La Gomera Urlaub: Was die Insel wirklich ausmacht – und was man nicht verpassen sollte

La Gomera ist die kleinste der sieben bewohnten Kanarischen Inseln – und die charaktervollste. Keine langen Sandstrände, kein Massentourismus, kein Duty-free-Einkaufszentrum am Hafen. Stattdessen: schwarzer Lavasand, Lorbeerwälder aus der Tertiärzeit, Schluchten, die 1.000 Meter tief in den Vulkanstein geschnitten sind, und eine Stille, die man auf größeren Inseln nicht mehr findet.

Roque de Agando, markanter Felsturm und Wahrzeichen La Gomeras im Nationalpark Garajonay.
Roque de Agando, markanter Felsturm und Wahrzeichen La Gomeras im Nationalpark Garajonay.

Wer La Gomera mit Mallorca oder Gran Canaria vergleicht, vergleicht falsch. La Gomera ist für Menschen, die eine Insel erleben wollen – nicht konsumieren. Dieser Artikel zeigt, was das konkret bedeutet und was man in 8–10 Tagen wirklich erleben kann.

Die Insel in Zahlen

Fläche369,76 km² – etwas kleiner als Hamburg
Einwohnerca. 22.436 (2024)
Gemeinden6: San Sebastián, Valle Gran Rey, Vallehermoso, Hermigua, Agulo, Alajeró
Höchster PunktAlto de Garajonay, 1.487 m
NationalparkGarajonay Nationalpark: 3.984 ha, UNESCO-Weltnaturerbe seit 1986
Wanderwege600 km Wandernetz; 18 offizielle Nationalpark-Routen auf Sunhikes dokumentiert
Empfohlene Aufenthaltsdauer8–10 Tage (Empfehlung des Sunhikes Wanderportals)
AnreiseFähre ab Los Cristianos (ca. 50 Min.) oder Binter-Flug nach GMZ ab Teneriffa Nord (TFN) bzw. Gran Canaria (LPA)
Aufgegebene Terrassenfelder als Zeugnis der traditionellen Kulturlandschaft La Gomeras.
Aufgegebene Terrassenfelder als Zeugnis der traditionellen Kulturlandschaft La Gomeras.

Was La Gomera von anderen Kanaren-Inseln unterscheidet

La Gomera ist die einzige Insel der Kanaren ohne einen einzelnen großen Tourismus-Magneten wie den Teide, Timanfaya oder Roque Nublo. Was sie stattdessen hat, ist schwerer zu fotografieren und schwerer zu verkaufen – aber tiefer zu erleben:

  • Der Garajonay-Nationalpark ist für seinen einzigartigen Lorbeerwald bekannt, dessen Ursprünge bis weit in die Tertiärzeit zurückreichen und der rund 85 % des Parks bedeckt. Ähnliche subtropische Wälder verschwanden im Laufe der Erd- und Klimageschichte in weiten Teilen Südeuropas und Nordafrikas. Auf den Kanarischen Inseln und anderen makaronesischen Inseln konnten sich Reste dieser alten Vegetation dank des besonderen Klimas erhalten.
  • El Silbo Gomero ist eine Pfeifsprache, die auf La Gomera bis heute gesprochen wird und seit 1999 an Schulen unterrichtet wird. Seit 2009 zählt sie zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.
  • Die tiefen Barrancos sind Schluchten, die sich vom Inselinneren bis zur Küste öffnen und die Landschaft in etwas Dramatisches verwandeln.
  • Schwarzer Sand: Lavastrand statt Tourismus-Sandstrand – wild, heiß, ungeschminkt.
  • Echte Stille gibt es im Nationalpark, auf den Bergpfaden und in den Bergdörfern. La Gomera hat rund 22.000 Einwohner auf knapp 370 km². Das merkt man.

Was man nicht verpassen sollte

Nationalpark Garajonay: UNESCO-Weltnaturerbe

Der Garajonay ist das Herzstück der Insel – und nach Sunhikes-Magazin der wichtigste Grund, warum Menschen nach La Gomera kommen. 18 offizielle Wanderrouten (Ruta 1–18), dokumentiert auf Sunhikes mit GPX-Tracks, Karten, Fotos und Schwierigkeitsgraden. Der Gipfel Alto de Garajonay (1.487 m) ist an klaren Tagen Ausgangspunkt für Blicke auf alle Kanarischen Inseln gleichzeitig.

Garajonay-Nationalpark, grünes Herz der Insel La Gomera, geprägt von dichtem Lorbeerwald.
Garajonay-Nationalpark, grünes Herz der Insel La Gomera, geprägt von dichtem Lorbeerwald.

Wandern in den Barrancos

La Gomera hat über 600 Kilometer Wanderwege, von denen die interessantesten oft durch die Schluchten und nicht nur über die Kämme führen. Das Wanderportal Sunhikes dokumentiert zahlreiche Routen, von der klassischen Descenso Laguna Grande – Valle Gran Rey bis zur anspruchsvollen Ruta 18 hinunter zur Playa del Cabrito.

Gerade die Ruta 18 ist jedoch kein Spaziergang, denn auf wenigen Kilometern geht es über rund 1.000 Höhenmeter steil bergab. Die Tour ist landschaftlich spektakulär, fordert aber Knie, Kondition und Trittsicherheit. Sie eignet sich deshalb vor allem für erfahrene Wanderer mit passendem Schuhwerk – und man sollte die Strecke nicht unterschätzen. Alle beschriebenen Routen sind auf Sunhikes mit GPX-Tracks, Karten, Fotos und Schwierigkeitsgraden dokumentiert.

Tief eingeschnittene Schluchten fallen steil zum Atlantik ab – charakteristisch für die Landschaft La Gomeras.
Tief eingeschnittene Schluchten fallen steil zum Atlantik ab – charakteristisch für die Landschaft La Gomeras.

Valle Gran Rey: Strand, Hippie-Geschichte und Whale-Watching

Das Valle Gran Rey ist das touristische Zentrum der Insel – und trotzdem nicht überlaufen. Playa del Inglés (schwarzer Sand, FKK seit 1970ern), Charco del Conde (Naturschwimmbad mit eigenem Ökosystem), Whale-Watching ab Hafen Vueltas (>90 % Sichtrate, ganzjährig). Das Tal hat eine Geschichte: ab den 1960ern Hippie-Enklave, heute touristisches Zentrum mit deutschsprachiger Dominanz.

Playa del Inglés im Valle Gran Rey, schwarzer Vulkanstrand unter der Sonne La Gomeras.
Playa del Inglés im Valle Gran Rey, schwarzer Vulkanstrand unter der Sonne La Gomeras.

Casa Efigenia in Las Hayas

Kein La-Gomera-Urlaub ohne einen Mittagstisch bei Casa Efigenia. Über 50 Jahre alt, gegründet von Doña Efigenia, heute von der Familie weitergeführt. Kein Menü, keine Karte – Gerichte kommen, wie sie kommen. Potaje, Escaldón, Almogrote und Bienmesabe gehören zu den Klassikern der kanarischen Küche: Almogrote ist die würzige Käsecreme aus gereiftem Ziegenkäse, während Bienmesabe eine süße Mandelspezialität ist. Reservierung ist empfehlenswert.

El Silbo Gomero erleben

Im Besucherzentrum Juego de Bolas (La Palmita, Agulo; Tel. +34 922 477 222) erfährt man alles über die Pfeifsprache – und mit etwas Glück oder nach Voranmeldung kann man dort auch Live-Vorführungen erleben. Wer sieht, wie zwei Menschen sich über eine Schlucht hinweg unterhalten – durch Pfeiftöne, die Spanisch ersetzen – versteht, warum diese Sprache UNESCO-Kulturerbe ist.

El Silbo Gomero, die Pfeifsprache La Gomeras, ist als UNESCO-Kulturerbe geschützt.
El Silbo Gomero, die Pfeifsprache La Gomeras, ist als UNESCO-Kulturerbe geschützt.

La Gomera in 8–10 Tagen: Ein grober Rahmen

TagRegionHighlights
1–2San SebastiánAnkunft, Torre del Conde, Kolumbus-Stätten, Playa de San Sebastián
3–4Valle Gran ReyPlaya del Inglés, Charco del Conde, Whale-Watching, Sonnenuntergang Valle Gran Rey
5Las HayasMittagessen Casa Efigenia; Nationalpark Garajonay Erkundung
6Garajonay NationalparkWanderung Ruta 14 oder Alto de Garajonay; Laguna Grande
7Hermigua / AguloMirador de Abrante, Juego de Bolas (Silbo), Playa de la Caleta
8VallehermosoRoque Cano, Parque Marítimo, Castillo del Mar
9–10Flexible TageRuta 18/Playa del Cabrito, Playa de Alojera, Wanderung nach Wahl

Wie kommt man nach La Gomera?

Die meisten internationalen Urlauber erreichen La Gomera über Teneriffa Süd (TFS) und fahren anschließend weiter nach Los Cristianos. Von dort geht es mit der Fähre nach San Sebastián de La Gomera. Der Flughafen La Gomera (GMZ) wird dagegen für innerkanarische Verbindungen genutzt, unter anderem ab Teneriffa Nord (TFN) und Gran Canaria (LPA). Wer direkt von einem internationalen Flug auf die Fähre umsteigen möchte, sollte die Transferzeit zwischen Flughafen und Hafen großzügig planen.

FAQ: La Gomera Urlaub – Planung, Anreise und Reisetipps

Ist La Gomera auch ohne Wandern interessant?

Ja – Valle Gran Rey bietet Strand, Whale-Watching, Restaurants, Yoga-Studios und ein entspanntes Küstenflair. San Sebastián hat Kolonialgeschichte, Kolumbus-Kontext und eine eigene Lebendigkeit. Wer nicht wandern will, braucht aber einen Mietwagen, um die Insel zu erkunden.

Ist La Gomera für Anfänger auf den Kanaren geeignet?

Für Anfänger, die Natur, Stille und authentische Kultur suchen: absolut. Für Anfänger, die Party, weißen Sand und All-Inclusive suchen: falsche Insel. La Gomera ist ehrlich – sie gibt, was sie hat, und nicht mehr.

Wie viele Tage braucht man für La Gomera?

Sunhikes empfiehlt 8–10 Tage. In 5 Tagen sieht man das Wesentliche; in 10 Tagen fühlt man sich zugehörig. Weniger als 3 Tage: nur San Sebastián und Valle Gran Rey schaffbar; die Insel bleibt Oberfläche.

Braucht man für einen Urlaub auf La Gomera unbedingt einen Mietwagen?

Für einen längeren Urlaub ist ein Mietwagen sehr empfehlenswert. Zwar verbinden Busse die wichtigsten Orte der Insel, doch viele Wanderstartpunkte, abgelegene Strände und Aussichtspunkte erreicht man mit dem eigenen Fahrzeug deutlich flexibler. Ein kleines, ausreichend motorisiertes Auto ist auf den kurvigen Bergstraßen und in engen Ortsdurchfahrten oft die praktischste Wahl.

Ist La Gomera auch für einen einwöchigen Urlaub geeignet?

Ja. Eine Woche reicht aus, um die wichtigsten Regionen kennenzulernen – San Sebastián, Valle Gran Rey, den Nationalpark Garajonay sowie den Norden mit Hermigua und Agulo. Wer zusätzlich mehrere Wanderungen unternehmen und die Insel ohne Zeitdruck erleben möchte, sollte eher 8–10 Tage einplanen. So bleibt auch Zeit für einen Strandtag, eine Bootstour oder spontane Entdeckungen.

Dieser Artikel basiert auf dem Vor-Ort-Wissen des Gequo-Redaktionsteams – Herausgeber der Reisezeit-Wanderführer und Betreiber von Sunhikes.com.

Sunhikes.com