, sodass sich die historischen Stationen gut mit einem Spaziergang durch die Altstadt verbinden lassen. Für die Calle Real sollte man etwas Zeit für eine Kaffeepause einplanen. Wer auch die Ermita de San Sebastián besuchen möchte, sollte den kleinen Abstecher in den südlichen Teil der Stadt berücksichtigen. Für das Casa de la Aguada und andere historische Einrichtungen empfiehlt es sich, die aktuellen Öffnungszeiten vor dem Besuch zu prüfen.
Was Kolumbus in La Gomera sah – und was heute noch steht
| Ort / Stätte | Was es ist & historische Bedeutung |
|---|---|
| Iglesia de la Asunción | Mit dem Aufenthalt von Kolumbus verbundene Kirche; heutiger Bau überwiegend aus dem 17. Jh. |
| Casa de la Aguada / Pozo de Colón | Historischer Brunnen der Wasserversorgung; heute Touristenzentrum + Ausstellung |
| Ermita de San Sebastián (1450) | Älteste Kapelle San Sebastiáns; mit Kolumbus‘ Gebet vor der Abfahrt verbunden; südlich des historischen Stadtkerns |
| Torre del Conde (1447) | Ältestes weltliches Bauwerk; Zufluchtsort von Beatriz de Bobadilla; Ausstellungsstätte |
| Kolumbus-Statue | Plaza de las Américas; Gedenkort für den Aufenthalt von Kolumbus |
Wichtig für die Orientierung:
Das Monumento al Sagrado Corazón de Jesús (ca. 18 m hoch, südlich der Stadt, errichtet Ende der 1950er Jahre) ist eine große Christusstatue – verwechseln Sie diese bitte nicht mit der Kolumbus-Statue an der Plaza de las Américas im Stadtzentrum. Beide Denkmäler existieren in San Sebastián, haben aber historisch und thematisch nichts miteinander zu tun.
FAQ: Kolumbus-Stätten in San Sebastián de La Gomera
Hat Kolumbus wirklich einen Liebesaffäre mit Beatriz de Bobadilla gehabt?
Kann man den Original-Brunnen der Casa de la Aguada sehen?
Wann war Kolumbus noch auf La Gomera?
Wo ist das beste Kolumbus-Erlebnis in San Sebastián?
Ist die Kolumbus-Geschichte auf La Gomera touristisch aufgebauscht?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


