Playa del Cabrito: Der einsame Strand am Ende der Ruta 18

Es gibt auf La Gomera Strände, zu denen man fährt. Und dann gibt es den Playa del Cabrito – zu dem man wandert. 7,9 Kilometer, 1.006 Höhenmeter bergab, alpines Gelände, kein Schatten ab dem zweiten Drittel. Die Ruta 18 ist die schwierigste und zugleich eindrucksvollste Strandwanderung der Insel. Wer unten ankommt: ein einsamer Strand, schwarze Felsen, Teneriffa gegenüber, kein Mensch.

Ausblick über die Bucht El Cabrito entlang der Küste von La Gomera bis zur Nachbarinsel Teneriffa
Ausblick über die Bucht El Cabrito entlang der Küste von La Gomera bis zur Nachbarinsel Teneriffa

Der Weg dorthin ist auf Sunhikes vollständig dokumentiert – mit 34 Bildmotiven, einer detaillierten Routenbeschreibung und einer klaren Warnung: schwer, alpines Gelände, ausreichend Wasser mitnehmen. Wer das ignoriert, hat ein Problem.

Die Ruta 18 auf einen Blick

StartParkplatz alte Schleife GM-3 (Südküste, nahe San Sebastián)
ZielPlaya del Cabrito
Distanz7,9 km
Höhenmeter bergab1.006 m
Höhenmeter bergauf169 m
Dauer2:45–3:45 h
SchwierigkeitSchwer – alpines Gelände
SchattenNur im ersten Drittel; danach heiß und schattenlos
WasserMindestens 3 Liter pro Person – kein Nachschub unterwegs
Beste ZeitOktober bis April; im Sommer extreme Hitze auf dem letzten Streckenteil
RückwegZu Fuß über den rund 1.000 Höhenmeter umfassenden Gegenanstieg oder per vorher organisiertem Boot ab Playa del Cabrito

Die Route: Was man erlebt

Der Auftakt: Grat und erste Aussichten

Ab dem Parkplatz führt die Ruta 18 auf einen Grat zwischen zwei Schluchten – dem Barranco de Juan de Vera und dem Barranco de Chinguarime. Das erste Drittel ist gepflastert und noch im Schatten. Die Aussichten öffnen sich schnell: links der Atlantik, rechts die tief eingeschnittenen Barrancos, dahinter die Silhouette von Teneriffa mit dem Teide am Horizont.

Beginn des Wanderpfads entlang der Ruta 18 mit Blick auf den Atlantik
Beginn des Wanderpfads entlang der Ruta 18 mit Blick auf den Atlantik

Der Camino de Seima: Felsformationen und Panorama

Ein eigenes Kapitel verdient der Camino de Seima – der Abschnitt der Route, der durch eine bizarre Felslandschaft führt. Zerklüftete Felsspitzen, rötlich-braunes Gestein, Agaven und vereinzelte Kanarische Kiefern. Die Fernblicke sind hier am eindrucksvollsten: tief eingeschnittene Barrancos auf beiden Seiten, die direkt zum Meer fallen.

der Wanderweg bietet Ausblicke über tief eingeschnittene Barrancos mit der Silhouette von Teneriffa im Hintergrund
der Wanderweg bietet Ausblicke über tief eingeschnittene Barrancos mit der Silhouette von Teneriffa im Hintergrund

Das Geisterdorf Seima: Ein verlassener Ort

Einer der emotionalsten Momente der Route: das verlassene Dorf Seima. Einst lebten hier ca. 30 Familien, die Gerste, Weizen, Hülsenfrüchte anbauten, Ziegen hielten und mit Mühlsteinen arbeiteten. Die letzten Bewohner verließen Seima irgendwann im 20. Jahrhundert – warum und wann genau ist nicht vollständig dokumentiert. Was geblieben ist: Ruinen, alte Dorfgassen, Steinmauern.

Panorama mit Ruinenhäusern und aufgegebenen Terrassen – die Silhouette des Teide am Horizont
Panorama mit Ruinenhäusern und aufgegebenen Terrassen – die Silhouette des Teide am Horizont

Der Mahlstein in den Ruinen ist eines der stärksten Motive der Ruta 18: ein konkreter Gegenstand, der von einem ganz normalen Alltag erzählt, der irgendwann einfach endete. Die Terrassenfelder oberhalb Seimas sind zum Teil noch erkennbar; Agaven haben sie überwuchert.

eindrucksvolle Ruinen im Geisterdorf Seima
eindrucksvolle Ruinen im Geisterdorf Seima

Der Abstieg: Roter Bergrücken und Felsklippen

Nach Seima wird die Route steiler und schattenloser. Der Weg führt über einen rötlich gefärbten Bergrücken – Eisenoxid im Gestein gibt dem Basalt eine warme Färbung, die im Nachmittagslicht leuchtet. Dann: Felsklippen über dem Strand, der Abstieg über den Camino del Cabrito – steil, felsig, mit Teneriffa direkt gegenüber.

Wanderweg entlang des rötlich gefärbten Bergrückens oberhalb der Playa El Cabrito
Wanderweg entlang des rötlich gefärbten Bergrückens oberhalb der Playa El Cabrito

Der Strand: Was unten wartet

Wer nach 7,9 Kilometern und über 1.000 Höhenmetern bergab unten ankommt, findet einen wilden, abgelegenen Strand ohne touristische Infrastruktur, schwarze Felsen im Wasser und am Rand der Bucht die abgeschiedene Finca El Cabrito. Die Anlage gehört zu einem privaten Hotelprojekt; ihre Infrastruktur steht den Wanderern nicht zur Verfügung. Der Strand selbst ist öffentlich.

Felsklippen an der Playa del Cabrito
Felsklippen an der Playa del Cabrito

Das Wasser ist klar. Die Brandung variiert mit dem Atlantikswell. Baden ist möglich, aber wie immer auf La Gomera: Bedingungen prüfen, nie alleine im Wasser bei unsicherer See.

Der Rückweg: Option Boot

Die meisten Wanderer entscheiden sich gegen den Wiederaufstieg: Nach dem langen Abstieg bedeutet der Rückweg erneut mehr als 1.000 Höhenmeter bergauf. Eine Alternative ist ein Boot nach Playa de Santiago.

Playa del Cabrito, La Gomera.
Playa del Cabrito, La Gomera.

Wichtig: Die Abholung per Boot muss vor Beginn der Wanderung organisiert und bestätigt werden. Sie kann über die Finca El Cabrito beziehungsweise deren Rezeption oder über einen lokalen Anbieter angefragt werden. Bei starkem Wellengang kann eine Abholung aus Sicherheitsgründen nicht möglich sein. Wer auf das Boot angewiesen ist, sollte deshalb unbedingt in der Lage sein, den vollständigen Rückweg zu Fuß zu bewältigen.

Die Abholung erfolgt je nach Seegang direkt am Strand oder am Steg der Bucht – je nach Bedingungen kann es sein, dass man ein paar Schritte durchs flache Wasser ins Boot steigen muss.

Hinweis zur Finca El Cabrito

Die Gebäude am Rand der Bucht gehören zur Finca El Cabrito, einer abgeschiedenen Hotelanlage. Der Strand ist öffentlich zugänglich, die Hotelanlage und ihre Einrichtungen sind jedoch den Gästen vorbehalten. Wanderer sollten das private Gelände respektieren.

Anreise zum Startpunkt

Der Parkplatz der alten Schleife GM-3 liegt südlich von San Sebastián, an der Küstenstraße. Mit dem Mietwagen ca. 15 Min. ab San Sebastián. GPS-Track auf Sunhikes: vor Antritt offline speichern. Markierung: Ruta 18. Kein Bus zum Startpunkt.

FAQ

Wie schwierig ist die Ruta 18 wirklich?

Schwer – das ist keine Touristenwarnung, das ist die Einstufung auf Sunhikes. Alpines Gelände bedeutet: ausgesetzte Stellen, steile Abstiege, teilweise weglos. Festes Schuhwerk mit Knöchelstütze Pflicht. Schwindelfrei sollte man sein. Für erfahrene Wanderer machbar; für Anfänger ohne Führung nicht empfohlen.

Wann ist die beste Zeit für die Ruta 18?

Oktober bis April. Im Sommer ist das mittlere und letzte Drittel der Route ohne Schatten und bei hohen Temperaturen eine ernsthafte Belastung. Genug Wasser (mindestens 3 Liter) ist keine Option, sondern Voraussetzung.

Gibt es Mobilfunkempfang auf der Route?

Stellenweise, aber nicht durchgehend. GPS-Track offline speichern; auf Markierungen verlassen; im Notfall 112 versuchen.

Muss man die 1.000 Höhenmeter beim Rückweg wieder hinauf?

Ja. Die in der Routentabelle angegebenen 169 Höhenmeter bergauf beziehen sich nur auf kleinere Gegenanstiege während des Abstiegs. Wer die Ruta 18 zu Fuß zurückgeht, muss vom Meer wieder mehr als 1.000 Höhenmeter bergauf bewältigen. Der Rückweg ist deshalb deutlich anstrengender, als die Angabe von 169 Höhenmetern zunächst vermuten lässt.

Kann man von Playa del Cabrito mit dem Boot zurückfahren?

Grundsätzlich ist eine Abholung per Boot möglich, sie muss jedoch vor Beginn der Wanderung organisiert und bestätigt werden. Bei starkem Wellengang kann die Anfahrt zum Strand nicht möglich sein. Wer auf das Boot angewiesen ist, sollte deshalb körperlich in der Lage sein, den vollständigen Rückweg über den rund 1.000 Höhenmeter umfassenden Aufstieg zu bewältigen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

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