Ruta 10 + 12 – Cañada de Jorge und Risquillo de Corgo: Zwei Kurztouren, ein Aussichtsblick

Auf der Westseite des Nationalparks Garajonay liegen zwei der unbekanntesten offiziellen Routen – und gehören zu den schönsten kurzen Wanderungen der Insel. Die Ruta 10 – Cañada de Jorge (3,1 km, leicht) führt durch den Übergang vom feuchten Nebelwald zu offenem Baumheidewald. Die Ruta 12 – Risquillo de Corgo (1,8 km, leicht) steigt von Raso de la Bruma zu zwei Aussichtspunkten auf – und der Blick auf Vallehermoso und den Roque Cano ist einer der fotogensten Momente im gesamten Nationalpark.

Blick vom Aussichtspunkt Risquillo de Corgo über das Tal von Vallehermoso mit dem Roque Cano
Blick vom Aussichtspunkt Risquillo de Corgo über das Tal von Vallehermoso mit dem Roque Cano

Beide Routen starten am selben Parkplatz – Raso de la Bruma – und lassen sich problemlos an einem halben Vormittag kombinieren. Zusammen ergeben sie eine runde Halbtagestour von rund 5 km mit 313 Höhenmetern. Wer noch mehr möchte, hängt die Ruta 5 – Las Creces an: Das ergibt das sogenannte westliche Dreieck des Nationalparks.

Dieser Artikel erklärt beide Routen einzeln und als Kombination – mit Steckbrief, Wegbeschreibung und dem Besondersten, das der Westteil des Parks zu bieten hat.

Ruta 10 + 12 auf einen Blick

Die Fakten zu beiden Routen – einzeln und als Kombination:

Ruta 10 – Cañada de JorgeRuta 12 – Risquillo de CorgoKombination 10 + 12
Distanz3,1 km1,8 kmca. 5 km
Höhenmeter112 Hm201 Hmca. 313 Hm
Gehzeitca. 1:00 hca. 1:00 hca. 2:00–2:30 h
SchwierigkeitLeichtLeichtLeicht
StartpunktRaso de la BrumaRaso de la BrumaRaso de la Bruma
HighlightNebelwald → Baumheide, Wasserkanal-ResteZwei Aussichtspunkte, Roque Cano-BlickBeides in einer Tour
bequeme Route durch Baumheide-Sträucher am Wanderweg Cañada de Jorge
bequeme Route durch Baumheide-Sträucher am Wanderweg Cañada de Jorge

Wie rum am besten gehen?

Wer Ruta 10 und Ruta 12 miteinander verbindet, startet am besten mit der Ruta 12. Die 201 Höhenmeter stecken auf der kurzen Strecke überwiegend im Aufstieg. Morgens geht man diesen Abschnitt noch mit frischen Beinen an und hat gleichzeitig die besten Chancen auf eine klare Sicht vom Risquillo de Corgo über Vallehermoso und zum Roque Cano. Anschließend eignet sich die flachere Ruta 10 perfekt zum Auslaufen durch den Nebelwald.

Ruta 10 – Cañada de Jorge: Wo der Nebelwald lichter wird

Die Ruta 10 ist ein Rundweg, der den charakteristischen Übergang zwischen zwei Waldformationen des Nationalparks zeigt: vom feuchten Lorbeer-Nebelwald im Kernbereich zu offenem Baumheidewald an den trockeneren Südhängen.

Durch Nebelwald und Baumheide

Ab dem Parkplatz Raso de la Bruma führt die Ruta 10 zunächst durch dichten, feuchten Lorbeerwald. Moose und Flechten bedecken Stämme und Äste, der Boden federt unter dem Laub. Dann öffnet sich der Wald: Die Vegetation wird lichter, Baumheide und Ginster treten an die Stelle des Laurisilva. Dieser Übergang ist der botanische Kern der Route – in wenigen hundert Metern wechselt das Mikroklima spürbar.

Wanderweg 10 durch die Cañada de Jorge.
Wanderweg 10 durch die Cañada de Jorge.

Historische Wasserkanal-Reste

Entlang der Ruta 10 sind Reste alter Wasserkanäle sichtbar – vergleichbar mit denen auf der Ruta 5. Diese acequia-artigen Strukturen leiteten einst das Quellwasser des Nationalparks in die Ortschaften und Felder der Insel. An der Ruta 10 verlaufen sie durch die üppige Vegetation; wer aufmerksam schaut, findet Spuren dieser alten Infrastruktur.

Wurzeldurchzogener Steig im schattigen Lorbeerwald der Cañada de Jorge
Wurzeldurchzogener Steig im schattigen Lorbeerwald der Cañada de Jorge

Ruta 12 – Risquillo de Corgo: Der Aussichtsblick über Vallehermoso

Die Ruta 12 ist kürzer als die Ruta 10, hat aber mehr Höhenmeter – und den spektakuläreren Aussichtspunkt. Von Raso de la Bruma führt sie zu zwei Aussichtspunkten auf dem Höhenrücken des Risquillo de Corgo.

Aufstieg zum ersten Aussichtspunkt

Ab Raso de la Bruma steigt der Weg durch dichten Lorbeerwald an. Holzstufen erleichtern die steilsten Abschnitte. Dann – unvermittelt – öffnet sich der Blick: Der erste Aussichtspunkt bietet eine freie Sicht nach Westen über das Tal von Vallehermoso. In der Mitte des Tals thront der Roque Cano – der markante Vulkanschlot, der wie ein Wächter über das Dorf ragt. Im Hintergrund der Atlantik.

Blick auf den Roque Cano und die zerklüftete Bergwelt La Gomeras bis zum Meereshorizont.
Blick auf den Roque Cano und die zerklüftete Bergwelt La Gomeras bis zum Meereshorizont.

Zweiter Aussichtspunkt und Rückkehr

Ein kurzer Weiterweg führt zum zweiten Aussichtspunkt – von hier aus noch freier, noch weiter. An klaren Tagen sieht man von den Risquillos de Corgo bis zum Teide auf Teneriffa. Der Rückweg erfolgt auf demselben Weg zurück zu Raso de la Bruma – in der Abwanderung sieht der Lorbeerwald noch einmal ganz anders aus als beim Aufstieg.

Blick vom Aussichtspunkt Risquillos de Corgo über ein Wolkenmeer zum fernen Teide auf Teneriffa.
Blick vom Aussichtspunkt Risquillos de Corgo über ein Wolkenmeer zum fernen Teide auf Teneriffa.

Botanik des Westteils: Zwei Waldwelten

Die Ruta 10 und 12 führen durch die botanisch vielfältigste Zone des Nationalparks – den Westteil, wo feuchter Nebelwald und offene Baumheide direkt aneinandergrenzen.

Lorbeerblätriger Schneeball und Gelber Zistrosenwürger

Wer genau hinschaut, entdeckt entlang der Ruta 10 und 12 botanische Besonderheiten: Der Lorbeerblättrige Schneeball (Viburnum tinus) trägt im Frühjahr weiße Blütendolden und im Herbst blauschwarz schimmernde Beeren – ein typischer Unterwuchs des Laurisilva. Der Gelbe Zistrosenwürger (Cytinus hypocistis) ist eine parasitäre Pflanze, die kein Chlorophyll enthält und als leuchtend gelbe Blütengruppe direkt aus dem Boden bricht – eine Kuriosität, die man kaum anderswo zu sehen bekommt.

Tiefblaue Beeren des Lorbeerblättrigen Schneeballs hängen dicht gedrängt zwischen sattgrünen Blättern.
Tiefblaue Beeren des Lorbeerblättrigen Schneeballs hängen dicht gedrängt zwischen sattgrünen Blättern.

Moospolster und Flechten

Auf abgestorbenen Baumstämmen entlang der Route siedeln dichte Moospolster – grün, prall, mit Wassertröpfchen besetzt. Flechten hängen von den Ästen wie grüne Schleier. Beide sind keine Schmarotzer, sondern Pioniere: Sie bauen totes Holz ab und geben dem Boden Nährstoffe zurück. Im Garajonay sind Totholz und Flechten geschützt – man entnimmt hier nichts.

Dicht mit Moosen und Flechten bewachsener Ast im ursprünglichen Lorbeerwald.
Dicht mit Moosen und Flechten bewachsener Ast im ursprünglichen Lorbeerwald.

Anfahrt und Startpunkt

Beide Routen starten am Parkplatz Raso de la Bruma – einem der vier offiziellen Parkplätze des Nationalparks, auf der Westseite des Parks nahe Vallehermoso.

Anreise mit dem Mietwagen

Das Navigationsziel „Raso de la Bruma, La Gomera“ führt direkt zum Parkplatz. Von Vallehermoso fährt man die GM-1 in Richtung Nationalpark und folgt der Beschilderung. Die Forststraße ist eng – normaler Mietwagen reicht aus. Mietwagen gibt es am Hafen in San Sebastián, z. B. bei Cicar.

Parkplatz und Picknickplatz

Der Raso de la Bruma ist mehr als ein Parkplatz: Hier gibt es Picknickbänke und Grillstellen. Ein guter Ausgangspunkt für den Wandertag – und ein angenehmer Rastplatz nach den beiden kurzen Routen.

Rastplatz am Raso de la Bruma im Nationalpark Garajonay
Rastplatz am Raso de la Bruma im Nationalpark Garajonay

Beste Reisezeit

Beide Routen sind ganzjährig begehbar – der Westteil ist etwas nebel- und regenreicher als die Südseite:

JahreszeitCharakterHinweis
Jan – MärKühl, oft Nebel, maximale FeuchtigkeitMoose und Flechten auf dem Höhepunkt
Apr – JunMild, Lorbeerwald grünt frisch aufBeste Zeit; Ausblick Ruta 12 oft wolkenfrei
Jul – SepTrockener, Baumheide in BlüteAngenehm, Nebelwald zeigt sich von Süden
Okt – DezHerbst, Pilze, Beeren am SchneeballRuhig, gute Sicht auf Roque Cano möglich

Für den Blick vom Risquillo de Corgo auf Vallehermoso lohnt sich ein Morgen mit klarem Himmel – wer am frühen Nachmittag kommt, findet oft Passatwolken.

Der Weg zum Risquillo de Corgo führt steil hinab durch dichtes Farngrün.
Der Weg zum Risquillo de Corgo führt steil hinab durch dichtes Farngrün.

Gut zu wissen für den Raso de la Bruma

Der Westen des Nationalparks macht seinem Ruf als besonders feuchter Inselbereich alle Ehre. Passatwolken und Nebel können hier deutlich schneller aufziehen als an den sonnigeren Südhängen.

Ausrüstung

SchuheDurch die Feuchtigkeit können Wurzeln und Steine rutschig sein. Leichte Wanderschuhe mit gutem Profil sind deshalb eine gute Wahl; beide Wege gut befestigt, aber Ruta 12 hat steile Abschnitte
Wasser1 l reicht für beide Routen;
KleidungAuch bei schönem Wetter gehört eine winddichte Fleece- oder leichte Regenjacke ins Gepäck.
RegenschutzLeichter Poncho; Westteil des Nationalpark oft nebliger als die Südseite
KameraPflicht – Roque Cano-Blick von Ruta 12 ist fotografisch außergewöhnlich
NavigationGPS-Tracks auf Sunhikes für beide Routen; Beschilderung gut
Ein von knorrigem Holzgeländer gesäumter Steig führt zum Aussichtspunkt Risquillos de Corgo.
Ein von knorrigem Holzgeländer gesäumter Steig führt zum Aussichtspunkt Risquillos de Corgo.

Das westliche Dreieck: Ruta 10 + 12 + 5

Die schönste Art, den Westteil des Nationalparks zu erleben, ist die Kombination aller drei Routen – Ruta 10 + Ruta 12 + Ruta 5 – zu einem großen Dreieck.

9,5 km, 431 Hm, moderat

Zusammen ergeben die drei Routen eine Rundwanderung von 9,5 km mit 431 Höhenmetern – moderat, abwechslungsreich und inhaltlich dicht. Man beginnt mit der Ruta 10 durch den Nebelwald, wechselt zur Ruta 12 mit dem Aussichtsblick auf den Roque Cano und verbindet beide Bereiche über den GR 131 mit der Ruta 5 – Las Creces. Dort warten der Rastplatz Las Creces und – besonders im Frühjahr – die blühenden Kanarischen Geranien. Für einen Wandertag mit abwechslungsreicher Landschaft und kurzen, gut kombinierbaren Etappen ist diese Runde eine schöne Möglichkeit, den Westteil des Nationalparks kennenzulernen.

Liegende Baumstämme säumen den Weg der Ruta 12 im verwunschenen Lorbeerwald.
Liegende Baumstämme säumen den Weg der Ruta 12 im verwunschenen Lorbeerwald.

Zeitplanung für das Dreieck

Für 9,5 km und 431 Hm plant man 3–4 Stunden reine Gehzeit ein, plus Pausen. Frühstart (vor 8:30 Uhr) ab Raso de la Bruma empfohlen, damit der Blick vom Risquillo de Corgo noch wolkenfrei ist.

Praktische Tipps

Der Parkplatz Raso de la Bruma ist einer der weniger besuchten Nationalpark-Parkplätze – hier hat man meist Platz, auch an Wochenenden. Picknickbänke und Grillstellen machen ihn zu einem idealen Ausgangspunkt für einen ganzen Wandertag.

Die Ruta 12 ist kurz, aber die 201 Höhenmeter stecken überwiegend im Aufstieg. Für die kurze Strecke sollte man daher ein wenig Kondition mitbringen. Wer beide Routen kombiniert, nimmt die Ruta 12 am besten zuerst und lässt die flachere Ruta 10 anschließend zum entspannten Ausklang folgen.

Der Blick vom Risquillo de Corgo ist an klaren Morgen am besten. Am Nachmittag ziehen oft Passatwolken über das Tal von Vallehermoso und verdecken den Roque Cano.

Eigenes Wasser mitbringen. Wer beide Routen oder das westliche Dreieck wandert, sollte deshalb ausreichend Wasser bereits am Start dabeihaben.

Notruf: 112.

Hinweis: Nationalpark Garajonay

Ruta 10 und Ruta 12 verlaufen vollständig im Parque Nacional de Garajonay, seit 1981 Nationalpark und seit 1986 UNESCO-Weltnaturerbe. Die Gesamtfläche beträgt 3.984 Hektar; der höchste Punkt ist der Alto de Garajonay mit 1.487 m. Über 85 % des Parks sind mit Laurisilva-Lorbeerwald bedeckt.

Innerhalb des Nationalparks gilt: kein Feuer entzünden, Hunde nur an der Leine, keine Pflanzen oder Steine entnehmen, ausschließlich markierte Wege begehen, Abfall mitnehmen.

Besucherzentren und Anlaufstellen: An der La Laguna Grande befindet sich ein zentraler Erholungsbereich mit Restaurant und Informationsangeboten. Das Besucherzentrum Juego de Bolas bei Agulo vermittelt dagegen vor allem die Natur, Kultur und traditionelle Lebensweise La Gomeras. Telefonische Auskünfte erhält man unter +34 922 478 402.

Schmaler Wanderpfad entlang einer moosbewachsenen Felswand im Wald.
Schmaler Wanderpfad entlang einer moosbewachsenen Felswand im Wald.

Tipp: GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track zur Ruta 10 und 12 – Cañada de Jorge und Risquillo de Corgo findet man kostenlos auf Sunhikes – Wanderungen auf La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android – am besten offline speichern.

Wer mehrere Touren kombinieren oder die Anfahrt planen möchte: kostenloser Sunhikes-Routenplaner.

Häufige Fragen zu Ruta 10 und Ruta 12

Kann man beide Routen an einem Tag machen?

Ja – und das ist die empfohlene Art. Beide Routen starten am selben Parkplatz, dauern zusammen ca. 2–2,5 Stunden und liegen thematisch gut nebeneinander: Ruta 10 für den Waldcharakter, Ruta 12 für den Aussichtsblick.

Was ist besonders an der Ruta 12?

Die Ruta 12 bietet zwei der schönsten Aussichtspunkte auf die Westseite La Gomeras. Der Blick auf Vallehermoso und den Roque Cano – den markanten Vulkanschlot, der das Tal dominiert – ist einzigartig. Bei klarem Wetter reicht der Blick bis zum Teide auf Teneriffa.

Was ist der Roque Cano?

Der Roque Cano ist ein markanter, freistehender Vulkanschlot, der weithin sichtbar über dem Tal von Vallehermoso thront. Er gehört zu den auffälligsten Felsformationen im Westen La Gomeras und ist ein Wahrzeichen der Region. Der Fels selbst lässt sich nicht auf einem normalen Wanderweg besteigen – man bewundert ihn am besten aus der Distanz, etwa von den Aussichtspunkten des Risquillo de Corgo.

Was ist das westliche Dreieck?

Das westliche Dreieck bezeichnet die Kombination Ruta 10 + Ruta 12 + Ruta 5 zu einem Rundweg von 9,5 km und 431 Höhenmetern. Es ist die vollständigste Art, den Westteil des Nationalparks in einem Tag zu erleben: Nebelwald, Aussichtspunkte, Lorbeerwald mit Geranien und Rastplatz Las Creces.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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