Chorros de Epina: Die magischen Quellen am Rand des Nationalparks

Es gibt Orte auf La Gomera, die nicht wegen ihrer Architektur oder ihrer Geschichte bekannt sind, sondern wegen einer Eigenschaft, die sich schwer in Worte fassen lässt. Chorros de Epina ist einer davon. Bergquellen, eine kleine Kapelle, alte Steintreppen, Flechten an Baumrinden, das Rauschen von Wasser. Und eine Legende, die seit Generationen weitererzählt wird: Das Wasser dieser Quellen soll Heilkraft besitzen.

Chorros de Epina, Heilwasser-Bergquelle am Rand des Nationalparks Garajonay auf La Gomera.
Chorros de Epina, Heilwasser-Bergquelle am Rand des Nationalparks Garajonay auf La Gomera.

Ob das stimmt, muss jeder selbst entscheiden. Was stimmt: Die Chorros de Epina liegen an einer der ruhigsten Stellen La Gomeras, am Rand des Nationalparks Garajonay, auf dem Weg zwischen Vallehermoso und Alojera – einem Streckenabschnitt des GR-132, den die meisten Wanderer als einen der schönsten der Insel bezeichnen.

Die Quellen auf einen Blick

LageGM-1 zwischen Vallehermoso und Alojera; ca. 8 km von Vallehermoso
HöheCa. 800 m
CharakterBergquellen am Nationalpark-Rand; Picknickplätze, Ermita, Restaurant, Flechtenvegetation
LegendeHeilwasser-Wirkung; seit Generationen überliefert
WanderanbindungGR-132 (Vallehermoso → Alojera, 11,3 km, moderat) führt direkt vorbei
FesteSommer-Fiesta in Epina; Ermita San Isidro Labrador; lokales Fest
InfrastrukturRestaurant Los Chorros de Epina; Picknickplätze; Parkplatz; Toiletten

Die Legende der 7 Röhren

An den Chorros de Epina entspringt das Wasser aus sieben hölzernen Röhren – und genau diese sieben Quellen haben auf La Gomera eine eigene, bis heute lebendige Liebeslegende. Ein altes Sprichwort sagt: „Si bebes de los siete caños, te casas antes de un año“ – wer aus den sieben Röhren trinkt, heiratet noch vor Ablauf eines Jahres.

Nach der Überlieferung trinken Frauen und Männer dabei aus unterschiedlichen Röhren. Je nach Erzählung werden die Röhren von links nach rechts oder nach ihrer geraden und ungeraden Nummer zugeordnet. Eine der sieben Röhren soll sogar den Hexen vorbehalten sein.

Auch die berühmte Liebesgeschichte von Gara und Jonay wird mit den Chorros de Epina verbunden. Gara soll hier vor dem Fest von Beñesmer in das Wasser geblickt haben. Statt einer glücklichen Zukunft sah sie unheilvolle, feurige Zeichen – eine Vorahnung der tragischen Geschichte, die sie mit Jonay verbinden sollte.

Wer heute an den sieben Röhren steht, kann die alte Tradition selbst ausprobieren. Ob die Quelle tatsächlich Liebesglück bringt, bleibt natürlich der Legende überlassen.

Die Ermita de San Isidro Labrador

Direkt an den Quellen steht die Ermita de San Isidro Labrador – eine kleine Bergkapelle, die dem Schutzpatron der Bauern gewidmet ist. San Isidro Labrador ist auf den Kanaren ein wichtiger Heiliger der ländlichen Bevölkerung; ihm werden Regen, gute Ernten und der Schutz der Felder zugesprochen.

Ermita de San Isidro Labrador, kleine Bergkapelle auf La Gomera, dem Schutzpatron der Bauern geweiht.
Ermita de San Isidro Labrador, kleine Bergkapelle auf La Gomera, dem Schutzpatron der Bauern geweiht.

Die Ermita ist schlicht – weißgetünchte Fassade, kleines Vordach, eine Holztür. Sie wird für das Sommerfest genutzt, das jährlich in Epina gefeiert wird und Bewohner aus Vallehermoso und den umliegenden Gemeinden anzieht. Ein echtes Dorffest, kein Touristenfest.

Die alte Steintreppe, die zur Quelle und Ermita führt, ist selbst sehenswert: handgeschlagen, aus dem Basaltgestein des Untergrunds, mit Moos und Flechten überzogen. Sie ist ein kleines Stück erhaltener Wegebaukunst aus der Zeit, als alle Wege auf der Insel so aussahen.

Flechten: Das stille Zeichen sauberer Luft

Wer an den Bäumen nahe der Quellen nach oben schaut, sieht die Flechten – grau-grün, teils hängend, teils als Rindenbewuchs. Sie sind das stille Qualitätsmerkmal: Flechten sind extrem empfindlich gegenüber Luftverschmutzung und wachsen nur dort, wo die Luft außergewöhnlich rein ist.

Flechten bei der Quelle Chorros de Epina auf La Gomera
Flechten bei der Quelle Chorros de Epina auf La Gomera

An den Chorros de Epina wachsen sie besonders üppig, weil die Kombination aus Feuchtigkeit, sauberer Bergluft und geschützter Lage am Nationalpark-Rand ideale Bedingungen schafft. Bartflechten der Gattung Usnea – dieselben, die im Lorbeerwald des Garajonay die Äste verhängen – sind auch hier zu finden. Ein Hinweis, wie nah der Nationalpark wirklich ist.

Das Restaurant Los Chorros de Epina

Direkt bei den Quellen liegt das Restaurante Chorros de Epina, das bereits seit 1975 besteht und traditionelle Küche La Gomeras serviert. Zu den Spezialitäten gehört Potaje de Berros, der typische Brunnenkresse-Eintopf der Insel. Zum Abschluss passt Leche asada mit Miel de Palma – gebackene Milch mit Palmhonig.

Restaurant Los Chorros de Epina auf La Gomera, gelegen nahe der gleichnamigen Bergquelle.
Restaurant Los Chorros de Epina auf La Gomera, gelegen nahe der gleichnamigen Bergquelle.

Das Restaurant ist vor allem bei Wanderern auf dem GR-132 (Vallehermoso → Alojera) ein geschätzter Rastplatz – genau auf halber Strecke, mit Toiletten, Wasser und einem Café. Öffnungszeiten variieren; in der Hauptsaison täglich geöffnet, außerhalb mit Einschränkungen.

Wandern über die Chorros de Epina

Die Chorros de Epina sind in zwei Wanderkontexte eingebettet:

  • GR-132 Vallehermoso → Alojera (11,3 km, moderat, 663 Hm bergauf / 867 Hm bergab): Der GR-132 führt direkt an den Chorros de Epina vorbei, nach ca. 5 km ab Vallehermoso. Sie sind die natürliche Raststation auf dieser Strecke: Wasser, Restaurant, Schatten, Kapelle.
  • Tagesausflug ab Vallehermoso: Wer nur die Chorros sehen will, ohne die volle GR-132-Strecke zu laufen, fährt mit dem Mietwagen auf der GM-1 bis zur Abzweigung Epina (gut ausgeschildert) und läuft die letzten 200 m zu Fuß. Parkplatz vorhanden.
Wanderung auf dem GR-132 von Vallehermoso nach Alojera auf La Gomera, anspruchsvoller Fernwanderweg.
Wanderung auf dem GR-132 von Vallehermoso nach Alojera auf La Gomera, anspruchsvoller Fernwanderweg.

Anreise

Von Vallehermoso: GM-1 Richtung Alojera, ca. 8 km. Die Abzweigung zu den Chorros de Epina ist ausgeschildert. Parkplatz direkt an der Quelle. Von San Sebastián ca. 45 Minuten. Kein regulärer Bus (nur Taxi oder Mietwagen).

FAQ: Chorros de Epina – Wasser, Liebe und alte Legenden

Kann man das Wasser der Chorros de Epina trinken?

Das Wasser der Quelle ist unbehandelt. Wer es probieren möchte, sollte deshalb die aktuelle Wasserqualität und Hinweise vor Ort beachten. Wer auf Nummer sicher gehen und trotzdem das Liebesglück der alten Legende herausfordern möchte, kann einen kleinen symbolischen Schluck nehmen oder sich lediglich das Gesicht mit dem Wasser waschen.

Wann ist das Sommerfest?

Das Fest der Ermita de San Isidro Labrador findet üblicherweise im Sommer statt (Mai/Juni, je nach Gemeindebeschluss). Genaue Termine über das Cabildo Insular de La Gomera oder direkt in Vallehermoso erfragen.

Ist die Strecke GR-132 auch für Anfänger geeignet?

Die gesamte Strecke Vallehermoso → Alojera ist als moderat klassifiziert – mit 663 Hm bergauf und 867 Hm bergab aber nicht trivial. Der Abschnitt bis zu den Chorros de Epina (ca. 5 km) ist einfacher und für gut gehende Wanderer ohne Profi-Erfahrung machbar.

Wie trinkt man richtig aus den 7 Quellen?

Die Legende besagt, dass die sieben Röhren (Chorros) unterschiedliche Wirkungen haben und für Männer und Frauen nach einer bestimmten Reihenfolge getrunken werden müssen. Wer das Liebesglück herausfordern will (oder den berühmten Spruch „Wer aus allen sieben trinkt, heiratet innerhalb eines Jahres“ testen möchte), trinkt sich von einer Seite zur anderen durch. Die letzte Röhre (am Rand) sollte man laut altem Volksglauben allerdings meiden – sie gilt traditionell als die Röhre der Hexen (brujas).

Kann man direkt an den Chorros de Epina parken?

Ja, direkt oberhalb bzw. an der Straße (GM-1) nahe dem Restaurant gibt es Parkmöglichkeiten. Von dort führt ein kurzer, stimmungsvoller Fußweg über steinerne, moosbewachsene Treppen hinab in die Schlucht zu den Quellen und der Kapelle. Da der Platz begrenzt ist, sollte man zu Stoßzeiten oder bei Wandergruppen etwas Geduld mitbringen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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