Zur Playa del Cabrito: Gomeras Grand Canyon
La Gomera hat seinen eigenen Grand Canyon: das Barranco del Cabrito – eine tief eingeschnittene Schlucht an der Südküste, durch die ein Wanderweg auf die Playa del Cabrito hinunterführt. Der Strand ist mit dem Auto nicht erreichbar. Wer dort ankommen will, wandert.

7,9 km. 169 Hm aufwärts, 1.006 Hm abwärts. Schwer (alpines Gelände!). Der Weg führt durch eine Landschaft aus Terrassenfeldern, verlassenen Dörfern, Ruinen und Schluchten, die La Gomera vor dem Tourismus zeigen.
Der Höhepunkt: das verlassene Dorf Seima – einst 30 Familien mit Gerste, Weizen, Ziegen und Mühlsteinen. Heute Ruinen und Stille. Und am Ende: ein abgelegener schwarzer Strand ohne öffentliche Straße – und mit der Finca El Cabrito direkt am Meer.
Steckbrief
| Streckenlänge | 7,9 km (Strecke) |
|---|---|
| Höhenmeter | 169 Hm aufwärts / 1.006 Hm abwärts |
| Gehzeit | ca. 2:45–3:45 Stunden |
| Schwierigkeit | Schwer (alpines Gelände!) |
| Charakter | Grat zwischen Schluchten → Palmenhaine → verlassene Höfe → Seima (Geisterdorf) → Barranco del Cabrito → Playa del Cabrito |
| Startpunkt | Parkplatz alte GM-3-Schleife (südlich der aktuellen GM-3) |
| Endpunkt | Playa del Cabrito – Rückweg zu Fuß oder Weiterweg über den GR-132; Bootstransfer nur nach vorheriger Absprache |
| Highlights | Grat-Panorama, rotes Gestein, verlassenes Dorf Seima, Barranco del Cabrito, schwarzer Strand ohne Straße |
| Saison | Oktober bis April (Sommerhitze im offenen Gelände vermeiden) |
| ACHTUNG | Alpines Gelände! Trittsicherheit und Schwindelfreiheit Pflicht |
⚠️ Wichtig:
Die 7,9 Kilometer klingen zunächst überschaubar. Entscheidend sind jedoch die mehr als 1.000 Höhenmeter Abstieg. Wer keinen bestätigten Bootstransfer hat, muss entweder den anspruchsvollen Rückweg bewältigen oder die Wanderung über den GR-132 fortsetzen. Plane deshalb ausreichend Zeit und Kraftreserven ein.

Die Route im Detail
Start: Grat zwischen zwei Schluchten
Vom Parkplatz führt der Weg auf einem Grat zwischen den Schluchten Juan de Vera und Barranco de Chinguarime – links fällt das Gelände tief ab, rechts ebenso. Ein Panorama, das sofort klar macht, warum dieser Weg alpines Gelände ist. Palmenhaine und Bauernhöfe begleiten den ersten Abschnitt.

Rotes Gestein und Basaltformationen
Auf dem Weg fallen immer wieder rötlich gefärbte Gesteinsformationen auf. Sie bilden einen schönen Kontrast zum dunklen Basalt und zur grünen Vegetation. Weiter führt die Route durch den Barranco de Chinguarime. Dort haben Erosion und Verwitterung im Laufe der Zeit markante Formen und Strukturen im vulkanischen Gestein geschaffen. Die wechselnden Farben und Formen machen diesen Abschnitt zu einem der eindrucksvollsten der Wanderung.

Das verlassene Dorf Seima
Seima ist das emotionale Zentrum dieser Wanderung. Einst lebten hier bis zu 30 Familien – sie bauten Gerste, Weizen und Hülsenfrüchte an, hielten Ziegen, mahlten Getreide mit Mühlsteinen, deren Überreste noch heute zu sehen sind. Das Dorf wurde aufgegeben, als die wirtschaftliche Entwicklung der Insel bessere Lebensmöglichkeiten anderswo bot.
Heute: Ruinen, Schichtsteinmauern, verrottende Holzbalken, überwucherte Terrassenfelder. Eine Stille, die schwer zu beschreiben ist. La Gomera vor 100 Jahren.

Naturdenkmal Barranco del Cabrito
Das Barranco del Cabrito ist als Naturdenkmal geschützt. Die tief eingeschnittenen Schluchten, Palmenhaine und die traditionellen Kulturlandschaften zählen zu den wertvollsten Landschaften im Südosten La Gomeras. Bitte auf dem markierten Weg bleiben und Ruinen sowie historische Mauern nicht betreten oder verändern.
Barranco del Cabrito und die Playa
Vom Dorf Seima aus geht der Weg weiter hinunter: Corrales de Sabina Redonda, dann der Einstieg ins Barranco del Cabrito. Die Schlucht ist eng, die Felswände hoch – hier versteht man den Vergleich mit dem Grand Canyon. Der Weg ist markiert, aber fordernd: steile Felsstufen, kaum Schatten, voller Blick auf den Atlantik.
Am Ausgang der Schlucht: die Playa del Cabrito – schwarzer Kies und Sand, keine öffentliche Infrastruktur für Wanderer und keine öffentliche Straße. Direkt am Strand liegt die Finca El Cabrito. Eine der einsamsten Buchten an der Südküste La Gomeras.

Die Playa del Cabrito: Strand ohne Straße
Es gibt keinen Weg mit dem Auto zur Playa del Cabrito. Nur zu Fuß oder per Boot. Baden ist möglich, aber der schwarze Kies heizt sich im Sommer stark auf und die Wellen können unberechenbar sein. Direkt am Strand liegt die Finca El Cabrito, ein ehemaliges Landgut, das heute als Hotelrefugium genutzt wird. Eine öffentliche Infrastruktur für Wanderer gibt es dort jedoch nicht: Kein regulärer Kiosk, kein Restaurant für Laufkundschaft und keine Möglichkeit, sich spontan mit Verpflegung zu versorgen.
Ein Bootstransfer zurück nach Playa de Santiago ist nicht als regulärer öffentlicher Linienboot-Service verfügbar. Die Boote der Finca werden in erster Linie für deren eigene Gäste eingesetzt. Externe Wanderer können einen Transfer nur nach vorheriger Absprache organisieren – darauf, vor Ort spontan ein Boot zu bekommen, sollte man sich keinesfalls verlassen.
Wer ohne Boot unterwegs ist, kann von der Playa del Cabrito dem GR-132 weiter in Richtung San Sebastián folgen. Das ist jedoch eine anspruchsvolle Verlängerung der Wanderung und kein kurzer Rückweg zum Ausgangspunkt. Alternativ geht es auf dem gleichen Weg zurück – mit erneut mehr als 1.000 Höhenmetern Aufstieg.

Sicherheitshinweise
- Alpines Gelände: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Pflicht.
- Das erste Drittel verläuft im Schatten; danach ist der Weg offen und heiß.
- Ausreichend Wasser mitbringen – auf der Strecke keine Quelle, kein Restaurant.
- Stöcke dringend empfohlen – 1.006 Hm Abstieg auf teils felsigem Terrain.
- Rückweg muss eingeplant werden: gleicher Weg zurück oder Bootstransfer.
- Notruf: 112.
Anfahrt
Der Startpunkt liegt am Parkplatz an einer alten Schleife der GM-3. Von dort beginnt nach wenigen Metern der Camino de Seima und damit die Wanderung zur Playa del Cabrito. Sunhikes weist darauf hin, dass neben der kleinen Zufahrt auch eine kurze Schotterstrecke zum Parken genutzt werden kann – dafür sollte das Fahrzeug allerdings entsprechend geeignet sein.
Für die Anfahrt sollte man den GPS-Track bzw. die genaue Kartenposition des Startpunkts verwenden und nicht ausschließlich nach „Ruta 18 El Cabrito“ navigieren.
Tipp: Rückweg vorab planen
Da ein spontaner Bootstransfer von der Playa del Cabrito nicht garantiert werden kann, sollte der Rückweg vor Beginn der Wanderung unbedingt geklärt sein. Wer kein bestätigtes Boot organisiert hat, muss den Rückweg bzw. den Weiterweg nach San Sebastián de La Gomera zu Fuß einplanen.
Beste Reisezeit
| Jahreszeit | Charakter | Hinweis |
| Okt – Nov | Herbst, angenehm kühl | Sehr gute Bedingungen |
| Dez – Feb | Winter, mild an der Südküste | Gute Zeit; auf Wetterbericht achten |
| Mär – Apr | Frühling; Blüten auf dem Grat | Beste Reisezeit; Terrassenfelder grün |
| Mai – Sep | Heiß, offenes Gelände | Nicht empfohlen; Hitze belastend |

Ausrüstung
| Schuhe | Feste Bergschuhe mit Knöchelschutz – alpines Gelände, Pflicht |
|---|---|
| Wasser | Mindestens 2 l; kein Nachfüllen möglich |
| Sonnenschutz | Offen ab erstem Drittel; Sonnencreme + Kopfbedeckung |
| Stöcke | Dringend empfohlen – 1.006 Hm Abstieg |
| Kamera | Seima, Schlucht und Playa sind außergewöhnliche Motive |
| Navigation | GPS-Track offline; teils weglos; Track nie aus den Augen verlieren |
GPS-Track und Routenplaner
Den vollständigen GPS-Track zur Wanderung zur Playa del Cabrito – Gomeras Grand Canyon findet man kostenlos auf Sunhikes – Wanderungen auf La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android – am besten offline speichern.
Wer mehrere Touren kombinieren oder die Anfahrt planen möchte: kostenloser Sunhikes-Routenplaner.

FAQ – Häufige Fragen zur Wanderung zur Playa del Cabrito
Wie kommt man von der Playa del Cabrito zurück?
Kann man in der Playa del Cabrito übernachten?
Was bedeutet „alpines Gelände“ für diese Route?
Was ist das verlassene Dorf Seima?
Gibt es an der Playa del Cabrito etwas zu kaufen?
Kann man sich spontan vor Ort ein Boot für den Rückweg suchen?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


