Ermita de Nuestra Señora de Guadalupe: Inselpatronin an der einsamen Ostküste
An der Küste von Puntallana, rund drei Kilometer von San Sebastián entfernt, steht eine der bedeutendsten religiösen Stätten La Gomeras: die Ermita y Casas de Nuestra Señora de Guadalupe. Das Heiligtum liegt heute innerhalb der Reserva Natural Especial de Puntallana, einer außergewöhnlichen Küstenlandschaft mit Steilklippen, endemischer Vegetation und bedeutenden archäologischen Fundstätten.

Das genaue Baujahr der Kapelle ist nicht überliefert. Sicher belegt ist jedoch, dass die Ermita bereits 1542 bestand, als sie vom Bischof Fray Alonso Ruiz de Virués besucht wurde. Damit gehört sie zu den frühen religiösen Stätten La Gomeras.
Die Kapelle auf einen Blick
| Erstmals belegt | 1542 – die Ermita bestand zu diesem Zeitpunkt bereits |
|---|---|
| Schutzpatronin | Nuestra Señora de Guadalupe – Inselpatronin La Gomeras |
| Lage | Puntallana; Gemeinde San Sebastián de La Gomera |
| Schutzgebiet | Reserva Natural Especial de Puntallana |
| Zugang | Über eine Zufahrt bis zur Plattform, anschließend Fußweg zur Ermita |
| Besonderes Ereignis | Bajada de la Virgen – alle 5 Jahre im Oktober |
| Architektur | Kleine Ermita mit angeschlossenen historischen Casas |
Die Geschichte der Ermita
Das genaue Datum, an dem die Ermita de Nuestra Señora de Guadalupe errichtet wurde, ist nicht bekannt. Sicher ist jedoch: 1542 stand die Kapelle bereits, denn in diesem Jahr wurde sie vom Bischof Fray Alonso Ruiz de Virués besucht. Damit reicht ihre Geschichte bis in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts zurück.
Noch älter ist die Geschichte des Ortes selbst. Puntallana war bereits vor der spanischen Eroberung ein bedeutender Platz der Gomeros. In der heutigen Reserva Natural Especial de Puntallana befinden sich zahlreiche archäologische Zeugnisse, darunter die größte Konzentration prähistorischer Muschelhaufen der Insel. Die Plattform von Puntallana war also lange vor dem Bau der Ermita ein Ort menschlicher Nutzung und Zusammenkunft.

Um die Entstehung der Wallfahrt rankt sich die Überlieferung von der Auffindung der Marienfigur. Die kleine hölzerne Statue der Virgen de Guadalupe wird heute als „La Morenita de Puntallana“ verehrt. Ihre genaue Herkunft ist nicht eindeutig geklärt; die heutige Tourismusseite von La Gomera überliefert die Geschichte einer wundersamen Auffindung in einer Höhle.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Ermita mehrfach erweitert und verändert. 1630 kam ein angrenzendes Haus zur Aufnahme von Besuchern hinzu; 1649 folgten eine Sakristei und eine Kapelle sowie weitere Umbauten. Das heutige Ensemble ist deshalb das Ergebnis einer langen Entwicklung und nicht einfach der unveränderte Bau von 1542.
Die Bajada de la Virgen: Das größte Fest der Insel
Alle fünf Jahre wird Puntallana zum Ausgangspunkt eines der wichtigsten Feste La Gomeras: der Bajada de la Virgen de Guadalupe. Im Oktober wird das Bildnis der Inselpatronin von ihrem Heiligtum nach San Sebastián gebracht.
Die Besonderheit dieser Bajada: Die Virgen kommt auf dem Seeweg in die Hauptstadt. Zahlreiche Fischer- und Freizeitboote schmücken ihre Schiffe mit Blumen und Fahnen und begleiten die Überfahrt nach San Sebastián. Im Hafen wird die Patronin feierlich empfangen. Anschließend wird sie während der Festwochen in Prozessionen durch die verschiedenen Orte der Insel getragen.
Die letzte Bajada fand 2023 statt, die nächste ist für Oktober 2028 angekündigt. Wer dieses außergewöhnliche Ereignis erleben möchte, sollte die Termine und das genaue Programm frühzeitig beim Cabildo beziehungsweise der offiziellen Tourismusinformation prüfen.

Bajada de la Virgen
Das große Fest alle 5 Jahre: Merke dir den Oktober des jeweiligen Fünf-Jahres-Zyklus vor. Dann wird die Schutzpatronin La Gomeras von Puntallana aus auf dem Seeweg nach San Sebastián gebracht. Zahlreiche geschmückte Boote begleiten die „Bajada por mar“ – ein eindrucksvolles religiöses und kulturelles Ereignis, das weit über San Sebastián hinaus die ganze Insel bewegt.
Die Casas: Pilgerhütten
Zur Ermita gehören die Casas de Puntallana – historische Gebäude unmittelbar im Umfeld des Heiligtums. Ihre Funktion war eng mit der Wallfahrt verbunden: Besucher und Gläubige konnten hier während ihres Aufenthalts in Puntallana unterkommen.
Eine der frühen Erweiterungen ist dokumentiert: 1630 wurde ein angrenzendes Haus errichtet, um Besucher aufnehmen zu können. Die Gebäude des heutigen Ensembles stammen jedoch aus unterschiedlichen Zeiten und wurden im Laufe der Jahrhunderte verändert. Von einer vollständig erhaltenen Gruppe von „Pilgerhütten aus dem 16. Jahrhundert“ sollte deshalb nicht gesprochen werden.
Die Casas sind Teil des historischen und ethnografischen Wertes von Puntallana. Zusammen mit der Ermita erzählen sie davon, welche Bedeutung dieser abgelegene Ort für die religiöse Tradition der Gomeros hatte. Historische Unterkünfte wurden von den Bewohnern genutzt, wenn sie zur Verehrung der Inselpatronin nach Puntallana kamen.
Die Küste von Puntallana: Schroffe Landschaft, stille Wege
Die Ermita steht nicht irgendwo an einer beliebigen Küste. Sie liegt mitten in der Reserva Natural Especial de Puntallana, einem rund 292 Hektar großen Schutzgebiet. Die Landschaft vereint steile Küstenklippen, die Plattform von Puntallana, den Barranco de La Sabina und die markanten Roques de Aluce.
Auch botanisch ist das Gebiet bemerkenswert. In den trockenen Küstenbereichen wachsen seltene und teilweise geschützte Arten; im Barranco de La Sabina befindet sich unter anderem eine bedeutende Population der Gomerischen Tabaiba (Euphorbia bravoana). Dazu kommen geologische und paläontologische Besonderheiten wie eine fossile Düne.
Puntallana ist damit mehr als ein Wallfahrtsort: Hier treffen Natur, Archäologie, Landschaft und religiöse Geschichte auf engem Raum zusammen.

Der Zugang zur Ermita
Die Zufahrt führt über eine Straße bzw. Piste bis zu einem Aussichtspunkt auf der Plattform von Puntallana. Von dort geht es zu Fuß weiter: Ein etwa 300 Meter langer Weg führt hinunter zur Ermita.
Gerade dieser letzte Abschnitt macht den Besuch besonders. Die Kapelle liegt unterhalb der Plattform und unmittelbar in der abgeschiedenen Küstenlandschaft. Festes Schuhwerk ist für den kurzen, teilweise unebenen Weg sinnvoll.
Puntallana: mehr als die Kapelle
- Die Ermita liegt innerhalb der Reserva Natural Especial de Puntallana – deshalb sollte man beim Besuch nicht nur die Kapelle, sondern auch die außergewöhnliche Küstenlandschaft beachten.
- Vom Zufahrtsbereich führt ein etwa 300 m langer Weg hinunter zur Ermita.
- Keine Abkürzungen abseits der Wege: Die Landschaft ist ökologisch und archäologisch besonders empfindlich.
Anreise
Von San Sebastián de La Gomera fährt man über die TF-711 Richtung Norden und weiter in Richtung Puntallana. Die Straße führt zunächst aus der Hauptstadt hinaus und anschließend durch die abgelegene Küstenlandschaft. Von einem geeigneten Ausgangspunkt wird der letzte Abschnitt zur Ermita zu Fuß zurückgelegt.
Für den Besuch sollte man deshalb etwas Zeit einplanen. Die Kapelle ist kein klassischer Aussichtspunkt, den man direkt mit dem Mietwagen anfährt, sondern ein Ziel, dessen Reiz gerade in der abgeschiedenen Lage und dem Fußweg dorthin liegt.
FAQ – Häufige Fragen zur Ermita de Nuestra Señora de Guadalupe
Kann man die Kapelle von innen besichtigen?
Was bedeutet „Nuestra Señora de Guadalupe“?
Wann findet die Bajada de la Virgen statt?
Wie erreicht man die Ermita de Guadalupe?
Warum ist Puntallana ein besonderer Ort?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


