Playa del Inglés Valle Gran Rey: Schwarzer Sand, Steilwand, wilde Brandung
Es gibt Strände, die man beschreibt, und Strände, die man erklären muss. Der Playa del Inglés im Valle Gran Rey ist der zweite Typ. Ein schwarzer Sandstrand, eingeklemmt zwischen einer senkrechten Steilwand und dem offenen Atlantik, mit einer Brandung, die an der Flagge zu messen ist und Respekt verlangt. Seit den 1970ern FKK-Strand, seit Jahrzehnten Pflichtprogramm für jeden Besucher des Valle Gran Rey.

Zehn Minuten Fußmarsch von La Playa – und man ist in einer anderen Welt. Die Promenade der Calera endet; der schwarze Sandweg beginnt; die Steilwand nähert sich. Der Inglés ist nicht der Strand für Liegestuhl und Sonnenschirm. Er ist der Strand für Menschen, die wissen, wohin sie gehen.
Der Strand auf einen Blick
| Untergrund | Schwarzer Lavasand – feiner vulkanischer Sand, der sich bei Sonne stark aufheizt |
|---|---|
| Lage | Valle Gran Rey; ca. 10 Gehminuten nördlich der Playa de la Calera (La Playa) |
| Begrenzung | Imposante Steilwand auf der Nordseite; schroffe Lavafelsen im Wasser |
| FKK | Traditioneller FKK-Bereich seit den 1970ern; heute noch aktiv genutzt |
| Brandung | Kräftig bis stark; Warnflaggen beachten; kein Rettungsschwimmer |
| Kinder | Nur bei sehr ruhiger See und grüner Flagge; sonst nicht geeignet |
| Beste Zeit | Mai bis September; ruhigstes Meer; wärmster Sand |
| Infrastruktur | Kaum; keine Liegestühle, keine Bar direkt am Strand; WC an der Calera (10 Min.) |
Die Steilwand: Das Markenzeichen des Inglés
Was den Playa del Inglés unverwechselbar macht, ist nicht der Sand – schwarzen Sand gibt es an mehreren Stränden im Valle Gran Rey. Es ist die senkrechte Steilwand auf der Nordseite, die den Strand begrenzt und ihm seinen dramatischen Charakter gibt. Diese Basaltwand – dunkel, feucht, mit Pflanzen in den Rissen – fällt direkt auf den Strand. Bei Flut reicht das Wasser bis an ihren Fuß.

Die Wand beeinflusst auch den Schattenwurf am Strand. Da sie den Strand auf der Nordseite begrenzt, ist der Playa del Inglés vor allem am Vormittag und um die Mittagszeit sonnig. Je nach Jahreszeit wandert der Schatten der Steilwand am Nachmittag zunehmend über den Strand. Einen wirklichen Windschutz bietet die Felswand dagegen nicht: Der Atlantikwind trifft den Strand weitgehend ungebremst.

Die Brandung: Was man wissen muss
Der Playa del Inglés ist kein Badestrand für Anfänger. Die Brandung kommt direkt aus dem offenen Atlantik, ohne Mole oder natürlichen Schutz.
- Auch bei scheinbar ruhigem Wetter können einzelne starke Wellen auflaufen – der sogenannte Satz-Welleneffekt des Atlantiks.
- Bei auflandiger Dünung ist der Rückzug aus dem Wasser gefährlich: Die Wellen reißen zurück, während die nächste schon kommt.
- Die Strömung direkt am Ufer kann stark seitlich sein – besonders bei Wind aus Nordwest.

Bei Ebbe können sich am Fuß der Felsen kleine Gezeitenbecken bilden. Sie wirken bei ruhiger See oft wie natürliche Miniatur-Pools, sind aber nicht mit sicheren Badebecken zu verwechseln. Bei aufkommender Brandung können die Felsen und Vertiefungen schnell überspült werden. Deshalb sollte man die Wasserstände und die Wellenentwicklung im Blick behalten.
Baden & Sicherheit
Das Warnflaggensystem ist ernst zu nehmen:
Grüne Flagge – ruhige Bedingungen, schwimmen erlaubt, trotzdem äußerste Vorsicht.
Gelbe Flagge – erhöhte Vorsicht, kräftige Brandung, nur für sehr erfahrene Schwimmer.
Rote Flagge – absolut absolutes Badeverbot! Auch starke Schwimmer haben hier bei starker Strömung keine Chance.
Es gibt am Playa del Inglés keinen dauerhaften oder verlässlichen Rettungsdienst. Wer hier ins Wasser geht, handelt auf eigene Gefahr. Im Notfall gilt: Ruhe bewahren und den Notruf (112) wählen.
Die Geschichte: Hippies, FKK und der Name
Der Name „del Inglés“ – „der Engländer“ – hat verschiedene Herkunftstheorien. Die plausibelste: Der Strand war schon in den frühen Touristenjahren der 1960er und 1970er bei britischen Alternativ-Reisenden beliebt, die das Valle Gran Rey als Hippie-Enklave entdeckten. Die FKK-Kultur, die bis heute den Inglés prägt, stammt aus dieser Ära.

Valle Gran Rey war ab den 1960ern eine der ersten Anlaufstellen der europäischen Gegenkultur auf den Kanaren. Deutsche, Niederländer, Briten kamen – auf der Suche nach Sonne, Einfachheit und Freiheit. Der Inglés war ihr Strand: weit von der Zivilisation (10 Gehminuten!), schwer zugänglich, ohne Infrastruktur. Das ist er – trotz aller Veränderungen des Tals – bis heute.
Der schwarze Sand: Was ihn besonders macht
Der schwarze Sand des Playa del Inglés besteht aus feinen Lavakristallen – zermahlene Basaltlava, die über Jahrtausende durch die Meeresströmung und die Brandung zu Sand verarbeitet wurde. Er ist deutlich feiner als der Kies vieler anderer Gomera-Strände, aber anders als weißer Quarzsand: schwerer, dunkler, heißer in der Sonne.

An heißen Sommertagen heizt sich der schwarze Sand auf bis zu 60°C auf – Badeschuhe unbedingt mitbringen. Da es am Playa del Inglés keine Strandbars, Chiringuitos oder natürlichen Schattenplätze gibt, sollte man ausreichend Trinkwasser und Sonnenschutz mitbringen. Besonders an heißen Tagen können schwarzer Sand und intensive Sonne den Aufenthalt schnell anstrengend machen.
Anreise und Kombination
Der Playa del Inglés liegt etwa 10 bis 15 Gehminuten nördlich der Playa de la Calera (La Playa). Am Ende der Promenade führt ein Fußweg weiter in Richtung Norden. Der Weg verläuft anschließend über felsiges und schottriges Terrain sowie teilweise tiefen Sand und ist entsprechend uneben. Einen eigenen Parkplatz gibt es am Strand nicht. Das Auto bleibt in Valle Gran Rey, der letzte Abschnitt wird zu Fuß zurückgelegt.
Kombination empfohlen: Morgens Playa del Inglés (kühler Sand, weniger Besucher) → mittags zurück zur Promenade La Playa (Restaurants, Cafés, Schatten) → nachmittags Charco del Conde (Naturschwimmbad, ruhig) oder Vueltas (Hafen, Whale-Watching).

FAQ
Ist FKK am Playa del Inglés offiziell erlaubt?
Kann man bei starker Brandung trotzdem zum Strand?
Wie weit ist der Playa del Inglés von La Playa entfernt?
Gibt es am Playa del Inglés Restaurants oder Toiletten?
Ist der Playa del Inglés für Familien mit Kindern geeignet?
Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.


