La Fortaleza: Wanderung auf den Tafelberg der Guanchen
Dieser Berg sieht aus, als hätte ihn jemand mit einem Messer gerade abgeschnitten: flach oben, senkrecht an den Seiten, 1.231 m hoch. La Fortaleza de Chipude ist das markantest Naturmonument im Südwesten La Gomeras – ein Tafelberg aus erkalteter Lava, der für die Guanchen als heilige Kultstätte diente und heute das Ziel einer kurzen, aber ernsthaften Bergtour ist.

2,6 km. 277 Höhenmeter. Schwer. Alpine Elemente, Felspassage, kein gesicherter Weg. Wer Höhenangst hat oder bei Regen oder Nebel unterwegs ist, lässt diese Route.
Wer geht, erlebt einen der stillen Orte La Gomeras: Kanareneidechsen auf dem Fels, Gomera-Geckos in den Spalten, Fledermäuse am Abend – und vom Plateau einen Blick auf La Palma und El Hierro, der an klaren Tagen bis zu 100 km weit reicht.
Steckbrief
| Streckenlänge | 2,6 km (Rundweg) |
|---|---|
| Höhenmeter | 277 Hm |
| Gehzeit | ca. 1:15–1:45 Stunden |
| Schwierigkeit | Schwer (alpines Gelände!) |
| Charakter | Aufstieg über Felspassage → Gipfelplateau 1.231 m → Rundweg → Abstieg gleicher Weg |
| Startpunkt | Parkplatz beim Technikgebäude unterhalb La Fortaleza, Chipude |
| Highlights | Felspassage, Gipfelplateau, Panorama La Palma + El Hierro, Guanchen-Kultstätte, unberührte Flora, Kanareneidechsen |
| PFLICHT | Absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit; feste Bergschuhe mit griffiger Sohle erforderlich – keine Sneaker oder Turnschuhe |
| NICHT begehen bei | Regen, Nebel, nassen Felsen |
| Beste Saison | Oktober–Mai; bei klarer Sicht morgens starten |
Die Route
Parkplatz → GR-131 → Abzweigung La Fortaleza
Vom Parkplatz führt der GR-131 zunächst 300 m leicht bergauf bis zur gut markierten Abzweigung in Richtung La Fortaleza. Hier verlässt man den Fernwanderweg und biegt auf den Pfad zum Berg ab.

Aufstieg durch Heide und Fels
Der Weg steigt durch niedrige Heide- und Baumheidevegetation bergauf. Die Vegetation ist niedrig, unberührt, mit Endemiten, die im Nationalpark nicht vorkommen. An einem alten Ferienhaus vorbei, dann weitere 300 m – und schon beginnt die eigentliche Herausforderung.

Die Felspassage – der Schlüsselmoment
Der Einstieg in die Felspassage ist der entscheidende Moment dieser Wanderung. Ein ca. 200 m langer Aufstieg durch eine natürliche Felsspalte und über Felstufen führt auf das Plateau. Der Weg ist nicht gesichert.

Was zählt: ruhige Bewegungen, drei Kontaktpunkte immer auf dem Fels, nie nach unten schauen, wenn es einen nervös macht. Wer diese Grundregeln befolgt und schwindelfrei ist, schafft die Passage. Wer zweifelt, kehrt hier um.
Bei nassen Felsen oder Gras auf Fels ist die Passage gefährlich. Doch auch trockener Fels kann durch losen Sand und feinen Schotter rutschig sein. Hier sind feste Bergschuhe mit griffiger Sohle unverzichtbar – Sneaker oder einfache Turnschuhe sind ungeeignet.
Bei Regen oder Nebel sollte die Passage nicht begangen werden.
Das Gipfelplateau – 1.231 m
Oben angekommen: das flache, weitläufige Gipfelplateau des Monumento Natural. Die Oberfläche ist karg, felsig, mit niedriger Vegetation aus Endemiten. Ein Rundweg führt über das Plateau mit mehreren Aussichtspunkten – in die Erque-Schlucht, auf die Südküste, auf La Dama und die Mündung des Barranco de la Rajita.
Bei klarer Sicht sieht man von hier La Palma und El Hierro gleichzeitig – zwei Inseln, die zusammen mit La Gomera die westlichen Kanaren bilden. Morgens vor 10 Uhr ist die Sicht am besten.

La Fortaleza und die Guanchen
Die Guanchen – die Ureinwohner La Gomeras – nutzten das Plateau der La Fortaleza als Kultstätte und Versammlungsort. Der Berg war unzugänglich für feindliche Gruppen und bot ideale Übersicht über das gesamte Südwestgebiet. Archäologische Funde auf dem Plateau belegen rituelle Nutzung.
Der Name „La Fortaleza“ (spanisch: die Festung) wurde von den Spaniern nach der Kolonisierung vergeben – als Beschreibung des bedrohlich steilen, festungsartigen Berges. Die Guanchen selbst hatten einen anderen Namen, der nicht überliefert ist.
Auf dem Felssporn im Süden des Plateaus (nur für Schwindelfreie – Achtung: kein gesicherter Weg) reicht der Blick noch weiter. Dieser Abschnitt ist optional und nur für erfahrene, absolut schwindelfreie Wanderer geeignet.

Flora und Fauna
Das Monumento Natural de La Fortaleza ist ein eigener Lebensraum, der sich von Nationalpark-Vegetation unterscheidet. Auf dem Plateau wachsen Endemiten der Kanarischen Inseln unter extremen Bedingungen – wenig Boden, Wind, Temperaturschwankungen. Die Vegetation ist niedrig, zäh, unberührt.
Kanareneidechse und Gomera-Gecko
Auf den sonnigen Felsen des Aufstiegs und des Plateaus lebt die Kanareneidechse (Gallotia caesaris) in großer Zahl. Wer langsam geht, sieht sie auf fast jedem Felsblock. Der Gomera-Gecko (Tarentola gomerensis) ist endemisch auf La Gomera und der Nachbarinsel La Palma – und auf dem Fortaleza besonders häufig, da die Felsspalten idealen Lebensraum bieten.

Fledermäuse am Abend
Bei Abenddämmerung auf dem Plateau: Fledermäuse fliegen im Zickzack über die Kante. Auf La Gomera leben mehrere Fledermausarten, darunter die Kanarenfledermaus (Pipistrellus maderensis), die im Volksmund als „Murciélago“ bekannt ist.

Sicherheitshinweise
- Schwindelfrei und trittsicher: absolute Pflicht. Nicht begehen, wenn man unsicher ist.
- Die Felspassage ist nicht gesichert. Bei Nässe, Moos oder Gras auf Fels: sofort umkehren.
- Bei Regen, Nebel oder schlechter Sicht: nicht beginnen.
- Kinder unter ca. 12 Jahren mit Wandererfahrung sollten nur mit sehr erfahrenen Erwachsenen gehen – im Zweifelsfall: nicht.
- Feste Bergschuhe mit gutem Profil: Pflicht. Wanderschuhe ohne Knöchelschutz sind unzureichend.
- Wasser mitbringen – auf dem Plateau keine Quelle, keine Infrastruktur.
- Notruf: 112. Handyempfang auf dem Plateau gut; am Einstieg variabel.
Anfahrt
Navigationsziel: Chipude, La Gomera, dann auf der CV-13 Richtung La Fortaleza. Der Parkplatz liegt beim Technikgebäude unterhalb des Bergmassivs. Die Straße ist eng – normaler Mietwagen reicht, kein Allradfahrzeug nötig.

Chipude selbst ist einen kurzen Abstecher wert: das älteste Dorf des Hochlands, früher bevölkerungsreichster Ort La Gomeras. Die Kirche Virgen de la Candelaria (Kern 1540) steht im Ortskern.
Beste Reisezeit
| Jahreszeit | Charakter | Hinweis |
| Okt – Nov | Herbst, angenehm, klare Sicht | Sehr gute Bedingungen |
| Dez – Feb | Winter, kühler, Nebel möglich | Auf Wetterbericht achten; Nebelgefahr |
| Mär – Mai | Frühjahr, mild, beste Fernsicht | Optimale Zeit; La Palma + El Hierro klar |
| Jun – Sep | Sommer, heiß auf dem Südplateau | Nur früh morgens; Hitze auf dem Fels belastend |

GPS-Track und Routenplaner
Den vollständigen GPS-Track zur Wanderung auf den Tafelberg La Fortaleza de Chipude findet man kostenlos auf Sunhikes – Wanderungen auf La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android – am besten offline speichern.
Wer mehrere Touren kombinieren oder die Anfahrt planen möchte: kostenloser Sunhikes-Routenplaner.

FAQ – Häufige Fragen zur Wanderung La Fortaleza
Wie schwer ist die Felspassage wirklich?
Kann man La Fortaleza auch von Chipude aus starten?
Was ist das Monumento Natural de La Fortaleza?
Ist es möglich, bei Wolken zu gehen?
Wie ist die Parksituation am Startpunkt und erreicht man den Parkplatz mit jedem Mietwagen?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


