Klettern auf La Gomera: Roque Cano und Los Roques – Basaltnadeln über der Insel

La Gomera ist keine Kletterinsel im klassischen Sinne. Es gibt keine große Infrastruktur mit hunderten eingerichteten Sportkletterrouten und einen mit den bekannten Klettergebieten anderer Kanareninseln vergleichbaren Kletterbetrieb. Was es gibt, sind außergewöhnliche vulkanische Felsformationen und einige anspruchsvolle Mehrseillängenrouten – darunter der Roque Cano bei Vallehermoso und der Roque de Agando.

Klettern am Roque de Agando, La Gomera: anspruchsvolle Kletterrouten.
Klettern am Roque de Agando, La Gomera: anspruchsvolle Kletterrouten.

Klettern auf La Gomera ist allerdings kein Sport, den man spontan an den bekannten Roques ausprobieren sollte. Je nach Gebiet gelten unterschiedliche Schutz- und Genehmigungsregelungen. Insbesondere im Nationalpark Garajonay ist Klettern ohne ausdrückliche Genehmigung der Parkleitung nicht erlaubt. Wer hier klettern möchte, sollte deshalb die aktuellen Regelungen vor der Tour prüfen und die erforderlichen Genehmigungen einholen. Keine Ausnahme, kein Kompromiss.

Die Kletterformationen

Roque Cano (Vallehermoso)

Der Roque Cano überragt das Tal von Vallehermoso eindrucksvoll – ein markanter Fels- und Basaltturm, der schon aus dem Tal weithin sichtbar ist. Von oben: ein Panorama über Vallehermoso, den Nationalpark Garajonay im Hintergrund und die Nordküste bis ins Meer. Wer den Gipfel des Roque Cano erreicht, findet dort ein Gipfelbuch.

Der Roque Cano ist vulkanischen Ursprungs – ein ehemaliger phonolithischer Schlot, dessen umgebendes Gestein im Laufe der Zeit durch Erosion abgetragen wurde. Technisch: steiles Fels, guter Griff, aber hohe Anforderungen an Erfahrung und Ausrüstung. Seine Felswände erreichen rund 250 Meter Höhe und bieten vor allem anspruchsvolle Mehrseillängenrouten. Insbesondere die Westseite gilt als anspruchsvoll; die weniger schwierigen Routen befinden sich an der Südseite.

Für das Klettern am Roque Cano ist aufgrund seines Status als Naturdenkmal eine besondere Genehmigung des Cabildo de La Gomera erforderlich.

Roque Cano, Vallehermoso, La Gomera: markanter Vulkanschlot.
Roque Cano, Vallehermoso, La Gomera: markanter Vulkanschlot.

Los Roques: Agando, Ojila, Zarcita, Carmona und Las Lajas

Die Los Roques gehören zu den bekanntesten Landschaftsmerkmalen La Gomeras. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Roque de Agando, Roque de Ojila, Roque de la Zarcita, Roque de Carmona und Las Lajas. Der Roque de Agando ist der bekannteste und mit etwa 1.250 Metern über dem Meeresspiegel der höchste der markanten Felsen.

Für Kletterer ist allerdings wichtig: Nicht alle dieser Felsformationen dürfen bestiegen werden. Teile der Los Roques liegen im Nationalpark Garajonay beziehungsweise in weiteren geschützten Gebieten. Dort gelten besondere Schutzbestimmungen.

Beim Roque de Agando ist die Situation besonders: Ein Teil des Felsens liegt im Nationalpark Garajonay, wo Klettern verboten ist. Andere Bereiche gehören zur Reserva Natural Integral de Benchijigua beziehungsweise zum Monumento Natural de Los Roques. Dort kann Klettern unter bestimmten Voraussetzungen und mit vorheriger Genehmigung möglich sein.

Roque Ojila, Roque de la Zarcita und Roque Carmona sind nicht frei bekletterbar. Für die Bereiche innerhalb des Nationalparks Garajonay gilt ein Kletterverbot. Wer eine Klettertour plant, sollte deshalb nicht von den bekannten Felsformationen auf eine generelle Klettererlaubnis schließen.

Die Roques liegen im oder am Rand des Nationalparks Garajonay. Vor einer geplanten Klettertour sollte deshalb immer die aktuelle Genehmigungslage beim Parque Nacional de Garajonay beziehungsweise beim zuständigen Cabildo geklärt werden.

Los Roques, La Gomera: Gruppe vulkanischer Felsformationen.
Los Roques, La Gomera: Gruppe vulkanischer Felsformationen.

Die wichtigste Regel: Genehmigungen prüfen

Wer auf La Gomera klettern möchte, sollte daher vor der Tour klären:

  • Liegt die geplante Route in einem geschützten Gebiet?
  • Ist das Klettern dort grundsätzlich erlaubt?
  • Ist eine Genehmigung erforderlich?
  • Welche aktuellen Einschränkungen gelten für die konkrete Route?

Bergführer und die Realität vor Ort

Klettern auf La Gomera setzt Erfahrung, geeignete Ausrüstung und – je nach Gebiet – eine vorherige Genehmigung voraus. Ein lizenzierter Bergführer ist nicht grundsätzlich vorgeschrieben. Gerade bei den anspruchsvollen Mehrseillängenrouten und den besonderen Schutzbestimmungen der Roques ist eine professionelle Begleitung für unerfahrene Kletterer jedoch dringend zu empfehlen.

Wer auf den Kanaren klettern möchte, findet auf der Nachbarinsel Teneriffa (z. B. im bekannten Klettergebiet Arico) eine weitaus besser ausgebaute und zugängliche Kletterinfrastruktur.

Beste Saison und Bedingungen

KletterzeitGrundsätzlich ganzjährig möglich, sofern die jeweilige Genehmigung vorliegt
Im SommerHohe Temperaturen und starke Sonneneinstrahlung beachten
RegenNasser Basalt: rutschig; kein Klettern bei Nässe
WindAuf den exponierten Roques können Wind und Wetter schnell zum Problem werden
GenehmigungVor der Tour die Regelungen für die konkrete Route und das jeweilige Schutzgebiet prüfen

Was La Gomera für Kletterer bietet und was nicht

La Gomera ist kein Kletterparadies mit einer großen Auswahl an unkompliziert zugänglichen, vollständig eingerichteten Sportklettergebieten. Die Insel bietet vielmehr einige außergewöhnliche vulkanische Felsformationen und anspruchsvolle klassische beziehungsweise Mehrseillängenrouten.

Der Roque Cano bei Vallehermoso ist dafür das beste Beispiel. Er ist ein echtes Kletterziel für erfahrene Alpin- und Felskletterer und nicht einfach eine weitere Sehenswürdigkeit, die man nebenbei besteigen kann.

Bei den Los Roques steht dagegen der Schutz der Landschaft im Vordergrund. Nicht jeder Roque darf beklettert werden. Wer gezielt zum Klettern nach La Gomera kommt, sollte deshalb die aktuelle Genehmigungslage prüfen und sich auf erlaubte Routen beschränken.

Für Wanderer bleiben die Roques natürlich ein großartiges Landschaftserlebnis – auch ohne sie zu besteigen.

FAQ: Klettern auf La Gomera

Kann man an Los Roques ohne Genehmigung klettern?

Nein, pauschal nicht. Für Kletteraktivitäten in den geschützten Bereichen gelten besondere Regelungen. Im Nationalpark Garajonay ist Klettern ohne ausdrückliche Genehmigung der Parkleitung nicht erlaubt. Außerdem ist nicht jeder Roque überhaupt für das Klettern freigegeben. Deshalb sollte vor jeder Tour die konkrete Route und deren aktueller Schutzstatus geprüft werden.

Welcher Roque ist der einfachste?

Eine pauschale Empfehlung ist hier nicht sinnvoll. Der Roque Cano verfügt über verschiedene Mehrseillängenrouten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden; die offizielle Tourismusinformation nennt insbesondere die Südseite als Bereich mit weniger schwierigen Routen. Bei den Los Roques ist dagegen zunächst zu klären, ob die geplante Route überhaupt beklettert werden darf. Die Frage nach dem Schwierigkeitsgrad kommt erst danach.

Gibt es eine Kletterschule auf La Gomera?

Eine große, dauerhaft etablierte Kletterschule mit einem vergleichbaren Angebot wie in bekannten Kletterregionen ist auf La Gomera nicht ersichtlich. Das bedeutet allerdings nicht, dass auf der Insel überhaupt keine Kletterangebote möglich sind. Für geführte Touren oder eine individuelle Betreuung sollte man sich vor der Reise direkt bei örtlichen Bergsportanbietern erkundigen und dabei ausdrücklich nach Klettern, Mehrseillängen und den erforderlichen Genehmigungen fragen.

Gibt es am Roque Cano Kletterrouten?

Ja. Der Roque Cano ist ein echtes Mehrseillängen-Klettergebiet mit Felswänden von bis zu etwa 250 Metern Höhe. Die Westseite gilt als anspruchsvoller, während sich an der Südseite auch weniger schwierige Routen befinden. Für das Klettern ist eine besondere Genehmigung des Cabildo de La Gomera erforderlich.

Darf man den Roque de Agando besteigen?

Nicht ohne Weiteres. Der Roque de Agando liegt in mehreren geschützten Bereichen, für die unterschiedliche Regelungen gelten. Im Bereich des Nationalparks Garajonay ist Klettern verboten. In anderen Bereichen kann Klettern unter bestimmten Voraussetzungen und mit vorheriger Genehmigung möglich sein. Vor einer Tour sollte deshalb immer die aktuelle Genehmigungslage für die konkrete Route geprüft werden.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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