Abstieg vom Roque de Agando über den Camino de Cabras nach Playa de Santiago
Es ist eine der beliebtesten und traditionsreichsten Wanderungen der Kanarischen Inseln: der Abstieg vom Roque de Agando durch das Tal von Benchijigua über den berühmten Camino de Cabras hinunter nach Playa de Santiago an der Südküste. 13 km, fast ausschließlich bergab, 1.408 Höhenmeter Abstieg.

Diese Strecke ist kein gewöhnlicher Abstieg. Sie führt durch das Reserva Natural Integral de Benchijigua – eines der abgelegensten und botanisch reichsten Täler La Gomeras – vorbei an der fast verlassenen Ermita San Juan, über einen alten Hirtenweg (den eigentlichen Camino de Cabras), durch Höhlensiedlungen und Obstgärten im Barranco de Santiago, bis zum Ziel am Hafen von Playa de Santiago.
Im Frühjahr (März–Mai) ist das Tal von Benchijigua ein Blütenmeer. Außerhalb der Saison ist es ruhiger, trockener, aber nicht weniger eindrücklich. Ein zweites Fahrzeug oder ein Shuttle zwischen Playa de Santiago und dem Roque de Agando ist Voraussetzung.

Steckbrief
| Streckenlänge | 13,0 km (Strecke; kein Rundweg) |
|---|---|
| Höhenmeter | 389 Hm aufwärts / 1.408 Hm abwärts |
| Gehzeit | ca. 4:45–5:45 Stunden |
| Schwierigkeit | Schwer |
| Charakter | Parkplatz Roque de Agando → Benchijigua (Tal + Dorf) → Camino de Cabras (Felspfad 2,7 km) → El Cabezo → Taco → Playa de Santiago |
| Startpunkt | Parkplatz Roque de Agando, GM-3 |
| Endpunkt | Zentrum Playa de Santiago (zweites Auto oder Shuttle nötig) |
| Highlights | Roque de Agando-Flanke, Tal von Benchijigua, Ermita San Juan, Camino de Cabras (Felspfad), Höhlensiedlungen, Hafen Playa de Santiago |
| Beste Saison | Oktober–Mai (Sommer: Hitze im Tal, wenig Blüten) |
| Geeignet für | Erfahrene Wanderer; langer Abstieg auf teils felsigem Terrain |
Tipp: Früh starten
Mit fast 5 Stunden Gehzeit plus Pausen startet man am besten um 7:30 Uhr am Parkplatz Roque de Agando. Dann ist man gegen 13:00–14:00 Uhr in Playa de Santiago – mit Zeit für Mittagessen am Hafen.
Die Route im Detail: Fünf Abschnitte
Abschnitt 1: Parkplatz → PR-LG 16 → Fuß des Roque de Agando
Vom Parkplatz Roque de Agando führt der PR-LG 16 bergab – ein gepflasterter Weg, der am Fuß des Roques entlang führt. Direkt hier, auf 800 m nach dem Start, ist die Nähe zum Roque am stärksten: Die Basaltsäule ragt direkt über einem auf, Palmwedel schaukeln im Vordergrund. Dann ein alter Wasserkanal – und der erste Blick ins Tal von Benchijigua.

Abschnitt 2: Benchijigua – das fast verlassene Dorf
Das Dorf Benchijigua auf ca. 600 m ist eines der ältesten und botanisch reichsten Orte La Gomeras. Einst bewohnten Dutzende Familien das Hochtal; heute sind es nur noch wenige. Die Ermita San Juan – eine kleine Dorfkirche auf einem Bergrücken – bietet einen der schönsten Ausblicke auf das gesamte Hochtal. Feigenbäume, Mandeln, Agaven, wilde Orangen und Palmenhaine: eine Landschaft, die sich seit Jahrhunderten kaum verändert hat.

Abschnitt 3: Der Camino de Cabras – 2,7 km Felspfad
Das Herzstück dieser Wanderung: der Camino de Cabras (Ziegenpfad). Dieser alte Hirtenweg zieht sich 2,7 km lang unter spektakulären Felswänden entlang – felsig, ausgesetzt, mit ständig wechselndem Blick. Rechts: senkrechte Felswände. Links: der freie Blick über Benchijigua, den Roque de Agando (jetzt weit hinter einem) und schließlich das Meer.
Der Weg ist gut markiert, aber anspruchsvoll: felsiges Terrain, steile Abschnitte, keine Absicherung. Trittsicherheit ist keine Option, sondern Voraussetzung. In nassen Bedingungen (nach starkem Regen) sollte man diesen Abschnitt meiden.

Abschnitt 4: El Cabezo → Taco → Höhlensiedlungen
Nach dem Camino de Cabras kommt El Cabezo – ein kleiner Ort, der den langen Abstieg markiert. Weiter durch den Weiler Taco mit seinen Obstgärten und dann durch die Höhlensiedlungen im Barranco de Santiago: Häuser, die direkt in die Felswände gebaut oder in natürliche Höhlen eingepasst wurden – ein Zeugnis von einer Wohnkultur, die auf La Gomera bis heute existiert.

Abschnitt 5: Playa de Santiago – der Hafen als Ziel
Der letzte Kilometer führt über die alte Hauptstraße und den GR-132 ins Zentrum von Playa de Santiago. Der Hafen empfängt mit Fischerbooten, der Bar am Wasser und dem Blick aufs offene Meer. Nach 5 Stunden und 13 km der perfekte Abschluss – ein Bier oder Kaffee verdient.

Benchijigua: Botanisch reichstes Tal La Gomeras
Das Reserva Natural Especial de Benchijigua ist eines der am strengsten geschützten Naturschutzgebiete La Gomeras. Das Besondere Naturreservat schützt die außergewöhnliche Flora und die ursprüngliche Landschaft des Tals. Der Grund: die außergewöhnliche Flora. Im Tal wachsen Feigenbäume, Mandeln, Agaven, wilde Orangen, Palmen, Wolfsmilch und endemische Pflanzen nebeneinander – eine Vielfalt, die auf der Insel ihresgleichen sucht.

Das Dorf Benchijigua
Das auf ca. 600 m gelegene Dorf Benchijigua ist einer der ältesten Siedlungsbereiche La Gomeras und liegt in einem botanisch besonders vielfältigen Hochtal. Einst lebten hier zahlreiche Familien, doch heute sind nur noch wenige Häuser dauerhaft bewohnt. Von der Ermita San Juan, einer kleinen Kapelle auf einem Bergrücken, hat man einen der schönsten Ausblicke auf das gesamte Hochtal. Feigenbäume, Mandelbäume, Agaven, wilde Orangenbäume und Palmenhaine prägen die Landschaft, die ihren traditionellen Charakter bis heute bewahrt hat.

Frühjahrsblüte im Tal
Von März bis Mai verwandelt sich Benchijigua in ein Farbenspektakel. Mohn, Malven, Natternkopf und wilde Iris blühen zwischen den Terrassenfeldern. Der Admiral-Schmetterling ist auf jedem Weg präsent. Das macht die Frühjahrssaison (Oktober–Mai ist offiziell empfohlen; März–Mai für die Blüte) zur besten Reisezeit.

Der Camino de Cabras: Ein historischer Hirtenweg
Das Herzstück dieser Wanderung: der Camino de Cabras (Ziegenpfad). Der alte Hirtenweg zieht sich 2,7 Kilometer lang unter spektakulären Felswänden entlang. Er ist felsig und ausgesetzt und bietet ständig wechselnde Ausblicke. Rechts ragen steile Felswände auf, links öffnet sich der Blick über Benchijigua, den inzwischen weit entfernten Roque de Agando und schließlich bis zum Meer.
Der Weg ist gut markiert, aber anspruchsvoll: Er führt durch felsiges Terrain und über ausgesetzte Passagen, es gibt keine Geländer oder sonstige Sicherungen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier Voraussetzung. Bei nassem Untergrund, insbesondere nach Regen, sollte man diesen Abschnitt nicht begehen.

Sicherheitshinweise – Camino de Cabras
Der Camino de Cabras ist der anspruchsvollste Abschnitt. Konkrete Hinweise:
- Festes Schuhwerk ist auf diesem Abschnitt keine Empfehlung, sondern absolute Pflicht.
- Bei nassen Bedingungen (Regen in den vorangegangenen 24 Stunden) wird der Felsuntergrund rutschig und gefährlich.
- Kinder unter ca. 10 Jahren und Personen mit Knie- oder Gleichgewichtsproblemen sollten diesen Abschnitt nicht begehen.
- Der Weg ist ausgesetzt – in beiden Richtungen kein schnelles Umkehren möglich. Einmal auf dem Camino, geht man durch.
- Notruf: 112. Handyempfang auf dem Camino ist variabel.
Playa de Santiago: Ziel und Ausgangspunkt
Playa de Santiago ist der südlichste Ort La Gomeras und einer der sonnigsten. Der kleine Fischerhafen, das Hotel Jardín Tecina auf dem Steilhang darüber, die frischen Fischrestaurants am Hafen – alles wirkt entspannt und wenig touristisch überlaufen. Nach einer langen Wanderung der ideale Ausklang.

Beste Reisezeit
| Jahreszeit | Charakter | Hinweis |
| Okt – Nov | Herbst, angenehm, Tal erwacht nach Sommertrockenheit | Gute Bedingungen; ruhige Trails |
| Dez – Feb | Winter, kühl, wenig Blüten, klare Sicht | Camino de Cabras bei Nässe gefährlicher; auf Wetterbericht achten |
| Mär – Mai | Blütenmeer Benchijigua, milde Temperaturen | Optimale Reisezeit; alle Highlights gleichzeitig |
| Jun – Sep | Heiß im Tal, wenig Wasser | Nur mit sehr frühem Start; Hitze im Talabschnitt belastend |
Für diese Wanderung eignet sich die Saison von Oktober bis Mai besonders gut. Vor allem im Frühjahr, von März bis Mai, zeigt sich das Tal von Benchijigua häufig besonders üppig und farbenreich. Im Sommer kann es im offenen Tal dagegen sehr heiß werden. Wer die Tour in den wärmeren Monaten plant, sollte deshalb möglichst früh starten und ausreichend Wasser mitnehmen.

Ausrüstung
| Schuhe | Feste Wanderschuhe mit gutem Profil – auf dem Camino de Cabras sind Trittsicherheit und sicherer Halt besonders wichtig |
|---|---|
| Wasser | Mindestens 2 l; 5 Stunden Gehzeit, offenes Gelände im Tal |
| Sonnenschutz | Große Teile der Strecke sind offen und stark sonnenexponiert; Sonnencreme, Kopfbedeckung und Sonnenbrille gehören ins Gepäck |
| Stöcke | Empfohlen – 1.408 Hm Abstieg belasten Knie und Gelenke erheblich |
| Verpflegung | Für die gesamte Strecke ausreichend Proviant mitnehmen; keine verlässliche Gastronomie zwischen Start und Playa de Santiago |
| Navigation | GPS-Track offline speichern; PR-LG 16, 16.1 und Camino de Cabras gut markiert, Abzweigungen beachten |
| Akku | Powerbank empfehlenswert; GPS-Nutzung über mehrere Stunden belastet den Handy-Akku |
Transfer-Optionen
Option 1: Man lässt ein Auto am Parkplatz Roque de Agando stehen und parkt ein zweites Fahrzeug in Playa de Santiago. Nach der Wanderung kann man direkt zurück zum Start fahren.
Option 2: Man stellt das eigene Auto in Playa de Santiago ab und nimmt morgens ein Taxi zum Roque de Agando. Die Fahrt dauert etwa 25–30 Minuten, der Fahrpreis liegt als Richtwert bei etwa 35–45 €.
Option 3: Die Anreise mit der Guagua Gomera ist grundsätzlich möglich, aber die Verbindungen im Süden sind nicht immer direkt. Je nach aktuellem Fahrplan können Umstiege, etwa über San Sebastián, erforderlich sein. Wer den Bus nutzen möchte, sollte den aktuellen Fahrplan und die Anschlüsse unbedingt vorab prüfen.

Vergleich: Die drei Camino-de-Cabras-Routen
Drei Wanderungen nutzen den Camino de Cabras als gemeinsamen Kernabschnitt:
| Route | Fakten | Unterschied |
| Abstieg Roque de Agando – Camino de Cabras – Playa de Santiago | 13,0 km, schwer, 389↑/1.408↓ Hm | Startpunkt direkt am Roque de Agando; durch das gesamte Benchijigua-Tal |
| Pajarito → Roque de Agando → Camino de Cabras → Playa de Santiago | 17,0 km, schwer, 447↑/1.763↓ Hm | Längste Variante; beginnt in Pajarito, Roque de Agando als Zwischenstation |
| Pajarito → Playa de Santiago (direkt) – ohne Roque Agando | 14,0 km, schwer, 91↑/1.424↓ Hm | Direkter; ohne Benchijigua-Tal; schneller auf dem Camino |
Für einen ersten Kontakt mit dem Camino de Cabras ist Abstieg Roque de Agando – Camino de Cabras – Playa de Santiago die beste Option.
Tipp: GPS-Track und Routenplaner
Den vollständigen GPS-Track findet man kostenlos auf Sunhikes – La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android – GPS-Track unbedingt offline speichern.
Routenplaner: sunhikes.com/de/planer.
FAQ – Häufige Fragen zum Abstieg vom Roque de Agando über den Camino de Cabras nach Playa de Santiago
Warum heißt der Weg Camino de Cabras?
Kann man die Wanderung bei starkem Wind oder Sturm antreten?
Gibt es auf der gesamten Strecke Schatten oder Schutz vor der Sonne?
Wie komme ich von Playa de Santiago zurück zum Roque de Agando?
Kann man die Route auch umgekehrt gehen?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


