Nationalpark Garajonay: Lorbeerwald, Wanderwege & Infos

Im Zentrum La Gomeras liegt ein Wald, der älter ist als die Insel selbst – zumindest in seiner Art. Der Parque Nacional de Garajonay schützt einen der bedeutendsten und am besten erhaltenen Lorbeerwälder Europas: 3.984 Hektar, über 85 % Laurisilva, UNESCO-Weltnaturerbe seit 1986.

Wandern durch den Regenwald des Nationalpark Garajonay auf La Gomera
Wandern durch den Regenwald des Nationalpark Garajonay auf La Gomera

Kein anderes Ziel auf La Gomera ist so bedeutend, so atmosphärisch und so gut zugänglich. 18 offizielle Wanderrouten erschließen den Park – von der 20-Minuten-Runde bis zur großen Tageswanderung. Und mittendrin: der Alto de Garajonay (1.487 m), höchster Punkt der Insel und der gesamten westlichen Kanarischen Inseln.

Kerndaten

Fläche3.984 Hektar (ca. 10 % der Inselfläche)
Nationalpark seit1981
UNESCO-Weltnaturerbeseit 1986 (Kategorie: Laurisilva-Lorbeerwald)
Vogelschutzgebietseit 1988
Höhenbereich800–1.487 m
Höchster PunktAlto de Garajonay, 1.487 m
Lorbeerwald-Anteil>85 % der Nationalpark-Fläche
Offizielle Wanderrouten18 (Ruta 1–18)
Besucher pro Jahrca. 1 Million
Einzige SiedlungEl Cedro (Weiler, Campingplatz, Restaurant La Vista)
Klima13–15°C Jahresmittel, 600–900 mm Niederschlag, häufig Nebel
Zahlreiche gut markierte Wanderwege durchqueren den urzeitlichen Lorbeerwald La Gomeras
Zahlreiche gut markierte Wanderwege durchqueren den urzeitlichen Lorbeerwald La Gomeras

Die Legende: Gara und Jonay

Der Name des Nationalparks ist eine Liebesgeschichte. Gara, Prinzessin aus dem Dorf Agulo auf La Gomera, und Jonay, Sohn eines Guanchen-Anführers aus Adeje auf Teneriffa, verliebten sich. Als der Teide ausbrach, sahen die Ältesten darin ein schlechtes Omen und verboten die Verbindung. Das Paar wählte gemeinsam den Freitod auf dem höchsten Gipfel der Insel. Nach ihnen trägt der Park seinen Namen: Gara-Jonay.

Die Geschichte ist ein Mythos – aber sie spiegelt etwas Reales wider: die enge Verbindung zwischen den Menschen La Gomeras und diesem Berg, den sie als heilig betrachteten.

Warum der Lorbeerwald Weltnaturerbe ist

Der Lorbeerwald ist kein gewöhnlicher Wald. Er ist ein Relikt des Tertiärs – ein Waldtyp, der vor 20 Millionen Jahren ganz Europa, Nordafrika und Teile Asiens bedeckte. Als die Eiszeiten kamen, verschwand er auf dem Festland. Auf den Kanarischen Inseln überlebte er, weil diese Inseln nie vollständig vereisten. Der Lorbeerwald von La Gomera gehört zu den am besten erhaltenen und bedeutendsten Beständen dieser alten Waldformation. Mit einer Fläche von rund 3.984 Hektar ist er der größte Lorbeerwaldbestand der Kanarischen Inseln. Der Lorbeerwald auf Madeira ist dagegen flächenmäßig deutlich größer und gilt als größter zusammenhängender Bestand der Laurisilva. Der außergewöhnlich gut erhaltene und artenreiche Garajonay-Wald wurde 1986 von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt.

Moose und Flechten überziehen Stämme und Äste wie ein dichter, lebendiger Pelz.
Moose und Flechten überziehen Stämme und Äste wie ein dichter, lebendiger Pelz.

Was man sieht, wenn man durch diesen Wald geht: Bäume, deren Äste vollständig mit Moosen und Flechten bewachsen sind. Farne bis zur Hüfte. Stille, die von tropfendem Wasser und leisen Vogelrufen unterbrochen wird. Licht, das durch dichte Kronen gefiltert wird. Eine Atmosphäre, die man auf keiner anderen Kanarischen Insel findet.

Die Hauptbaumarten

ArtWissenschaftlicher NameBesonderheit
AzorenlorbeerLaurus novocanariensisHäufigste Art; gibt dem Wald seinen Namen
Stinkbaum / TilOcotea foetensBis 30 m hoch; Holz riecht nach Petroleum
Gagelbaum / FayaMyrica fayaPionierbaum; erste Besiedlung freier Flächen
KanarenstechpalmeIlex canariensisEndemisch; bis 10 m; Beeren für Vögel
BaumheideErica arboreaWeltweit größte Wuchshöhe bis 20 m auf La Gomera!
ViñátigoPersea indicaKanarisches Mahagoni; entfernt verwandt mit der Avocado
BarbusanoApollonias barbujanaTrockener Lorbeerwald in niedrigeren Lagen

Die Fauna des Nationalparks

Über 1.000 Tierarten wurden im Nationalpark Garajonay erfasst – mehr als 150 davon sind endemisch, kommen also ausschließlich auf den Kanarischen Inseln oder gar nur auf La Gomera vor.

Vögel

Die Vogelwelt des Nationalparks ist einzigartig. Zwei Taubenarten sind besonders schützenswert:

  • Bolles Lorbeertaube (Columba bollii) – endemisch auf den westlichen Kanarischen Inseln; lebt ausschließlich im dichten Lorbeerwald; ihr Ruf ist tief und heiser.
  • Lorbeertaube (Columba junoniae) – seltener als Bolles; ebenfalls endemisch; bevorzugt die Randzonen des Waldes.
Bolles Lorbeertaube (Columba bollii) auch Kanarentaube
Bolles Lorbeertaube (Columba bollii) – eine der charakteristischen Vogelarten des Lorbeerwaldes

Dazu: Felsenhühner, Kanarenpieper, Sperber, Mauersegler, Kanarienvögel und der freche Buchfink – der am Rastplatz Ermita de Lourdes Brotkrumen stiehlt.

Reptilien und Amphibien

  • Kleine Kanareneidechse (Gallotia caesaris gomerae) – Unterart, die nur auf La Gomera vorkommt; sonnige Felsabschnitte im Nationalpark.
  • Kanarenskink (Chalcides viridanus coeruleopunctatus) – blaugefleckter Skink; selten sichtbar.
  • Mittelmeer-Laubfrosch (Hyla meridionalis) – Laut rufend nach Regen; gut hörbar im Barranco del Cedro.
Kleine Kanareneidechse
Kleine Kanareneidechse

Der Alto de Garajonay: 1.487 m über dem Atlantik

Der Alto de Garajonay ist der höchste Punkt der Insel und der gesamten westlichen Kanarischen Inseln. Auf seinem Gipfel steht ein kleiner Mauerkranz – und bei klarem Wetter: ein Panorama über alle Inseln. Teneriffa mit dem Teide (3.715 m), La Palma, El Hierro, Gran Canaria. An besonders klaren Morgen auch Fuerteventura und Lanzarote.

Mit 1.487 Metern ist der Alto de Garajonay der höchste Punkt La Gomeras und namensgebend für den umliegenden Nationalpark.
Mit 1.487 Metern ist der Alto de Garajonay der höchste Punkt La Gomeras und namensgebend für den umliegenden Nationalpark.

Der Gipfel ist von drei Seiten erreichbar: über Ruta 7 (el Contadero, kürzeste Route), Ruta 14 (Laguna Grande, beliebteste Route) und Ruta 17 (Pajarito, ruhigste Route).

Besucherzentren und Erholungsgebiete

Juego de Bolas (Agulo)

Das offizielle Besucherzentrum Juego de Bolas liegt bei Agulo/Hermigua am Rand des Nationalparks. Es beherbergt das ethnografische Museum Casa de la Memoria (Alltagsszenen vergangener Zeiten, Handwerkszeug), einen Botanischen Garten mit endemischen Pflanzen und Heilpflanzen und eine Ausstellung über die Waldbrände 2012. Öffnungszeiten: tägl. 09:30–16:30, Tel. +34 922 80 09 93.

Erholungsgebiet „La Laguna Grande“

Das Besucherzentrum La Laguna Grande ist der beliebteste Ausgangspunkt für Wanderungen im Nationalpark. Einrichtungen: großer Parkplatz, Restaurant mit Mittagstisch, Kinderspielplatz, Grillstellen, Trinkwasser, öffentliche Toiletten, ein kleiner Infopunkt für Wanderer, Ranger vor Ort.

Von La Laguna Grande führen die Wege der Wanderer tief hinein in den Nationalpark.
Von La Laguna Grande führen die Wege der Wanderer tief hinein in den Nationalpark.

Die 18 offiziellen Wanderrouten

Der Nationalpark hat 18 nummerierte Routen (Ruta 1–18), von leicht (20 Minuten) bis zur großen 6-Stunden-Rundwanderung. Eine vollständige Übersicht mit allen Distanzen und Höhenmetern findet man im Artikel Wandern im Nationalpark Garajonay – Alle 18 Routen sowie in den Einzelartikeln Ruta 1 bis Ruta 18.

Malerischer Weg durch den Lorbeerwald La Gomeras.
Malerischer Weg durch den Lorbeerwald La Gomeras.

Alle Wanderrouten im Nationalpark Garajonay – GPS-Tracks und Beschreibungen: Sunhikes – Wanderungen auf La Gomera.

Regeln im Nationalpark

  • Kein Feuer entzünden – auch kein Grillen, kein Lagerfeuer.
  • Hunde nur an der Leine – keine Ausnahmen.
  • Keine Pflanzen, Pilze, Steine oder Tiere entnehmen.
  • Ausschließlich markierte Wege begehen – kein Querfeldein.
  • Abfall mitnehmen – keine Müllkörbe auf den Wegen.
  • Keine Drohnen ohne offizielle Genehmigung.
  • Wildcampen verboten. Einzige Ausnahme: Campingplatz El Cedro (Vorausreservierung!).
  • Notruf: 112. Kein Handyempfang in tiefen Schluchten – GPS offline speichern.
Wasserfall El Cedro, Nationalpark Garajonay.
Wasserfall El Cedro, Nationalpark Garajonay.

Die Sehenswürdigkeiten des Nationalparks: Wo was ist

POILageWarum besuchenswert
La Laguna Grande1.100 m; GM-2; Mittelpunkt NationalparkBester Ausgangspunkt; Restaurant; Ranger; Spielplatz
Alto de Garajonay1.487 m; GipfelplateauHöchster Punkt; Panorama 4 Inseln; 3 Aufstiegswege
El Chorro del CedroNationalpark-Nordseite; Barranco del CedroHöchster Wasserfall La Gomeras (ca. 150 m); besonders nach Regenfällen eindrucksvoll
El Cedro (Weiler)Nationalpark-Nordseite; ca. 900 mEinziger Fluss; Ermita de Lourdes; Campingplatz
Ermita de LourdesBei El Cedro; 2,5 km ab CampingplatzSchönster Rastplatz der Insel; Brunnenbaum
Juego de BolasBei Agulo; Nationalpark-RandlageSilbo; Guanchen-Museum; Botanischer Garten
Cruce de Pajarito1.100 m; GM-2Ruhiger Einstieg; Ruta 5/16/17/18
El ContaderoGM-2 HöhenstraßeSchnellster Gipfelzustieg (Ruta 7, 2,5 km)
Mirador de los RoquesGM-2Blick auf alle 4 Roques; klassischer Fotostopp
Mirador El BailaderoGM-2, NordseiteRoque Ojila + Zarcita; Ruta 1 Start

Anreise und Parken

La Laguna Grande ist über die GM-1 (San Sebastián → Valle Gran Rey, ca. 30–40 Min.) oder von Vallehermoso aus erreichbar. Mit dem Bus: Guagua Gomera Linie 1 (San Sebastián → Valle Gran Rey, Halt La Laguna Grande). Parkplatz Cruce de Pajarito: direkt an der GM-1. El Contadero: Straßenrand-Parkplatz an der Höhenstraße.

Der Rastplatz im Lorbeerwald des Garajonay, umgeben von dichter, urwüchsiger Vegetation.
Der Rastplatz im Lorbeerwald des Garajonay, umgeben von dichter, urwüchsiger Vegetation.

Tipp: Kleidung für den Nationalpark

Im Nationalpark Garajonay kann das Wetter deutlich kühler und feuchter sein als an der sonnigen Küste. Während man im Valle Gran Rey noch bei 25 °C in Shorts unterwegs ist, können in den höheren Lagen bei dichtem Passatnebel nur 12 °C herrschen. Am besten kleidet man sich nach dem Zwiebelprinzip. Eine leichte Regenjacke und ein zusätzlicher Pullover sollten auch an sonnigen Tagen im Tagesrucksack nicht fehlen.

FAQ – Häufige Fragen zum Nationalpark Garajonay

Ist der Nationalpark ganzjährig geöffnet?

Ja. Der Nationalpark selbst hat keine Öffnungszeiten – die Wege sind 24 Stunden zugänglich. Das Besucherzentrum Juego de Bolas hat Öffnungszeiten (tägl. 08:30 bzw. 09:30 bis 16:30 Uhr).

Was bedeutet UNESCO-Weltnaturerbe für den Nationalpark?

Das UNESCO-Weltnaturerbe-Label (vergeben 1986) bedeutet, dass der Nationalpark Garajonay als Stätte von außergewöhnlichem universellen Wert eingestuft ist. Es verpflichtet Spanien zum Schutz des Parks und gibt internationalen Rückhalt für Schutzmaßnahmen. Es bedeutet keine Einschränkung des Besuchs.

Warum ist der Lorbeerwald oft im Nebel?

Der Passatwind weht konstant aus Nordosten und schiebt feuchte Luft gegen das Hochland La Gomeras. Auf 800–1.487 m kühlt diese Luft ab und kondensiert zu Nebel – dem Passat-Nebel, der dem Wald ganzjährig Feuchtigkeit spendet. Ohne diesen Nebel gäbe es keinen Lorbeerwald.

Brauche ich eine spezielle Ausrüstung für den Nationalpark?

Ja, das Zwiebelprinzip ist im Garajonay Pflicht. Während es an den Küsten von La Gomera oft warm und sonnig ist, kann es im nebligen Hochland des Nationalparks empfindlich kühl (oft um die 12–15 °C) und feucht werden. Eine wind- und wasserdichte Jacke, feste Wanderschuhe (die Wege können durch den feuchten Tonboden und nasse Wurzeln rutschig sein) und ein Pullover gehören immer in den Rucksack.

Kann man im Nationalpark Garajonay einkehren oder etwas essen?

Direkt im dichten Urwald gibt es kaum gastronomische Angebote – das ist dem strengen Naturschutz geschuldet. Eine hervorragende Ausnahme ist das Restaurant am beliebten Ausgangspunkt La Laguna Grande, wo du zu Mittag essen kannst. Auch im Weiler El Cedro gibt es traditionelle Einkehrmöglichkeiten (wie das La Vista). Für längere Wanderungen solltest du dir aber immer ausreichend Wasser und Proviant einpacken.

Gibt es im Nationalpark giftige oder gefährliche Tiere?

Nein. La Gomera ist – wie die gesamten Kanarischen Inseln – frei von gefährlichen Raubtieren oder giftigen Schlangen. Die im Park lebenden Tiere (wie die Kanareneidechsen oder Vögel) sind absolut harmlos. Das Einzige, worauf du achten solltest, sind Mücken oder Zecken in sehr feuchten Bereichen, was jedoch selten ein Problem darstellt.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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