Ruta 2 – Ermita de Lourdes: Der schönste Rastplatz im Garajonay

Mitten im Nationalpark Garajonay liegt eine der schönsten Kurzwanderungen der ganzen Insel. Die Ruta 2 – Ermita de Lourdes führt in nur 1,7 Kilometern durch dichten Lorbeerwald zu einer kleinen weißen Kapelle, die in den 1930er-Jahren durch die Initiative einer Britin inmitten des Lorbeerwalds entstand. Klingt nach einer Geschichte – und ist auch eine.

Lorbeerwald entlang des Wanderwegs zur Ermita de Lourdes
märchenhafter Lorbeerwald im Nationalpark Garajonay entlang des Wanderwegs zur Ermita de Lourdes

Wer nach La Gomera kommt und denkt, Wandern bedeute immer Stunden-Touren mit schweißtreibenden Anstiegen, liegt hier falsch. Die Ruta 2 ist mit 74 Höhenmetern und einer Gehzeit von knapp 45 Minuten auch für Familien, Genusswanderer und alle geeignet, die den Lorbeerwald ohne Konditionstest erleben wollen. Am Ziel wartet ein Rastplatz, ein Bachlauf und ein Baum, der Wasser spendet.

Dieser Artikel liefert alle Fakten zur Route: Steckbrief, Anfahrt, Wegbeschreibung, Geheimtipps – und einen Blick in die Geschichte der kleinen Ermita de Lourdes, die kaum jemand kennt.

Ruta 2 auf einen Blick

Kurz, grün und unvergesslich – alle wichtigen Daten zur Wanderung:

Streckenlänge1,7 km (Hin- und Rückweg)
Höhenmeter74 Hm
Gehzeitca. 45 Minuten
SchwierigkeitLeicht
CharakterKurze Wanderung auf Waldwegen und naturbelassenen Pfaden durch feuchten Lorbeerwald
StartpunktParkplatz an der CV-22 bei Reventón Oscuro (ca. 1,5 km von der Abzweigung)
EndpunktErmita de Lourdes (Rückweg auf gleichem Weg)
Höchster PunktStartpunkt (ca. 1.000 m)
Tiefster PunktRastplatz Ermita de Lourdes
MarkierungRuta 2 (offizielle Nationalpark-Route, gut ausgeschildert)
Offizielle RouteNationalpark Garajonay, Ruta 2
Geeignet fürFamilien, Einsteiger, Genusswanderer

Die Route im Nationalpark Garajonay

Die Ruta 2 ist eine kurze und unkomplizierte Wanderung, bei der man vom Parkplatz aus zur Ermita de Lourdes geht und auf demselben Weg wieder zurück. Die Route ist gut ausgeschildert und auch für Wanderer ohne große Erfahrung geeignet. Nach Regen kann der Untergrund im feuchten Lorbeerwald allerdings rutschig sein.

Wanderweg durch dichten Lorbeerwald zur Kapelle Ermita Lourdes, Garajonay-Nationalpark, La Gomera.
Wanderweg durch dichten Lorbeerwald zur Kapelle Ermita Lourdes, Garajonay-Nationalpark, La Gomera.

Vom Parkplatz in den Lorbeerwald

Vom Parkplatz aus folgt man zunächst etwa 100 Meter der Piste in Richtung Las Mimbreras, dann taucht der Wanderweg ins Unterholz ein. Es geht bergab – sanft, aber spürbar. Auf dem Rückweg wartet derselbe Abschnitt als leichter Anstieg wieder. Der Lorbeerwald schließt sich sofort: bemooste Äste, feuchte Luft und das Rauschen des Baches irgendwo unterhalb. Nach wenigen Minuten erreicht man die CV-22, überquert sie und folgt der Beschilderung „Ruta 2“ weiter in die Tiefe.

Entlang der CV-22 zur Kapelle

Nun führt der Weg tief in den dichten Lorbeerwald, die sogenannte Laurisilva. Hier ist die Vegetation besonders üppig. Hohe Bäume schließen sich über dem Weg zu einem dichten Kronendach zusammen, während Farne, Moose und Flechten von der außergewöhnlichen Feuchtigkeit dieses Waldes profitieren. Lorbeer, Til, Viñátigo, Acebiño und andere für die Laurisilva typische Baumarten prägen diesen besonders feuchten Abschnitt des Nationalparks. Es ist gerade die Kombination aus Schatten, Nebel und hoher Luftfeuchtigkeit, die dem Wald seine urwaldartige Atmosphäre verleiht.

verschlungene Bäume im Nationalpark Garajonay
verschlungene Bäume im Nationalpark Garajonay

Rastplatz und lebender Baum

Das Ziel überrascht: Ein gepflegter Rastplatz mit Picknickbänken liegt neben einem kleinen Bach – dem Barranco El Cedro. Daneben befindet sich der sogenannte „lebende Baum“, eines der ungewöhnlichsten Details am Rastplatz. In unmittelbarer Nähe der alten Bäume befindet sich eine Wasserstelle, die den Ort seit Langem zu einem beliebten Rastpunkt im Barranco del Cedro macht. Eine Holzbrücke führt über den Bach. Wer möchte, kann hier eine Weile sitzen, bevor es auf demselben Weg zurück zum Parkplatz geht.

der lebendige Baum im Barranco del Cedro
der lebendige Baum im Barranco del Cedro

Die Ermita de Lourdes – eine Kapelle mit Geschichte

Die kleine weiße Ermita de Nuestra Señora de Lourdes steht so tief im Nationalpark, dass die meisten Besucher gar nicht wissen, dass sie existiert. Dabei hat sie eine ungewöhnliche Entstehungsgeschichte.

die Kapelle Ermita de Nuestra Señora de Lourdes
die kleine Kapelle Ermita de Nuestra Señora de Lourdes liegt am Ziel der Wanderung

Eine britische Frau und die Geschichte der Kapelle

Die Geschichte der Ermita de Nuestra Señora de Lourdes ist eng mit der von Florence Stephen Parry verbunden. Die Britin lebte auf La Gomera, wo sie als Gouvernante für die Familie des italienischen Unternehmers Mario Novaro Parodi arbeitete. Begeistert von der außergewöhnlichen Landschaft des Cedro-Waldes, hatte sie die Idee, an diesem abgelegenen Ort eine kleine Kapelle zu Ehren der Jungfrau von Lourdes zu errichten.

Im August 1935 wurde die Ermita eingeweiht. Bis heute wirkt die kleine weiße Kapelle inmitten des dunklen und feuchten Lorbeerwaldes fast unwirklich. Gerade dieser Kontrast macht sie zu einem der ungewöhnlichsten Ziele im Nationalpark Garajonay.

Flora und Fauna am Wegesrand

Wenn man leise unterwegs ist, kann man entlang der Ruta 2 den typischen Bewohnern des Lorbeerwaldes begegnen. Besonders häufig sind kleinere Singvögel zu beobachten. Die feuchte und dichte Vegetation bildet auch für die charakteristischen Vogelarten der Laurisilva einen wichtigen Lebensraum.

Am Rastplatz sind vor allem Buchfinken zu sehen. Mit etwas Glück entdeckt man im Wald auch die typischen Lorbeertauben oder hört die Kanarische Amsel zwischen den Bäumen.

am Rastplatz picken Buchfinken gerne Brotkrumen
am Rastplatz picken Buchfinken gerne Brotkrumen

Anfahrt und Startpunkt

Der Startpunkt der Ruta 2 liegt an der Forststraße CV-22 zwischen Reventón Oscuro und El Cedro. Nach etwa 1,5 Kilometern zweigt der Wanderweg ab; ein kleiner Parkplatz markiert den Einstieg. Mit dem Mietwagen ist die Anfahrt am unkompliziertesten. Eine direkte Busverbindung bis zum Startpunkt gibt es nicht; die nächste Bushaltestelle liegt mehrere Kilometer entfernt.

Beste Reisezeit für die Ruta 2

Die Ruta 2 ist eine Ganzjahres-Route – aber je nach Saison erlebt man sie anders:

JahreszeitCharakterHinweis
Jan – MärKühl, oft neblig, maximale FeuchtigkeitWasserperlen im Moos, magische Stimmung
Apr – JunMild, grün, WaldblütenBeste Kombination aus Licht und Wärme
Jul – SepWärmer, weniger Nebel, gelegentlich CalimaFrüh starten, es kann sommerlich warm werden
Okt – DezHerbststimmung, feuchter werdendPilze und Moose in voller Pracht

Wer den Lorbeerwald in seiner ursprünglichsten Form erleben möchte, besucht ihn bei leichtem Nebel. Die feuchte Luft verwandelt den Wald in eine andere Welt – und für diese Wirkung ist die Ruta 2 ideal kurz genug, um sie jederzeit einzuschieben.

der Rastplatz liegt am Ziel der Wanderung über die Ruta 2
der Rastplatz neben der Ermita liegt am Ziel der Wanderung über die Ruta 2

Ausrüstung

SchuheLeichte Wanderschuhe mit Profil; der Weg ist befestigt aber kann feucht-rutschig sein
WasserMindestens 0,5–1 l mitnehmen; unterwegs keine verlässliche Trinkwasserversorgung
KleidungFleecejacke oder leichte Regenjacke – im Lorbeerwald ist es ganzjährig kühl und feucht
RegenschutzKompakter Regenponcho empfehlenswert; Nebel kann jederzeit aufziehen
RucksackKleiner Tagesrucksack reicht; Picknick für den Rastplatz lohnt sich
NavigationGPS-Track auf Sunhikes vorhanden; Beschilderung ist gut, trotzdem empfehlenswert
SonstigesInsektenschutz unnötig; Handyempfang im Tal eingeschränkt

Tipp: Im Lorbeerwald immer eine Jacke dabeihaben

Auch wenn es an der Küste von La Gomera sommerlich warm ist, kann es im Lorbeerwald des Garajonay durch Schatten, Feuchtigkeit und Passatwolken deutlich kühler sein. Deshalb sollte man auch bei schönem Wetter eine leichte Fleece- oder Regenjacke im Gepäck haben.

Wandern in der Region: Kombinationen

Die Ruta 2 lässt sich hervorragend mit anderen Routen im Nationalpark kombinieren – entweder als Abschluss einer längeren Tour oder als eigenständiger Ausflug mit Verlängerungsoption:

KombinationRouteCharakter
Klassische ErweiterungRuta 8 – Reventón OscuroHalbtagestour durch Barranco del Cedro, moderat
Mit SchluchtenblickRuta 9 – Contadero bis El CedroAbstieg in die Schlucht, Ausblicke auf Hermigua
Großer Nationalpark-RundwegRuta 18 – Pajarito–Barranco del CedroAnspruchsvoll, 15 km, Gipfel Alto de Garajonay
Zur StreusiedlungPR LG 3 – El Cedro OrtskernLeicht, historische Siedlung im Lorbeerwald
der Bach El Cedro neben dem Rastplatz an der Ermita  de Lourdes
der Bach El Cedro neben dem Rastplatz an der Ermita de Nuestra Señora de Lourdes

Tipp: GPS-Track und Routenplaner

Den vollständigen GPS-Track findet man kostenlos auf Sunhikes – La Gomera. Kompatibel mit Garmin und allen gängigen Wander-Apps für iPhone und Android.

Routenplaner: sunhikes.com/de/planer.

Praktische Tipps

Der Parkplatz an der CV-22 fasst nur wenige Fahrzeuge. Wer am Wochenende oder in der Hochsaison (März bis Mai) anreist, sollte früh starten – am besten bis 9 Uhr morgens. Die Route ist dann noch ruhig und der Lorbeerwald im Morgennebel am stimmungsvollsten.

Am Rastplatz bei der Ermita de Lourdes gibt es Picknickbänke, aber keine Gastronomie. Ein mitgebrachtes Frühstück oder eine kleine Brotzeit lohnt sich – die Buchfinken werden es zu schätzen wissen (und dennoch lieber die Krümel picken als selbst teilen).

Das Wasser aus dem lebenden Baum ist Quellwasser und nicht für den menschlichen Konsum freigegeben – man trinkt hier also lieber aus der mitgebrachten Flasche.

Handyempfang im Barranco ist schwach bis nicht vorhanden. Im Notfall gilt die Nummer 112 – der Nationalparkranger-Stützpunkt La Laguna Grande ist in wenigen Autominuten erreichbar.

Hinweis: Nationalpark Garajonay

Die Route verläuft vollständig durch den Parque Nacional de Garajonay. Der Nationalpark ist seit 1981 geschützt und wurde 1986 zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt. Auf einer Fläche von rund 3.984 Hektar schützt der Park eine der bedeutendsten Laurisilva-Landschaften der Kanaren. Der höchste Punkt ist der 1.487 m hohe Alto de Garajonay. Mehr als 85 % der Parkfläche sind von Lorbeerwald geprägt.
Im Nationalpark gilt es, folgende Regeln zu beachten: kein Feuer entzünden, ausschließlich markierte Wege benutzen, keine Pflanzen entnehmen und Abfall wieder mitnehmen.

Infostation La Laguna Grande: täglich 08:30–16:30 Uhr, Tel. +34 922 477 222
Besucherzentrum Juego de Bolas: täglich 09:30–16:30 Uhr.

Häufige Fragen zur Ruta 2 – Ermita de Lourdes

Wie schwer ist die Ruta 2?

Die Ruta 2 ist eine der leichtesten offiziellen Routen im Nationalpark Garajonay. Mit 1,7 km und 74 Höhenmetern ist sie auch für Kinder, ältere Wanderer und Personen ohne Wandererfahrung geeignet. Der Weg ist gut befestigt und durchgehend ausgeschildert.

Kann man die Route mit Kindern machen?

Ja, absolut. Die Ruta 2 eignet sich ideal für Familien mit Kindern. Die kurze Distanz, der flache Weg und der spannende Rastplatz mit dem lebenden Baum und dem Bach machen die Tour zu einem echten Erlebnis für den Nachwuchs. Kinderwagen sind aufgrund des befestigten, aber naturbelassenen Wegs nicht empfehlenswert – festes Schuhwerk für Kinder ist Pflicht.

Gibt es Parkmöglichkeiten am Startpunkt?

Am Abzweig von der CV-22 gibt es einen kleinen, unbefestigten Parkplatz für einige Fahrzeuge. Bei hohem Besucheraufkommen – besonders an Wochenenden im Frühling – kann er voll sein. In diesem Fall parkt man auf der Piste und läuft die 100 Meter zum Wegbeginn zu Fuß.

Ist die Route ganzjährig begehbar?

Grundsätzlich ja. Die kurze Wanderung kann zu jeder Jahreszeit ihren Reiz haben: Im Winter und Frühjahr ist der Lorbeerwald besonders feucht, grün und nebelreich, während die Sommermonate oft trockener und heller sind. Nach Starkregen, bei Unwettern oder aufgrund von Schutzmaßnahmen können einzelne Wege jedoch kurzfristig gesperrt werden. Vor der Anfahrt sollte man deshalb den aktuellen Status des Nationalparks prüfen.

Was ist der lebende Baum?

Der sogenannte „lebende Baum“ ist eines der bekanntesten Details am Rastplatz der Ermita de Lourdes. Die Bezeichnung bezieht sich auf die besondere Verbindung von Wald und Wasser an diesem außergewöhnlich feuchten Ort im Barranco del Cedro. In der unmittelbaren Umgebung befindet sich auch eine Wasserstelle, die man nur entsprechend der aktuellen Beschilderung nutzen sollte. Gerade für Kinder ist der Ort ein schönes Ziel, weil hier auf engem Raum Bach, alte Bäume, Lorbeerwald und die kleine Kapelle zusammenkommen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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