Zur Playa del Cabrito: Gomeras Grand Canyon

La Gomera hat seinen eigenen Grand Canyon: das Barranco del Cabrito – eine tief eingeschnittene Schlucht an der Südküste, durch die ein Wanderweg auf die Playa del Cabrito hinunterführt. Der Strand ist mit dem Auto nicht erreichbar. Wer dort ankommen will, wandert.

Ruta 18 zur Playa del Cabrito auf La Gomera, Wanderweg durch wilde Schluchten.
Ruta 18 zur Playa del Cabrito auf La Gomera, Wanderweg durch wilde Schluchten.

7,9 km. 169 Hm aufwärts, 1.006 Hm abwärts. Schwer (alpines Gelände!). Der Weg führt durch eine Landschaft aus Terrassenfeldern, verlassenen Dörfern, Ruinen und Schluchten, die La Gomera vor dem Tourismus zeigen.

Der Höhepunkt: das verlassene Dorf Seima – einst 30 Familien mit Gerste, Weizen, Ziegen und Mühlsteinen. Heute Ruinen und Stille. Und am Ende: ein abgelegener schwarzer Strand ohne öffentliche Straße – und mit der Finca El Cabrito direkt am Meer.

Steckbrief

Streckenlänge7,9 km (Strecke)
Höhenmeter169 Hm aufwärts / 1.006 Hm abwärts
Gehzeitca. 2:45–3:45 Stunden
SchwierigkeitSchwer (alpines Gelände!)
CharakterGrat zwischen Schluchten → Palmenhaine → verlassene Höfe → Seima (Geisterdorf) → Barranco del Cabrito → Playa del Cabrito
StartpunktParkplatz alte GM-3-Schleife (südlich der aktuellen GM-3)
EndpunktPlaya del Cabrito – Rückweg zu Fuß oder Weiterweg über den GR-132; Bootstransfer nur nach vorheriger Absprache
HighlightsGrat-Panorama, rotes Gestein, verlassenes Dorf Seima, Barranco del Cabrito, schwarzer Strand ohne Straße
SaisonOktober bis April (Sommerhitze im offenen Gelände vermeiden)
ACHTUNGAlpines Gelände! Trittsicherheit und Schwindelfreiheit Pflicht

⚠️ Wichtig:

Die 7,9 Kilometer klingen zunächst überschaubar. Entscheidend sind jedoch die mehr als 1.000 Höhenmeter Abstieg. Wer keinen bestätigten Bootstransfer hat, muss entweder den anspruchsvollen Rückweg bewältigen oder die Wanderung über den GR-132 fortsetzen. Plane deshalb ausreichend Zeit und Kraftreserven ein.

verlassenes Haus an der Route über den Camino de Seima
verlassenes Haus an der Route über den Camino de Seima

Die Route im Detail

Start: Grat zwischen zwei Schluchten

Vom Parkplatz führt der Weg auf einem Grat zwischen den Schluchten Juan de Vera und Barranco de Chinguarime – links fällt das Gelände tief ab, rechts ebenso. Ein Panorama, das sofort klar macht, warum dieser Weg alpines Gelände ist. Palmenhaine und Bauernhöfe begleiten den ersten Abschnitt.

Beginn des Wanderpfads entlang der Ruta 18 mit Blick auf den Atlantik
Beginn des Wanderpfads entlang der Ruta 18 mit Blick auf den Atlantik

Rotes Gestein und Basaltformationen

Auf dem Weg fallen immer wieder rötlich gefärbte Gesteinsformationen auf. Sie bilden einen schönen Kontrast zum dunklen Basalt und zur grünen Vegetation. Weiter führt die Route durch den Barranco de Chinguarime. Dort haben Erosion und Verwitterung im Laufe der Zeit markante Formen und Strukturen im vulkanischen Gestein geschaffen. Die wechselnden Farben und Formen machen diesen Abschnitt zu einem der eindrucksvollsten der Wanderung.

Am Wanderweg zeigen sich erodierte Basaltformationen, die die vulkanische Entstehungsgeschichte La Gomeras sichtbar machen.
Am Wanderweg zeigen sich erodierte Basaltformationen, die die vulkanische Entstehungsgeschichte La Gomeras sichtbar machen.

Das verlassene Dorf Seima

Seima ist das emotionale Zentrum dieser Wanderung. Einst lebten hier bis zu 30 Familien – sie bauten Gerste, Weizen und Hülsenfrüchte an, hielten Ziegen, mahlten Getreide mit Mühlsteinen, deren Überreste noch heute zu sehen sind. Das Dorf wurde aufgegeben, als die wirtschaftliche Entwicklung der Insel bessere Lebensmöglichkeiten anderswo bot.

Heute: Ruinen, Schichtsteinmauern, verrottende Holzbalken, überwucherte Terrassenfelder. Eine Stille, die schwer zu beschreiben ist. La Gomera vor 100 Jahren.

Das verlassene Dorf Seima auf La Gomera mit weitem Blick bis zum Teide.
Das verlassene Dorf Seima auf La Gomera mit weitem Blick bis zum Teide.

Naturdenkmal Barranco del Cabrito

Das Barranco del Cabrito ist als Naturdenkmal geschützt. Die tief eingeschnittenen Schluchten, Palmenhaine und die traditionellen Kulturlandschaften zählen zu den wertvollsten Landschaften im Südosten La Gomeras. Bitte auf dem markierten Weg bleiben und Ruinen sowie historische Mauern nicht betreten oder verändern.

Barranco del Cabrito und die Playa

Vom Dorf Seima aus geht der Weg weiter hinunter: Corrales de Sabina Redonda, dann der Einstieg ins Barranco del Cabrito. Die Schlucht ist eng, die Felswände hoch – hier versteht man den Vergleich mit dem Grand Canyon. Der Weg ist markiert, aber fordernd: steile Felsstufen, kaum Schatten, voller Blick auf den Atlantik.

Am Ausgang der Schlucht: die Playa del Cabrito – schwarzer Kies und Sand, keine öffentliche Infrastruktur für Wanderer und keine öffentliche Straße. Direkt am Strand liegt die Finca El Cabrito. Eine der einsamsten Buchten an der Südküste La Gomeras.

Blick auf die Playa del Cabrito auf La Gomera
Blick auf die Playa del Cabrito auf La Gomera

Die Playa del Cabrito: Strand ohne Straße

Es gibt keinen Weg mit dem Auto zur Playa del Cabrito. Nur zu Fuß oder per Boot. Baden ist möglich, aber der schwarze Kies heizt sich im Sommer stark auf und die Wellen können unberechenbar sein. Direkt am Strand liegt die Finca El Cabrito, ein ehemaliges Landgut, das heute als Hotelrefugium genutzt wird. Eine öffentliche Infrastruktur für Wanderer gibt es dort jedoch nicht: Kein regulärer Kiosk, kein Restaurant für Laufkundschaft und keine Möglichkeit, sich spontan mit Verpflegung zu versorgen.

Ein Bootstransfer zurück nach Playa de Santiago ist nicht als regulärer öffentlicher Linienboot-Service verfügbar. Die Boote der Finca werden in erster Linie für deren eigene Gäste eingesetzt. Externe Wanderer können einen Transfer nur nach vorheriger Absprache organisieren – darauf, vor Ort spontan ein Boot zu bekommen, sollte man sich keinesfalls verlassen.

Wer ohne Boot unterwegs ist, kann von der Playa del Cabrito dem GR-132 weiter in Richtung San Sebastián folgen. Das ist jedoch eine anspruchsvolle Verlängerung der Wanderung und kein kurzer Rückweg zum Ausgangspunkt. Alternativ geht es auf dem gleichen Weg zurück – mit erneut mehr als 1.000 Höhenmetern Aufstieg.

Ausblick über die Bucht El Cabrito entlang der Küste von La Gomera bis zur Nachbarinsel Teneriffa
Ausblick über die Bucht El Cabrito entlang der Küste von La Gomera bis zur Nachbarinsel Teneriffa

Sicherheitshinweise

  • Alpines Gelände: Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Pflicht.
  • Das erste Drittel verläuft im Schatten; danach ist der Weg offen und heiß.
  • Ausreichend Wasser mitbringen – auf der Strecke keine Quelle, kein Restaurant.
  • Stöcke dringend empfohlen – 1.006 Hm Abstieg auf teils felsigem Terrain.
  • Rückweg muss eingeplant werden: gleicher Weg zurück oder Bootstransfer.
  • Notruf: 112.

Anfahrt

Der Startpunkt liegt am Parkplatz an einer alten Schleife der GM-3. Von dort beginnt nach wenigen Metern der Camino de Seima und damit die Wanderung zur Playa del Cabrito. Sunhikes weist darauf hin, dass neben der kleinen Zufahrt auch eine kurze Schotterstrecke zum Parken genutzt werden kann – dafür sollte das Fahrzeug allerdings entsprechend geeignet sein.

Für die Anfahrt sollte man den GPS-Track bzw. die genaue Kartenposition des Startpunkts verwenden und nicht ausschließlich nach „Ruta 18 El Cabrito“ navigieren.

Tipp: Rückweg vorab planen

Da ein spontaner Bootstransfer von der Playa del Cabrito nicht garantiert werden kann, sollte der Rückweg vor Beginn der Wanderung unbedingt geklärt sein. Wer kein bestätigtes Boot organisiert hat, muss den Rückweg bzw. den Weiterweg nach San Sebastián de La Gomera zu Fuß einplanen.

Beste Reisezeit

JahreszeitCharakterHinweis
Okt – NovHerbst, angenehm kühlSehr gute Bedingungen
Dez – FebWinter, mild an der SüdküsteGute Zeit; auf Wetterbericht achten
Mär – AprFrühling; Blüten auf dem GratBeste Reisezeit; Terrassenfelder grün
Mai – SepHeiß, offenes GeländeNicht empfohlen; Hitze belastend
Aufgegebene Terrassenfelder als Zeugnis der traditionellen Kulturlandschaft La Gomeras entlang der Ruta 18
Aufgegebene Terrassenfelder als Zeugnis der traditionellen Kulturlandschaft La Gomeras entlang der Ruta 18

Ausrüstung

SchuheFeste Bergschuhe mit Knöchelschutz – alpines Gelände, Pflicht
WasserMindestens 2 l; kein Nachfüllen möglich
SonnenschutzOffen ab erstem Drittel; Sonnencreme + Kopfbedeckung
StöckeDringend empfohlen – 1.006 Hm Abstieg
KameraSeima, Schlucht und Playa sind außergewöhnliche Motive
NavigationGPS-Track offline; teils weglos; Track nie aus den Augen verlieren

GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track zur Wanderung zur Playa del Cabrito – Gomeras Grand Canyon findet man kostenlos auf Sunhikes – Wanderungen auf La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android – am besten offline speichern.

Wer mehrere Touren kombinieren oder die Anfahrt planen möchte: kostenloser Sunhikes-Routenplaner.

Ausblick entlang des gepflasterten Wanderwegs zur Playa de Cabrito
Ausblick entlang des gepflasterten Wanderwegs zur Playa de Cabrito

FAQ – Häufige Fragen zur Wanderung zur Playa del Cabrito

Wie kommt man von der Playa del Cabrito zurück?

Am sichersten ist der Rückweg auf derselben Route zu Fuß. Dabei sind erneut mehr als 1.000 Höhenmeter im Aufstieg zu bewältigen; je nach Kondition sollte man dafür etwa 2–3 Stunden einplanen. Ein Bootstransfer nach Playa de Santiago ist grundsätzlich möglich, sollte aber vor der Wanderung verbindlich organisiert und bestätigt werden. Der Bootsverkehr an der Playa del Cabrito wird hauptsächlich für die Gäste der dortigen Finca genutzt. Einen öffentlichen Linienboot-Service, auf den sich Tageswanderer spontan verlassen können, gibt es nicht. Wer ohne bestätigten Bootstransfer startet, muss deshalb damit rechnen, den gesamten Weg wieder zu Fuß zurückzulegen.

Kann man in der Playa del Cabrito übernachten?

Nein – Wildcampen ist auf La Gomera verboten. Es gibt keinerlei Infrastruktur am Strand.

Was bedeutet „alpines Gelände“ für diese Route?

Der Grat am Anfang und der Abstieg ins Barranco del Cabrito verlaufen auf schmalem, ausgesetztem Terrain mit Tiefblicken in beide Richtungen. Der Weg ist markiert, aber es gibt keine Absicherung. Wer Höhenangst hat, sollte diese Route nicht gehen.

Was ist das verlassene Dorf Seima?

Seima war eine Gemeinschaft von bis zu 30 Familien auf den Terrassenhängen oberhalb des Barranco del Cabrito. Das Dorf wurde im 20. Jahrhundert aufgegeben, als bessere Lebensmöglichkeiten in anderen Teilen der Insel entstanden. Heute sind die Ruinen, Steinmauern und Mühlsteine der Familien noch gut erkennbar.

Gibt es an der Playa del Cabrito etwas zu kaufen?

Nein, nicht für Wanderer. Direkt am Strand liegt die Finca El Cabrito. Sie ist jedoch keine öffentliche Gaststätte und bietet keinen regulären Kiosk oder Restaurantbetrieb für vorbeikommende Wanderer. Wer die Playa del Cabrito zu Fuß erreicht, sollte deshalb ausreichend Wasser und Verpflegung selbst mitbringen und nicht darauf vertrauen, vor Ort etwas kaufen zu können.

Kann man sich spontan vor Ort ein Boot für den Rückweg suchen?

Nein, darauf sollte man sich nicht verlassen. Der Bootsverkehr an der Playa del Cabrito dient hauptsächlich dem Transfer der Gäste der dortigen Finca. Einen öffentlichen Linienboot-Service für Tageswanderer gibt es nicht. Wer mit dem Boot zurückfahren möchte, muss den Transfer im Voraus und verbindlich abklären. Andernfalls ist der anstrengende Rückweg zu Fuß einzuplanen – mit erneut mehr als 1.000 Höhenmetern im Aufstieg.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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