Bananenkultur auf La Gomera: Wie eine Frucht die Insel formte
Die Banane ist nicht das erste, was einem zu La Gomera einfällt. Aber sie ist der Grund, warum die Insel heute so aussieht. Die Terrassenfelder, die aus den Steilhängen herausgehauen wurden; die Pescantes – die historischen Verladerampen, die Betonpfeiler im Meer; das Castillo del Mar in Vallehermoso: Das alles ist Bananengeschichte. Eine Geschichte aus Handarbeit, Steilhängen und dem Willen, eine Frucht auf eine Fähre zu bekommen.

Die Terrassenfelder: Jahrhunderte in Stein
La Gomera hat keine ebenen Flächen. Jeder landwirtschaftliche Quadratmeter wurde aus dem Hang gearbeitet: Terrassenfelder (bancales) – flache Stufen aus Stein, die die Hänge wie Treppen gliedern. Die Guanchen begannen damit; die spanischen Siedler setzten es fort; der Bananenanbau machte es zur Massenanforderung.

Was wie Architektur aussieht, ist Landwirtschaft. Jede Terrasse ist von Hand gebaut, von Hand bepflanzt, von Hand geerntet. Auf La Gomera kann kein Traktor diese Hänge fahren. Das war im 19. Jahrhundert so; das ist heute so. Wer auf Sunhikes wandert und die Terrassenfelder sieht – auf Wanderungen wie der Descenso Laguna Grande – Valle Gran Rey oder der Route Roque de Agando – Playa de Santiago – sieht dieses Jahrhunderte-Erbe live.
Die Pescantes: Verladen am Steilhang
La Gomera hat keine natürlichen Häfen an der Nordküste – nur Steilklippen und Felsenbuchten. Für den Bananenexport brauchte es eine Lösung: die Pescantes. Verladerampen aus Beton, die auf Felszungen über dem Meer gebaut wurden. Kisten mit Bananen wurden per Seilwinde von der Klippenoberkante in wartende Boote abgeseilt. Ein riskantes, aufwändiges System – das einzig mögliche.
Castillo del Mar Vallehermoso
Das Castillo del Mar in Vallehermoso war der größte Bananenumschlagplatz der Insel (1890). Die Küstenstraße TF-712 führt hinunter zur verlassenen Anlage: ein Komplex aus Laderampen, Lagergebäuden, einem Schutzturm (daher „Castillo“). 2003 zum Kulturzentrum umgewidmet; seit 2008 verlassen. Heute: eine filmreife Kulisse aus Verfall und Geschichte, mit reißender Brandung direkt daneben.

Pescante Hermigua
Das Pescante Hermigua ist eines der eindrücklichsten Überbleibsel der Bananenexportgeschichte: Die markanten Betonpfeiler stehen noch immer im Meer, die historische Rampenstruktur ist erkennbar. Direkt daneben sind die Spuren der Naturgewalten sichtbar: Das einst beliebte Meerwasserbecken und das ehemalige Restaurant am Pescante sind dauerhaft geschlossen. Der Uferbereich ist wegen akuter Steinschlaggefahr und gefährlicher Strömungen behördlich gesperrt. Auch wenn Baden hier nicht mehr möglich ist, sind die wuchtigen Betonpfeiler im Atlantik nach wie vor ein eindrucksvolles Fotomotiv.
Historischer Davit in Agulo
In Agulo stand ebenfalls eine Bananenverladeanlage – ein historischer Davit (Kran) an der Küste. Er wurde in den 1950er Jahren bei einem Sturm zerstört. Was bleibt: die Ruine, die Erinnerung und der Meerblick an der Stelle, wo früher der Kran stand.

Der Bananenanbau heute
Bananen werden auf La Gomera noch angebaut – aber der Export hat sich verlagert. Wenige Kleinbauern vermarkten lokal; die großen Absatzmengen kommen heute von Gran Canaria und Teneriffa. Die kanarische Banane, der „Plátano de Canarias“, ist als geschützte geografische Angabe (IGP) anerkannt und steht für die besondere Herkunft und die traditionellen Anbaubedingungen der Kanaren. Die Terrassenfelder, die man sieht, werden heute teils für Avocado, Tomaten und andere Früchte genutzt – teils liegen sie brach.
Was bleibt: die Infrastruktur der Banane. Die Terrassen. Die Pescantes. Das Castillo del Mar. Alles, was einmal für eine einzige Frucht gebaut wurde, erzählt heute die Geschichte einer Ökonomie, die die Insel geformt hat.

FAQ: Bananenkultur auf La Gomera – häufige Fragen
Kann man das Castillo del Mar Vallehermoso besichtigen?
Sind Bananen von La Gomera besonders?
Wo werden auf La Gomera heute noch Bananen angebaut?
Kann man Bananenplantagen auf La Gomera besichtigen?
Was haben die Pescantes mit dem Bananenanbau zu tun?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


