Arguamul: Das abgelegenste Dorf La Gomeras

Auf La Gomera gibt es Orte, die schwer zu erreichen sind. Und dann gibt es Arguamul – das abgelegenste Dorf der Insel, das von der einzigen asphaltierten Zufahrtsstraße aus wie ein Bild auf einer Steilwand hängt. Die Straße ist eng, kurvenreich und endet in einem Weiler, der kaum mehr als zwei Dutzend Häuser hat.

Blick auf die Siedlung Guillama mit den Roques de la Baja de los Roques, die aus dem tiefblauen Atlantik ragen.
Blick von Arguamul auf die Siedlung Guillama mit den Roques de la Baja de los Roques, die aus dem tiefblauen Atlantik ragen.

Was Arguamul bietet, ist nicht für alle: keine Bar, kein Laden, keine Touristeninfrastruktur. Aber eine Küstenwanderung, die zu den eindrücklichsten La Gomeras gehört. Felswände, die senkrecht ins Meer fallen. Einsame Felsenstrände, an denen Baden lebensgefährlich ist – und die man trotzdem nicht vergisst. Und aus der Ferne: der erste Blick auf die Los Órganos-Basaltfelsen – das Wahrzeichen der Nordwestküste, das man sonst nur per Boot sieht.

Arguamul und Guillama: Zwei Weiler, eine Welt

Arguamul und der Nachbarweiler Guillama liegen wenige Hundert Meter voneinander entfernt auf dem schmalen Küstenkamm oberhalb des Atlantiks. Guillama ist der Ausgangspunkt der Küstenwanderung zur Baja de Los Roques; Arguamul ist der höher gelegene Hauptort mit der Ermita de Santa Clara.

ArguamulHauptort; Ermita de Santa Clara; ca. 2 Dutzend Häuser; Ende der Asphaltstraße
GuillamaWeiler; Capilla de Santa Clara (Wanderstart); aktive Landwirtschaft; Aussicht auf Los Órganos
LageNordwestküste; Gemeinde Vallehermoso; ca. 183–300 m Höhe
ZufahrtCV-16 ab Tazo/Vallehermoso; Richtung Arguamul; kurvenreich und eng
BesonderheitenAbgelegenster Ort La Gomeras; Küstenwanderung; Los-Órganos-Blick; Playa del Remo
Guillama vor tiefblauem Atlantik, La Gomera.
Guillama vor tiefblauem Atlantik, La Gomera.

Capilla de Santa Clara

Die Capilla de Santa Clara in Guillama ist nicht nur Ausgangspunkt der Küstenwanderung, sondern auch ein wunderbarer Ort, um kurz innezuhalten. Einsam gelegen, mit Blick über die Schluchten und den Atlantik, markiert die kleine Kapelle den Übergang von der bewohnten Welt in die unwegsame Küstenlandschaft. Wer von hier zur Baja de Los Roques aufbricht, sollte den Moment genießen – bevor der Weg steiler und die Landschaft rauer wird.

Capilla de Santa Clara in Guillma auf La Gomera, kleine Dorfkapelle.
Capilla de Santa Clara in Guillma auf La Gomera, kleine Dorfkapelle.

Die Geschichte: Tomaten, Salinen und die Isolation

Arguamul und Guillama haben eine Wirtschaftsgeschichte, die die Isolation erklärt: Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden hier Tomaten angebaut und über kleine natürliche Salzstellen an der Küste – Felstümpel, in denen Meerwasser verdunstete und Salz zurückblieb – für den lokalen Bedarf gewonnen. Boote ankerten vor der Küste; Kisten und Erntegüter wurden per Seilzug und Handarbeit über die Klippen gebracht.

Als der Straßenbau die Küstenorte im Süden und Westen La Gomeras besser erschloss, verlor Arguamul seine Wirtschaftsgrundlage. Die jüngere Bevölkerung wanderte aus; der Ort schrumpfte auf seinen heutigen Kernbestand. Was blieb: die Felswände, die Aussicht, die Ermita und die Küstenwanderung.

Los Órganos: Der erste Blick vom Land

Die Los Órganos – eine Basaltsäulen-Felswand an der Nordwestküste, deren senkrechte Säulen an Orgelpfeifen erinnern – sind normalerweise nur per Boot erreichbar. Von Arguamul und Guillama aus aber, und auf dem Wanderweg zur Baja de Los Roques, hat man den einzigen Landblick auf die Los Órganos – von der Seite, aus der Distanz, aber klar erkennbar.

Wer die Los Órganos kennt und von hier aus sieht, versteht die Dimension dieser Felsformation: Sie ragt aus dem Meer auf wie eine riesige Orgel, deren Pfeifen bis zu 80 m hoch sind. Von der Küstenwanderung aus sieht man, wie die Säulen ins Meer fallen – ein Anblick, der auf keiner Bootstour ersetzt werden kann.

Ausblick über den Strand Playa de Arguamul in Richtung der Los Órganos
Ausblick über den Strand Playa de Arguamul in Richtung der Los Órganos

Die Küstenwanderung: Guillama – Baja de Los Roques

Die Wanderung ab der Capilla de Santa Clara in Guillama gehört zu den eindrücklichsten – und gefährlichsten – auf La Gomera. Die wichtigsten Fakten:

StartCapilla de Santa Clara, Guillama (183 m)
ZielBaja de Los Roques (Felsstrand)
DistanzCa. 2,5 km
HöhenmeterCa. 210 m (bergab)
Dauer1:45–2:15 h
SchwierigkeitMittel bis schwer
AnfahrtCV-16 → Richtung Tazo/Arguamul → Abzweigung nach Arguamul → Guillama

Die Routenbeschreibung

Ab der Capilla de Santa Clara geht es durch den Weiler Guillama bergab, vorbei an restaurierten Steinhäusern und dem kleinen Wasserbecken am Ortsende. Dann: Schluchtblick nach rechts – tief eingeschnittene Erosionsschlucht, senkrechte Basaltwände. Weiter auf dem Bergrücken, der sich Richtung Meer verengt.

Nach dem Bergrücken: Abstieg zur Calao de Los Roques – einer vorgelagerten Felsgruppe, die aus dem Meer ragt. Von hier aus: erste Sicht auf die Los Órganos in der Ferne. Der Weg führt weiter zum alten Gehöft Las Bodegas – verlassen, aber gut erhalten – und dann über einen weglosen Abschnitt auf Felsgestein zur Baja de Los Roques: einem einsamen Felsstrand, an dem Wolfsmilch, Palmen und Zedern-Wacholder in den Felsspalten wachsen.

Blick von einer Fischerhütte auf die Bucht von Santa Catalina
Blick von einer Fischerhütte auf die Bucht von Santa Catalina

Sicherheitshinweise – Bitte ernstnehmen

  • Steinschlaggefahr an den Steilwänden des Abstiegs: nicht direkt unter Felswänden aufhalten; nach Regen besonders erhöhte Gefahr.
  • Baden an der Baja de Los Roques ist lebensgefährlich: große rollende Steine, starke Rückströmung, keine Rettungsmöglichkeit. Absolut kein Schwimmen!
  • Bei Flut oder starkem Wellengang ist der untere Streckenabschnitt unpassierbar: Wellen schlagen über die Strandsteine. Wettervorhersage und Tidenverlauf vor dem Aufbruch prüfen.
  • Kein markierter Weg im unteren Teil: GPS-Track (Sunhikes) offline speichern und auf dem Gerät haben.

Playa del Remo und El Barquillo

Unterhalb von Arguamul, an der Küste, liegen die Strände Playa del Remo und El Barquillo. Kein Sandstrand – Felsenküste mit grobem Kiesel und Geröll. Baden ist auch hier nicht möglich: Strömungen und Felsgefahr machen es zu gefährlich. Die Strände sind reines Anschauungsobjekt – als Blick von der Küstenwanderung oder von Arguamul aus.

Wer wirklich im Meer schwimmen möchte, fährt nach Alojera (Playa de Alojera, ca. 8 km) oder Vallehermoso (Parque Marítimo).

Weglose Felsküste bei der Playa de Arguamul, La Gomera.

Flora: Was auf dem Wanderweg wächst

Die Vegetation entlang der Küstenwanderung ist charakteristisch für die trockene, windzugewandte Nordwestküste:

  • Kanarische Wolfsmilch (Euphorbia canariensis) – sukkulente Säulenkaktus-ähnliche Pflanze; unverwechselbar; häufig auf Felsböden nahe der Küste.
  • Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) – in Felsspalten und auf Terrassenresten; die Palmen haben sich aus einstiger Landwirtschaft selbst ausgesät.
  • Zedern-Wacholder (Juniperus cedrus) – an der Nordwestküste noch verbreitet; windgeformt und niedrig bleibend; endemisch auf den Kanaren.
  • Tabaibas (Euphorbia regis-jubae) – niedrige Wolfsmilchsträucher; bestimmen das Bild der trockenen Küstenhänge.
  • Oleanderblättrige Kleinie (Kleinia neriifolia) – typische sukkulente Pflanze der kanarischen Trockengebiete; mit ihrem verzweigten Wuchs und den schmalen, oleanderähnlichen Blättern prägt sie besonders die felsigen, sonnigen Hänge.
Blüte der Oleanderblättrigen Kleinie (Kleinia neriifolia, auch Affenpalme genannt)
Blüte der Oleanderblättrigen Kleinie (Kleinia neriifolia, auch Affenpalme genannt)

Anreise nach Arguamul / Guillama

Ab San Sebastián: GM-1 Richtung Hermigua, dann GM-2 Richtung Nationalpark, anschließend über die kurvenreichen Nebenstraßen Richtung Tazo und Arguamul. Die letzten Kilometer sind sehr eng und haben zahlreiche blinde Kurven – vorsichtig fahren und an unübersichtlichen Stellen auf Gegenverkehr achten. Kein regulärer Bus. Parkplatz am Ortseingang Guillama (direkt bei der Capilla de Santa Clara).

Gesamtdauer ab San Sebastián: ca. 1:15–1:30 Stunden, je nach Verkehr und Straßenzustand auch länger. Ab Vallehermoso: ca. 25–30 Minuten.

Die kurvige Zufahrtsstraße nach Arguamul und Guillama windet sich hoch über dem Atlantik entlang steiler Felswände.
Die kurvige Zufahrtsstraße nach Arguamul und Guillama windet sich hoch über dem Atlantik entlang steiler Felswände.

Praktische Tipps für die Fahrt nach Arguamul

Realistische Zeitplanung: Lass dich von der reinen Kilometerzahl nicht täuschen. Die Anfahrt von San Sebastián in den äußersten Nordwesten dauert wegen der vielen Serpentinen und der engen Straßen rund 1,5 Stunden. Plane Arguamul nicht als kurzen Zwischenstopp ein, sondern als Halbtages- oder Tagesausflug.


Kein Mobilfunkempfang: In den tiefen Schluchten rund um Arguamul und auf dem Weg zur Baja de Los Roques gibt es stellenweise keinen Handyempfang. Lade Karten, GPS-Tracks und wichtige Informationen deshalb vorher offline auf dein Smartphone.

FAQ – häufige Fragen zu Arguamul und Guillama

Kann man zur Baja de Los Roques auch schwimmen?

Nein – das Baden an der Baja de Los Roques ist lebensgefährlich und wird ausdrücklich nicht empfohlen. Rollende Steine bei Wellengang und starke Rückströmungen machen Baden zum Risiko ohne Rückweg. Wer schwimmen möchte, fährt nach Alojera oder Vallehermoso.

Ist die Wanderung auch für Kinder geeignet?

Nur mit Einschränkungen. Der obere Teil bis zur Calao de Los Roques ist machbar für ältere Kinder mit Wandererfahrung. Der weglose untere Abschnitt zur Baja de Los Roques ist nicht für Kinder unter ca. 12 Jahren geeignet – zu exponiert, zu weglos.

Was ist der beste Zeitpunkt für die Wanderung?

Oktober bis April – in den feuchten Monaten ist die Vegetation reicher und die Temperaturen angenehmer. Im Sommer ist die Nordwestküste trocken und heiß; Wasser unbedingt mitnehmen (mindestens 1,5 Liter pro Person).

Gibt es in Arguamul Einkaufsmöglichkeiten oder Restaurants?

Nein. Arguamul und Guillama haben keine reguläre touristische Infrastruktur. Es gibt weder einen Supermarkt noch ein Restaurant oder eine Bar. Wasser und Proviant solltest du deshalb bereits vor der Fahrt besorgen.

Kann man die Küstenwanderung zur Baja de Los Roques spontan unternehmen?

Nein, die Tour sollte gut vorbereitet werden. Der untere Abschnitt ist teilweise weglos, bei starkem Wellengang oder Flut kann der Weg unpassierbar sein. Lade den GPS-Track vorher offline und prüfe Wetter- und Tidenbedingungen, bevor du von Guillama aufbrichst.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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